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Ausgabe:

1936 Nr. 10

Spalte:

182-183

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Handschriften der Bischöfl. Ordinariatsbibliothek in Augsburg 1936

Rezensent:

Walther, Hans

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Theologische Literaturzeitung 1936 Nr. 10.

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gerechtigkeit, wenn wir die Weltgeschichte als einen ! Die Handschriften der Bischöfl. Ordinariatsbibliothek in Augs-
Ort göttlicher Offenbarung ansehen, als ob aus dem ' bürg, in Verbindung mit Ob.•rbibliothekar Dr. Eduard Gebele dar-

dunklen, immer wieder mit Sünde und Grauen erfüllten
Geschehen, das wir Weltgeschichte nennen, und das
wir überhaupt nur aushalten können, weil wir vom
Glauben her wissen, daß Gott auch Herr dieser Ge-

gest. von Prof. Dr. Benedikt Kraft. Augsburg: Lit. Inst. Haas & Grabherr
1934. (110 S. m. 37 Abb.) 4°. RM 18—.

Es ist jedesmal eine Freude, eine Neuerscheinung
anzeigen zu dürfen, die uns die in Deutschland ruhenden

schichte ist, als ob aus diesem Geschehen plötzlich und noch wenig bekannten HaMschfiftenschatze zugan£
Gottestaten, Gotteswunder aufsteigen könnten, als ob llch macht. Wir sind m dieser Hinsicht hinter den mei-
dort durch Menschen messianische, erlösende Dinge sten anderen Landern zurück, allerdings hauptsächlich
geschähen, die uns dem Jüngsten Gericht zu entziehen deshalb, weil die Verwaltungen unserer staatlichen, kom-
und so vor Gott zu rechtfertigen vermöchten." Auch munalen und kirchlichen Bibliotheken zu oft dem Ehr-
was auf S. 138 f. über die „christl. Deutung der Ge- Seiz erliegen, ihre Handschriftenverzeichnisse in Form
schichte" gesagt ist, genügt nicht; besonders störend 1 von. gewichtigen wissenschaftlichen Werken oder so
empfinde ich den Satz: „wir widmen ihr (der Weltge- U[W d™cken }^sen zu wollen, daß die vorhandenen
schichte) die Aufmerksamkeit, die von uns verlangt - Mittel dafür nicht ausreichen. Gerade hier wäre ein
wird als von solchen, die nun einmal (!) in der Welt Gebiet, wo einmal P&P? ulJser" jungen wissenschaftstehen
." Keineswegs befreunden kann ich mich mit beben Nachwuchs Arbeitsbeschaffungsmoglichkeiten lie-
dem, was auf S. 160 unter der Seitenüberschrift „Muk- I gen; « würde dabei völlig genügen, mit dem Hand-
kertum und Quietismus — ja'" gesagt ist Und der schnftenbestande und seinem Inhalt bekanntzumachen,
Satz „Das moderne kollektivistische Denken, das den ' unteF .,Absel™n£ von ,alle.n Einzeluntersuchungen und
einzelnen in seinem Eigenrecht nicht mehr anerkennen speziellen Literaturnachweisen.

will, findet von der Bibel her keine Unterstützung" j Die vorliegende Arbeit geht weit darüber hinaus

<S. 89) dient auch nicht der Erklärung von 2,19 ff. — j und vermittelt eine anschauliche Vorstellung von dem

Aktuell — ja, das soll ein Kommentar sein. Aber in Bestände der Augsburger Ordinariatsbibliothek und ihren

anderer Art; so daß der Leser mit getroffen wird. Ich I Kostbarkeiten. Nicht wenig tragen hierzu die 37 in

denke, während ich dieses schreibe, an die Auslegung, | Faksimile eingestreuten Proben von Handschriftenblät-

die Asmussen zu Gal. 2,19 gibt. Die ist aktuell — ' tern bei, die technisch gut wiedergegeben sind und zei-

aber von Paulus her. gen, daß auch der Paläograph und Miniaturenforscher

Rjga H Seesemann. j m dieser Bibliothek reiches Arbeitsmaterial vorfindet.

In Zukunft hat es der Forscher, der nach Augsburg

B dse f a w. 11' The Contendines of The Apostels b ' Sen^ bequem, sich mit Hilfe des neuen Katalogs vor-
UThe Historie*' ofVhe l.ivcs and martyrdoms and deaths of the r*Tvf i «bereiten: mancher mag freilich lieber selbst an den
apostles and evangelists. Translated from the Ethiopic Mannscripts in ! Regalen der Bibliothek gesucht und bescheidene Ent-

the British Museum. London: Oxford University Press. Humphrey
Milford 1935. (5Q9 S.) 8°. 125 sh. 6d.

Diese neue Auflage der 1901 zuerst erschienenen

deckerfreuden genossen haben.

Wenn man bedenkt, daß bei der Säkularisation der
gesamte alte Bestand der Bibliothek zerstreut worden

Übersetzung dieser späten, aber nicht später als 1379 j ist, bezw. nach München wanderte, so wird man er-

aus dem Arabischen in das Aethiopische übersetzten
Apostelakten unterscheidet sich von ihrer Vorgängerin
dadurch, daß das unhandliche Quartformat zugunsten
eines sehr handlichen Oktavformates aufgegeben worden
ist und daß die in der ersten Ausgabe auf Seite
710—714 aufgeführten Errata, Emendations ect. zum
Textband fortgelassen worden sind. Dieser neuen Ausgabe
ist ein Faksimile der Seite lila des äthiopischen
Textes der Hs. Brit. Mus. Oriental 678, fol. lila sowie
eine neue Vorrede neben der alten hinzugefügt. Wenn

staunt darüber sein, wieviel Handschriften in wenig
mehr als einem Jahrhundert wieder durch Sammelfleiß,
Schenkungen und Stiftungen (z. T. von solchen Bänden,
die dem Zugriff bei der Säkularisation irgendwie entgangen
sind) in der Ordinariatsbibliothek zusammengetragen
worden sind: das Gesamtverzeichnis (S. 85 ff.)
zählt fast 200 Handschriften, darunter 45, die aus dem
Mittelalter stammen, z. T. sehr wertvolle. Dies Gesamtverzeichnis
(I. Theolog. Hss. Nr. 1—20, II. Liturg.
Hss. Nr. 21—39 b, III. Geschichtliche Hss. Nr. 40

man bedenkt, daß die gelehrte Welt schon 1871 mit dem bis 152) ist vom Oberbibliothekar Ed. Gebele verfaßt
Inhalt dieser Serie von kurzen Geschichten der Predigt j worden; es beschränkt sich auf eine sehr summarische
und des Todes der 12 Apostel und einiger ihrer Schüler ! Beschreibung und kurze Notizen über den Inhalt der

durch die Übersetzung von Malan bekannt gemacht
worden ist und daß sich nach 34 Jähren das Bedürfnis
einer Neuausgabe der Übersetzung von Budge hereinzelnen
Handschriften. Allerdings sind die wichtigeren
und älteren Handschriften größtenteils im 1. Teil hinreichend
ausführlich behandelt worden. Im Gesamtver-

ausgestellt hat, wird man urteilen müssen, daß hier i zeichnis ist jeweils auf diese Beschreibung des 1. Teils

wiederum ein noch begehrter Dienst geleistet wird. 1 verwiesen. Der größere Teil der Arbeit wurde bereits

Text und Noten sind dieselben geblieben. Höchstens in den Jahren 1929—31 im „Schwäbischen Museum" ge-

ist in Nebensächlichkeiten eine Abänderung zu vermer- druckt.

ken wie beispielsweise als Todesdatum des Marqueß Am eingehendsten und sorgfältigsten sind naturge-
of Bute, der die Edition einst veranlaßt hat, jetzt der 9. [ mäß die theologischen Handschriften beschrieben wor-
und nicht der 7. Dezember 1900 angegeben wird. Die j den; bei diesen — wie überhaupt bei den mittelalter-
Übersetzung bindet sich nicht skavisch an das älteste I liehen Handschriften — ist nach Möglichkeit die Pro-
Manuscript und nimmt auch berechtigte Korrekturen j venienz untersucht und auch meist festgestellt worden,
vor, sodaß ein Bekanntwerden mit dem tatsächlichen ! Von den vorhandenen älteren Beständen entstammen
Inhalt der Texte gewährleistet ist. Für jede Über- 15 der Benektinerabtei St. Mang in Füßen, ca. 40 dem
Setzung eines Textes aus dem ausgedehnten Gebiet der Stift St. Ulrich und Afra in Augsburg, 6 der Abtei
christlich-orientalischen Literatur wird die theologische Benediktbeuern, 41 (z. gr. T. liturgische) der Dom-
Wissenschaft dankbar sein müssen, weil die gleich- sakristei und dem bischöflichen Generalsekretariat und
mäßige Beherrschung dieser Gebiete keinem Theologen Siegelamt, der Rest den übrigen Stifts- und Klosterbib-
rnöglich ist und er deshalb auf ihre Erschließung durch liotheken der Stadt und Diözese Augsburg, nur wenige
Fachgelehrte angewiesen ist. Unter denen, die In- einstigem Privatbesitz.

teressenten den Zugang zu vielen Texten aus dem Aus den vorhandenen Stücken hebe ich einiges her-

koptisch-äthiopischen Literaturbereich eröffnet haben, vor, das mir bemerkenswert erscheint: eine Regula

nimmt Budge eine der eisten Stellen ein. S. Benedicti (cod. 1), die noch dem 9. Jahrhundert

Goslar a. Harz. Hugo Duensing. angehört und die zu den Zeugen des Aachener Normal-

-________ | textes zu rechnen ist und von den bisherigen Heraus-