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Ausgabe:

1934 Nr. 10

Spalte:

178

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Sanhedrin (Hoher Rat), Makkōṯ (Prügelstrafe) 1934

Rezensent:

Fiebig, Paul

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Seite 1

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177 Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 10. 178

Anregungen, die Eichrodts Buch gibt, aufzunehmen und ; ben scheint mir ein einheitliches Mysterium schon

weiter zu führen. Man hat ein Recht, dem 2. Band : annehmbar, die Einordnung der Einzelheiten ist.wohl

mit mitem Vnnir+^il enfowenzusehn. 1 aber nlcht so &latt! die Allegorese hat hier willkürliche

mit gutem Vorurteil entgegenzusemi. ______ An^ri.rhP und Anl^ihPn h^Hinn-f h,p f;„k„;f

Bonn.__ J. Meinhold

Pascher, D. Dr. Joseph: H BAZIAIKH OAOS, der Königsweg
Wiedergeburt und Vergottung bei Philon von Alexandreia Pader-

zu

Ausbrüche und Anleihen bedingt, die die Einheit nicht
beachten. Dennoch ist Paschers Versuch nicht umsonst
, weil er die Forschung auf konkrete Bahnen
gelenkt hat, die verändert, aber nicht mehr unbeachtet
born: F. Schöningh 1931. (VIII, 280 S.) gr. 8 . - btua. z. uescn. . Iassen werfjen können. P. ist sich all dieser Einwände
Kultur d. Altertums i. A. d. Görres-Ges. hrsg. von c. u p, bewußt) SQ daß €r nicht skmpellos konstruiert.

Grimme, I. P. Kirsch. XVII. Bd^ 3-/4"+ ,Sri„c+ nl<: pinP terkt Schließlich muß die Wissenschaft bei aller Beachtung

des Möglichen und aller Einsicht in augenblickliche
Unmöglichkeiten doch auch solchen Bau wagen, und
sei es nur um Anregungen zu geben, bis in späteren
Zeiten glücklichere Funde und bessere Quellenkenntnis
uns klarere Einsicht geben. So ist P.'s Buch als eine
beachtliche Gabe zu werten.

Breslau. Herbert Pre isker.

Krauß, Prof. Dr. Samuel: Sanhedrin (Hoher Rat). Makköt_ (Prügelstrafe
). Text, Übersetzung u. Erklärung. Nebst einem textkrit.
Anhang. Gießen: A. Töpelmann 1933. (VIII, 408 S.) gr. 8°. = Die
Mischna. Text, Übersetzung u. ausfuhr!. Erklärung. Mit eingeh.
geschichtl. u. sprach!. Einleitungen u. textkrit. Anhängen unt. Mit-
wirkg. a. hrsg. v. G. Beer, O. Holtzmann, S. Krauß. IV. Seder. Nezi-
gin. 4. u. 5. Traktat. RM 32.50 ; in Subskr. 28.50.

Die bisher erschienenen Traktate der Gießener
Mischna sind von Nichtjuden bearbeitet worden. S.
Krauß, der eine der Herausgeber der Gießener Mischna,
der der Wissenschaft z. B. die unentbehrliche „Talmudische
Archäologie" geschenkt hat, ist nun der erste
der jüdischen Mitarbeiter, der die Bearbeitung eines
Mischnatraktates für die Gießener Mischna vorlegt: San-
hedrin-Makkot. Es ist klar, daß die nichtjüdischen Bearbeiter
von der Art, wie K. hier arbeitet, viel lernen
können. Sichtlich hat K. seine Arbeit so eingerichtet,
daß den Nichtjuden die Wege zum Eindringen in das erforderliche
Rüstzeug gezeigt werden. Er zieht zur
Mischna die Tosephta, die talmudischen Baraitot, die
tannaitischen Midrasche heran, und zwar so, daß er
dieses wichtige Vergleichsmaterial vor allem in deutschem
Wortlaut darbietet. Die jüd. Kommentatoren
Raschi, Bertinoro, Maimonides bis hin zu den jüd.
Erklärern der neusten Zeit, ebenso die christlichen Erklärer
der neusten Zeit, werden durchweg verwertet.
Dazu kommt eine Fülle namentlich jüd. Speziallitera-
tur, Zeitschriftenaufsätze, Nachweise aus den Talmuden
und Midraschen, philologisch-archäologisches, historisches
Material. 25 Anhänge behandeln Einzelfragen im
Zusammenhang.

K. hätte gut getan, wenn er die z. T. umfangreichen Anhänge an
den Schluß der Arbeit gestellt hätte. Sie erschweren jetzt, wo sie unter
Text und Übersetzung gestellt sind, das Anffinden der Texterklärungen.
Es ist auch K- nicht gelungen, Text und Übersetzung so drucken zu
lassen, daß sich beides genau entspricht. Es wäre zweckmäßig, auch
den hebr. Text mit den Zahlen der Mischnajot zu versehen. — Das
Deutsch K s ist mehrfach fremdartig, z. B. S. 13 lies für „schlagerartig
" : schlagartig, S. 101 für „verhalten" : gehalten = verpflichtet, S. 136
steht „den Vers für den Gebrauch anpassen", S. 137 das „erflossene"
Urteil, S. 195 „beinhaltet", S. 264 „der Satz kommt also durchaus nicht
zu belehren", hebr. Ausdrucksweise usw. - S. 5 ist unter VI eine Verwirrung
entstanden. — S. 52 befürwortet K., zum Verständnis des Abendmahls
auch das Sabbatmahl des Freitag Abend zu berücksichtigen, nicht
nur das Passahmahl. Nach allen 4 Evangelien starb aber doch Jesus
ohne Zweifel in der Tageshälfte eines Freitags, also vor dem 1. Sabbatmahl
. — Die halakhischen und haggadischen Formen, die Anordnung
des Stoffes nach Zahlenbeziehungen, die Einstellung von Form und Inhalt
auf das Auswendiglernen hätte noch mehr herausgearbeitet werden
können. Diese Gesichtspunkte sind namentlich für den Neutestamentier
(Formgeschichte) wichtig. — Die zahllosen Einzelprobleme zu erörtern,
ist hier nicht der Ort. Sehr lehrreich ist die Forderung tadelloser Herkunft
für die Eignung des Richters (S. 38), die auf möglichste Vermeidung
der Todesstrafe gerichtete Tendenz (S. 331). Auf die für den
Prozeß Jesu wichtigen Fragen macht K. umsichtig und vorsichtig aufmerksam
. — Im Rahmen der neut. Wissenschaft ist das Studium der
rabb. Literatur nach wie vor heutzutage selbstverständlich, ebenso die
Notwendigkeit, auch die Studierenden darauf hinzuweisen, daß sie von
hier aus grundlegende Kenntnisse erwerben müssen, wenn anders ihre
Ausbildung nicht sehr empfindlich Schaden erleiden soll.

Leipzig.__Paul Fiebig.

Philos Gedankengebäude ist längst als eine höchst
komplizierte Größe erkannt. In seinen ethischen Stücken

mischen sich Judentum und griechische Philosophie, be- 1 unmogiicnKeuen uoui aucn soicnen Bau wagen
sonders jüdische und stoische Elemente. Hier weiß [ sei es mir um Anregungen zu geben, bis in späteren
er geschickt das jüdische Empfinden stoisch zu unter- 1 Jnd bessere Ouellenkenntnis

mauern, aber letztlich wird meist das hellenistische Verstehen
vom Judentum her vertieft, wie jüdisches Denken
vom Hellenismus aufgelockert wird. Noch weit
schwieriger liegt es bei der Beurteilung der religiösen
Momente in Ph.'s Weltanschauung; da zeigt sich ein
noch viel stärkerer Einschlag hellenistischen Wesens.
Es ist unzweifelhaft, daß Ph. vom Zauber der Mysterienfrömmigkeit
erfaßt gewesen sein muß. Das Problem
ist nur, welche Strömungen auf ihn gewirkt haben.
Oder ist ihm gar ein bestimmtes Erlösungsmysterium
Grundlage geworden? So ist es dankbar zu begrüßen,
daß Pascher den gründlichen Versuch macht, zu erforschen
, wie Ph. die jüdische Religion als Mysterium
deutet. Es ist bei der Uneinheitlichkeit der philonischen
Gedankengebilde ein schwieriges Unternehmen, die einzelnen
mysterienhaften Elemente herauszustellen und sie
zu einem einheitlichen Bild zusammenzusetzen. Ein solcher
Versuch muß mit viel Konstruktion belastet sein.
Man wird also Verf. keinen Vorwurf machen können,
wenn er einem mitunter auch in solcher Zusammenschau
zu weit zu gehen scheint. Das Ergebnis solchen
Versuchs wirft nicht nur auf Philo neues Licht, sondern
fördert auch die Kenntnis der Mysterienreligion von
Ph. her. Nach beiden Seiten ist Paschers Buch nur erfreulich
anregend und fördernd. Über Ph. hören wir
nicht nur, daß er in seiner Frömmigkeit stoische Einflüsse
verarbeitet hat, sondern genauer führt P. den
Nachweis, daß der alexandrinische Gottsucher dem Isismysterium
und der Religion des Awesta viel verdankt,
daß er von dort her mit vollem Bewußtsein in die Glaubensform
der LXX eine leidenschaftliche Sehnsucht nach
einer unio mystica gelegt hat. Die Sophia-Spekulation
erscheint eng verknüpft mit der Isislehre Plutarchs und
die Lehre von den göttlichen Kräften hängt mit der
Frömmigkeit des Awesta zusammen. Ja, Ph. scheint ein
Mysterium gekannt zu haben, dessen Grundstock die
ägyptische Isislehre war, und das stark von iranischen
Elementen überlagert gewesen sein muß. Auf der untern
Stufe ist der Myste nur Hörer und bedarf des Führers
; auf der 2. Stufe erlangt er in mystischer Kommunion
aus Speise und Trank beseligende Schau. Jetzt
hat er nicht nur Pneuma, sondern ist Pneuma, befreit
von der Macht des Schicksals, gerettet in der Freiheit
Gottes; ewiges Leben ist das Glück dieser Mysten-
klasse.

Pascher übersieht selbst bei alledem nicht die Widersprüche
und Spannungen, die Lücken und Unsicherheiten
der Deutung, die Schwierigkeit der Quellenfrage. Auch
wo einem seine Konstruktionen und Harmonisierungsversuche
zweifelhaft erscheinen, freut man sich des
Willens zu einheitlicher Erfassung und Gestaltung. In
eine Einzelauseinandersetzung mit ihm kann man nur
eintreten, wenn man auf seine reichen Anregungen hin
gründlichst selbst die Fülle des Stoffs durchgearbeitet
hat. Er hat aber die Philo-Forschung m. E. n. den
richtigen Weg gewiesen, mag auch die Auseinandersetzung
mit ihm manches zu berichtigen haben. Vielleicht
ist es doch zu gewagt, eine solche Mysteriumseinheit
zu konstruieren, die Philo vorgelegen haben soll
zu gewagt allein im Hinblick auf die Fülle der Mysterien
schon auf ägyptischem Boden. Für Philos Glau-