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Ausgabe:

1934 Nr. 7

Spalte:

119-121

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hauck, Friedrich

Titel/Untertitel:

Das Evangelium des Markus 1934

Rezensent:

Klostermann, Erich

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119

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 7.

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Bezirk der Pirmin-Laura, dessen neuerschlossene, dem
östlichen Höhlensystem angehörende Teile (insbesondere
eben des Baptisteriums) er nach einem kurzen
Referat über den Gründer der Laura und ihre Geschichte
beschreibt, mit klarer Hervorhebung der auf drei Benutzungsstadien
weisenden Spuren, die jedoch nicht auf
drei Besiedlungsperioden der Höhle schließen lassen,
vielmehr alle, mit Ausnahme vielleicht der hebräischen
Graffiti, den Jahren von der Gründung der Laura (nach
500 n. Chr. bis zum Persereinfall (614 n. Chr.) angehören
. Ein ebenso interessanter wie wichtiger Beitrag
zur palästinensischen Kirchengeschichte.--Mit größerer
Ausführlichkeit beschäftigt sich Heinrich Laag
in seinem Aufsatze über „Die Coemeterialbasilika von
Tarragona" mit den Ausgrabungen einer Nekropole in
Tarragona und kommt durch eingehende Einzeluntersuchung
zu Ergebnissen, die eine wesentliche Korrektur
der in den Ausgrabungsberichten niedergelegten Urteile
des spanischen Ausgrabungsleiters bedeuten. Zunächst
stellt er die These auf, daß für die gefundene
BasLika drei Bauperioden angenommen werden müßten:
1. eine cella memoriae aus dem Ende des 4. Jhs.; 2. eine
erweiterte Basilika der ersten Hälfte des 5. Jhs. und
3. Um- und Neubauten aus der ersten Hälfte des 6. Jhs.
Aber so ansprechend Laags Theorien in mancher Hinsicht
sind, von der Existenz einer cella memoriae kann
er nicht überzeugen, um so weniger als er es eigentümlicher
Weise unterlassen hat, die für eine solche
Untersuchung schlechterdings unentbehrlichen Angaben
über den Charakter des Mauerwerks nach Qualität und
Stärke zu geben. Auch die von Laag begründete Un-
genauigkeit des Planes erschwert eine genaue Kontrolle
seiner These (die Zahlenangaben S. 132 sind nach
dem Maßstab des Lageplanes gemessen wohl irrig).
Ein besonderes Interesse wendet er sodann den im
Gebiet der Nekropole gefundenen Sarkophagen zu, in
deren Beurteilung er sich der Ansicht anschließt, daß
Spanien der Sammelpunkt verschiedener, also nicht nur
römischer Kultureinflüsse gewesen sei, und man wird
seinem Einzelnachweis weithin zustimmen, auch wenn
man seiner Ansicht einer vorherrschenden Freude am
geometrischen Motiv nur mit einiger Zurückhaltung begegnet
. Endlich bringt er noch einige Bemerkungen
über die entdeckten Mosaiken und Inschriften, um auch
sie entweder für den Mischcharakter der spanisch-altchristlichen
Kunst oder für die Datierung der Basilika
und der Nekropole heranzuziehen. Man wird Laags
Ausführungen nicht als eine endgültige Lösung der in
Tarragona gestellten Probleme ansehen können; doch

haben sie auf ernsthafte Beachtung wohl Anspruch.--

Außerhalb des Generalthemas schreibt Otto Schmitt
über „Caspar David Friedrich und die Klosterruine
Eldena". In sorgfältiger Analyse der Form und mit
feinem Einfühlungsvermögen in den Gehalt der Bilder
versucht er „das Werden des Bildes bei Friedrich dargestellt
an der Klosterruine Eldena" aufzuzeigen und es
gelingt ihm die Entwicklung Friedrichs glaubhaft zu
machen: vom überwiegen des dinghaften Interesses
über das Gestalten romantischer Stimmungseffekte zur
Ausdruckskuinst, die um das Geheimnis des finitum
capax infiniti weiß. Das bleibt ein wertvolles Ergebnis
dieser Studie, auch wenn sich die vom Verfasser vorgeschlagene
Chronologie der „Eldenabilder" hier und da
einer Verbesserung bedürftig erweisen' sollte. — —
Ein „Verzeichnis der Schriften Victor Schultzes", zusammengestellt
von Walter Menn beschließt das Werk,
dessen Wert durch eine Reihe guter Abbildungen zu
einzelnen Beiträgen noch erhöht wird. Eine würdige
Festgabe.

Halle a. S.__Walter El liger.

H a u c k, D. Friedrich: Das Evangelium des Markus. (Synoptiker l)
Leipzig :A. Deichert 1931. (XIV, 202 S.) Lex. 8°. = Theologischer Hand-
kominentar z. N.Testament m. Text u. Paraphrase, II. RM7.50; geb. 10—.
Bereits bei Besprechung der ersten Lieferung des

Theologischen Handkommentars zum Neuen Testament

habe ich mich mit dem Programm dieses auf theologische
Haltung wie auf Handlichkeit eingestellten Kommentars
ausführlich auseinandergesetzt (DLZ. 1929, Sp. 2473
bis 79). Darauf aus Anlaß der Hauckschen Markus^
erklärung erneut einzugehen, dürfte sich erübrigen. Nur
i e i n Bedenken möchte ich allerdings hier zur Sprache
bringen. Ob man nämlich in solchen Kommentaren
den griechischen Text mitabdrucken soll, hängt zwar
einerseits lediglich von dem vorhandenen Räume ab,
andererseits aber doch auch von dem erstrebten Ziel.
; Und mit Bezug auf das Ziel hatte ich schon damals gefragt
: Ist es wirklich so wichtig, den Lesern diejenige
Form des Textes, die „sich der betreffende Kommentator
exegetisch erarbeitet hat", — natürlich mit ent-
; sprechenden Anmerkungen — auch griechisch vor Augen
zu stellen? Wäre es nicht erziehlicher und für das
Mitarbeiten förderlicher, ihnen das eigene Gebrauchen
ihres griechischen Neuen Testaments mit seinem Apparat
, neben den Ausführungen des Kommentators sozusagen
j aufzuzwingen? Aber der vorliegende erste Band der
| Synoptiker geht in der entgegengesetzten Richtung sogar
j noch einen Schritt weiter: er versieht den griechischen
Markus mit einem ganzen System von verschiedenartigen
Linien, Klammern und sonstigen Zeichen, damit
dadurch „ein gewisser Einblick in die synoptischen Verhältnisse
ermöglicht" werde. Jedoch, so fein diese Zei-
I chen ausgedacht und durchgeführt sein mögen, die leben-
; dige Anschauung von dem Neben-, Mit- und Gegeneinander
der drei ersten Evangelien kann so niemals gewon-
I nen werden — auch der Verf., der selbst auf Hucks Sy-
i nopse verweist, meint das nicht. Dann aber ist hier
j erst recht zu fragen: werden nicht die bequemeren unter
J den Lesern sich bei jenem, durch den Handkommentar
vermittelten „gewissen Einblick" beruhigen, während es
| förderlicher für sie wäre, wenn sie zum Selbstsehen,
I d. h. hier zum fleißigsten eigenen Gebrauch der Huck-
schen Synopse erzogen würden?

Betrifft dies eine Einzelheit der Einrichtung, so kann
es auf die Hauptfrage, nämlich wie sich der Verfasser
als Evangelienerklärer bewährt, nur eine Antwort geben.
I Man vergleiche seinen Markus einmal mit dem nur etwa
zwanzig Jahre älteren des zweifellos gelehrten Erlangers
Wohlenberg, und der grundsätzliche Fortschritt
liegt klar zu Tage. Wohlenberg dürfte durch Th. Zahns
! Grenzziehung bestimmt worden sein: „der Ausleger als
solcher hat aus dem, was der Schriftsteller sagt, le-
1 diglich zu entnehmen, was derselbe damit meint und ge-
| sagt haben will" (D. Evangelium d. Matthäus S. 1)
— eine Grenzziehung, die der Eigenart der Synoptiker
nicht gerecht wird. Jedenfalls hat Wohlenberg seine
eigene Arbeit wesentlich auf die Worterklärung des
Textes beschränkt, und von allen darüber hinausliegenden
wichtigen Fragen bekommt der Leser bei ihm kein
richtiges Bild. Ihm gegenüber zeichnet sich Hauck durch
! Aufgeschlossenheit für die Ergebnisse moderner Evangelienforschung
aus. Er ist sich bewußt, daß Markus
nicht wie ein Biograph Jesu oder überhaupt wie ein
Mann der „Hochliteratur" erklärt werden darf, sondern
nur wie ein Sammler und Redaktor, der überkom-
i mene Einzeltraditionen oder auch Erzählungsgruppen
unter gewissen leitenden Gesichtspunkten zu einem Gan-
| zen vereinigt hat. Haucks Leser erfahren nicht nur,
wie sie die Anordnung der Stücke im Evangelium zu werten
, sondern auch als was sie die einzelnen zu erklärenden
Abschnitte anzusprechen haben. So werden sie
vor der naheliegenden Vorstellung bewahrt, daß Aufeinanderfolge
im Buch mit Notwendigkeit auch zeitliche
' Folge des Geschehens bedeute (S. 22). Sie erfahren
aber auch z. B., daß die Tauferzählung Mc. 1,9 ff. möglicherweise
als eine Glaubenslegende anzusehen ist, oder
daß ein älterer Zusammenhang Mc. 2,1 ff. vielleicht nur
das Wunder von der Heilung eines Gichtbrüchigen erzählte
, während das Streitgespräch über die Sündenvergebung
erst nachträglich eingefügt wurde. Sie wer-
! den darüber aufgeklärt, daß die Berichte über Heilun-