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Ausgabe:

1934 Nr. 6

Spalte:

99

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vorwahl, Heinrich

Titel/Untertitel:

Die Gebärdensprache im Alten Testament 1934

Rezensent:

Duensing, Hugo

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99

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 6.

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lieber Forschung, und das letzte Werk, das Wilamo-
witz uns geschenkt hat, ebenbürtig den bedeutendsten
Werken der klassischen Altertumswissenschaft, wird
schon deshalb immer wieder gelesen werden, weil es
uns den Glauben der Hellenen zeigt, wie er sich im
Geist eines genialen Forschers spiegelte.

Würzburg. Friedrich Pfister.

Vorwahl, Dr. Heinrich: Die Gebärdensprache im Alten Testament
. Berlin : Dr. E. Ebering 1932. (80 S.) 8°. RM 2.40.
Eine nützliche Zusammenstellung nicht nur, sondern
zugleich erklärende Durchdringung des alttesta-
mentlichen Materials unter Verwertung ausgedehnten religionsgeschichtlichen
Vergleichsmaterials, das den verschiedensten
Gebieten, Völkern und Zeiten entnommen
ist, und mit Heranziehung modernster Deutungsmethoden
bis hin zu der meist verworfenen Psychanalyse
Freudscher Färbung, vorsichtig abwägend im Urteil und
Wahlfreiheit lassend. Es werden nach einer Einleitung
, die sich mit Geschichte und Psychologie der Gebärdensprache
befaßt, nacheinander behandelt Äußerungen
der Freude, Schmerz und Trauer, Furcht, Zorn,
Grußformen, der Eid, Fluch und Verachtung, der Segen,
das Gebet, kultische Symbolik, die Verselbständigung
der Hand, symbolische Handlungen als Ersatz der Rede,
und als Schluß werden Bemerkungen über den religionspädagogischen
Sinn der Gebärdensprache hinzugefügt.
Wenn vielleicht zu den im Allgemeinen besonnenen Darlegungen
des Verfassers ein Bedenken zu äußern wäre,
so wäre es dies, daß primitive Deutungen ohne Weiteres
auch spät bezeugten Gesten als Sinn untergelegt
werden, ohne daß gefragt wird, ob zu der betreffenden
Zeit dieser Sinn noch damit verbunden war. Mana-
wirkung und Manaladung z. B. erklären vieles in den
primitiven Gebräuchen, ob aber Paulus noch ein Bewußtsein
davon gehabt hat, daß das Haar der Mana-
wirkung besonders ausgesetzt ist, als er 1. Kor. 11,13
die Verhüllung der Frauen forderte, ist mehr als zweifelhaft
. Doch ist bei der Fülle des auf engen 'Raum
zusammengedrängten Materials Auseinandersetzung mit
Einzelheiten nicht möglich. Schade, daß das nützliche
Schriftchen mit Fehlern behaftet ist.

Nach S. 53 soll Joh. 13, 33 stehen, daß Jesus beim Gebet das
Haupt bedeckt und sich in den Mantel gehüllt habe. — Neschiath
Kappahim S. 37 soll Nesiath K. sein. Orthographische Fehler: S. 49
das Subjekt, daß den Kuß weitergibt. S. 73 wegen des Unheils, daß
ich über es bringe. S. 40 J. 6 w. ob. muß es „Eins" statt „Einst" heißen.
Sowohl zum biblischen wie zum Vergleichsmaterial ließen sich Ergänzungen
geben. Merkwürdig, daß S. 21 die vielleicht instruktivste Stelle für das
Aufstehen um eines Gottes Wortes willen Richter 3,20 übersehen ist.
Wären zu Deutron 25, 11 auf S. 27 die altassyrischen bzw. hetitischen
Gesetze herangezogen, würde vielleicht eine andere Erklärung des
Strafgrundes gegeben sein. Zu S. 49. Auch die Abessinier küssen Pfosten
der Kirchen. Zum richtigen Verständnis der Kußhand folgendes: Ich
sah in der abessinischen Kirche draußen vor Jerusalem, wie ein Abessinier,
der ein Bild mit dem Munde nicht erreichen konnte, zunächst seine
Hand küßte und mit dieser dann den Kuß auf das Bild wischte.
Goslar. Hugo Duensing.

Eilers, Paul: Jesus der Lebenskünder. Hamburg: P. Härtung
1933. (196 S.) kl. 8°. kart. RM 3—.

Das Buch selbst verdient es nicht, daß man ein
Wort darüber verliert; denn was es inhaltlich bringt,
ist alt und längst widerlegt, und die Form ist reichlich
schlecht (Stilblüte z. B. S. 12: „Die Hinschlachtung
durch den Sachsenschlächter Karl dem Großen von 4500
edlen Sachsen, die mit einem wahren Heldenmut den
Glauben der Väter gegen den Ansturm von Feuer und
Schwert der fränkischen Horden verteidigten"). Aber
das Werk ist für eine gewisse Geisteshaltung, die sich
heutzutage erneut erhebt, bezeichnend und wird leider
wahrscheinlich viele Freunde finden; so ist es angebracht
, wenigstens kurz darauf hinzuweisen.

Nach einer schwulstigen Einleitung, einer Art Berufung, beschreibt
der Verf. den Zweck seines Buches: die wahre Lehre Jesu aus den
stark verfälschten Texten der Evangelien herauszuschälen. Einige Hauptgedanken
seien wiedergegeben. Jesus liebte das Leben und wollte die
Menschen vom Leid weg zum Baum des Lebens, zum Reich Gottes
i hinführen. Deshalb bekämpfte er leidenschaftlich die Herrschaft des
i Geistes, die von der Vergiftung durch die Frucht des Baums der Erkenntnis
stammt, und die moralische Ausdeutung des Weltgeschehens.
Die Sünder, denen er half, waren Kranke, krank an dem inneren Widerspruch
zwischen dem Leben, das aus ihnen brach, und den Menschengeboten
der Gemeinschaft. Jesus lehrte: Schafft den Brotraub, das
Richten und die Ehe ab! Besonders schlecht kommt die Ehe weg.
Sie ist ein unsittliches Institut, eine Folter, der Ehebruch eine normale
Begleiterscheinung fast jeder Ehe. Jesus lehnte die Ehe als dem Reich
Gottes abträglich ab, blieb unverheiratet, doch können wir wohl aus
der Erzählung von Maria und Martha schließen, daß er Frauen in Liebe
zugetan war (!). Der böse Paulus und in seinem Gefolge die Kirche
hat das ganze Leben vergiftet und besonders das Geschlechtsleben
mit Schmutz beworfen, In der wahren Religion aber muß die Lie-
i be zum tiefsten Mysterium erhoben werden, und die Zeugung muß
! eine sakramentale Handlung sein. Beten heißt sich versenken in die
| Gottheit und mit ihr einswerden. Eilers ist so vielseitig, daß er in seinem
Werk auch für die richtige naturgemäße Lebens- und Ernährungsweise
wirbt. Jesu „Mystik wie seine Lebensbejahung beruhen auf einer
tiefen Naturverbundenheit. Fast sein ganzes Leben spielt sich im Freien
| ab von der Wiege bis zum Grabe." (S. 133). — Wie Eilers Jesusworte zur
I Bestätigung seiner Ansicht ausdeutet, das zu lesen wäre belustigend,
| wenn die Sache nicht so traurig wäre.

Heidelberg. Wilhelm Knevels.

Moe, Olaf: Apostelen Paulus's Brev til Romerne innledet og
fortolket. Oslo: H. Aschehoug& Co. 1932. (570 S.) 8°. Kr. 24—.

Der Verfasser, der als Professor an der norwegischen
sogenannten „Gemeindefakultät" in Oslo
wirkt, hat früher zwei Bücher über das Leben und die
! Lehre des Apostels Paulus („Apostelen Paulus, hans
! liv og gjerning" 1923, vgl. Th. Lzt. 1924 Sp. 56 f.,
] und „Apostelen Paulus' forkyndelse og laere" 1928)
veröffentlicht; jetzt legt er einen ausführlichen Konv
mentar zu einem der paulinisehen Hauptbriefen vor.
Wie seine früheren Arbeiten ist auch diese in einer
leicht lesbaren, gefälligen Sprachform geschrieben; doch
} scheint mir die Darstellung oft etwas zu breit geworden
zu sein, besonders in Anbetracht dessen, daß
das Buch als Hilfsmittel für die Studierenden gedacht
ist. Im Anfang des Kommentars werden wie gewöhnlich
die Einleitungsfragen besprochen, aber verhältnismäßig
kurz (nur S. 7—39). Der Verfasser meint, daß
die römische Gemeinde zur Zeit des Paulus freilich
einen bedeutenden Einschlag von Judenehristen hatte,
aber doch überwiegend heidenchristlich war. Der Veranlassung
des Briefes sucht er in den Verhältnissen
j der Gemeinde; die Absicht des Apostels ist prophylac-
tisch (Warnung gegen Judaismus) und conciliatorisch
(Vermittelung zwischen gläubigen Juden und Heiden);
; und überdies gedenkt er mit dem Schreiben sein Eintreffen
in Rom zu vorbereiten. Die Integrität steht
i für Professor Moe fest; auch Kap. 16 gehört nach
seiner Meinung zum ursprünglichen Brief. In der Er-
' klärung liegt das Hauptgewicht auf der Herausarbeitung
j der verschiedenen exegetischen Möglichkeiten, und man
! begegnet fortdauernd einer Auseinandersetzung mit den
Vertretern derselben; besonders der Name Zahn's kehrt
häufig wieder. Dagegen finden bibeltheologische Begriffe
im Großen und Ganzen nur kurze Erwähnung,
und von außerchristlichen Parallelen und überhaupt von
religionsgeschichtlichem Stoff enthält dieser Kommentar
j nur wenig; trotz des großen Umfanges des Buches
vermißt man deshalb darin vieles von dem, was man
in der weit kleineren Erklärung von Lietzmann findet;
j ja falls man über den gegenwärtigen Stand der Forschung
allseitig unterrichtet zu sein wünscht, sollte man;
eigentlich neben Moe's Buch auch den Kommentar von
Lietzmann lesen. Das zuletzt erwähnte Werk besitzt
auch dem ersten gegenüber ein Vorzug darin, daß es
bei allen wichtigen Fragen auf die einschlägige Literatur
hinweist; in Moe's Kommentar dagegen findet man

— außer den Namen der verschiedenen Kommentatoren

— nur ganz wenige Literaturnachweise, und in einem
Studentenbuch ist das entschieden ein Mangel. Ferner
vermißt man dann und wann Belegstellen; wenn es