Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1934 Nr. 3

Spalte:

43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eissfeldt, Otto

Titel/Untertitel:

Baal Zaphon, Zeus Kasios und der Durchzug der Israeliten durchs Meer 1934

Rezensent:

Würtenberg, Gustav

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

43

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 3.

44

bilderten und gut ausgestatteten Werkes gibt der Verf.
am Schluß Anmerkungen und Belegstellen, ein Register
von 13 Seiten erhöht die Brauchbarkeit. Gegenüber
der abstrakten Verkündigung der dialektischen Theologie
wie der Gefahr der Romantik des Volkstums wird
Rumpfs Buch den Sinn für den empirischen Menschen
schärfen.
Quakenbrück. H. Vorwahl.

Eißfeldt, Otto: Baal Zaphon, Zeus Kasios und der Durchzug
der Israeliten durchs Meer. Halle a. S.: M. Niemeyer 1932.
(VIII, 71 S. u. 1 Kte.) gr. 8°. = Beitr. z. Religionsgesch. d. Altertums
. Heft 1. RM 4—.
Aufgrund der 1929 von französischen Archäologen
aufgefundenen Texte von Ras Schamra in Nordsyrien
versucht Eißfeldt den Nachweis, daß der auf dem nordsyrischen
Berge Zaphon verehrte Baal Zaphon auf irgendwelchen
Wegen auch nach dem ägyptischen Berge
Kasion (= Zaphon?) in der Nähe von Pelusium gewandert
und dort kultisch verehrt sei. Aus der Verehrung
des Baal Zaphon sei später in abermaliger Parallelität
in Nordsyrien wie in Nordostägypten der Kult
des Zeus Kasios entstanden. Wenn nun in dem biblischen
Bericht über den Auszug aus Ägypten ein Ort
Baal Zaphon genannt wird und wenn dieser jetzt mit
dem ägyptischen Berge Kasion identifiziert werden
könnte, dann müßte man den Durchzug der Israeliten
„durchs Meer" als Durchzug durch den Sirbonischen See
(bei Pelusium) auffassen. Diese Annahme wird von
E. auch durch verschiedene bemerkenswerte Berichte
antiker Autoren über die Eigenart und die Gefahren
des Sirbonischen Sees wahrscheinlicher gemacht.

Von einem eigentlichen Beweise kann natürlich kaum
die Rede sein, doch halte ich E.'s Hypothesen für außerordentlich
beachtenswert und muß ihm bestätigen, daß
er es sich mit der Begründung keineswegs leicht gemacht
hat. Und wie es auch mit der Hauptthese stehen mag,
auf alle Fälle ist diese Untersuchung ein wertvoller
weiterer Beweis für die große Bedeutung nordsyrischen
(statt des ehemals so stark überschätzten babylonischen)
Einflusses im vorderen Orient.

Düsseldorf. Gustav V ü rten b e r g.

Mowinckel, Sigmund: Die Chronologie der israelitischen und
jüdischen Könige. Leiden: E.J.Brill i. Komm. 1932. (l!7S.)gr.
8°. = Separatabdruck a. Acta Orientalia, Vol. X, S. 161—277.
Hat sich Joachim Begrich in seiner 1929 erschienenen
Chronologie der Könige von Israel und Juda in
einer umfangreichen Einleitung eingehend mit seinen
Vorgängern in der Bearbeitung dieser schwierigen Frage
auseinandergesetzt, so begnügt sich Mowinckel in der
vorliegenden Untersuchung damit, aus ihrer Zahl Lewy
und Begrich herauszugreifen, mit denen ihn als Gemeinsames
die Wertung der Synchronismen verbindet, um
in einer kurzen Stellungnahme eingangs seine Bedenken
gegen L. und in einer durchgehenden Auseinandersetzung
seine Meinungsverschiedenheiten gegenüber B. darzulegen
.

Der Gegensatz zu letzterem liegt zutiefst in einer
anderen Ansicht über die Quellen der Königsbücher begründet
. Während B. aus dem vorhandenen Tatbestand
wechselnder Formeln und verschiedener chronologischer
Systeme auf 5 ursprünglich neben einander bestehende
Chroniken schließt, also die Quellenfrage zuletzt behandelt
und ihre Beantwortung als Ergebnis aus seiner
Untersuchung hervorgehen läßt, steht für M. von vornherein
die übliche Quellentheorie fest, hier zugespitzt
auf eine Weiterführung von JE. mit mehrfacher deu-
teronomistischer redaktioneller Bearbeitung. Damit hängt
eine bei M. sehr weitgehende Text- und Literarkritik
zusammen, da nur durch sie eine mögliche Chronologie
gewonnen werden kann. Mir scheint sowohl, was die
Quellenscheidung, als was die Textkritik anlangt, B.'s
Stellungnahme vorsichtiger und besser begründet zu sein.
Denn B. gelingt es, für den größten Teil der vorhandenen
Zahlenangaben eine Stellung in seinen „Systemen"

zu finden, während M. mit vielen Zufälligkeiten rechnen
muß, um zum Ziele zu gelangen. Freilich steht für
M. eines fest, was für B. das Ergebnis redaktioneller
Bearbeitung ist, das ist die seiner Meinung nach quellenhafte
synchronistische Einführung der Könige im Königsbuch
. Aber ist diese Anordnung wirklich älter als
die Redaktion? Weiter ist M. darin folgerichtiger, daß
durchwegs in vorexilischer Zeit mit dem Herbstjahresanfang
zu rechnen sei — dagegen sprechen die Datumsangaben
über die Eroberung Jerusalems, die von
M. als übernommen aus einer babylonischen Berechnung
der Königsjahre Nebukadresars angesehen werden müssen
.

Mit dem Herbstjahresanfang bringt M. den terminus TOSJn rQimn
in Verbindung, nach ihm die Herbstsonnenwende, während B. wohl
mit Recht darunter das Frühlingsaequinoctium versteht. Denn eben diese
Jahreswende ist „die Zeit, da die Könige zu Felde zu ziehen pflegen".
Und wenn es von Nebukadresar (S. 201), den Assyrern (S. 208) und dem
Pharao Necho (S. 221) für richtig angesehen wurde, im Frühjahr nach
Beendigung der Regenzeit zu Felde zu ziehen, so sicher auch von den
Israeliten, die durch die Natur ihres Landes zur gleichen Gepflogenheit
genötigt wurden. Freilich konnten sie dann nicht vorher im Herbstfest
„in der Epiphanie der Gottheit erleben, daß man auch mit heiliger
Siegeskraft erfüllt wurde; man erlebte die erwarteten Siege über die
Feinde voraus."

Die methodisch verschiedene Einstellung wirkt sich
am deutlichsten in der Berechnung der Regierungszeiten
des Jotam, Ahaz und Hiskia aus, die 2, 20 und 24
Jahre zugewiesen erhalten, sodaß für Hiskia erst H.
715/14 als erstes Königsjahr angesetzt wird. Eigenartig
verkürzt werden auch die ersten 3 Könige, Saul, David
und Salomo, deren Regierungszeit aufgrund allgemeiner
Erwägungen auf 10, 30 und 25 Jahre angesetzt werden,
sodaß der Regierungsantritt des Saul auf ca. 995 fällt.
M. hat sicher manche Schwierigkeit in B.'s Aufbau
j nachgewiesen; aber seine Konstruktion scheint mir weit
I mehr wunde Punkte zu haben. Man wird ihm aber
Dank wissen dafür, daß er mit eindringlicher Schärfe
1 gezeigt hat, wie sehr die Chronologie der Könige Israels
i und Judas heute noch eine Frage subjektiver Stellungnahme
zur Überlieferung ist.

Berlin. L. Rost.

Vo I z, Rrof. D. Paul: Jesaiail. Übersetzt u. erklärt. Leipzig: A. Deichert
1932. (XXXVIII, 310 S.) gr 8°. — Kommentar z. Alten Testament unter
Mitwirkg. a. hrsg. v. Ernst Sellin. Bd. IX. RM 14.20; geb. 16.50.
Der vorliegende Kommentar zeichnet sich aus durch
Knappheit, Übersichtlichkeit und Vorsicht der Ausführungen
. Der Einzelinterpretation jeder Texteinheit geht

j ein Abschnitt vorauf, welcher deren Eigenart zu bestimmen
sucht und ihren Gedanken- und Stimmungsgehalt

j herauszuarbeiten und zu deutlicher Anschauung zu bringen
bemüht ist. Die Erklärung gewinnt ferner dadurch,
daß bei Dtj. an geeigneter Stelle Exkurse eingeschoben

; sind, die wichtige Anschauungen des Propheten im Zusammenhang
darstellen wie seinen Erwählungsglauben,

I seine Stellung zu den Völkern, sein monotheistisches
Bekenntnis. Einleitungen (Lebensbild Dtj.s, seine Botschaft
, Dtj. als Redner und Dichter, das Buch cp. 40-55;
Einleitung zu Tritojesaja), sowie ein Sachregister und
ein Verzeichnis der Textänderungen des Verf. umrahmen
das Ganze.

Die Exegese des Kommentars ruht auf der klaren
Erkenntnis, daß die Prophetenschriften aus verschiedenen
selbständigen Einheiten bestehen und keine
schriftstellerischen Ganzheiten bilden. Deutlich ist auch

I gesehen, daß die Einheit bei Dtj. verhältnismäßig klein

! ist, während sie bei Trj. bedeutend an Umfang zunimmt.

'< In Hinsicht der Liturgie, der Zusammenfassung verschiedener
Gattungsbestandteile zu einer neuen höheren Einheit
, übt der Verf. mit Recht Zurückhaltung.

Es liegt in der Natur der Sache, daß man bei den Vorschlägen

i zum Text, die übrigens mit großer Schonung des MT und eingehender
Heranziehung der außermasoretischen Überlieferung gemacht sind, öfters
anderer Meinung sein wird als der Erklärer. Auf entschiedene Ablehnung
werden sie jedenfalls da stoßen, wo man die metrischen Ansetzungen des

| Kommentars sich nicht anzueignen vermag. Wer z. B. nicht mit dem