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Ausgabe:

1934 Nr. 23

Spalte:

413-414

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wizenmann, Karl

Titel/Untertitel:

Schöpfung und Urschuld 1934

Rezensent:

Hempel, Johannes

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 23.

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rung der midraschischen Literatur vorliegt. Es ist mit ; nacherlebt ist. Sie zeigen zugleich, warum es nicht mög-
diesem Werk zweifellos die Quelle für manche Citate lieh ist, den Inhalt des Buches in knapper Weise zuerschlossen
. Daß zu diesen aber die Citate in den beiden sammenzufassen. Wer es liest, wird in seinen Sprüchen
Talmuden gehören sollten, ist gänzlich unwahrscheinlich, vieles finden, was ihn zum Nachdenken oder auch zum
Wenp es dafür eines Beweises bedürfte, brauchte man Widersprechen anregt.

nur die langen Citate aus Gittin auf S. 85 oder aus ; Göttinnen. Joh. Hempel.

Ta'anijöth II auf S. 287 zu studieren, um den sekun-___

dären Charakter und die Abhängigkeit des vorliegenden .... . _, _ ._,

vSsä zu erkennen. Im übrigerf bedürfen die Paralle- ^^TJÄ ,?£ Wstt?
len in Genesis Rabba und Seder Ehjahu einer genauen ^^S^X^A^^liä^l'^Xnt
Untersuchnug, um das literarische Verhältnis der beiden logie u z. allg ReligionsEesch. ^rsg. v g Littmann u j T'Hauer
Größen zueinander festzustellen. 6- H- RM 4 so'

Druck und Ausstattung des Werkes sind schon, ein : , t Goü aUein Lenker der menschlichen Geschicke'
Faksimile zweier Seiten der Handschrift A ist beige- ; dann kann nkht neben oder ^ ^ c™£ sSKS
geben. macht persönlicher oder unpersönlicher Art stehen. Da-

Qoslar, Harz. _Hugo Duensing. i nacrI dürfte es im gottgläubigen Judenrum einen Schick-

------— ..... — j salsglauben nicht geben. Die Untersuchung will nun

Wizenmann, Karl: Schöpfung und Urschuld. Biblisches Ge- l Gedanken und Gestalten, welche der Schicksalsidee versehenen
als lebendige Gegenwart. Stuttgart: Deutsche Verlagsanst. | wandt sind; im religiösen Schrifttum des Judentums auf-
H933]. (471 S) gr. 8. .j" K. f* i weisen und zeigen, wie diese dem ethischen Monotheis-

Wer das vorliegende Buch gerecht beurteilen will tut , mus des Judentums ein- und untergeordnet sind Als
gut, die „Anmerkungen" S.469 ff.,,die die „Wissenschaft- Quellen werden neben dem A.T. benutzt Talmud Mi-
liche" Grundlage legen sollen nicht zu lesen. Denn sehr ; drasch, jüdische Religionsphilosophen des Mittelalters
viel mehr Unklarheiten (und Druckfehler) ließen sich j gottesdienstliche Gebete, nicht dagegen die Apokryphen
schwerlich häufen als in den lapidaren Sätzen: j und Pseudepigraphen. Die Dissertation behandelt nach der

Einleitung in Teil II die Schicksalsgedanken im jüdischen
Gottesglauben, in Teil III die Schicksalsgestalten im
Judentum und zeigt in Teil IV die Überwindung der
Schicksalsidee durch die Lehren von der göttlichen Gnade
und von der Gebetserhörung durch Gott. Eine Sehluß-
betrachrung (V) faßt zusammen, und ein Literaturverzeichnis
(VI) ist beigegeben. Dem Gedanken, daß Gottes
Walten unbegreiflich und von zwingender Notwendigkeit
ist, steht gegenüber der andere, daß seine Weisheit
in Natur und Geschichte sich offenbart; dem scheinbar
gerechten Lenker der Geschicke der Menschen steht
der anscheinend ethisch indifferent verfahrende gegenüber
. Neben der absoluten Vorausbestimmung "des
menschlichen Geschickes steht eine gewisse Möglichkeit
der Beeinflussung des eigenen Geschickes. Der
muß"es vielmehr" M~nz "abseits philoTogiich-historischer I einerseits behaupteten Willensfreiheit des Menschen steht
Wertunß als Bekenntnis und Zeugnis auf sich wirken ! au.f °er andern Seite der Gedanke der göttlichen Deter-
lassen Als Zeugnis für den inneren Umbruch eines Men- ! ™lna*10_n auch der menschlichen Handlungen gegenüber;

„Die ältesten hebräischen Niederschriften sind ohne Selbstlaute
daher zahllosen Mißdeutungen ausgesetzt. Auch sind nur ganz junge
Handschriften erhalten, etwa vom Jahre 1000 an. Und deren älteste
Fassungen entstammen erst einer Zeit, in welcher beispielsweise das
Schrifttum der Aegypter und Babylonier schon Jahrhunderte abgeschlossen
war und das germanische Schrifttum in höchster Blüte stand. Ja, die
heutige Form des hebräischen Grundtextes (Masorah) stammt wohl erst
aus der Zeit von 200 Jahren vor Christi. So sind die ältesten Übersetzungen
, vor allem die griechische, 500 Jahre älter als der vorliegende
hebräische Grundtext. Sie sind sicherer lesbar und wahrscheinlich treuer
im Sinn. Wo daher der hebräische Text fragwürdig ist, hilft die Lesart
der griechischen Übersetzung (Septuaginta, 250 n. Chr. (sie!) — die
Bibel der Evangelisten und Apostel) oder die lateinische des Hieronymus
(Vulgata, 400 n. Chr.). Ganz besonders wertvoll und für die Deutung
bisher viel zu wenig beachtet, ist jedoch die leider nur noch in Bruchstücken
erhaltene gotische Übersetzung von Ulfilas."

Wer das vorliegende Buch gerecht beurteilen will,

sehen, der für neuzeitliche Küche, Kräuterheilkunde und
dergl. gekämpft hat und dem von einem nicht in Einzelheiten
beschriebenen, aber in seinen Wirkungen klar erkennbaren
Christuserleben aus auch die Urworte von der
Schöpfung neues Leben und neue Gegenwartsmächtigkeit
gewonnen haben. Denn dies ist das andere Entscheidende
: Sein Christuserleben führt den Verfasser nicht aus
dem völkischen und sozialistischen Erleben unserer Tage
heraus, sondern tiefer hinein:

.Wir fragen nicht nach dem Geiste vergangener Zeiten und Völker
und Menschen. Wir suchen den letzten Sinn, wie er vom Geiste der
gegenwärtigen Offenbarung enthüllt und gegeben ist: Im Geiste des
Menschensohnes erleben wir jeden Bericht" (S. 8) „Von nun an ist der
Menschheit die Weisung gegeben, die noch immer für den biblischen

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daneben geht auch noch der Gedanke einher, daß der
„böse Trieb" und der „Satan" über den Menschen Gewalt
haben. Interesse können beanspruchen die Darlegungen
über die Stellung der jüdischen Religionsphilosophen
des Mittelalters, die zwischen der Scylla einer
gänzlichen Willensfreiheit des Menschen und der Cha-
rybdis einer absoluten göttlichen Prädestination einerseits
hin- und herschwanken, andrerseits geschickt hindurchschiffen
, dem talmudischen Satz folgend: „Alles
liegt in Gottes Hand, nur nicht die Gottesfurcht." —
Das vielleicht interessanteste Kapitel ist das dritte, welches
den Glauben an die Macht der Gestirne in Bibel,
Talmud und Midrasch wie auch bei den jüdischen Religionsphilosophen
des ^Mittelalters behandelt und die

Menschen galt: Iß nicht vom Baume der Erkenntnis, sondern warte i Satansgestalt und das Traumorakel bespricht Wie »JL-

und stehe unter des Herrn W ort... Der Nächste, der in Not ist — und dieses eicrfntlirli im Wirlersnnich nXu.i ,

keine Überlegung, keine Erkenntnis, sondern nur Gehorsam: und du ^M^^F^h ^MSh^^^^l .Gottesglauben

wiZ leben. Wozu immer überlegen, ob wir recht leben? Weg von „2 U"d,d°Ch F* lhm .^Sgeglichen Und ihm ein- Und

uns zu Gott, zum anderen nnd darin so vollkommen sein, wie es der U"tei geordnet Wird Wird in ausreichender Ausführlich-

Vater im Himmel ist". (S. 260 f.) „Denn unbedingt ist das Wort, un- ' k€lt gezeigt. Praktisch werden diese fremdartigen Ele-

abhängig bleibt es von allem Geschehen, unbedingt auch von Rasse ' mente Überwunden durch das Vertrauen auf die göttliche

und völkischer Sittlichkeit. Aber gerade damit wird der völkische Ge- | Gnade Und das Gebet.

danke erhoben. Jede einzelne religiöse Entscheidung ist ja - so wissen 1 Die Dissertation bietet eine wohlgeordnete Zusammenstellung ,j«

wir von der Verkündigung her - die ganz persönliche Erfüllung einer < einschlägigen Materials und verrät eine verständige geistige D„Sm™

gottgesetzten Bestimmung - über Geschichte und Blut hin. Vom Wort der damit gegebenen Probleme, hat aber in mehrfacher BeziehunpTf f

her erfüll, sich das Geschick emes Volkes: Ausgesondert sind wir und Zunächst einmal ist zu beanstanden tek^Jt?tF»£!££

müssen unsere Sonderheit in Volk. und Rasse, ,n unserm ganzen Erbgut aus Apokryphen und Pseudepigraphen, die doch nicht einlach 1Z T

erfüllen und - bewahren. (S. 464). hellenistisch-jüdisch abgetan werden können. Ein gut Teil davon t

Diese drei Beispiele, die zugleich einen Eindruck von doch aus dem Gciste des unverfälschten Judentums hervorgegangen rüü

der Anlage des Buches (Aneinanderreihung von Aphoris- talmudische Judentum hat gewiß manches von dieser zweifellos voik's

meno-ruppen) und seinem Stil vermitteln, können zeigen tömlichcn Literatur abgestoßen, stellt seinerseits aber doch eine Ver"

in wilcheV Weise der Ernst der Erzählung von Schöpfina fTrung dan HDicT N^h'berücksichtigung wäre nur dann zu recht-

und Sündenfall dem Verfasser aufgegangen und voÄ fiSSSS