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Ausgabe:

1934 Nr. 21

Spalte:

374-375

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mackinnon, James

Titel/Untertitel:

The Gospel in the Early Church 1934

Rezensent:

Seesemann, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 21.

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im elften Buch seiner Metamorphosen überlieferte Er- die uns diese Veröffentlichungen bereits gewöhnt haben,
Zählung von dem Glaubensvvechsel eines gewissen Lu- mit ihren Tafeln und Plänen und der Wiedergabe der
cius folgt, deren Zuverlässigkeit aus antiken Zeugnissen Inschriften. Inhaltlich ergibt sich das eine oder andere
(Oxyrhynchus Litany etc.) erwiesen wird. Eine letzte für die Sprache des jungen Christentums, wenn etwa
Phase s'ieht der Verfasser in der Rückwendung einzelner die Inschr. 794 den seltenen Namen i>trm'| bezeugt (vgl.
Christen zum Heidentum (Porphyr, Julian) und reiht Herrn, vis. 2, 4, 3) oder Inschr. 32 'Eßoutoc als Bezeich-
dann daran etwas unvermittelt längere Ausführungen nung des grazisierten Juden verwendet. Die Hauptaus-
über Conversion to Philosophy'; ,The spread of Chri- , beute fällt der Rehgions- und Kirchengeschichte zu. In-
stianit'y as a social phenomenon' sowie über ,The teach- dex IV besonders mit seiner Dreiteilung: Antike Reli-
ings of Christianity as viewed by a pagan'. An einer gion, Christentum, Jüdische Religion gibt darüber Aus-
Reihe von Beispielen erweist der Verfasser den tiefge- i kunft. Das Christliche überwiegt durchaus. Von der
henden Einfluß der Philosophie auf die ethisch-religiöse Bedeutung des christlichen Elementes in dieser Gegend
Struktur jener Epoche, die gerade in Justin, Arnobius ; zeugt vor allem auch die in Seleukeia befindliche groß-
und besonders in Augustin typische Belege einer solch artige Anlage eines Wallfahrtsortes beim Grabe der Pau-
inneren Wandlung hervorgebracht habe. Ist nach der so- lusjüngerin Thekla, die schon im 2. Bande der Sammlung
beschrieben worden war.
Göttingen. W.Bauer.

ziologischen Seite hin „the success of Christianity" au
zusehen als „the success of an Institution which united
the sacramentalism and the philosophy of the time",

so waren die christlichen Apologeten der ersten Jahr- Mackinnon, prof. James, Ph. D., D. D., D. Th., LL D- The Oos

hunderte die Verkünder und Vermittler der neuen Bot- ; pel in the Early Church. A study of the early Development of

schaft an die Heidenwelt. Nach der auch die rehgions- | Christian Thought. London: Longmans, Green & Co. 1933. (xii

psychologischen Momente berührenden Einleitung hätte
man erwartet, daß der trefflich orientierte Verfasser
neben den literarischen Analysen auch auf diese Seite
seiner Untersuchung mehr Gewicht gelegt hätte; sie
kommt aber nur in einzelnen Abschnitten zur wirksamen
Geltung. Ebenso wird man auch manche wichtige Literaturangabe
in den Notes (S. 274 ff.) vermissen und
es hat mich gewundert, daß der Verfasser auf S. 272 f.
neben A. v. Harnack, J. Geffcken, G. Wissowa vor allem
A. Deißmann's ,Licht vom Osten' (1908, 1 1923) übersehen
zu haben scheint.
München. R. F. Merkel.

Keil, Josef, u. Adolf Wilhelm: Denkmäler aus dem rauhen
Kilikien. Mit Beiträgen von E. Herzfeld u. R. Heberdey. Manchester
: Manchester University Press 1931. (XIV, 238 S. m. Abb. i.
Text u. 58 Taf.) Lex. 8°. = Monumenta Asiae Minoris Antiqua Vol. III.

40— sh.

Der dritte Band der von der American Society for
Archaeological Research in Asia Minor veröffentlichten
Monumenta Asiae Minoris antiqua ist von Josef Keil und
Adolf Wilhelm herausgegeben worden, mit Unterstützung
der Kleinasiatischen Kommission der Wiener Akademie
sowie des Österreichischen Archäologischen Institutes
und mit Beiträgen von E. Herzfeld und R. Heberdey
Er enthält Denkmäler aus dem Rauhen Kilikien. Und
zwar handelt es sich um das zwischen dem Austritt des
Kalykadnos aus dem Gebirge und der Mündung des
Lamos, der beiden einzigen in diesem Gebiet sich findenden
perennierenden Wasserläufe, gelegene Stück. Es ist
das Stadtgebiet von Seleukeia (Selefke) am Kalykadnos
Diokaisareia (Uzundja Burdj), Ura-Olba (s. dazu S. 44f )'
Korasion (Chok Ören) und Elaiussa-Sebaste (Ayash).

Das mit Kap. 9 (Korykische Grotten) eng zusammengehörige
, umfangreiche 8. Kap. schließt sich an die ausführliche
Behandlung an, die im zweiten Bande der

Reihe S. Guyer einigen antiken Bauwerken, dann den 1 belipv* !~ tu? -------

christlichen Kirchen und schließlich der Landl und Insel- ' wW lanJk ass"mpk01? ?f 3 Prim*ive perfect man,
bürg von Korykos gewidmet hat. Es betrifft die Denk- I s^cal riÄ T"g COm$*** ™ well as phy-

mäler in der Umgegend von K. sowie die große Nekro- Sual ^ "S T** ^V" evoIuti'°n of man and bis
pole der Stadt, deren Inschriften einen erheblichen Ted < diesen / T'f Pr°gress" (S- 66 f.). Mit

unseres Bandes ausmachen. Neben den, das gesamte undn SfL'l S ^«Verständnis ausgeschlossen
Material erschöpfenden, Grabschriften, die uns lehre? WrfW n T"^', daß das Paulusbild des

daß in Korykos in vorchristlicher Zeit eine öriK helnhf k^3'3 c'nheitlich ^t: manches wird

Trennung der Gräber der Juden von denen der Nicht- aber in n" ^t ?, ga"2e Pasche .Lehre'

juden nicht bestanden und daß dieser Zustand weil mit; £ Relhe 1°" Teilen zerspalten, die kaum

waitsame Enteignungen unterblieben, durch die einfache m'treina»der/usa/mm^hangen. Mit der Rechtfertig" ".
Konstanz der rechtlichen Verhältnisse bis in die SSan ^ÄÄK Ä anfa"g«"- die BetonunV des
tinische Epoche fortgedauert hat, findet sich In diesem ! of ^Sus ftÄÄ^ÄS
Kapitel als wichtigstes Stück ein großer KaisererlaR 1 ZU äf 6 u£ j con,ta'ned >n the Cross" (S lon
(S. 122-29). Er glhört wahrscheinlich dem KÄ oZ fefKf^lÄ^ bleibt dam" eigentlich nur
stasius I (491-518) und gibt nicht nur wegen seiner" ' S p22 h"/ « Güte übrig. - In? G«£ens"tz

mangelhaften Erhaltung manche Rätsel auf. S ™* i Sj?Ä derh™ v'f'e Elemente zur Verkündigung lesu
Sie Ausstattung des Bandes ist die vorzügliche, an | „Ä;TÄ ^^^5^

339 S.) 8°. geb. 16— sh!

Dieser Band bildet die Fortsetzung des 1931 erschienenen
Buches von Mackinnon, The Historie Jesus (vgl.
meine Besprechung ThLZ 1933, Sp. 173 f.). In fünf
Kapiteln wird die Geschichte des Evangeliums in der
ältesten Kirche dargelegt; I. The Primitive Gospel. II.
The Pauline Gospel. III. The Subapostolic Gospel. IV.
The Gospel in the Early Fathers. V. The Appeal of the
Gospel. Der Verf. bekennt sich auch hier zur historischkritischen
Methode; seine Kritik an den Quellen ist jedoch
im großen und ganzen sehr maßvoll; so wird
gleich eingangs die Identität der frühchristlichen Botschaft
mit der Verkündigung Jesu als mehr oder weniger
selbstverständlich angenommen; ebenso ist seine Stellung
zu den Synoptikern und dem Joh.ev. konservativ. Davon
wurde schon in der Besprechung des ersten Buches gehandelt
. Die Auseinandersetzung mit den kritischen Fragen
nimmt im vorliegenden Werk verhältnismäßig wenig
Raum ein; es ist daher auch nicht angebracht, hier näher
darauf einzugehen.

Wesentlicher ist die inhaltliche Schilderung der „Entwicklung
des Evangeliums", die M. zeichnen will. Und
dabei macht sich wiederum — genau wie im .Historie
Jesus' — seine kulturoptimistische Einstellung störend
bemerkbar. Vor allen Dingen wird er der Verkündigung
des Paulus in keiner Weise gerecht. Es dürfte angebracht
sein, hier einige Sätze des Verf. zu zitieren, da sie schlaglichtartig
das ganze Buch beleuchten. So heißt es im
Kapitel über Paulus: „. . • At the same time, we cannot
fully share his deprecatory coneeption of the flesh
as so vitiated by sin that the spiritual dement in our
nature is completely impotent to will or to do the good...
Here, too, Paul's view of human nature and his reading
of history are one-sided. The modern reason does
not believe in the existence of astral spirits dominating
and subjecting creation and man to evil. It does not