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Ausgabe:

1934 Nr. 19

Spalte:

351-352

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wach, Joachim

Titel/Untertitel:

Einführung in die Religionssoziologie 1934

Rezensent:

Wünsch, Georg

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Seite 1

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351

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 19.

352

Stiftung von Gottes Eigenwesen. Es ist dichterisch j als ob diese Sachgebiete gleichbedeutend wären mit

(mythologisch), „Adam" wie „fertiges" Ebenbild Gor- j den Ge se 1 lu ng s f or m e n, die sie hervorbringen. —

tes, in Menschengestalt hinzustellen. Langsam, endgül- j W. teilt ein in „Einfluß der Religion auf die Gesell-

tig in Jesus erst ist Gott „eingetreten" in den „Men- j schaff" und „Einfluß der Gesellschaft auf die Religion",

sehen". Vorab ist das Menschentum Entwicklungspro- j Diese Trennung mag methodisch notwendig sein; auch

dukt der „Natur" gewesen, bloße Höchst Staffel irdischen
Lebens. Aber an ihm ist ein Wunder geschehen-.
Die „Befreiung" des Willens von den Fesseln der
Natur (Selbstsucht) und Einstiftung der Ahnung für den
Wert der Liebe (Selbstlosigkeit als Seligkeit
!). Jedes Wort, das ich brauche, bedeutet ein abgrundtiefes
Problem. Denn die Liebe ist zunächst eine
schwere, rätselhafte Zumutung! Und Gott ist ein
strenger, aber auch unergründlich geduldiger,
„kundiger" Erzieher zu ihr! Die Dogmatik hat diesen
Gedanken noch nie voll durchdacht. Das kahle
Schema „Gericht und Gnade" ist zu abstrakt für christliches
Glaubensverständnis der Beziehung Gottes zum
Menschen, zum Sünder.

Halle. F. Ka11enbusch.

Wach, Joachim: Einführung in die Religionssoziologie. Tübingen
: J. C. B. Mohr 1931. (XVI, 98 S.) gr. 8°. RM 4.50.

Die Religionssoziologie ist methodisch wissenschaftlich
und noch in besonderem Sinn theologisch ein umstrittenes
Problem. Mit umfassender Sachkenntnis hat
W. auf knappem Raum dargestellt, um was es sich in
der Religionssoziologie eigentlich handelt und auch nur
handeln darf, und wo die Grenzen dieser Disziplin
sind, die als Hinweise auf die notwendige Ergänzung
der religionssoziologischen Betrachtungsweise durch andere
Disziplinen offen bleiben müssen. Nach einer methodologischen
Einleitung wird in einem ersten Teil
der Einfluß der Religion auf die Gesellschaft, sowohl
die natürlichen Gemeinschaften, als auch auf die Entstehung
und Formung religiöser Verbände dargestellt;
in einem zweiten Teil der Einfluß der Gesellschaft auf
die Religion. Das Ganze bietet in einem skizzenhaften
Abriß die wichtigen Themen der Religionssoziologie.
Als Anhang folgt ein selbständiger Aufsatz: „Max Weber
als Religionssoziologe", der für das Vorhergehende
Unterbau und Erweiterung zugleich bildet und namentlich
wertvoll ist durch eine so umfassende Literaturangabe
, daß sich jeder, durch sie geleitet, ein selbständiges
Bild von Entstehung und Gegenstand der Religionssoziologie
machen kann. Das Buch ist sehr geeignet, Studierende
unter Anleitung eines Kundigen in die Religionssoziologie
einzuführen.

Besonders zu rühmen ist die Bewandertheit des Verfassers
in evangelisch-theologischer Literatur; er kennt
die Fragen, die der Glaube einem Unternehmen wie
der Religionssoziologie entgegenbringt, und ist offen für
ihre Berechtigung, indem er die Grenzen der Disziplin
zeigt. Besonders lehrreich ist bei aller Anerkennung
des großen Gelehrten seine Kritik an Max Weber, die
vor allem den Mangel an Offenheit für die „immanente"
Betrachtung einer religionssoziologischen Erscheinung betont
. Ebenso hat W. die Einseitigkeit Max Webers gesehen
, mit der dieser die Tendenz der Religionsentwicklung
in steigender Rationalisierung zur „Entzauberung
der" Welt" sah und die Religionssoziologie auf das
Verhältnis von Religion und Wirtschaft zugipfelte. —
Wenn W. m. E. mit Recht die Behandlung des Verhältnisses
von Religion und Wirtschaft nicht mehr der
Religionssoziologie zuweist, da diese strenggenommen
nur zu behandeln habe das Verhältnis von Religion zu
Wirtschafts g ru p pe n, so liegt der Grund für diese
Grenzüberschreitung in der verwirrenden Verwechslung
von Gemeinschaft und Wert, die auch in der theologischen
Ethik üblich ist. Es ist einfach absurd, Wissenschaft
, Kunst, Wirtschaft — wie die theologischen Ethiker
tun — unter den „Gemeinschaften" zu behandeln,

weiß W., daß in Wahrheit eine Wechselwirkung besteht.
Aber wäre nicht der Versuch eines systematischen Ver-
stehens aus einer Wurzel zu machen? Der Hinweis
auf den „objektiven Geist" genügt nicht mehr. Dann
würde „Religion" in die soziologische Verflechtung eingehen
, im Unterschied von ihr der „Glaube" erkannt
werden, der Religion und Gesellschaft als Letztes überhöhend
umfaßt. Und wie steht es mit diesem „Glauben"
in den verschiedenen Religionen ? Zeigt er sich nun auch
wieder soziologisch beeinflußt? — In der modernen
Welt gibt es auch säkularisierte Religion. E.
Troeltsch hat zu ihrer Betrachtung über die Mystik
hingelenkt. Auch sie müßte in die Religionssoziologie
mit einbezogen werden. Das ergäbe höchst aktuelle,
fruchtbare Erkenntnisse. — Was den Stil des Buches
betrifft, so würde die Vermeidung langer Sätze, mit Parenthesen
das Verständnis erleichtern, was um des inhaltlichen
Wertes willen zu wünschen wäre.
Marburg a. L. Georg Wünsch.

Einladung zur Subskription!

In Kürze beginnt zu erscheinen:

Clemens Alexandrinus.

Vierter Band: Register.

Herausgegeben im Auftrage der Kirchenväter-Commission der
Preußischen Akademie der Wissenschaften von D. Dr. Otto
Stähl in, Professor an der Universität Erlangen.

VIII, 196 Seiten 8°.

Die Griechischen Christi. Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte
. 39. Band.

Nach langer Pause wird den drei Textbänden des Clemens Alexandrinus
nunmehr der von vielen längst erwartete Registerband folgen. Der zunächst
ausgehende erste Teil enthält US. 1 — 59 das Citatenregister (in
vier Abschnitten : 1. Altes Testament. 2. Neues Testament. 3. Kirchliche
Schriftsteller und Häretiker (einschließlich Apokryphen). 4. Nichtkirchliche
Schriftsteller); II. S. 59—66 das Testimonienregister; III. S. 66—70
das Initienregister für die aus Clemens entnommenen Bruchstücke und
die unechten Fragmente; IV. S. 70 —196 das Eigennamenregister.
Der zweite Teil des Registers wird das ausführliche Wort- und Sachregister
enthalten, das ebenso sehr die Sprache des Clemens wie den
Inhalt seiner Werke erschließen soll. Der Umfang dieses Teils,
dessen Ausgabe in zwei Lieferungen vorgesehen ist, beträgt ungefähr
40 Druckbogen.

Durch diese Register wird der mannigfache Inhalt der Werke des
Clemens erst allgemein zugänglich; der Registerband ist daher für alle
Benutzer der Clemensausgabe unentbehrlich.

Subskriptionspreis für Teil I etwa RM 16—.

Nach Erscheinen des 1. Teiles wird sich der Preis auf ca. RM 19.—
erhöhen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN
BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 29. September 1934.

Verantwortlich: Prof. D.W. Bauer in Qöttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
Verlag der J. C. H i nri ch s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.