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Ausgabe:

1934

Spalte:

337-339

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Vorträge der Bibliothek Warburg ; 9 1934

Rezensent:

Goetz, Hermann

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WORRERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitetv. Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMANN, Göttingen

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, tu senden,
Rerensionsexeroplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
59. JAHRGANG, Nr. 19 15. SEPTEMBER 1934

Spalte

Bauer: Rechtgläubigkeit und Ketzerei im
ältesten Christentum (Koch)........343

G 1 a h n u. K ö h I er: Der Prophet d. Heimkehr
(Meinhold)..............342

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte
(Clemen) . • . •.........346

Spalte

L e u p o 1 d : Die liturgischen Gesänge der
evangelischen Kirche im Zeitalter der Aufklärung
und der Romantik (Haun) .... 348

M a s c h k e : Der Peterspfennig in Polen und
dem deutschen Osten (Jonat).......347

Peisker: Christi. Dogmatik (Kattenbusch) 349

Spalte

Schmidt: Der Ursprung der Qottesidee

(Titius)...................339

Vorträge der Bibliothek VVarburg (Ooetz) . 337
Wach: Einführung in die Religionssoziologie
(Wünsch)...............351

allem epische Würde und klassische Genauigkeit wiederherstellen, wobei
er sich jedoch leider allzusehr gerade von Pindar beeinflussen läßt.
Zu Milton fühlte er sich besonders hingezogen, den er als den am
meisten klassischen der englischen Poeten schätzt. Eine Reihe von Proben
lassen die schwermütige Art seiner Lyrik, zugleich aber die Meisterschaft
seiner Sprachbeherrschung erkennen. — Als letzter schreibt Sir
Richard W. L i v i n g s t o n e aus Belfast über The Position and
Funktion of classical studies in modern english Edu-
cation. Als Schüler von Wilamowitz, Eduard Meyer und Harnack,
die er einst mit tiefem Interesse hörte, ist der Verfasser gründlich eingedrungen
in den Geist des Griechentums, und er wägt in besonnener
Prüfung den Einfluß, den die Antike auf die Erziehung in England ausübt
. Die weite Verbreitung klassischer Studien und die Beherrschung
idiiu uuu urc rwitiBjc iio^vii oi^.« j der alten Sprachen vom Premierminister an bis zum einfachen Gentleman

von Prof. Emil Wolff, der sich in seinen Arbeiten ein- w jhm dabej noch kejn Bewds für ejn wirkliches Erfaßtsein vom 0eist

der Antike. Vom Viktorianischen Zeitalter möchte er fast urteilen, daß
es eine Epoche war, in der zwar jeder die Klassiker lernte, aber niemand
etwas von ihnen lernte. Gegen Ende des 19. Jahrhundert aber
hat sich ein merkbarer Umschwung angebahnt, der aus dem Geist des

Vorträge der Bibliothek Warburg. Hrsg. v. Fritz Saxl. Bd. 9. Vorträge
1930/1931. England und die Antike. Leipzig: B. G. Teubner
1932. (XII, 304 S. u. 30 Taf.) gr. 8°. RM 18-.

]3er vorliegende Band, der neunte der seit 1921 in
Jahresfolge von Saxl herausgegebenen Vorträge, ist im
gleichen Verlage erschienen wie die ebenfalls von Saxl
veröffentlichten Studien, von denen bisher 22 Bände
vorliegen, und die Oesammelten Schriften von A. Warburg
sowie die von andern Verfassern veröffentlichte
Kufturwissenschaftliche Biographie zum Problem des
Nachlebens der Antike. Zur Klärung des Problems „England
und die Antike" haben sich unter der Mitarbeit

gehend mit der Erforschung der Einwirkung der Antike
auf die englische Literatur und Philosophie beschäftigt,
eine Reihe deutscher und englischer Vortragenden verschiedenster
Richtung zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden
, deren Vorträge nun in diesem Bande vereinigt
sind. Dieses Zusammenwirken wird wohl in beiden
Ländern zu fruchtbarer Weiterarbeit an dem vorliegenden
Problem anregen.

Die Reihe der in englischer Sprache geschriebenen Beiträge eröffnet
E. F. Jacob aus Manchester mit dem ersten Aufsatz dieses Bandes unter
der Überschrift: Some aspects of classical influence in
Mediaeval England. Da Dr. Walter Schirmer unlängst ein instruktives
Werk über den englischen Frühhumanismus hat erscheinen lassen (Leipzig
1931), beschränkt sich Jacob auf die beiden vorhergehenden Epochen,
die angelsächsische Zeit und das 12. Jahrhundert. Ausgehend von dem
Einfluß der nordumbrischen Schule (Jarrow, York und Winchester) in
der zweiten Hälfte des 7. und im 8. Jahrhundert, führt er weiter zu
Beda und den klassischen Studien des frühen England, die den Untergrund
boten für die gregorianische Tradition im Ritus und religiösen
Brauch. Der gelehrte Kreis am Hofe Alfreds bildet eine Episode dieser
Zeit. Vom 9. Jahrhundert an ist eine größere Annäherung an den
Continent bemerkenswert, die sich in einem steigenden Einfluß der
klassischen Schule von Köln zeigt, teils auch von Aachen, Trier, Reichenau.
Unter den führenden Geistern dieser Zeit ragt hervor Laurence von
Durham durch seine ausgedehnte Kenntnis der alten Klassiker, als
einer der besten klassischen Poeten Joseph von Exeter, aus deren Schriften
lehrreiche Proben geboten werden. Beide sind typische Vertreter
der englischen Renaissance des 12. Jahrhunderts. — Über den Einfluß
des Erasmus auf die englische Literatur veröffentlicht J. C. K. Thomson
in London eine interessante Studie unter dem Titel: Erasmus
in England. Bei seinen häufigen Besuchen in England wurde er
mit einer großen Zahl führender Geister bekannt, auf die er bestimmend
wirkte; besonders zwischen Thomas More und ihm liefen viele Verbindungsfäden
hin und her, da beide durch den Geist der Ironie reinigend
auf Ihr Zeitalter einzuwirken strebten. Die griechischen Satyriker haben
dabei Pate gestanden. — E. de Selincourt aus Birmingham steuert
einen Beitrag bei über Classicism and Romanticism in the
poetry of Walter Savage Landor, dessen dichterische Werke
bedauernswerterweise weniger bekannt sind als seine glänzenden Prosaschriften
. Bei mancher Verwandtschaft mit Schlegel will er doch vor

Hellenismus heraus auf eine innere Lebenserneuerung zielt. Ein Mann
wie Gilbert Murray hat dafür ganz besondere Verdienste. Denn was
unsere Zeit braucht, ist eine Philosophie, die unserer Zivilisation gibt,
was sie am meisten bedarf: eine Seele.

Unter den deutschen Beiträgen der Sammlung behandelt Hans
Liebschütz aus Hamburg den Sinn des Wissens bei Roger
Bacon. Durchdrungen von der Überzeugung, daß der zu seiner Zeit
übliche Schulbetrieb der Wissenschaften zu nichts Wesentlichem führe,
steht dieser Oxforder Denker des 13. Jahrhunderts in ausgesprochenem
Gegensatz zu seiner Umwelt und fühlt in sich die Aufgabe, hier reformierend
zu wirken. Denn das Wissen hat für ihn einen unmittelbaren Sinn
für das Leben des Menschen, und als 1266 der Papst Clemens IV. ein
Heilmittel für das Übel der Zeit wissen wollte, verfaßte er in 1 Vi jähriger
Arbeit ein encyklopädisches Werk, dessen Überreichung leider durch
den Tod des Papstes hinfällig wurde. Den Kern dieses Werkes bildet
die Darstellung der Naturwissenschaften und der Mathematik, denen eine
grundlegende Bedeutung für die andern Disziplinen zuerkannt wird.
Dem Moralgesetz gibt die Erkenntnis seiner Vernünftigkeit eine bindende
Kraft, und das Sprachstudium erweist sich als unumgängliche Voraussetzung
für die Rückkehr zu den Quellen, die in der Weisheit der Antike
und in der Uroffenbarung der heiligen Schrift strömen. Der Gegensatz
, in dem er zu dem Wissenschaftsbetrieb seiner Zeit stand, brachte
es mit sich, daß er wegen seiner Lehre zur Einschließung im Klosterkarzer
der Franziskaner, denen er angehörte, verurteilt wurde; erst kurz
vor seinem Tode scheint er seine Freiheit wiedergewonnen zu haben.
Seine Bedeutung liegt in der Erkenntnis von der revolutionären Macht
des Wissens für den Menschen und in der Kraft, mit der diese
Idee sein Schicksal und seine Schriftstellerarbeit formte. — über
Chancer, Shakespeare und die Antike schreibt Walter F.
Schirmer aus Berlin und versucht zu zeigen, wie diese beiden
„größten englischen Dichter" mit dem ihnen von der Renaissance erschlossenen
antiken Gut fertig wurden. Mit Chancer, um 1400, wird
zum erstenmal antikes Gut in England künstlerisch entscheidend, natürlich
abgesehen von der altenglischen Zeit. Wie für ihn der eigentliche
Vermittler antiker Anschauungen der Dichter Ovid ist, den er allerdings
an realistischer Lebendigkeit und Naturwahrheit übertrifft, so ist Plu-
tarch es für Shakespeare. Doch ist mit Shakespeare bereits der Höhe-

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ii-r.TUB.