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Ausgabe:

1934 Nr. 17

Spalte:

309-310

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Christ, Karl

Titel/Untertitel:

Die Bibliothek des Klosters Fulda im 16. Jahrhundert 1934

Rezensent:

Dersch, Wilhelm

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309

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 17.

310

Karls IV., den merkwürdigen, romantischen Ritter, der,
nachdem er erblindet war, 1346 bei Crecy fiel, ist 1932
eine Göttinger Dissertation erschienen. Die Arbeit wäre
zu einigen Regesten, wie dem Hagenauer Vertrag 1330
August 6 (Nr. 3101), einzusehen. Für die späteren
Jahre ist wichtig die Marburger Dissertation von Johannes
Richter: Die Reichspolitik König Johanns von Böhmen
seit dem Ausbruch des Erbstreites um die Alpenlande
(1335—1346), ungedruckt, Auszug im Jb. d. phil.
Fakultät d. Univ. Marburg, phil.-histor. Abtlg. 1923—24,
S. 76—79, z. B. für Reg. Nr. 3519 (= Stengel, Nova,
Alamanniae, Nr. 401). Nächst der Reichsgeschichte
bietet das Heft natürlich für die Landes- und Ortsgeschichte
einen außerordentlichen Stoff. Es ist daher dankbar
zu begrüßen, daß auch die ortsgeschichtliche Literatur
in weitem Umfange angegeben worden ist. Nur wenige
Ergänzungen sind hier zu liefern. Wenn erst der
zweite Band abgeschlossen, samt den Registern zur ersten
Abteilung, und damit der Anschluß an die von Vige-
ner bearbeitete zweite Abteilung erreicht ist, wird der
Wert des Ganzen in vollem Umfange gewürdigt werden
können. Alsdann bietet sich Gelegenheit, auf das großartige
Werk zurückzukommen.

Breslau. Wilhelm Dersch.

Christ, Karl: Die Bibliothek des Klosters Fulda Im 16. Jahrhundert
. Die Handschriftenverzeichnisse. Leipzig: O. Harrassowitz
1933. (XIV, 343 S.) gr. 8°. = 64. Beih. z. Zentralblatt f. Bibliothekswesen
. RM 24—.
Seitdem C. Scherer und Frz. Falk (1902) eingehendere
Arbeiten über die fast verschollene Bibliothek einer
der bedeutendsten Bildungsstätten des Frühmittelalters
veröffentlicht haben, ist in den letzten zwei Jahrzehnten
vor allem durch Kl. Löffler, P. Lehmann und den Vf.
dieser Untersuchungen die Aufmerksamkeit auf die Fuldaer
Handschriftenbibliothek gelenkt worden. Insbesondere
gab die 150. Jahrfeier der Landesbibliothek in
Fulda im Jahre 1928 Anlaß, weitere Kreise auf die berühmte
Stiftung Hrabans (822—842) hinzuweisen. In
der damals erschienenen Festschrift hat bereits Ch. das
von ihm im Palatinus lat. 1928 der „Vaticana" in Rom
entdeckte Handschriftenverzeichnis beschrieben. Der Abdruck
und die Kommentierung dieses Verzeichnisses bilden
den Kern der vorliegenden, überaus sorgfältigen
Veröffentlichung. Dieses, für einen Theologen zusammengestellte
Titelverzeichnis (V), eine Auswahl, ist um
1550 entstanden und 1623 nach Rom gekommen. Wichtig
ist die hierin überlieferte Ordnung der Bibliothek
nach 48 ordines (Reihen, Fächer). Einen Anhaltspunkt
für die Entstehungszeit geben Briefe des Marburger
Professors Theobald Billicanus (Gerlacher) aus den Jahren
1547/48, aus denen hervorgeht, daß Ott Heinrich
von der Pfalz damals in Fulda Bücher sich zu verschaffen
suchte. Hierzu (S. 17) wäre zu berichtigen,
daß Billicanus in Marburg eine juristische Professur bekleidete
(F. Gundlach, Catalogus prof. acad. Marb. Marburg
1927, S. 82 f.). V verzeichnet 585 Hss., während
der von Kindlinger (1812) und dann von Scherer (1902)
veröffentlichte Katalog aus dem Fuldaer Archiv, der jetzt
im Staatsarchiv Marburg ist (F), 791 Hss. aufzählt und
etwa ein Jahrzehnt später (nach 1561) angelegt ist.
Als dritter Katalog kommt eine um 1600 nach einer vor
1568 in Fulda entstandenen Aufstellung geschriebene
Hs. (P) der Pariser Nationalbibliothek in Betracht, die
zwar durch P. Lehmann und H. Omont bekannt, 'aber
noch ungedruckt ist. Dieser, 348 Nrr. umfassende Katalog
stammt aus Italien, enthält aber Stücke, die in V
und F nicht stehen. Diese drei Kataloge ergänzen sich
gegenseitig und umfassen etwa 929 Hss. Tatsächlich erhalten
oder vielmehr als Fuldaer Hss. erkannt sind
49 Stücke, von denen 34 in den Katalogen, einschließlich
den Resten von 3 Katalogen aus dem 8. und 9. Jh., stehen
. 29 von diesen 49 Hss. sind in der Kasseler Landesbibliothek
, darunter der Hildebrand-Codex, 13 in der

bibliothek Fulda. Die Ausplünderung der Fuldaer Bibliothek
muß also gründlich gewesen sein. Sie hat wohl
schon eingesetzt, als die Kirchenversammlungen in Konstanz
und Basel zugleich Büchermärkte waren (Lehmann
i. d. Zsch. d. deutsch. Ver. f. Buchwesen u. Schrifttum

4. 1921. S. 6 ff. 17 ff.) und Poggio die Bibliotheken
nach römischen Klassikern durchsuchte. Eine planmäßige
Zusammenstellung der literarischen Nachrichten über die
Bibliothek und deren Benutzung bis in die neuere Zeit
wäre erwünscht. Schon im frühen Mittelalter stehen
Archiv und Bibliothek in enger Verbindung (Osk. Semmelmann
, Gesch. d. Fuldaer Klosterarchivs bis z. Ende
d. 12. Jh.'s: Jb. d. phil. Fakultät d. Univ. Marburg,
phil.-hist. Abtlg. 1922—23, S. 289 ff.). Beispielsweise
schreibt noch 1708 der fuldische Archivar Konrad Sigler
von frühen Drucken der Gedichte des Horaz in Fulda
(W. Engel i. d. Zsch. f. thür. Gesch., n. F. 29. 1930.

5. 84. 86.).

Edw. Schröder hat in einem Aufsatz „Zur Geschichte
der Fuldaer Klosterbibliothek" (Hesscnland 44. 1933.
S. 82 ff.) auf Grund der Veröffentlichung von Ch. lehrreich
zusammengestellt, wie erschreckend der Rückgang
der geistigen Interessen an der alten Bonifatiusstätte seit
dem 13. Jh. in Erscheinung tritt. Zu beachten ist auch,
daß diese Kataloge die in der Sakristei aufbewahrten
Bücher, wie etwa das schöne Sacramentarium der Universitätsbibliothek
Göttingen und die sog. Codices Boni-
fatiani, die jetzt in Fulda gezeigt werden, nicht enthalten.

Wenn auch Ch.s Veröffentlichung die Rekonstruktion
der gesamten Bibliothek noch nicht geben will, so
bietet sie doch bei ihrer Umsicht und Sorgfalt und einer
erstaunlichen Beherrschung des Stoffes einen überaus
wichtigen Baustein zur Wiederherstellung und Geschichte
der weitberühmten Büchersammlung. Vgl. auch die
Anzeige von Jos. Theele in den Fuldaer üeschbll. 27
(1934), 14—22.
Breslau. Wilhelm Dersch.

Scheeben, Heribert Christ.: Johannes Meyer O. P. Chronica
brevis Ordinis Praedicatorum. Vechta i. O.: Albertus-Magnus-Verlag
1933. (116 S.) gr. 8°. = Quellen u. Forschgn. z. Gesch. d. Dominikanerordens
in Deutschland. Gegr. von P. von Loe hrsg. von deutschen
Dominikanern. 29. H. RM 4—.

Von dem Dominikaner Johannes Meyer, von dem
in derselben Quellensammlung Heft 12 ein über de viris
illustribus Ordinis Praedicatorum herausgegeben wurde,
bringt S. nun eine lateinische Ordenschronik, die 1470
geschrieben und bis 1475 fortgeführt ist. In der Einleitung
und dem sehr sorgfältigen Apparat von Anmerkungen
werden die Quellen dieser Chronik nachgewiesen
, unter denen die bisher unbekannte Chronik des
Jakob von Soest die hauptsächlichste ist. Die Chronik
bringt nach der Reihenfolge der Ordensmeister eine Geschichte
, die natürlich um so eher wertvoll ist, je mehr
sie sich der Abfassungszeit der Schrift nähert. Sichtlich
ist dem Verfasser besonders an der Schilderung
der Ordensreform in der deutschen Provinz gelegen,
die Ende des 14. Jahrhunderts begann und unter erheblichen
Schwierigkeiten durchgeführt wurde; da wird
die sonst dürre Darstellung auch lebendiger (z. B. die
Reform in Basel 1429 S. 84 und in Worms 1447 S. 88).
Als Anhang bietet S. aus dem Manuskript noch 5 Anlagen
, die Notizen und Vorarbeiten Meyers für seinen
über de viris III. enthalten, sowie einen Traktat über
die Magister des Ordens in Paris. In den nächsten Jahren
sollen von demselben Verfasser die noch nicht gedruckte
Papst- und Kaiserchronik, die deutsche Ordenschronik
, sowie eine Blütenlese aus Meyers übrigen Schriften
herausgegeben werden.

Stuttgart. Ed- Lempp.

Wi eruszowski, Helene: Vom Imperium zum nationalen
Königtum. Vergleichende Studien über d. publizistischen Kämpfe
Kaiser Friedrichs II. u. König Philipps des Schönen mit d Kurie

Universitätsbibliothek Basel und nur 2 in der Landes- j SÄ °'dcnb°Ur8 1933> (241 &) 8 " = Beih- 30 d. HWor.