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Ausgabe:

1934 Nr. 1

Spalte:

306-308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Mainzer Urkundenbuch ; 1.Die Urkunden bis zum Tode Erzbischof Adalberts I. (1137) 1934

Rezensent:

Dersch, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 17.

:;i iß

er aber für sich verneint hat. Er hat eine Aufgabe, die i wir der glücklichen Vereinigung des Theologen und

jenseits seiner Person liegt, die Bußtaufe, die von Gott j des Historikers in der Person des verehrten Verfassers,

her ist und die zur Vollendung weist. Diese Bußtaufe Gießen. Georg Bertram.

ist für die Getauften Triebfeder und Gesetz ihres sitt------------

liehen Handelns. Nie könnte selbstverständlich dieses F1 ad e, Gottfried: Die Erziehung des Klerus durch die Visi-
menschliche sittliche Handeln der eschato.ogischen Vollen- tationenbiszum 10.|Jahrhundert. Berlin ■Trowitzsch&Sohn 1933
dung entsprechen; es gehört dem Diesseits an und folgt ; (vill, 92 S.) gr. 8°. = 27. stück d. Neuen Stud. z. Gesch d Theologie
daher auch den im Diesseits gültigen Alltagsregeln. So- u. d. Kirche. Hrsg. von R. Seeberg in Verbindg. m. w. Koepp E
weit Johannes aber solche Regeln aufnimmt und Recht j Seeberg, H. E. Weber. RM j 20-
fordert und richtet in ihrem Sinne, greift er in das öffent- Der „defectus seientiae" ist kirchenrechtlich ein Hinliche
Leben ein. Er folgt damit den alttestamentlichen derungsgrund, der von dem Empfang der Weihen aus

Propheten auf den politischen Kampfplatz, auf dem
auch für ihn sich die Gültigkeit seiner Prophetie bewähren
, ihre kritische Haltung die Staatsgewalt herausfordern
und ihn zum Märtyrer machen muß.

Ist so ein Verständnis der Überlieferung von Johannes
dem Täufer in ihren mannigfachen historischen und
theologischen Beziehungen erreicht, so wird in dem fol

schließt. Die Bildung des Klerus ist neuerdings Gecen-
stand von Untersuchungen gewesen, die sich vornehmlich
mit dem Spätmittelalter befaßt haben, also der
Zeit, wo besonders Klagen über ungebildete' Geistliche
laut wurden. Aber auch die Frühzeit von Karl Martell
bis auf Ludwig d. Fr. ist von R. Stachnik in einer Sonderschrift
untersucht worden (1926). In diesen Kreis

'v'^M^berdie Voraussetzungen der Wirksam- I gehört die vorliegende Arbeit, die auf einer entsagungs
BfVBSStaKeSUS Das Kapitel folgt dabei j vollen Durcharbeitung der Visitation*- und Synodalakten
im wesentlS dSn Gedankengang des vorhergehen- l beruht. Die Visitationen Send und Seudgencht sind ge-

lm wesenuiuicii^ uv___^ ^ ^ —q„ k„„—----- I radezu Erziehungsanstalten, die planmäßig nicht nur

das Verantwortungsgefühl und Pflichtbewußtsein der Bischöfe
aufrüttelten, sondern auch die Würde des geistlichen
Amtes und die Ehre des geistlichen Standes in
den Kreisen der Weltpriester zu wahren bestrebt waren.
1 Sowohl das sittliche, als auch das praktische Berufs-
' leben stehen dauernd unter ernster Prüfung. Die weitere
Frage des Einflusses auf die Laien soll einer besonderen
Untersuchung vorbehalten bleiben. Die 906 erschienenen
Tagebücher des Regino von Prüm waren
der gegebene zeitliche Abschluß. Ein überaus abwechslungsreiches
und farbiges Bild breitet sich beim Durchlesen
des Heftes aus, sodaß der Vf. mit Recht von einer
Art „Priesterspiegel", der sich hier geformt hat, sprechen
kann. Eine sehr genaue Inhaltsübersicht am Schluß erleichtert
, den reichen Inhalt zu überschauen.

Breslau. Wilhelm Dersch.

den, wobei die Eigenart des Johannes besonders gegen
über dem Judentum deutlich herausgearbeitet wird. Es
ist ja irgendwie ein gemeinsamer Grund, auf dem beide,
das Judentum und der Täufer, stehen; um so wichtiger
und schwieriger muß es sein, seine Art recht zu erfassen.
Johannes denkt und lebt aus den Quellen der jüdischen
Frömmigkeit, aber gegen die Ausflüsse dieser Frömmigkeit
wendet er sich, er, der Priestersohn kämpft „gegen
Gedanken, die ihm durch Herkunft und Bildung selbst
wie im Blute liegen". Das wird im einzelnen in bezug
auf Kultus, Priestertum und Abrahamkindschaft dargelegt
, besonders aber wird die eschatologische Zornes-
verkündung des Täufers und seine Bußpredigt von den
entsprechenden jüdischen Gedanken, die mit reichem
apokryphen und rabbinischen Material ausgebreitet werden
, abgegrenzt. Dasselbe geschieht schließlich auch
mit der Taufe, die nicht nur jüdischen Waschungen und
Taufriten, wie der Proselytentaufe gegenübergestellt und
damit soweit möglich religionsgeschichtlich eingeordnet
wird, sondern vor allem theologisch im Gegensatz zum
Opfer des jüdischen Kultes verstanden wird. Unter
eschatologischem Gesichtspunkt erscheint sie als „der
reine und sichere Übergang von dem gegenwärtigen zum
zukünftigen Aeon" und ist darum geschichtlich gesprochen
, „Keim und Kern fast unübersehbar reicher Entfaltung
". Auch die Verkündigung des Täufers von dem
Vollender wird in den Zusammenhang der spätjüdischen
Religionsgeschichte gerückt, wobei besonders auf
die beziehungsreichen Bildworte vom Lamm neues Licht
fällt. Und zuletzt muß die Gestalt des Täufers selber
von den Gedankengängen des jüdischen Glaubens aus
verstanden werden. Er ist prophetischer Hoherpriester
der Taufe, die ein eschatologisches und priesterliches
Mittel Gottes ist. Damit ist auf des Täufers Bedeutung
hingewiesen, die in einem Schlußkapitel noch ausführlich

Mainzer Urkundenbuch. 1. Bd.: Die Urkunden bis zum Tode Erz-
bischof Adalberts I. (1137). Bearb. von Manfred S t i m m i n g. Darmstadt
: Verl. d^ist. Vereins f. Hessen 1932. (VII, 608 S.) Lex. 8°. =
Arbeiten d. Hist. Kommission f. d. Volksstaat Hessen. RM 41—.

Zu den vornehmsten Aufgaben der 1907 begründeten
hessen-dannstädtischen Historischen Kommission gehört
die Bearbeitung des Mainzer Urkundenbuchs. Der
erste Plan stammt von J. Haller, der alle Urkunden der
Erzbischöfe, des Domkapitels, der Stifte und Klöster,
der weltlichen und geistlichen Behörden sowie der Stadt
Mainz bis zum Jahre 1250 bringen sollte. Im Verlauf
der Stoffsammlung fand eine Einschränkung statt. Es
blieben unberücksichtigt die Urkunden, in denen Mainz
nur als Ausstellungsort oder der Erzbischof nur formelhaft
als Intervenient genannt wird; Briefe, soweit sie sich
nicht dem Inhalt nach den Mandaten nähern; Weihenotizen
, Statuten der Provinzialsynoden und alle Ur-
behandelt wird. Das Erschütternde an der Gestalt des : künden der Stadt, welche einem besonderen Bande vorbc-

Taufers ist sein eschatologischer Radikalismus, der zwi- 1 hl£

sehen Gott und Geschichte den Schnitt macht, der not "flten bleiben sollen. Nach Haller übernahmen die L-i

wendig ist, um Gottes Wirken in dem eschatologischen i k; g , Herausgabe R. Holtzmann, F. Vigener H An

Jetzt desto deutlicher hervortreten zu lassen. Hier KSt 1 Th- Mayer- Der Druck zog sich von 1925 bk

theologisch gesehen seine Bedeutung für das Evangelium '< m L- Die Hauptarbeit lag auf den Schultern von

Daneben aber darf eine religionsgeschichtliche Betrach' 1 Imming, der nur für das Register Mithelfer heran

tungsweise die Fülle der Entwicklungsmöglichkeiten H,v ZOg .UIld trotz gesundheitlicher Behinderung das O»««.

in dieser Gestalt lagen, nicht überslhen Johanne" iS? i ein€m Slücklicn€n Abschlu» führte. 3nze

nicht nur der Vorläufer Jesu im Evangelium geworden ' * .r sind g€Wohnt» 10 Urkundeiibüchern zunächst um

sondern er erscheint auch in so mancher christlich^ *?ngreiche Einleitungen über die Kanzleio-eschichte « •

und synkretistischen Sektenbildung als der Anknüpfung 1 name,ltlich dier *****. DiP'omata-Ausgaben von d

punkt gnostischer Taufspekulationen. So ist seine Wi Kehr In musterhafter Weise bieten, zu erhalten n '

kung zerronnen. Er war ,nur< der Wegbereiter ein« v°rhegende Band enthalt leider davon nichts und u

Stärkeren. Das ist ein theologisches und histori^h. sich mit emem knaPP'en Vorwort, das im , !~ »

Urteil zugleich, und dieses Urteil ist das eÄÄ* ,chcn die erwähnte Stoffabgrenzung und die slhS'

gestellten und so kraftvoll durchgeführten Aufsähe JE ff'/*11 ,deS Ul]tern€'ln?ens hervorhebt. Da wir

Gestalt des Täufers als Anfang des Evangeliums'ein .Urk«nd«nwc?cn undch * ,Ka"zlei der Mainzer L?bSrh„fe

heitlich zu verstehen. Daß es jungen isf, verTanE | ^f.^^A^^r^^