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Ausgabe:

1934 Nr. 1

Spalte:

270-271

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sellin, Ernst

Titel/Untertitel:

Israelitisch-jüdische Religionsgeschichte 1934

Rezensent:

Jonat, Friedrich Karl

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 15/16.

'270

stießen dabei auf semitische oder wenigstens semiti- Sellin, Prof. D. Dr. Ernstt Israelitisch-jüdische Religionsge-

sierte Völker Sie selbst waren keine Semiten. Nun legt schichte. Leipzig: Quelle & Meyer 1933. (XII, 152 S.) 8°. = Alttest

sich aber von selbst die Frage nahe: in welchem Ver- _ Theologie «. reiigionsgcschichti. Grundlage i. Teil. RM3-;geb.4-.

sicn aoer von seiosr aie rragc na . , . ch Ders.: Theologie des alten Testaments. Ebda. 1933. (VIII,

haltnis standen die Churriterm den y elgenan ten Utt* 13Q g) g0 = M^ ^ ^ (tH^0M^|,eM< 0run1lag'

biru. Es ist ja bedeutsam: die Chabiru finden wir zur ! 2 Tci, ■ RM 3__ *

selben Zeit und in denselben Gegenden wie die Churn. ^ ^ 3 ^ 4 neubearbeitete

Die Chabiru, das ergibt sich auch aus den Tafeln Auflage von Ed. Königs Geschichte der alttest. Reli-

von Nuzi, waren überall wo sie auftraten, sei es bei den gjon (658 S.), 1922 die 1. u. 2. Aufl. seiner Theologie

Chittitern oder Canaanäern, sei es in Arapcha oder i des Alten Testaments (348 S.). Seitdem war es merk-

Babylon, Leute ohne Land, Fremde und als solche j würdig still auf beiden Gebieten. Diese Stille gebro-

in gewissem Sinne Nomaden. Am richtigsten wird man ! chen zu haben, ist das Verdienst Sellins und Eichrodts,

sie als „Banden von Abenteurern und Glücksrittern" Zwei neue Theologien des A.T.'s in einer Zeit, die dem

bezeichnen können. Sie bilden also keine völkische Ein- ' A.T. nicht sonderlich hold ist!

heit, wenn auch im Laufe der Zeit ein gewisses völ- j Zur Veröffentlichung seiner zweibändigen Theoloeie

kisches Bewußtsein sich secundar entwickelt haben mag. des a.T.'s (erster Teil: israelitisch-jüdische Relfeions-

Sic sind gewiß mit den Apiru in Egypten, den aus an- , geschiente; zweiter Teil: Theologie des Alten testa-

dischen Arbeitern und Söldnern (wie sie auch a s solche ments; jeder Teil in sich abgeschlossen und einzeln

in Nuzi erscheinen) identisch. Desgleichen mit den Ibn käuflich) bestimmte S. „einzig und allein die Not unserer

d. h. den Hebräern. Das Wort bedeute den Wanderer " ; Studenten und Kandidaten. Der Mangel eines für sie

und zugleich „Fremdling". Natürlich fallt da der Blick ! geeigneten Lehrbuches der alttest. Theologie ist nach-

-wo der Verfasser jetzt die biblischen Angaben prüft-, g€rade unerträglich geworden, nicht minder die im Laufe

auf Gen. 14,13, auf das Abrain der Hebräer". Die §€S letzten halben Jahrhunderts immer mehr vollzogene

Geschichte des Hauses Abram hat nach ihm manche Auflösung dieser Disziplin in eine israelitisch-jüdische

Analogieen unter anderen Chabiru-Gruppen Vieles Religionsgeschichte". Ich persönlich habe diese Not nicht

aus der Patriarchenzeit - ganz abgehen von der Frage empfuäKil; mir persönlich wurden Königs oben genann

der Geschichtlichkeit der Erzväter — führt auf ,churri-
tische' Gebräuche und Anschauungen. So z. B. der Dieb-
cfnhi Her Götter Labans durch seine Tochter Kachel —

te Bücher zu einem Erlebnis, und ich lese immer wieder
in ihnen. Aber meine eigene Erfahrung beugt sich gern
unter die S.'s. Jeder neue didaktische Versuch, „einzu-

das sicherte nach churritischem Recht ihrem Mann einen

Rechtsanspruch auf den Besitz seines Schwiegervaters < ~d£ zei^rale UPnd Wlchtlfste ^«est. Disziplin",

So hat die Tatsache, daß die Patriarchenfrauen ihre : muß beg-ußt w-€rien- .Es g€s?hahen nicht so viele AnMägde
ihrem Manne selbst zuweisen, um von diesen
Söhne zu erzielen ihre Parallele in betreff. Gesetzen
aus Nuzi. So mögen, da Abram aus Haran einwandert,
einem churritischen Sitz, manche Chabiru churritisches
Gut aufgenommen, sich am Ende sehr stark mit Chur-
ritern gemischt haben.

Die Frage, welches Verhältnis zwischen Churritern

griffe auf das A.T., wäre die Unkenntnis nicht so groß.
Wie soll aber der Unkenntnis gewehrt werden, wenn
„unsere jungen Theologen" versagen? Für sie als die
werdenden Führer unsrer Gemeinden ist zunächst S.'s
Lehrbuch bestimmt. Doch eignet es sich nicht weniger
für den vielbeschäftigten Pfarrer wie für den Religionslehrer
. Man lese z. B., was S. über Tier- und
Menschenseele schreibt (II, S. 58) oder über das Rassen-

und~den" Hykso's""vorlag," "drängt sich von selbst auf. j Problem (II S 59) oder über den Urzustand (II S. 62)
Haben wir es doch mit großen Völkerbewegungen zu ! oder übenden Sundenfall (II, S. 66), goldene Apfel in
gleicher Zeit in gleichen Gegenden zu tun. Da darf nach
Speiser die Behauptung gewagt werden, daß die Churriter
ein wesentliches Element unter den Hyksus ausmachten
neben dem semitischen. In der späteren (2.
Periode) der Hyksus mögen auch indoeuropäische Gruppen
sich mit den Hyksus gemischt haben, wahrend
die Chabiru vielleicht zuerst Aegypter „überrannten"
von den Wogen der churritischen Volksmassen dorthin
gedrängt. Mit diesem semitischen Teil der Hyksus
darf man auch die Israeliten zusammenstellen. Ein Teil
von ihnen wird zu dem Chabiru gehört haben und
aus Aegypten ausgewandert sein — aber nicht alle
Chabiru sind „Hebräer" (na*) und nicht alle Israeliten
Chabiru. —" Der Verfasser regt zu vielen Fragen an,
ist auch im Ganzen vorsichtig und zurückhaltend. Man
hat Grund, ihm für seinen Aufsatz dankbar zu sein.

Der Beitrag von Albright bietet eine genaue Über- I Welt; II. Die Lehre des A. T. von dem Wesen des Menschen und der

sieht Beschreibung und auch (auf 27 Tafeln) eine Sünde des Menschen; III. Die Lehre vom göttlichen Gericht und vom

bildliche Wiedergabe der Gefäße und Gefäßscherben, göttlichen Heil".

Hie hei der vierten Ausgrabungscampagne in Bet Mir- S. datiert die isr. Religionsgeschichte vom Auftreten Moses. „Mose,

sim gefunden sind, in bekannter Zuverlässigkeit und der Stifter der isr. Religion... LS. 6 D,e geschichtliche^Kunde Israels

§im geTunucu ». , „ f & , • aber „datiert das geschichtliche Hervortreten seiner - richtigen — Reli-

GenaUlgkeit wahrend dann McLowil aus üen in Zeitpunkt an, wo Abraham sich von seinen Verwandten

Gerascha (Ostjordanland) aufgefundenen Resten und » Mesopotae|nien tren„.eund nach Kanaan wanderte". König, Geschichte

Inschriften eine Übersicht über die dort verehrten Gottin- dcr alttest Reiigion, s.34. Abraham ist auch der erste im A.T., der

nen bietet, eine Übersicht, die von besonderem Interesse nahi (= Gottessprecher) genannt wird. Nach s. (I,S. 62) ist das Wort

für die Religionsmischung der griechisch-hellenistischen nabi „eine Bezeichnung der Ekstatiker und Zungenredner'. „Tatsächlich

und der römischen Periode bis zu dem Siege des Chri- hat es kaum einen Propheten gegeben, der wohl auch ekstatische Zu-

stentum ist Bemerkenswert, daß unter den 7 Göt- stände gehabt hätte, mindestens Audilionen und Visionen". S. 68. Abra-

tinnen 2 semitischer Herkunft scheinen und daß von harn ist alles andere nur kein „Ekstatiker und Zungenredner" Meines

Tinnen 1 semilr„iltTinn von Ornhismus - bum Erachtens hat auch hier Konig richtiger gesehen, der primäre Abraham

irgend einer Mysterienreligion, von Urpnismus kaum und Schriftprophetc„), sekundäre oder reproduzierende

eine Spur sich findet und daß die Hauptgotthe.t des die Pr0pnetcnjünger) und Pseudopropheten (z. B. jer. 6 h •

Volkes die ,Tyche' war. „sagen: Friede! Friede! und ist doch nicht Friede") reinlich auseinander-
Bonn J. M e i n h o 1 d. ; gehalten. Im übrigen steht die moderne Forschung auf dem Gebiet der
_______ 1 Prophetenpsychologie erst am Anfang, und was sie bisher erforscht hat,

silbernen Schalen!

Das Verhältnis der Theologie des A. T.'s zur israelitisch-jüdischen
Religionsgeschichte beschreibt S. (1,2) gut so: „Beide gehören . . für
die ehr. Theologie organisch und untrennbar zusammen, so daß dir
Theologie des A. T. die Krönung der israelitisch-jüdischen Religionsgeschichte
ist, indem sie vom Standort des Evangeliums aus in systematischer
Zusammenfassung das herausstellt, was in der vielgestaltigen geschichtlichen
Entwicklung der alten Religion das göttlich gewollte Endziel gewesen
ist". DemgemälS gliedert sich die Disziplin in 2 Hauptteile, einer
historischen, die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte, und einer
systematischen, die Theologie des A. T. enthaltend. Der erste wird am
besten in 4, der zweite in 3 Kapitel gegliedert, nämlich A. Die israelitisch
-jüdische Religionsgeschichte: I. Die mosaische Religion; II Die
Entwicklung der isr. Religion in Kanaan; III. Die prophetische Reaktion
gegen die Kanaanisierung, Nationalisierung und Säkularisierung
der mos. Religion; IV. Die Herrschaft der jüdischen Gesetzesreligion
. B. Die eigentliche alttest. Theologie gliedert man am
besten in I. Die Lehre des A.T von Gott und seinem Verhältnis zur