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Ausgabe:

1934 Nr. 1

Spalte:

268-269

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Annual of the American Schools of Oriental Research; Vol. XIII 1934

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 15/16.

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die Bedeutung der Funde von Nuzi erstmalig klargelegt
in dem Aufsatze ,,A New Factor in the History of the
Ancient East". Seitdem sind sieben Jahre vergangen. Die
weitergeführten Ausgrabungen haben mancherlei Neues
zu Tage gefördert, und die Untersuchung eines Teiles
des Materials gestattet heute eine bessere Auswertung
der Funde. Diese will Speiser hier geben, besonders
in historischer und ethnographischer Hinsicht.

Nach einer kurzen Einleitung folgt eine ausführliche
Erörterung darüber, welche ethnische Bezeichnung den
Bewohnern von Nuzi zukommt. Die anfangs für diese
Völkergruppe übliche Benennung „Mitanni" muß ausscheiden
, da Mitanni lediglich der Name eines politischen
Gebildes im mittleren Mesopotamien zur Amarna-
zeit ist; sie ist deswegen weder für die Charakterisierung
der Rasse noch für die der Sprache zutreffend.
Auch die von deutschen Gelehrten bisher meist gebrauchte
Bezeichnung „Subaräer" und „subaräisch" lehnt
Speiser ab, da hier ursprünglich ein geographischer Terminus
vorliegt. Die richtige Bezeichnung sei „Hurri"
und „hurrisch". Speiser sagt darüber S. 22: „We have
seen, then, that Subartu started out as a geopraphical
concept; late in the second millennium it acquired an
ethnic oonnotation, and in a linguistic sense it is not
attested before the first millennium. In none of these
meanings can the usage be called precise. The career
of Hurri is a good example of exactly the opposite
course. The term is best documented as an ethnicon;
its linguistic and geographical connotations are evident-
ly seoondary; and there is little ambiguity in any of
these usages."

In Nuzi und Arrapha erscheinen die Hurri erst nach
der altakkadischen Zeit. Sie sind also dort verhältnismäßig
spät eingewandert. Wo ihre eigentliche Heimat
ist, ist vorläufig nicht sicher auszumachen. Man muß
sich außerdem fragen, ob die Hurri, die wir nach Ausweis
ihrer Namen in Syrien und Palästina zur Amarna-
zeit finden und die zur Kassitenzeit in Babylonien auftauchen
, versprengte Teile dieser Völkergruppe darstellen
oder ob sie Reste der sich einst über einen großen geographischen
Raum ausdehnenden Rasse sind. Das sicher
zu entscheiden, dazu reicht vorläufig unser Material nicht
aus.

Schließlich beschäftigt sich Speiser ausführlich mit
dem Verhältnis der Hurri zu den Habiru und den
Hyksos. Die Hurri können überall an der Hand ihrer
Eigennamen als eine Einheit nachgewiesen werden. Anders
ist es mit den Habiru und den Hyksos. Am wahrscheinlichsten
ist es, daß die Habiru eine nomadisierende
Bande von Abenteurern und Glücksrittern ist, die überall
dort auftauchen, wo es etwas für sie zu holen gibt,
und die in Zeiten, wo sie nicht von den Kriegen der
Großmächte Nutzen ziehen können, sich wohl einmal als
Sklaven verdingen, um ihr Dasein zu fristen, wie es
die Habiru-Texte von Nuzi zeigen. Ihre Eigennamen
gehören verschiedenen Sprachen an. Habiru und ägyptisch
'Apiru ist lautlich dasselbe. Die äußeren Merkmale
, die für die Habiru genannt sind, gelten in gewisser
Weise auch für die Hyksos. Ob die Gleichheit sich auch
auf die innere Zusammensetzung erstreckt, kann nur
vermutet werden. Viel für sich hat die Annahme, daß
die Hyksos semitische und hurrische Elemente umschließen
. Speiser meint, daß gerade die Hurri einen
wichtigen Bestandteil dieses Völkergemisches ausmachen
, als das man die Hyksos doch wohl wird ansehen
müssen. Ich darf hier wohl auf meinen Versuch hinweisen
, den Namen des Hyksosköniges Smkn aus dem
Subaräischen zu erklären und mit dem Gott Simike zusammenzubringen
(ZÄS 64 S. 57 f.). Speiser sieht übrigens
die Gleichsetzung der Hurri mit den Choritern
des A.T. als gesichert an.

Im großen und ganzen wird man den Darlegungen
Speisers zustimmen können, die in jedem Falle sehr
viel anregende Gedanken bietet.

Hiddensen Arnold Gustavs.

! The Annual of the American Schools of Oriental Research.

Vol. XIII for 1931 - 1932. Edited for theTrustees by Miliar Burrows
and E.A.Speiser. New Häven: Yale University Press 1933. (IX,
167 S. m. Abb. i. Text u. a. Taf.) gr. 8°.

Dieser wieder vortrefflich ausgestattete Band des
amerikanischen Annuals bietet: 1) eine Nachlese von
den letzten Ausgrabungen in Nuzi von J. T. Meek
I (S. 1—12), 2) eine Schilderung von Völkerbewegungen
j des nahen Ostens im 2. Jahrtausend v. Chr. durch
E. A. Speiser, 3) von der Ausgrabung in Bet Mirsim:
die Töpferarbeit des Bronzezeitalters der vierten Aus-
grabungs-Campagne von W. E. Albright und zuletzt:
j 4) die Göttinnen von Gerasa von C. C. McCown. —
Von den über 200 Täfelchen der akkadischen Periode,
die man in Nuzi gefunden hat, ist nach Meek eine
„Karte" von besonderem Interesse, die er auch in photographischer
Wiedergabe bietet (S. 12). Sie ist orientiert
d. h. die Worte für „West", „Ost", „Nord" sind
an den Seiten beigeschrieben (das Wort für Süden ist
abgebrochen). Da sie in einer Sammlung von Tafeln geschäftlichen
Charakters gefunden ist, liegt es nahe
daß sie gemacht war, die Lage von dem Land eines in
der Inschrift genannten Azala anzugeben. Der Fluß
auf der Karte, der von Süd nach Nord zu fließen scheint,
mag der Euphrat und der vom Westen ihm zuströmende
der Chabur sein. Das Gebirge im Osten dürfte als
Zagros das im Westen als Libanon und Antilibanon anzusprechen
sein. Aber es kann sich auch um den
unteren Zab und den Tigris handeln. Jedenfalls haben
wir hier die feinste und älteste Karte vor uns von allen,
die wir kennen.

Daneben bietet Meek noch einen Geschäftsbrief in
Transscription und Übersetzung in Altakkadisch, der

| besonders gut erhalten ist und in dem von Übermittlung
und Verwendung von Saatgetreide die Rede ist; er
gehört einer älteren Schicht an, in der wir von „Chur-
ritern" nichts hören im Gegensatz zu den oberen Schicht
ten. — Ein kappadokischer Brief, der in einer höher
liegenden Schicht gefunden ist, zeigt in der Form außerordentliche
Verwandtschaft mit jenem altakkadischen.
Das führt neben Anderem darauf, daß Kappadokier
und Akkadier wohl in ältester Zeit engste Verbindungen,
ja am Ende gemeinsamen Ursprung hatten. — Von
großem Interesse ist der Versuch Speisers über die
Hurriter und ihr Verhältnis zu den Chabiru im 2. Jahrtausend
etwas auf Grund der Inschriften zu erschlie-

I ßen und mitzuteilen. Zunächst erweist Speiser, daß
der Name des entsprechenden Volkes ,Churri' (nicht
Charri, noch gar Murri) oder in chittitischer Form
Chur-la, im akkadischen Chur-wu lautet. Der Name
gilt ebenso vom Volk, wie von seinem Land und seiner
Sprache. Die Churriter sind aber nicht wie vielfach
geschieht — auch in späteren assyrischen Königsinschriften
— den „Subaräern" gleichzusetzen. Das Land
Subartu in Nordmesopotamien besaß vor dem 2. Jahrtausend
eine nicht-churritische Bevölkerung. Die Churri-

I ter drangen da erst verhältnismäßig spät ein. Wir
finden sie an der Südostgrenze des chittitischen Reiches,
in Syrien, stoßen auf churritische Namen in Assyrien
und Babylonien — auch in Palästina. Hier sind die
„Choriter" nichts anderes als die „Churri", wie dann
die Egypter Palästina das Land „Churu" (nicht Charu!)
nennen. Es ist bedeutsam, daß die Churriter ein weites

! Gebiet bewohnten, das man bisher vornehmlich semitischer
Bevölkerung zuwies. Es muß eine Völkerbewegung
von bis dahin unbekanntem Ausmaße gewesen
sein, vermöge der die Churriter in der Mitte etwa des
2. Jahrtausend von Arrapcha und Ninive über Mesopotamien
bis nach Syrien und Palästina vordrangen. Sie