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Ausgabe:

1934 Nr. 14

Spalte:

263-264

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Koch, Rudolf

Titel/Untertitel:

Christliche Symbole 1934

Rezensent:

Lerche, Otto

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Seite 1

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263

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 14.

264

in Betracht gezogen hat, auch wenn er einen persönlichen
Staat erstrebt und sich gegen den Wirtschaftsstaat
, der nur für die Bedürfnisbefriedigung sorgt, wendet
(194). Gott und Ich sind, wie wir immer deutlicher
erkennen, von der Gemeinschaftsbindung unabtrennbar.
Der Gemeinschaft gegenüber ist aber dann auch die
Sünde nicht mehr nur die Störung Meiner Arbeit (213)
und das Leiden nur die Vergänglichkeit der Welt (137).
Die Fortführung von Nietzsche durch M. (469, 509,
624, 627) kommt trotz einiger wertvoller Anregungen
einem neuen Wissenschaftsdenken wenig zu Hilfe. Anerkennend
sei zum Schluß hervorgehoben, daß M. mit
Recht das Gefühlsleben und die Mystik und Romantik
(200) im Grunde des Wirklichkeitsverständnisses und
der Wissensschaftsstruktur mit aufnehmen will.
Leipzig. H. E. Eisen hu th.

Koch, Rudolf: Christliche Symbole. Gezeichnet unter Mitwirkg.

von Fritz Kredel. 7. u. 8. Liefg. Kassel: Bärenreiter-Verl. 1933.

(30 Blätter) Lex. 8°. in Subskr. je RM 2.40.

Es ist kein Zweifel daran, daß die Gegenwart wieder
in der Lage ist, Symbole richtig aufzunehmen und zu
werten. Das erneuerte Deutschland hat im Gegensatz
zu abstrusen Polizeimaßnahmen des früheren Regiments
das Seinige dazu getan, das Verständnis auf diesem

Gebiete zu pflegen. Hingewiesen sei — ohne in allen 1 Austreibung der Hagar mit der Trennung von Staat und
Punkten zuzustimmen — auf Ludwig Koch: Die Kraft j Kirche ist schlimmer, geradezu unerträglich aber die
der Symbole (Stimmen der Zeit Jg. 64: 1934 S. 269 J Parallelisierung von Abraham, Isaak und Jakob mit
bis 2672). Von Rudolf Kochs Christlichen Symbolen i Luther, Melanchthon und — zur Auswahl: Paul Gerliegen
nun 8 Lieferungen vor und man darf im Über- 1 hardt oder Bismarck! Da wird nur allzuleicht ein Widerblick
sagen, daß hier ein großes Material zusammenge- spruch gereizt, der um der Künstelei des Vergleiches

Gebrauchsgraphik Jg. 70: 1933 S. 11/12, hergestellt und
überreicht von der Offizin Haag-Drugulin AG in Leipzig.

Berlin. Otto Lerche.

T o 1 z i e n , Gerhard: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort t

(Jeremias 22, 29). Vierzig alttestamentliche Zeitpredigten. Schwerin i. M.:
F. Bahn 1933. (246 S.) gr. 8°. RM 5.50; geb. 7.50.

Im gegenwärtigen Augenblick gegen die weitverbreitete
Zeitströmung alttestamentliche Predigten zu halten
, ist dann ein Verdienst, wenn dabei die Gotteswahrheit
des Textes aus der zeitlichen Hülle gelöst und als
Wort von Gericht und Gnade über Volk, Gemeinde und
Einzelnen zur Wirkung gebracht wird. Sie sind gefährlich
, wenn sie in mehr oder weniger naiver Parallelisierung
den Vorgangsablauf, die äußere Situation selbst,
auf die Gegenwart wenden. Die Predigten Tolziens,
in ihrem nüchternen Urteilen auch über die Schranken
des Alten Testamentes und seiner Menschen, in ihrem
lebendigen Ernst, und ihrer anfassenden, nur selten
das Triviale streifenden Sprache erfreulich, haben die geschilderte
Gefahr nicht immer vermieden. Die Parallelisierung
des Verhältnisses Israels zu den Philistern oder
den Babylonicrn (Belsazer) mit dem Verhältnis Deutschlands
zu Frankreich mag vielleicht eben noch angehen;
die Parallelisierung von Simson mit Bismarck oder der

bracht und mit dem Geiste der Zeichen tief verbundener
Feder dargestellt ist. Wenn von der Kritik hier und
da behauptet wird, diese Symbole seien unbrauchbar,
da sie ohne Einführung unverständlich seien — so in
„Christentum und Wissenschaft" Jg. 10: 1934 S. 357
— so erfolgt eine solche Kritik aus Verständnislosigkeit
gegenüber dem Wesen des Symbols. Wer den symbolhaften
Sinn des Kreuzes nicht erkannt hat, nachdem
er ihm so oder so entgegengebracht ist, der wird mit
noch so einfach gekreuzten Stäben nichts anfangen können
. Symbole sind keine gnomischen Zeichen, die ohne
jede Einführung auch dem Primitiven verständlich sind.
Alles was uns die Nomina Sacra usw. überliefert haben,
wie Monogramme Christi IH2 IX0Y2 oder wie A und Q,
ist nicht ohne Einführung in den Sinn verständlich,
und möglich ist die Herbeiführung dieses Verständnisses
überall, ohne daß man das Christentum zu irgend
einer Mysterienreligion macht. Dabei soll nicht verkannt
werden, daß auch für manche der vorliegenden
Tafeln die Symbolik schwer, ja dunkel ist, z. B. in
Lfg. 7 der Gnadenstuhl, in Lfg. 8 der zweite Artikel.
Wertvoll und ergreifend sind immer alle Arten von Kreuzen
: Unica spes, Kreuze mit Monogrammen Christi,
Koptisches Kreuz, Vortragskreuz, Erhöhtes Kreuz mit
der Rechten Gottes, blühender Stab Aarons, Rosenkreuz,
Kreuz und Kreuze auf Golgatha, Sieg des Kreuzes.
In Tafel 16 von Lfg. 7 haben wir den ganzen Luthervers
„Mit unsrer Macht ist nichts getan": da handelt
es sich aber nicht um Symbolik, sondern um ein
Schriftbild. Gewiß tritt der hieratische Charakter der
Schrift gerade in der Feder Rudolf Kochs deutlich her-

willen die Sache beiseite schiebt, und das umso mehr,
als die nach innen „zeitgemäßesten" Worte des Alten
Testamentes, die sozialethischen Mahnungen der Profeten,
ganz am Rande bleiben.

Göttingen. Joh. Hempel.

6oeben erfebien:

$ irdlettreatmcnt iinii SinQenftreU

33on 3)r. jur. (Sberfyarb 34ebler

iKecbtsanroalt in Cetpsig

"Preis geheftet $Ot -60

„'Der Berfaffcr fdjreibt als treues ©lieb feiner lutherifdjen
Äirdic, unb fein juriftifcher 'Beruf hat ihn geroöhnt, bie
2)inge mit grofjer TOidjtcrnheit p fehen unb 511 fagen.
gr bot heinen 3roeifel baran, baf; bie kirchlidjc, unter
härteftem 3roang gefdjehenbe (Entroicklung ber 6d;rift,
bem Bekenntnis unb bem 9?ed)t niiberfnricht unb fich
für unfer euangelifches 33olk oerhängnisDoU auswirken
roirb. Berfucbt man, roie bas ber 9Wd)sbifd)of bitrcb
bie Befcitigung ber eoangelifdjen Äirtfte ber altnreu»
fjifcfjen Union tut, im SD5ege bes Sübrerprinjins ju
einer 9Tationalkirche ju kommen, fo roirb ben 6d)aben
baoon nidjt nur bie Ätrche, fonbern auch ber 6taat
tragen, benn bie 9Iationaikird)e roürbe günftigenfalls
nur bie Religion bes anftänbigen Sölenfdjen prebigen
können, unb bas heifet: fie roäre nidjt mefjr djrift*
lidjc Äirdje."

■Baftor D. 335. Kolfhaus, <ölotf)o, in ber
vor. Trotzdem sollte er sich dabei vor Experimenten ; Reform. Ätrcrjenjeitung oom 27. 5. 34.

hüten: Im Monogramm Jesu IIIS kann man das J
nicht durch Y ersetzen. Wundervoll ist das sicher
nicht alte und wahrscheinlich am Main gewachsene Symbol
,,Das Wort Gottes" dargestellt durch die aus einer

Buche herausschlagenden Flammen. Hingewiesen sei bei v/cdi a<~ nen i r> uiMDiruc^r-ut».

dieser Gelegenheit auf das Rudolf Koch und seinem I * ./>rAS J7V?. ..S'JVX Z. Jt

Kreise gewidmete Heft des Archivs für Buchgewerbe und BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C 1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 21. Juli 1934.

I. v. W. g. — Verantwortlich: Prof. D. W. Ba u er in Göttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
Verlag der J. C. Hinrich s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.