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Ausgabe:

1934 Nr. 14

Spalte:

243

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hart-Davies, David Ephraim

Titel/Untertitel:

The Genesis of Genesis 1934

Rezensent:

Kuhl, Curt

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243

Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 14.

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M. ist abwegig. Denn wenn Hegel behauptet, das Nir-
vana sei das „einfache Substanzielle", so ist das falsch.
Denn wenn irgend etwas für den Buddhismus kennzeichnend
ist, so ist es dies, daß es etwas Substanzielles
nicht gibt. Das einzig „Substanzielle" ist das Formai-
Gesetz des samsara, das aufzuheben, der Zweck der
Erlösung ist. Das zweite Buch ist von besonderem Gegenwartswert
gerade für die Kirche und außerkirchliche,
religiöse Strömungen. Mit eindeutiger Klarheit zeigt es,
daß das Christentum den persönlichen Gott und den
bleibenden Wert des Ich auch im Ewigkeitsziel vertritt.
Alles Liebäugeln mit dem Pantheismus ist damit unhaltbar
widerlegt. Auch wird hier die christliche Mystik
richtig beurteilt. Nur noch einige Kleinigkeiten: Kann
man von einem „impersonalen Ich" sprechen? Und:
Zu einer tieferen Fassung des Begriffs des „Ich" im
Osten und Westen wäre zu beachten gewesen, was G.
Günther in Z. M.R. 1926 über die Strukturdifferenz
der Seele im Osten und Westen gesagt hat, und was
ich in „Japan zwischen zwei Kulturen" gesagt habe.
Ich glaube ferner nicht, daß die Dharma-Lehre, die
Otto Rosenberg entwickelt hat, schon in der Lehre Buddhas
selbst enthalten war. Sie tritt erst im Abhidhamma-
Pitaka auf, das zu einem späteren Stadium der Entwicklung
der Lehre Buddhas gehört. Hier ist schon
die Rückbildung zu den Begriffen des Brahmanismus im
Werden, die später zum Mahayana - Buddhismus führt.
Einer genaueren Darstellung bedürfte meiner Meinung
nach in einer neuen Auflage des Buches die Besprechung
des Ich-Problems im Konfuzianismus, der etwas zu kurz
und zu einfach behandelt wird, wie er auch in dem
Buch über die Sünde zu stiefmütterlich behandelt wird.
Doch das sind nur kleine Mängel, die dem Verdienstvollen
beider Bücher keinen Abbruch tun.
Berlin. Johannes Witte.

Hart-Davies, D.E., M. A., D.D.: The Genesis of Genesis.

London: J. Clark & Co. o. J. (182 S.) 8°. 3 sh. 6 d.

Der sehr belesene Verfasser gibt hier eine erbauliche apologetische
Verchristlichung der ältesten Gen.-Erzählungen. Seine Ablehnung der
Quellentheorie (S. 16), die versuchte Harmonisierung beider Schöpfungsgeschichten
(S. 22), die Auffassung der Sündenfall-Erzählung als „actual
history symbolically portrayed" (S. 95) und nicht zuletzt „the new
Reformation in Germany associated with the name of Karl Barth" (S. 8)
dürften zur Charakterisierung dieses Büchleins genügen.

Berlin-Frohnau. Curt Kühl.

Lachmann, Prof. Dr. Johann: Das Buch Habbakuk. Eine textkritische
Studie. Aussig (C. S. R., Uhlandstr. 9): Selbstverlag d. Verfassers
1932. (92 S.) 8°.

Wer auf dem Berliner Orientalistentag 1923 den
Vortrag von Wutz gehört hat, wird sich noch des nachL
haltigen Eindrucks erinnern, den damals die im 18. Jahrhundert
von Tychsen und Masch aufgestellte, inzwischen
in Vergessenheit geratene und nun von Wutz
wieder neu vorgetragene Theorie auslöste, nach welcher
der LXX-Text nicht auf einen hebräischen Konsonanten-
text, sondern auf einen hebräischen, in griechischer
Schrift geschriebenen Text zurückgehen soll. Daß diese
Theorie viel Wahrscheinlichkeit für sich hatte, war um
so deutlicher, als schon Halevy (Journal Asiatique 1901)
überzeugend nachgewiesen, daß „die zweite Hexapla-
Kolumne des Origenes auf seit langem in Gebrauch befindliche
Transkriptionstexte der alexandrinischen Juden
zurückgehe". Mit Recht durfte man daher auf die systematische
Durchführung dieser Untersuchungen gespannt
sein, die vielleicht dazu berufen sein sollten, der at.lichen
Textkritik ganz neue Bahnen zu weisen. Mit Transkriptionstexten
muß sicherlich gerechnet werden; aber es
bleibt die Frage, in welchem Umfange sie in Umlauf
waren. Während Wutz sie als Vorlage für die Übersetzung
aller at.lichen Bücher außer dem Pentateuch
annehmen will, fehlt es nicht an Stimmen, die diese
Verallgemeinerung stark reduzieren. Besonders als Wutz
in seiner textkritischen Untersuchung der Psalmen (1925)

seine Theorie an einem bestimmten Abschnitt des AT.s
konsequent durchzuführen bemüht war, fand er zwar
weithin Zustimmung, aber es fehlte nicht an Widerspruch
, wie er vor allem nachdrücklich und grundsätzlich
von Gunkel in der Deutschen Literaturzeitung
1927 Sp. 1393—1402 erhoben wurde. Auch Fischer, der
von Anfang an der neuen Theorie skeptisch gegenüber
stand, kam in seinen Arnos und Jesaia behandelnden
Untersuchungen für diese Bücher zu einer Ablehnung der
Theorie von Wutz.

In diesen Zusammenhang gehört die vorliegende textkritische
Studie von Lachmann, die sich die Aufgabe
stellt, am Sonderbeispiel des Buches Hab die Transkriptionstheorie
nachzuprüfen. Darüber hinaus kommt
es dem Verfasser darauf an, die nicht unerheblichen
Differenzen zwischen MT und LXX bei Hab zu untersuchen
. Nach einer Aufzählung der textkritischen Quellen
(S. 4), der Literatur (S. 5—7), einem Verzeichnis
der Abkürzungen (S. 8) und einer textkritischen Einleitung
(S. 9—17) behandelt Lachmann in drei großen
Abschnitten (S. 18—-86) die textkritischen Varianten mit
dem Ergebnis (S. 87—92), daß er für die Abweichungen
der LXX vom MT eine dreifache Erklärung findet:
1. Konsonantenverlesungen im weiteren Sinne
(Haplographie, Dittographie, Umstellungen, Ausfall, Einfügung
eines Konsonanten und Verlesung hebräischer
(aramäischer) Buchstaben), 2. Verschiedene Voka-
1 i s i e r u n g der gleichen Konsonantengruppe durch LXX
und MT (Zusammenstellung aller Beispiele S. 89). Während
Wutz diese Fälle dem Transkriptor zuschreibt,
kommt Lachmann mit der weit einfacheren und einleuchtenderen
Erklärung aus einer unvokalisierten hebräischen
Vorlage mit scriptio continua. 3. Solche Abweichungen
, die auf verschiedenen selbständigen
Fassungen des Urtextes beruhen (z. B. 1,15 und vor
allem in Hab 3).

Wichtig ist vor allem das Ergebnis im Blick auf die
Transkriptions-Theorie. Aus den wenigen Eigennamen
des Buches Hab lassen sich Schlüsse für oder gegen
sie nicht ableiten, auch nicht aus den Gutturalen und
Zischlauten (zu 3, 3 der Verwechselung von nbo und b?
vgl. S. 68) noch aus den Doppelungen, die sich (mit
evtl. Ausnahme von 3, 2) als Dubletten erweisen. Bleibt
nur noch die Möglichkeit griechischer Buchstaben-Verlesungen
, für die ernstlich nur ein paar Stellen aus
Kapitel 3 in Betracht kommen: 3,5 (v. 3 bei L. ist
Druckfehler): l??; LXX: Xoyog = AEBHP (alte Transkription)
statt AEBEP; 3,9: nbo; LXX: wjqioc. = 2EAA 2EA als ijftg
oder btj gelesen; 3, 17: rf»B»': MAMAXAA — nbbipp: MAMÄ-
AXAA(A) und 3,19: n'lVtJS; LXX: ei? awreXeuxv verlesen aus
KAAAIA zu AEKAAA.

Während Hab 1 und 2 keinerlei Beweispunkte für
die Transkriptions-Theorie enthalten, ist beachtlich, daß
für Kap. 3, dem „Gebet des Habakuk", sich Möglichkeiten
und Wahrscheinlichkeiten für diese Theorie ergeben
. Das mag mit Lachmann darauf zurückzuführen
sein, daß Hab 3 „wegen seiner praktischen Verwendung
in der Liturgie als selbständiger Psalm in transkribierten
Texten im Umlauf war und erst später mit
Kap. I und II zum jetzigen Buch Habbakuk vereinigt
wurde" (S. 92).

Lachmann gibt uns hier eine schöne und sorgfältige
Arbeit, das textkritische Material wird fleißig und in vollem
Umfange zusammengetragen, das Urteil ist vorsichtig
und besonnen. Zu 1, 9 notiere ich als gute Textkorrektur
auf Grund der LXX ön^ob -ra»»; dagegen kann ich
seinem Urteil zu 1,12; 2,6b; 3,2a, weil hier das
Metrum unberücksichtigt bleibt, nicht beistimmen. Leider
finden sich eine Reihe recht störender Druckfehler, besonders
in den Versangaben; auf Seite 90 scheint sogar
eine ganze Druckzeile ausgefallen zu sein. — So liefert
auch diese Arbeit einen wertvollen Teilbeitrag zur Klärung
der Frage der Transkriptions-Theorie.

Berlin-Frohnau. Curt Kühl.