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Ausgabe:

1934

Spalte:

225-228

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hylander, Ivar

Titel/Untertitel:

Der literarische Samuel-Saul-Komplex (1. Sam. 1 - 15) 1934

Rezensent:

Hertzberg, Hans Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES und Prof. D. Dr. GEORG WORBERMIN, beide in Göttingen

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften. Bearbeitet v. Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, u.Lic.H. SEESEMÄNN, Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind I n s I c h 1 i e ß I i ch an Professor D. BAUER in Göttingen, Düstere Eichenweg 14, tu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung oder Rücksendung von unverlungt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Güttingen, wird nicht übernommen.

VERLAG DER J. C. HINRICHS'SCHEN BUCHHANDLUNG, LEIPZIG C 1
59. JAHRGANG, NR. 13 23. JUNI 1934

Spalte

Althaus: Das Wesen des evangelischen

Gottesdienstes (Rahe)........... 239

Harvard Theological Studies XVII (Bauer) . 232

Hylander: Der literarische Samuel-Saul-

Komplex (Hertzberg) ........... 225

Ken nett: The Church of Israel (Jonat) . 228

Spalte

Lindner: Die Erkenntnislehre des Thomas
von Straßburg (Betzendörfer).......233

Nederlandsch Archief voor Kerkgeschiedenis
(Köhler) ..................234

Otto: Reich Gottes und Menschensohn (Jülicher
) ...................229

Piclion: LePapeetlaCiteduVatican (Krüger) 235

Spalte

Rintelen: Philosophia Perennis (Leese) . 235
Schi an: Evangelische Kirche und Politik

(von der Goltz)...............239

Das Tagewerk eines Papstes (Krüger). . . . 235

Wyclif: Summa de ente libri primi trac-
tatus primus et secundus (Betzendörfer) . 234

Hylander, Ivar: Der literarische Samuel-Saul-Komplex

(I. Sam. 1 —15), traditionsgeschichtlich untersucht. Inaugural-Disser-
tation Leipzig: O. Harrassowitz in Komm. 1932. (XV, 336 S.) gr. 8°.

RM 15—.

Ein seltsames Buch. Es gehört nicht zu denen,
die dem Leser leichte Aufgaben stellen. Man kann es
nicht „lesen", sondern muß sich hindurchwinden; und
man muß, will man dem Verf. gerecht werden, ihm
auf seinen mancherlei Kreuz- und Querwegen zu folgen
versuchen, so schwer es auch ist. Der Rezensent muß
bekennen, noch nie ein Buch zur Besprechung durchgearbeitet
zu haben, das ihn auch nur annähernd so viel
Geduldsaufwand gekostet hat wie dieses.

Schon äußerlich gibt es Schwierigkeiten. Der Stil
ist oft überladen, die Logik nicht immer deutlich, die
Bilder seltsam angewandt (ein Beispiel: „Das im gegebenen
Fall festzustellen und zu beleuchten, ist so
die Voraussetzung der literarischen Schichtung und Zeit-

Gegen diese Methode ist nichts einzuwenden. Daß
mit der Feststellung literarkritisch erarbeiteter Quellen
die Arbeit am Text nicht ihr Ende findet, sondern erst
am Anfang steht, ist heute geläufige Wahrheit. Ebenso
geläufig ist aber auch die andere, wie schwierig
und hypothetisch die nunmehr einsetzende Weiterarbeit
ist. Man braucht sich dazu nur an Greßmanns
Mosebuch und an Hans Schmidt's neuerliches Schriftchen
über die Paradiesesgeschichte zu erinnern. Zwar
ist es H. zu gute zu halten, daß er sich des hypothetischen
Charakters seiner Darlegungen bewußt ist und
das gelegentlich zum Ausdruck bringt (S. 253 M.,
284 M.). Diese Erkenntnis ist aber nicht die im Vordergrund
stehende; denn sonst könnte das Buch nicht
so geschrieben sein, wie es geschrieben ist.

H. geht so vor, daß er sich ein zusammenhängendes
Stück seines Stoffes vornimmt und daraufhin betrachtet
, ob Unstimmigkeiten vorhanden, ob Pointen ver-
bestimmung, für die der Stoff selbst, als ein lebendiger | bogen oder verschwunden sind, ob Fremdkörper (Per-
Organismus aufgefaßt, gewisse Leitfaden zu geben ver- ! sonennamen, Ortschaften, überraschende Motive) aufmag
, welche die Aufgabe haben, der immer vorhandenen tauchen, ob Lücken sich nachweisen lassen usw. Dann
Gefahr des Subjektivismus die Waffen aus der Hand ; geht H. solchen Beobachtungen nach und findet dabei
zu schlagen', S. 93!!!). Sehr störend und die Lektüre nicht nur, daß der ursprüngliche Sinn oft genuo- umee-
beeinträchtigend ist auch, daß die hebräischen Texte i deutet ist, sondern auch, daß Verbindungen dieses und
transskribiert dargeboten werden. Wem zu Dank ge- jenes Stoffteils zu anderen vorliegen. Mit Hilfe d°r
schieht das eigentlich? Man versteht die Texte ]a doch ! dem Verf. eigenen Kombinationsgabe werden die merk-
erst, wenn man sie sich vorliest, sie also sozusagen j würdigsten Zusammenhänge aufgedeckt und als wahr-
ins „Hebräische zurückübersetzt! ; scheinlich" oder „so gut wie sicher" hingestellt. "So ist

Diese Bemerkungen sollen aber die Arbeit nicht I die Kindheitsgeschichte Samuels ursprünglich eine Kindais
schrullenhaft verdachtigen Vor allem ist die hier | heitsgeschichte Sauls gewesen, wofür besonders das
geübte Methode im Grundsatz durchaus ernst zu nehmen. | Wortspiel mit bwü (nach älterem Vorbild) beigebracht
Sie ist als „traditionsgeschichtliche" angegeben Besser ■ wird. Durch Verknüpfung mit der jetzt auf Simson
wäre die Bezeichnung stoff- oder motivgeschichtlich bezogenen Erzählung Jud. 13 wird dann die Kindheitsgewesen
. Die Methode steht im Gegensatz zur literar- geschichte Sauls ausgestattet. Jud. 13 enthält abgesehen
kritischen. H. geht darin bewußt weiter als es z. B. davon noch eine Kultgründungssage von Sor'a. Das
Greßmann tat. Wahrend dieser bei der Einzelsage und alles ist verhältnismäßig einfach. Aber was für ver-
ihrer literarischen Vorgeschichte im großen und gan- wickelte Operationen müssen z. B. vorgenommen wer-
zen stehen blieb, werden hier die „fälschlich" verknüpf- den, um die Ladegeschichte 1. Sam. 4—6 in ihre Beten
Fäden auseinandergewirrt, um dann in der — nach standteile aufzulösen! Zunächst wird — trotz des in
des Verf. Meinung — richtigen Weise wieder zusam- j Kap. 4 fehlenden Samuel — ein Samuelorakel aus 3 11
mengeknüpft zu werden Dabei liegt ihm aber nicht ; 4,21, 3,13 a, 2,35 zusammengesetzt, das von der Tri-
nur daran, den „geschichtlichen Urgrund in jedem Ein- | dition um der Geschichte von der Ladekatastroohe wil
zelfaUe zu entdecken sondern zugleich die Entwickelung : fen seiner Beziehung zu Samuel entkleidet ist Die
der verschiedenen Stoffe, die Grunde für ihre Wanderun- ! eigentliche Ladeerzählung gehört nach Beth Schemeln
gen und neuen (im. jetzigen Text vorhandenen) Ver- ; wohin auch der Kern der Simsonsagen als ursDrün":
knüpfungen und so die Geschichte der Traditionen aufzu- I liehe Sonnenkulterzählung zu setzen ist Die Be
weisen. In diesem Sinne nennt H. seine Arbeit tradi- ! sprechung kann die sehr ins einzelne gehenden und
tionsgeschichtlich. ! komplizierten Darlegungen nicht wiedergeben. Grund-