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Ausgabe:

1934 Nr. 12

Spalte:

222

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schulthess-Rechberg, Georges v.

Titel/Untertitel:

Professor Dr. Gustav v. Schultheß-Rechberg 1934

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 12.

222

Teilenbach die Quellen im Einzelnen und stellt dann
ausführlich Einrichtung und Geschäftsgang der apostolischen
Kanzlei und Kammer jener Zeit dar. So wird
der Diplomatiker, dem die zu Registern gewordenen
Regesten freilich garnichts bieten können, durch das
Gesamtwerk reichlich entschädigt.

Berlin. Otto Lerche.

Spinka, Matthew: A History of Christlanity in the Balkans.

A Study in the Spread of Byzantine Culture among the Slavs. Chicago:
The American Society of Church History 1933. (V, 202 S.) gr. 8°. =
Studies in Church History, Vol. L $ 3—.

Spinka stellt die Christianisierung der Balkanslaven

nicht unterschreiben. Denn die Sprache dieser beiden Apostel war im
wesentlichen altbulgarisch (und zwar ein Süddialekt). Und wo sich das
Altkirchenslavische nicht mit dem Altbulgarischen identifizieren läßt,
kommt man doch nicht aus dem Bereich des Südslavischen heraus. Es
handelt sich dann um die Streitfrage: was ist bulgarisch und was ist
serbisch? Beide Sprachen sind aber vom Mährischen sehr verschieden.
Gerade an der Verwendung der in Mähren nicht recht verständlichen
slav. Kirchensprache musste die Mission in Mähren scheitein, während
die slav. Kirchensprache in Bulgarien das Volk zur Einheit verschmolz.
Oöttingen. Erich Hof mann.

Schulthess-Rechberg, Georges v.: Professor Dr. Gustav
V. Schultheß-Rechberg. Zürich: Buchdruckerei a. d. Sihl 1933.
(HS.) 8°. = Separatabdruck a. d. „ZürcherTaschenbuch" f. d. Jahr 1934.
und die Geschichte ihres Christentums bis zum Einfall Am 4. Juli 1916 ist Gustav v. Schultheß-Rechberg heim-
der Türken dar. Sein Werk ist gewandt und anregend I gegangen, im 65. Lebensjahre. Er war der Sprößling
geschrieben und gibt eine willkommene Überschau, deren ! einer der vornehmen Züricher Familien, Bankierssohn
Stärke das Einfühlungsvermögen in die geistige Hai- (der Zusatz „Rechberg", eigentlich „am Rechberg", betung
des mittelalterlichen Slaven und in die soziolo- zeichnet, nach Züricher — allgemeiner Schweizer? —
eische Struktur der Balkanstaaten ist. Bei den geringen : Sitte, den Sitz der Familie in der Stadt). Geboren 1852

Vorarbeiten und trotz fleißiger Quellenbenutzung (nur
hätte ich noch mehr Fußnoten zur Begründung der Ansichten
des Autors gewünscht) ist das Werk, und dessen
ist sich Spinka klar bewußt, nur ein erster Versuch,
der als solcher jedoch schön gelungen ist. Manches
konnte man schon in Jireceks grundlegenden Darstellungen
der bulgarischen und serbischen Geschichte lesen.
Aber was dort verstreut war, ist hier zusammengearbeitet
.

Nacheinander werden folgende Kapitel geboten: Der
Untergang des Griechen- und Römertums und der Aufgang
des Christentums auf dem slavischen Balkan.
— Das Christentum Bulgariens nach der Bekehrung des
Boris. — Das bulgarische Patriarchat des 1. bulgarischen
Reiches. — Das Christentum Serbiens vor der
Zeit des hl. Sava. — Die bulgarische Kirche des 2. Reiches
. — Aufstieg und Fall der serbischen Kirche. —
Bogomilentum in Bosnien und Herzegovina. — Epilog.

Die Slaven und die Völker, die vor oder nach ihnen
im Balkan einfielen, traten damit in den Bereich der
byzantinischen Kultur und verfielen ihr mehr oder weniger
. Schon die nicht-slavischen Proto-Bulgaren verwenden
griechische Schrift, und ihre Kultursprache ist
die griechische Volkssprache. Das hätte Spinka noch
stärker unterstreichen können. Zugleich sitzen die Balkanslaven
mitten zwischen christlichen Völkern. Byzanz
und das Frankenreich suchen bei ihnen zu missionieren.
Damals gab es nicht die kirchliche Trennung zwischen
Rom und Konstantinopel. Aber der Streit um die kirchliche
Jurisdiktion (eine Frage der Kirchenpolitik, jedoch
nicht des Dogmas) gerade in Bulgarien beschleunigte
den Bruch. Auch das hätte etwas klarer herausgearbeitet
werden können. Gut ist die Darstellung der politischen
Motive (S. 33), die Boris zur Annahme der
Taufe veranlaßten. Man vermißt aber ein religiöses
Motiv. Könnte man es nicht darin sehen, daß Boris
den Gott des siegreichen Byzanz annahm, um mit Hilfe
dieses mächtigeren Gottes für sich und sein Volk Heil
zu erlangen?

Man braucht ja für die Slavenfürsten kein tiefes Christentum zu
fordern, ein primitiver Glaube kann den Uebertritt verständlich machen. ,
Unter diesem Gesichtswinkel kann ich B. von Arnim: Die Stellung des Hartenstein, Dr. theol. Karl: Die Mission als theologisches
Bulgarenfürsten Symeon zum Christentum, Z. f. slav. Phil. 10 (1933) I Problem. Beiträge z. grundsätzlichen Verständnis d. Mission. Berlin-

Furche-Verlag 1933. (167 S.) 8°. = Furche-Studien, Stud. u. Darstellen!
a. d. Gesamtgebiet theol. Forschg. u. ev. Weltanschauung. Hrsg. v.
H. Lilje. 7. Veröff. RM 4.50.

Dies Buch ist kein Werk einheitlichen Inhaltes, sondern
eine Sammlung sehr verschiedenartiger Beiträge

war er zunächst Pfarrer, seit 1886 zugleich Privatdozent
an der Universität, seit 1890 ordentlicher Professor
der systematischen Theologie, (Nachfolger Theodor
Hä rings, der an A. Ritschis Stelle nach
Göttingen gekommen war). Der jüngste Sohn, Pfarrer
in dem bekannten Männedorf am Zürichsee, hat dem
Vater ein liebevoll bescheidenes, willkommenes Denkmal
errichtet. Das kleine Schriftchen gehört zu einem größeren
Werke von Herrn. Escher „Aus dem Archiv
der Familie von Schultheß-Rechberg, 1709—1931". Ich
habe es mit lebhaftem Interesse gelesen. Sogleich vorne
das Bild des geschilderten, bei uns Theologen in
Deutschland nicht minder als in seiner Vaterstadt und
an seiner Universität hochgehaltenen Mannes, wirkt anziehend
durch den ernstgütigen, gedankenvollen Gesichtsausdruck
, v. Sch. ist nicht sehr produktiv gewesen, er
war amtlich neben seiner Lehrtätigkeit viel in Anspruch
genommen und war körperlich belastet (zuletzt völlig
taub). Vielleicht hätte er im Alter noch manches
zu Buch gebracht, was er nur seinen Studenten,
die ihn hochschätzten und liebten, dargeboten. Seine
Schriften galten überwiegend Schweizer (Züricher) geschichtlichen
Verhältnissen und Persönlichkeiten (so u.
a. Bullinger und Lavater). Ausgegangen von
Herrn. Lotze, dem sehr zu Unrecht vorerst fast vergessenen
feinen, der Religion, dem Christentum
wie wenige erschlossenen Philosophen, trat er als
Theolog deutlich A. Ritsehl am nächsten, nicht
sein „Schüler", aber von ihm innerlich angezogen, ohne
es je zu betonen; letzteres mag literarisch zufällig sein,
da v. Sch. eben als Systematiker überhaupt zurückhielt
. Einen höchst lesenswerten, historisch sehr kundige11
) gedanklich eindringenden, echt theologisch reichen
Vortrag findet man in der „Christi. Welt", 1902
„Die göttliche Weltleitung und das Übel" (Nr. 29, 30,
31, vorab in Nr. 16, unter dem Titel „Theodicee", zehn
ausführliche Leitsätze für den in Straßburg gehaltenen
Vortrag).

Halle a. S. F. Kattenbusch.

339—343, der den größten Fürsten der Bulgaren für einen Heiden erklärt
, nicht zustimmen. Die ethnische und sprachliche Zuordnung einiger
Völker bei Spinka ist nicht richtig, z. B. was er S. 18 über die Magyaren
und S. 25 über die (nichtslavischen Proto-) Bulgaren sagt. Für diese
beiden Völker muß jetzt herangezogen werden Jul. Moravcsik: Zur Ge

7J~«mS»gewtoM*a', ri»o «te 7nwmmm»rti1nB wnchiedener ' V , dies«. Wenn man das Buch unter diesem

sSZf Bei d« NwnunJ derAwaren (S. 4) hätte erwähnt werden , SeSChränkun|s-Gesichtspunkt beurteilt, kann man es

^^MJ^m^^^^A^ä^nMun^^ durchaus alsg wertvoll bezeichnen. Dann ist auch der

Awaren', die in Asien sitzen geblieben sind R... . Tite. mehr ein Hinweis auf das theologische Problem