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Ausgabe:

1933 Nr. 8

Spalte:

141-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oppenheim, Philippus

Titel/Untertitel:

Das Mönchskleid im christlichen Altertum 1933

Rezensent:

Dörries, Heinrich

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141

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 8.

142

in letzten Hauptteilen nebeneinander: Der Beginn der
Eschatologie auf Erden, der Zwischenzustand, die Frage
nach der inneren Einheit der paulinischen Eschatologie
(also auf die Frage des Zwischenzustandes bezogen)
und die Weltvollendung. (Teil E—H). Dabei ist interessant
, daß auch dieser katholische Theologe eine Aufnahme
neuer Oedankenlinien in der Frage des Zwischenzustandes
annimmt: Paulus hat wahrscheinlich im 2. Ko-
rintherbrief, sicher im Philipperbrief, seine eschatologi-
schen Linien weiter entwickelt.

3. Das Buch ist eine ungeheuer fleißige Arbeit und
benutzt die in der modernen Theologie beider Konfessionen
gegebene Fragestellung sorgfältig und gewissenhaft,
prüft auch in seiner Fragestellung sachlich und für
katholische Theologie methodisch beachtenswert. Und
doch wird der Kritiker zugeben, daß keine wesentlichen
neuen Ergebnisse herauskommen über das, was bisher
schon erarbeitet worden ist. Er wird auch zugeben,
daß die Frage der einzelnen eschatologischen Vorstellungen
die inneren Olaubensfragen, die bei Paulus in der
Eschatologie brennend werden, noch überwuchert (aber
das hängt mit dem Standort von 1924 zusammen). Bestimmte
jetzt zentral werdende Fragestellungen werden
wohl gesehen, aber nicht genügend ausgewertet: das
Verhältnis von innergeschichtlicher und endgeschichtlicher
Eschatologie zueinander, die innere Notwendigkeit
der Eschatologie aus dem Wesen des Glaubens
heraus, die Wurzeln der gesamten paulinischen Theologie
in eschatologischen Grundformen und Grundfragen
. Es handelt sich also um eine zusammenfassende
Arbeit, die unbedingt anzuerkennen ist, aber nicht um
eine weiterführende Problemstellung.

Halle a. S._O. Michel.

Oppenheim, Dr. theol. P. Philippus, O. S. B.: Das Mönchskleid
im christlichen Altertum. Freiburg i. Br.: Herder & Co. 1931.
(XIII, 282 S. u. 20 Tat.) gr. 8°. = Römische Quartalsschrift f. christl.
Altertumskunde u. f. Kirchengesch. 28. Supplenienlheft. RM 20 — .
Der Wert auch der zweiten Arbeit O.s liegt vorwiegend
in der Menge des zusammengebrachten Materials
, über Zusammensetzung, Form und Farbe der altkirchlichen
Mönchstracht, während deren Herleitung
durclt den Vergleich mit außerchristlichen Asketenkleidern
ebensowenig deutlich geworden ist, wie die Entwicklung
der Tracht nachgezeichnet wurde. So wäre
etwa nachzuweisen, wann der Begriff oxfjua für das
Mönchskleid aufkommt und technisch wird; statt dessen
ist nur einmal gesagt (S. 220), daß er es um die Zeit
des Isidor von Pelusium bereits geworden sei, — ohne
daß übrigens im Register darauf hingewiesen wäre. Das
Register, das bei einer solchen Materialsammlung besonders
liebevoll betreut werden müßte, hat leider überhaupt
erhebliche Lücken. Der Hauptmangel des fleißigen Buches
ist doch auch hier das Fehlen der Quellenkritik.
Denn das wird man nicht dafür gelten lassen wollen,
daß — wie bei der Antoniusregel — zwar die Form als
jung preisgegeben, aber der Sinn als alt dekretiert wird1,
so beliebt auch diese Form historischer „Kritik" ist!
Wenn nicht Quellenkritik, so sollte mindestens die Verwendung
der besten Ausgaben gefordert werden, zumal
wenn diesem billigen VerTangen so mühelos entsprochen
werden kann, wie bei den Apophthegmata Patrum, wo
Migne ja ebenso gut den griechischen Text, wie die
lateinische Übersetzung bietet; so aber beschäftigt den
Verf. und uns mit ihm einen ganzen Absatz lang die
Frage, ob der Inhaber einer „anspruchslosen" oder einer
„etwas besseren" Kapuze sich sträflich gemacht
habe, während ein Blick in den griechischen Text gezeigt
hätte, daß „modicus" hier ein uuepös vertritt. Gewiß
wäre aber auch die ernsten Bewohner der Wüste
ein Lächeln angekommen, wenn sie läsen, daß einer ihrer
Nachfahren diese Kapuze selbst von einer „Tüte, wie
sie der Gewürzkrämer zum Verkauf seiner Waren benötigt
", herleitet, und daß er die mürrische Kritik des
Hieronymus an dieser „Nachteulentracht" dahin mißversteht
, ihre Trägerinnen vergnügten sich damit, um
die wiedererlangte Kindschaftsgnade zu bekunden, wie
Uhus zu krächzen! — Schließlich sei der Verf. daran erinnert
, daß Freigebigkeit bei einem Historiker keine
Tugend bedeutet: die Großmut, mit der hier (S. 18) italischen
Eremiten des beginnenden 4. Jhd.s eine Uniform
gespendet wird, ohne daß es eine Begründung dafür
gäbe, muß verschwenderisch genannt werden.
Göttingen. H. Dörries.

Klapper, Joseph: Schriften Johannes von Neumarkt. Unter
Mitwirkung Konrad Burdachs hrsg. 1. Teil: Buch der Liebkosung.
Übersetzg. d. Pseudoaugustinisch.cn über soliloquiorum animae ad
deum. 2. Teil: Hieronymus. Die unechten Briefe d. Eusebius, Augustin
, Cyrill zum Lobe des Heiligen. Berlin: Weidmann 1930 u.
1932. (III, 212 u. XII, 536 S.) gr. 8°. = Vom Mittelalter z. Reformation
. Forschgn. z. Gesch. d. deutschen Bildung. Im Auftr. d. Preuß.
Akad. d. Wiss. hrsg. v. K- Burdach. 6. Bd., 1. u. 2. Tl.

Teil 1: RM 14-; Tl. 2: RM 32.50.

Da in der „Vorbemerkung" sowohl zum 1., als auch
zum 2. Teil für „alle eingehenden Erörterungen" auf den
noch ausstehenden Einleitungsband verwiesen wird, muß
ich mich mit einer vorläufigen Anzeige der beiden Text-
I bände begnügen. Der 1. bringt die deutsche Übersetzung
des im Anfang des 14. Jahrhunderts entstandenen
t pseudoaugustinischen Traktats Liber soliloquiorum animae
ad Deum, von dem Johann von Neumarkt eine
j Handschrift mitbrachte, als er im Sommer 1355 mit
: Karl IV. aus Italien heimkehrte, der 2. die Übertragung
I eines zu derselben Zeit zu Ehren des Hieronymus ent-
I standenen Werkes, bestehend aus drei Briefen, die von
J Eusebius Cremonensis, Augustin und Cyrillus Hicro-
solyniitanus geschrieben sein wollen; Johann hatte dieses
Werk auch in Italien kennen gelernt, wohin er im
I Frühjahr 1368 zum 2. Male seinen kaiserlichen Herrn
' begleitete. Da der wiederholt gedruckte lateinische Text
der Soliloquien so vielfach von den Handschriften des
j 14. Jahrhunderts abweicht, daß er für die Beurteilung
j der Übersetzertätigkeit Johanns gar nicht in Betracht
I kommen kann, wurde er als Paralleltext zu der Über-
| setzung in einer Überlieferung, wie sie Johann vorge-
i legen haben muß, aus einer Handschrift des 14. Jahr-
i hunderts neu gedruckt. Dem „Hieronymus" wurde ein
j von Johann selbst redigierter lateinischer Text beige-
! geben, außerdem zum Vergleich eine Übersetzung, die
I zu derselben Zeit wie die Johannis, unbeeinflußt von
I ihr, in der Wiener Karthause entstanden ist. Der „Vorbemerkung
" folgt in beiden Bänden nur ein Verzeichnis
(im 2. auch ein Stammbaum) der benutzten Handschrif-
! ten. Daß die Textdarbietung vortrefflich ist, versteht
sich von selbst. Es sei nur noch darauf aufmerksam
gemacht, daß besonders der 1. der drei Briefe zur Verherrlichung
des Hieronymus gesättigt ist mit Zitaten aus
I der Vulgata, sodaß die Übersetzung wichtige „Materialien
zur Bibelgeschichte" enthält.
Zwickau i. Sa. O. Clernen.

Herrmann, Staatsarchivdirektor D. Fritz: Die Protokolle des
j Mainzer Domkapitels. 3. Bd.: Die Protokolle a. d. Zeit d. Erz-
bischofs Albrecht v. Brandenburg 1514 - 1545. 2. Hälfte, 2. Tl. In
Regestenform bearb. u. hrsg. Paderborn: F. Schöningh 1932. (XLIII,
S. 957—1216) Lex. 8°. = Arbeiten d. Histor. Kommission f. d.
Volksstaat Hessen. RM 20—.

Der vorliegende Band umfaßt die letzten 3 Jahre der
I Regierungszeit des Erzbischofes Albrecht von Mainz
1522—1545. Der ganzen Zeit entsprechend treten die
Reichsverhandlungen zurück; nur die Frage der Türkenkriege
beschäftigt wiederholt das Domkapitel. Mit Nachdruck
betonte man die Unmöglichkeit der Aufbringung
; der deswegen ausgeschriebenen Türkensteuern und be-
i wies hier eine ungewöhnlich feste Haltung gegen den
Erzbischof (S. 971), mit dem man sonst offenbar in
Einvernehmen bleiben wollte. Der ganze Haß richtete
sich auf die Juden, die jedes Jahr 50 000 fl. aus dem
I Erzbistum gewönnen und doch zur Türkenhilfe nichts
beitragen sollten. Bereits wurde ihre Vertreibung aus
| dem Lande besprochen (S. 1002. 1006). Doch konnte