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Ausgabe:

1933 Nr. 7

Spalte:

116-118

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schomerus, Hilko Wiardo

Titel/Untertitel:

Parallelen zum Christentum als religionsgeschichtliches und theologisches Problem 1933

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 7.

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wohl orphischen Spruch (jtaAaiö? löyoc) bei Piaton (leg.
IV 715 E), der Gott als Anfang, Ende und Mitte aller
Dinge bezeichnet (äex'lv Te xat td.evti|v xal pdaa tö>v Övtcov

dutdvTcov) schon bei Theognis findet; denn ohne Kenntnis
dieser Formel bleibt in den Worten des Theognis: 3 dUJ
aei jtQÖiTov öe xal ocxaTov ev te [xeooioiv üsLaw das Mittel-
stück ev te (lEooioiv unverständlich, während der andere
Teil jtqwtov aE xal vototov auch ohne die Formel und
schon von Hymn. Horn. 21, 3 her: oe ö' doiööc. . . \bveniq
3iQMTov te xul vaxmov aikv üeIoei verstanden wird. Zu der
eigenartigen Stellung der Mitte hinter Anfang und Ende
bei Piaton hätte auch auf F. Boll, die Lebensalter,
Neue Jahrb. f. d. kl. A. 31, 1913 S. 95 hingewiesen werden
können. — Auch der Theologe wird dem Verfasser
für seine fleißige und nützliche Arbeit dankbar sein.
Northeim. O. Breithaupt.

Erbt, Lic. Dr. Wilhelm: Midgard. Überlieferung, Glaube, Sitte
unserer Vorzeit. Leipzig: W. Heims 1931. (VIII, 115 S. m. Abb.)
gr. 8°. = Quellen u. Forschgn. z. Erd- u. Kulturkunde, Bd. XI. RM 6—.
So begeistert deutsch-völkisches Denken meist nur
allzu kritiklos die oft einfach zu Tatsachen erhobenen
Hypothesen vorgeschichtlicher „Forscher" wie Herrn.
Wirth, Wilh. Teudt, O. Schliephak und auch der vorliegenden
Schrift aufgreift, so kritisch verhält sich demgegenüber
die Fachwissenschaft, und das mit gutem
Grunde! Auch der vorliegenden Schrift können die Bedenken
nicht erspart bleiben, die in Thlg. Lit. Ztg. 1932,
23. S. 529 f. gegen Erbts „Artgemäße Religion" erhoben
werden. Wie da die These vom unvereinbaren Gegensatz
von Morgen- und Abendland aufgestellt wird, so wird
hier noch eingehender die Abhängigkeit des Morgenlandes
vom Abendlande nach dem Vorgange H. Wirths
und seines „Erberinnerns" zurecht konstruiert (vgl. S.
30, 107 u. a.). Vgl. den Satz: „Die Abhängigkeit des
Dekalogs... von dem nordischen Neungebot beweist
ein Blick auf die (beiderseitige) Zusammenstellung."!!
Als ob die Freude am religionsgesch. Vergleich noch
ganz in den Anfängen wäre, als ob es die mühevolle
und sorgfältige, gelehrte Erforschung des A. T. und
seiner Umwelt durch Greßmanu, Gunkel, Volz u. a.
noch garnicht gäbe!, von anderen Bedenken gegen Erbts
„Feststellungen" hier ganz zu schweigen.
Ellensen i. Hannover. M. Nöldeke.

Eilers, Dr. Wilhelm: Die Gesetzesstele Chammurabis. Gesetze
um die Wende des dritten vorchristlichen Jahrtausends. Leipzig:
J. C. Hinrichs 1932. (84 S. u. 1 Taf.) 8°. = Der Alte Orient.
Gemeinverständl. Darstellgn. 31. Bd. H. 1. RM 4.20.

Es hat kaum ein Keilschriftdenkmal gegeben, das
nach seiner Auffindung so schnell zugänglich gemacht
worden ist als der Codex Hammurabi. Nachdem das
Denkmal im Dezember 1901 und Januar 1902 aufgefunden
war, ist der Text sofort noch im Jahre 1902 von
V. Scheil veröffentlicht worden. Mit derselben Schnelligkeit
wurde diese wohl wichtigste Urkunde, die bis dahin
aus der babylonischen Kultur zu Tage gekommen
war, auch in Deutschland der Allgemeinheit dargeboten.
Schon 1903 erschien im „Alten Orient" eine Übersetzung
von Hugo Winckler, der dann 1904 noch eine
mit wissenschaftlichen Anmerkungen versehene Umschrift
und Übersetzung herausgab. Wincklers Übersetzung ist
1906 in 4. Auflage herausgekommen. Wenn auch inzwischen
der Codex Hammurabi neu übersetzt ist in
Hugo Greßmanns Altorientalischen Texten und Bild-
dern zum Alten Testamente (in 1. Aufl. von Arthur Un-
gnad, in 2. Aufl. von Erich Eßeling), so ist eine Neubearbeitung
der sich an weitere Kreise wendenden Übersetzung
im „Alten Orient" ein wirkliches Bedürfnis.
Das vorliegende Büchlein von Eilers bietet diese Neubearbeitung
, in der die Fortschritte, welche die assyrio-
logische und juristische Wissenschaft in der Erklärung
dieses einzigartigen Denkmals bisher erzielt haben, ausgiebig
und geschickt benutzt sind. Eine Einführung von
11 Seiten orientiert genügend über die allgemeinen Fra-

I gen. Der Übersetzung ist ein eingehendes Sachregister
j angefügt. Im Proömium und im Schluß ist mit Glück
die stichische Gliederung dieser poetischen Bestandteile
zur Darstellung gebracht. Zwei wichtige Fragen, die
l man gerne geklärt haben möchte, sind, wie auch der
Verf. angibt, heute noch nicht sicher zu beantworten;
nämlich: handelt es sich nur um eine Aufzeichnung des
geltenden Rechtes oder trägt der gesamte Inhalt der
Rechtssätze reformatorischen Charakter; ist das Gesetzgebungswerk
des Königs volle Rechtswirklichkeit geworden
oder ist es zu einem großen Teile Repräsentation
geblieben und unerfülltes Ideal?

Hiddensee. Arnold Gustavs.

Catalogue of Sumerian Tablets in the John Rylands Library

(with one Facsimile and fortyeight Plates of Reproductions of Hand
Copies) by T. Fish, Ph. D. Manchester: Manchester Uhiversity
Press 1932. (XIII, 160 S.) gr. 8°.

Die sumerischen Tontafeln, die hier vorgelegt werden
, stammen zu einem Teile aus Drehern, das die
Ruinen eines großen Viehhofes südlich von Nippur birgt
— auch in den Urkunden dieses Bandes handelt es sich
in der Hauptsache um Vieh — zum anderen Teile aus
Umma, der nordwestlich von Tello gelegenen alten
Rivalin von Lagasch; die Urkunden von Umma weisen
eine größere Mannigfaltigkeit des Inhaltes auf. Der
Titel „Katalog" ist eigentlich zu bescheiden für dies
Buch. Denn die Texte sind alle entweder in Umschrift
oder in Autographien dargeboten, sodaß es sich mehr
um eine Edition als nur um ein Verzeichnis handelt.
Außerdem sind Namenlisten beigefügt. Und gerade in
diesen ruht auch der Wert der Veröffentlichung für
Nichtassyriologen. Denn die Personennamen sind immer
noch die wichtigste Quelle für die Feststellung ethnischer
Schichtungen in der Bevölkerung zu jener alten
Zeit. Die Götternamen, die auch zusammengestellt sind,
ermöglichen bis zu einem gewissen Grade einen Einblick
in die religiösen Vorstellungen. Die Personennamen
bieten im ganzen dasselbe Bild, das uns sonst
aus den Urkunden aus Drehern und1 Umma bekannt ist.
Neben den etwas überwiegenden sumerischen Namen
finden sich akkadische in großer Zahl. Beachtenswert
sind die mit dem Gotte Dagan gebildeten Namen:
z.B. Gimil-dDa-gan, I-din-dDa-gan, I-li-dDa-gan, Nu-
ur-dDa-gan. Auch nach den sonstigen Drehem-Urkun-
den zu urteilen, muß Dagan dort besondere Verehrung
genossen haben. Neben den sumerischen und akkadi-
schen Namen tauchen sporadisch Namen fremdartigen
Gepräges auf, die meist dem subaräischen Sprachkreise
zuzurechnen sind: z- B. Ar-Si-ih, Ar-§i-ku, Dah-Sa-ri, Da-
ti-i-sa-ri, Da-tf-se-in, A-gu-a, Hu-ti-ni, La-gi-ib, Zi-gi usw.
Auf das Vorkommen solcher7,Mitanni-Namen" in Drehern
hat zuerst F. Hommel, OLZ. 1913 Sp. 304 ff., hingewiesen
.

Hiddensee. Arnold Gustavs.

Schomerus, Prof. D. Hilko Wiardo: Parallelen zum Christentum
als religionsgeschichtliches und theologisches Problem.

Gütersloh: C. Bertelsmann 1932. (53 S.) gr. 8°. = Stud. d. apologet.
Seminars. Hrsg. i. Auftr. d. Vorstandes v. C. Stange. 34. H. RM 1.50.
Mit dieser schlichten Schrift hat der Verfasser der
von ihm in Halle vertretenen Wissenschaftsdisziplin
einen wirklichen Dienst erwiesen; denn „in aller Ruhe
bemüht er sich, ernsthaft darüber nachzudenken, welche
Bedeutung den Ähnlichkeiten in zwei oder mehreren
Religionen zukommt", wie sie zu erklären seien und wie
man sich auf Grund derselben als Christ sowohl dem
Christentum als auch den anderen Religionen gegenüber
| zu verhalten habe. In kurzen Zügen wird dann auf die
i drei Theorien hingewiesen, mit deren Hilfe man im
Altertum das Problem des Vorhandenseins von Ähnlichkeiten
zwischen den verschiedenen Religionen zu lösen
suchte: die Theorie der Diasporajuden, die überall entstellende
Entlehung aus dem Alten Testament annahm,
die griechische, die ihre Gottheiten bei allen Völkern