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Ausgabe:

1933 Nr. 19

Spalte:

339-340

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Al-Nakawa, R. Israel Ibn

Titel/Untertitel:

Menorat ha-maor. From a unique manuscript in the Bodleian Library, Oxford. Edited by H. G. Enelow 1933

Rezensent:

Windfuhr, Walter

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339

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 19.

340

Die Zähigkeit bodenständiger Überlieferung wird in
diesen Einzelheiten fortlebenden kultischen Handelns
außerordentlich anschaulich. Allerdings will dabei bedacht
sein, daß die Lektüre von Exodus 12, dem altertümlichen
Passaheinsetzungsbericht des Priesterkodex,
der in der samaritanischen Passahliturgie verlesen wird,
der Erhaltung des alten Brauches besonders günstig war
und ist.

Das Buch zeigt die Vorzüge, die auch die früheren
Schriften von J. Jeremias auszeichnen: die sorgfältige
Ausnutzung der spätjüdischen Quellen, die Fähigkeit
sehr verstreutes Material zu einem anschaulichen Bilde
zu vereinen.

Halle a. S. Hans Schmidt.

Al-Nakawa, R. Israel Ibn: Menorat ha-maor. From a unique
manuscript in the Bodleian Library, Oxford. Edited by H. O. Enelow.
Part. II bis IV. New-York: The Bloch Publishing Company 1930/32.
(48 u. 460; 59 u. 630; 155 u. 635 S.) gr. 8°.

Der 1. Band dieses Werkes wurde in 1929 Nr. 18
dieser Zeitung angezeigt. Inzwischen ist der damals geäußerte
Wunsch nach Vollendung des Ganzen in Gestalt
von drei weiteren, an Umfang ständig stark zunehmenden
Bänden in Erfüllung gegangen. Der Herausgeber hat zumal
gegen das Ende hin mit schweren Mängeln seiner
Vorlage zu kämpfen gehabt; aber seine Arbeit hat auch
in mustergültiger Weise einen wirklichen Schatz der
jüdischen Literatur der Allgemeinheit zugänglich gemacht
, einen Schatz, der in hervorragender Weise geeignet
ist, dem Leser einen Begriff vom edlen Wesen des
Judentums zu vermitteln, wobei nur bedauerlich bleibt,
daß Sprache und Stil, wiewohl sie in diesem Falle nicht
einmal große Schwierigkeiten in den Weg legen, eben
doch weiteren Kreisen das Verständnis erheblich verbauen
.

Der Inhalt umfaßt das ganze, weite Gebiet jüdischer
Denkungs- und Lebensart. Wie der erste nur die Wohltätigkeit
, behandelt der 2. Band nur einen einzigen Gegenstand
: Das Gebet im weitesten Sinne. Im 3. Bande
finden sich die Abschnitte über Buße, Demut, Gesetzesstudium
, Ritualgesetz, Liebeserweisungen, Heilighaltung
von Sabbat und Festtagen. Der 4. Band endlich enthält
die über Ehrfurcht vor Vater und Mutter, Ehe, Kindererziehung
, sittliches Verhalten im Geschäftsleben, Gerichtswesen
, Genügsamkeit, Zorn, Heuchelei und Spötterei
, Nächstenliebe, üble Nachrede, Verschwiegenheit und
gutes Benehmen.

Die den einzelnen Bänden vorausgeschickten Einleitungen
in englischer Sprache bringen eine Fülle von
historischen, literargeschichtlichen und sachlichen Bemerkungen
, die in ihrer Gesamtheit ein sicheres Fundament
für die Lektüre geben. Es wäre freilich zu wünschen gewesen
, daß ihr Verfasser diese jetzt in vier Teile zerlegten
Einleitungen in einem besonderen Bande zusammengefaßt
hätte. Dadurch wäre nicht nur manche Wiederholung
vermieden, sondern vor allem die Benutzung
wesentlich erleichtert worden. Dieser Wunsch nach Zusammenfassung
gilt auch den ebenso unglücklich verteilten
hebräischen Registern. Bei ihnen ist die Einreihung
des Registers zum 1. Bande in den zweiten besonders
unbequem. Allerdings wird dieser Mangel durch die
englischen Gesamtregister am Schlüsse des 4. Bandes zu
einem guten Teile wieder ausgeglichen. Welche gewaltige
Fülle von Material es zwecks Aufzeigung der
Quellen und Herbeischaffung der sonstigen wichtigen
Angaben für den Herausgeber zu bewältigen galt, zeigt
nichts besser als eben diese englischen Register der Autoren
und der Werke, die in den Einleitungeil und Fußnoten
zitiert sind. Sie umfassen 45 engbeschriftete dop-
pelspaltige Druckseiten.

Ein besonderes Wort erheischen die Zugaben zum
eigentlichen Text des Hauptwerkes. Da sind zunächst,
einschließlich der einen im 1. Bande, sieben gute Reproduktionen
von Handschriftenseiten. Sie lassen weit besser
als viele Worte den mehr oder weniger hohen

Grad der Mühe erkennen, welche der Herausgeber bei
! ihrer Lesung aufzuwenden hatte. Dann aber bringt der

2. Band drei Gedichte, und zwar zwei Pijjutim von al-
Nakawa selbst und eine Elegie eines anderen Dichters
mit einer Anspielung auf seinen gewaltsamen Tod in der

j großen Judenverfolgung zu Toledo im Jahre 1391. Als
I ein im Charakter der Menorat ha-maor ähnliches selteneres
Beispiel ethischer Schriftstellerei kann man im

3. Bande ein Kapitel über den Hochmut lesen aus dem
Pirke'aböth-Kommentar des Don Joseph ben Schuschan,
eines wenig älteren spanischen Zeitgenossen unseres Verfassers
. Dem 4. Bande sind zunächst drei Supplemente
beigegeben, welche sich jedoch bereits in der Handschrift
finden und auf al-Nakawa selbst zurückgehen:
Eine Sammlung von Zahlensprüchen aus einem ganz
nicht mehr erhaltenen Werk Chuppat Elijjahu rabba, und
zwei von al-Nakawa selbst gefertigten Sammlungen talmudischer
Stücke, die mit den Worten le-'oläm (immer)
oder gadöl (groß) bezw. gadöl schalöm (groß ist der
Friede) beginnen. Vom Herausgeber seinerseits wurden
darüber hinaus noch hinzugefügt ein Brief des Meir ben
Mose aus Rom (13. Jahrh.), die Ehe betreffend; eine
Sammlung von Zahlensprüchen aus Talmud und Mi-
drasch nach dem Manuskript des Machzor Vitry der
Bodleiana; und ein Midrasch Le-'oläm, ähnlich der soeben
erwähnten Sammlung gleichen Namens, ebenfalls
aus einem nur noch als Unicum vorhandenen Manuskript
der gleichen Bibliothek. Alle drei Beigaben wurden
bisher noch nicht gedruckt.

Einer solchen Fülle von Sorgfalt und Gelehrsamkeit
gegenüber, wie sie in diesen vier Bänden verkörpert vorliegen
, widerstrebt es dem Beurteiler, nach einzelnen
Mängeln Ausschau zu halten. Mögen sie bei eingehender
Beschäftigung mit dem Werke hie und da sich finden;
das ändert nichts an der Tatsache, daß hier von Enelow
im Verein mit dem Verleger und den technischen Helfern
ein Prachtwerk von seltenem Werte geschaffen wurde.
Hamburg. W. Windfuhr.

de Bruyne, Dom Donatien: Les anciennes traduetions latlnes
des Machabe-es. Avec la collaboration Dom de Bonaventure Sodar,
O. S. B. Maredsous: Abbaye de Maredsous 1932 (L X IV, 227 S. m.
3 Taf.) Lex. 8°. = Anecdota Maredsolana vol. IV.

Dieses schön ausgestattete Werk, das Ergebnis einer
25 jährigen Forschungsarbeit, ist grundlegend sowohl
für die Geschichte der Bibelversionen wie für die Textgestaltung
der beiden ersten Makkabäerbücher. Bisher
wurde eigentlich nur der in der Vulgata abgedruckte
Text der altlateinischen Übersetzung dieser Bücher bekannt
, denn zwei andere schon edierte Fassungen waren
unvollständig und ihre Stellung innerhalb der Überlieferung
blieb unklar. B. legt jetzt vor, drei (z. T. sogar
vier) Redaktionen der latein. Version für das erste, sechs
für das zweite Buch. Er zeigt, daß die verschiedenen

| Redaktionen Überarbeitungen der primären Übersetzung
sind, welche vor allem durch Ms. Lyon 356, von ihm
hier zum ersten Male ediert, vertreten ist, und daß diese

' Umarbeitungen Revisionen nach der griechischen Überlieferung
darstellen.

z. B. I. M. 1. 4: Svvajnv von L (yon) falsch übersetzt: „virtutem",

I dann revidiert: „virtutem et exercitium" (B); „virtutem exercitiuum"

I (Vulg.) UM. 11,34: TQett; 6iovq in L. falsch verstanden: „tres leges",
dann korrigiert „tres saltus" (B) „tres civitates" (Vulg.) UM. 8,18:
„uno spiritu" (wie griech. Mss. 19 ff), dagegen Vulg. nach griech. Uncial-
text: „uno nutu" usw.

Denn die UrÜbersetzung hat Sonderlesarten und
Sonderfehler die von der gesamten griechischen Tradition
abweichen. Ein Beispiel mag genügen: II. M. 4,4
„Apollonium Menesthei" an Stelle der verdorbenen griechischen
Lesart: 'Anoworviov uruvECTöm. nach der dann die
Vulgata „verbessert" wurde (Apollonium insanire ut-
pote). Wie oft die altlat. Version (vgl. z. B. H. B. Swe-
te, Introd. to O. T. 493) repräsentiert auch die der
Makkabäer also einen im Original verlorenen, „westlichen
" Ast, der noch vor der Entstehung der uns vor-