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Ausgabe:

1933 Nr. 18

Spalte:

329-330

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Addison, William George

Titel/Untertitel:

The Renewed Church of the United Brethren 1722-1930 1933

Rezensent:

Shawe, C. H.

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329

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 18.

330

W. A. 18, 785,26ff.; E. A. 7,365). — Luthers Gedanke
vom Deus absconditus [der ja schon sehr früh,
in der ersten Psalmenvorlesung, und hernach als feste
Konzeption, meist betont, sich findet] hätte von V. vollständiger
genutzt werden mögen: in ihm begegnen sich
für das Thema seiner Schrift die Ideen von „Versuchung
" und „Anfechtung" durch Gott überhaupt
, speziell aber auch im Blick auf Christus, dessen
„Menschheit" als nicht bloße Form zeitweilig von „Dasein
", sondern als Voll„erlebnis" einer „Werdung"
nach Luther anzusehen ist.

Zum Schlüsse eine sachlich belanglose, dennoch nicht
wohl übergehbare Eigentümlichkeit V.'s bei Zitaten aus
Luthers Hebräerbriefvorlesung. Immer und immer wieder
vermerkt V. als Herausgeber „H i r s c h-R ü cker t".
Ganz deutlich ist, daß er J. Ficker's Ausgabe nicht
beachten will; (er nennt den Namen Fickers selbst bei
der Citation der doch von ihm allein herausgegebenen
Römerbriefvorlesung nie). Ich bedauere es, daß er die
Gelegenheit versäumt hat, sich vornehm zu zeigen, wobei
ich gern annehme, daß es sich nur um zuviel Impulsivität
„freundschaftlicher" Gesinnung handelt; er hätte es
ja leicht gehabt, beim ersten Mal, wo er auf Luthers Bemerkungen
zu dem Brief (Hebr. 4, 15 ist ein locus
classicus für Jesu „Versuchbarkeit" [Luther spricht da
nicht von „Anfechtbarkeit"!]) geführt wird, die beiden
Ausgaben zu notieren und dabei zu bemerken,
er benutze die Hirsch-Rückert'sche allein, da beachtliche
Differenzen für ihm wichtige Stellen nicht vorlägen.
Dann hätte auch die fast komisch häufige Wiederholung
des „Hebr.-Vorl. Hirsch-Rückert" (s. z. B. S. 60, wo in
drei kurzen Anmerkungen ausdrücklich diese Namen angegeben
werden und V. nur in einer vierten [mittleren]
sich an einem „Hebr.-Vorl." genügen läßt) vermieden
werden mögen. Hoffentlich erscheint die „Hebr.-Vorl."
bald in der W.A., so daß man nicht mehr auf zwei
Sonderausgaben zu achten, eventuell (da beide gewisse
Vorzüge haben) zwischen ihnen zu wählen braucht. —
Meine Schlußbemerkung tut V.'s Studie sachlich keinen
Abbruch.

Halle a. S.__F. Katlenbusch.

Addison, William George, M. A., B. D., Ph. D.: The Renewed
Church of the United Brethren 1722-1930. London: Society
for Promoting Christian Knowledge. 1932. (228 S.) 8°. 12 sh. 6 d.
Diese der Londoner Universität eingereichten Dissertation
erscheint in der Reihe der von der (anglikanischen
) Church Historical Society herausgegebenen Schriften
. Der Verf. setzt sich zur Aufgabe, eine der Hauptideen
Zinzendorfs, nämlich die Verwirklichung der „Einheit
der Kinder Gottes" in allen „Religionen" (Konfessionen
), zu untersuchen und die Auswirkungen derselben
in den Erfahrungen der erneuerten Brüderunität
zu verfolgen. Es handelt sich also, wie im Vorwort gesagt
wird, nicht um eine Geschichte der Brüderunität,
vielmehr wird eine zieml. eingehende Bekanntschaft mit
derselben vorausgesetzt.

Kap. I bringt eine kurze Charakteristik Zinzendorfs;
der enge Zusammenhang zwischen seinen kirchlichen
Einheitsideen und seinem christozentrischem Glaubensleben
wird betont, dann wird erklärt das „Tropenprinzip
", das für die praktische Anwendung dieser Ideen
in dem staatskirchlichen Leben des 18. Jahrb.. von grundlegender
Bedeutung war. In Kap. II folgt dann die
Darstellung der Auswirkung dieses Prinzips auf deutschem
Boden. Bekanntlich bestanden zwischen Zinzen-
dorf und seinen Mitarbeitern bedeutende Meinungsunterschiede
in der Beantwortung der Frage: Gemeinschaft
oder Kirche? Addison verfolgt den zähen Kampf Zinzendorfs
für das Ideal der „Gemeine". Kap. III behandelt
die Anfänge der Brüderunität in England; dasselbe Problem
war hier zu lösen, die rechten Beziehungen mit
der Staatskirche zu finden; der Verf. weist aber auf die in
England anders gestellte Lage der Dinge. 1749 wurde
durch eine Parlamentsakte eine gewisse staatliche Anerkennung
erlangt, deren oft umstrittene Bedeutung Addison
treffend darlegt. Kap. IV bringt eine gedrängte
Übersicht über die Entwickelung der englischen Provinz
, 1760—1899. Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen
wurden hier endlich, im Unterschied von der
deutschen Unität, die Zinzendorfischen Ideen aufgegeben
. Daß sie aber nicht tot sind beweist Kap. V, das
gewissermaßen als Anhang zum Vorhergehenden zu betrachten
ist; es bespricht die von manchen gehegte
Ansicht, daß die heutige Brüderkirche in England als
„Brückenkirche" zwischen Staatskirche und Freikirchen

( dienen könnte, und berichtet kurz über die seit 1878

[ stattgehabten Verhandlungen, die auf eine Union zwischen
der Brüderkirche und den Anglikanern hinzielen.
Diese Verhandlungen haben bis jetzt keinen Abschluß

I gefunden. Der Verf. hätte hier darauf hinweisen können,
daß die Lage im 20. Jahrh. von der des 18. Jahrh. abweicht
nicht nur durch die von ihm geschilderte Entwickelung
der Brüderkirche, sondern weil auch auf anglik.
Seite, namentlich durch die Oxford Movement, das Kirchenbewußtsein
sich wesentlich geändert hat.

Da die Unionsgedanken gegenwärtig sehr im Vordergrund
des englischen Kirchenlebens stehen, hat das
Buch in hohem Grade aktuelles Interesse. Es ist aber
weiter zu begrüßen als eine fein verständnisvolle Wür-

I digung der Ideale der Brüdergemeine und speziell Zinzendorfs
. Bemerkenswert ist die Verteidigung der Maßnahmen
der nachzinzendorfischen Zeit, S. 132 ff., wo
der Verf. der kritischen Beurteilung der engl. Historiker
eine positivere gegenüberstellt; Addison scheint allerdings
die Macht der nach freikirchlichen Formen strebenden
Tendenzen im englischen Kirchenleben nicht genug
zu betonen. Schon im 18. Jahrh. bahnte sich die Zeit,
wo die Freikirchen nicht nur als notwendiges Übel sondern
als positiv berechtigt angesehen wurden. Dieser geänderten
Lage gegenüber war eine einfache Wiederholung
der zinzendorfischen Grundsätze nicht adequat.

Zinzendorf selbst ist in England, außerhalb der
Brüderkirche, fast unbekannt; so ist die hier gegebene
Einführung in einen Teil seiner Gedankenwelt sehr
zu begrüßen.

Für die Darstellung der englischen Verhältnisse hat
Addison aus der erzbischöflichen Bibliothek in Lambeth
sowie aus dem Archiv in Herrnhut neues Material hervorbringen
können; davon kommt in den reichlichen Anhängen
verschiedenes Wertvolle zum Abdruck.
Bedford.__C. H. Shawe.

Piper, Otto: Gottes Wahrheit und die Wahrheit der Kirche.

Tübingen : J. C. B. Mohr 1933. (V, 124 S.) gr. 8°. = Beiträge z. syst.
Theologie 4. RM 6.60; geb. 8.40; i. Subskr. 6.—; geb. 7.80.

Ein durch Schärfe der Problemstellung und Klarheit
der Gedankenführung gleich ausgezeichnetes Buch, dessen
Studium mich auch bei wiederholter Lektüre immer
wieder gefesselt und gefördert hat.

In zwei Hauptteilen wird nacheinander I. das Wahrheitsproblem
in der Geschichte des Protestantismus, —

i II. das Wahrhcitsproblem in heutiger Sicht behandelt.
Der erste Hauptteil gliedert sich dann in 3 Kapitel;
1. Luther; 2. Die Weiterentwicklung in den lutherischen
Kirchen; 3. Schleiermacher. Der iL Hauptteil umfaßt
fünf Kapitel: 1. Die Problemlage; 2. Die Wege der

Glaubenserkenntnis; 3. Das Lehramt der Kirche; 4. Wahrheit
und Vielheit; 5. Das Bekenntnis. Ein kurzer Schluß-
Abschnitt faßt die Resultate zusammen.

Der I. Hauptteil erweist die Linie Luther-Schleiermacher
als die für den ganzen in Frage stehenden Problemkreis
entscheidende. Gewiß läßt infolge der Kompliziertheit
der Problemlage sowohl die Behandlung
Luthers wie diejenige Schleiermachers an einzelnen Punkten
abweichende Meinungen zu. Aber die Linienführung
als ganze beruht ebenso sehr auf solidester Sachkenntnis
wie auf Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit der Stellungnahme
. Das ist zumal in Bezug auf Schleiermacher
gegenüber der heute vielfach beliebten Willkürkritik von
größter Bedeutung. Das Ergebnis dieses historischen

: Teils läßt sich mit Pipers eigenen Worten so skizzieren: