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Ausgabe:

1933 Nr. 13

Spalte:

227-228

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Bd. XII 1933

Rezensent:

Wendel, Adolf

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227

Theologische Literaturzeitung 1933 Nr. 13.

228

das verdienstvolle Werk besonders dankbar sein. Durch
solche rBücher wird dem jungen Theologen die Beschäftigung
mit dem A. T. immer anziehender gemacht, zu-

fleich auch bequemer. Spielt doch bei dieser Art des
nteresse- und Verständnis-Weckens die hebr. Sprache,
die so vieren eine schreckende Kluft bedeutet, gar keine
Rolle. Es sei auch an Beers „Kurze Übersicht über den
Inhalt der' alttest. Schriften", 2. Aufl. 1932, in diesem
Zusammenhang erinnert. Wenn man außerdem noch
das vorzügliche Register zur 4. Aufl. der Kautzsch-Bibel,
von Holzinger-Nestle, in Betracht zieht, so müßte die
ältere Generation die heutige Studentenschaft um dieser
feinen Hilfsmittel willen beneiden. Seiner Anlage nach
ist ja wolfl die Schrift für weitere Kreise nicht gedacht;
erfordert doch ihr Gebrauch wenigstens die Kenntnis
einiger Fachbegriffe. Aber dem Gebildeten, der sich belehren
lastven will, muß es wie den Studenten hier aufgehen
: Es handelt sich um eine Frömmigkeitsgeschichte
, deren Quellen zu begreifen sind. In einer Zeit der
neuauflebenden, oft sehr unwissend anmutenden, Angriffe
auf das A. T. ist es dem Verf. besonders zu danken
, daß er hier ein Hilfsmittel geschaffen hat, mit dem
auch Aufklärung über die Schichtungen altt. Frömmigkeit
verbreitet werden kann.

Man wird mit dem Verf. darüber kaum rechten dürfen
, ob es möglich gewesen wäre, gewisse Detaillierungen
vorzunehmen — ich denke da etwa an den Abschnitt
über die „Kultübungen". Er selbst hat es ja z. B. unter
„Prophetismus", 3. Die Schuld, sehr schön getan und
wird es mit Absicht anderorts vermieden haben. Aber
in solchen Fällen kann ja ergänzend das gute Register
einspringen. Einen Begriff wie „Theodizee" vermisse
ich allerdings auch in diesem. Vielleicht hätte auch
„Wunderglaube" oder „Wunderhandlungen" im Register
Aufnahme finden können. Für „Zauber" und „Zauberformeln
" sind ja im Register Stellen angegeben, aber wer
sich nur nach dem Inhaltsverzeichnis orientiert, wird sie
nicht ohne Weiteres unter dem Abschnitt „Dynamisti-
sches" suchen. Vielleicht hätte man, etwa nach I und II,
einen kurzen eigenen Abschnitt dazu einschieben können,
um eben auch die praktische Ausübung primitiver Religiosität
mehr zu Worte kommen zu lassen. Leider findet
sich kein Abschnitt über die Laiengebets-Frömmigkeit.
Die Zuteilung an Kult, S. 63, oder an Prophetie, S. 85,
erweckt da nicht die rechte Vorstellung von der Selbständigkeit
dieser Äußerungsform. Daß das „Gesetz" relativ
geringen Raum einnimmt gegenüber der vorprophetischen
Religion, läßt sich rechtfertigen; aber man hätte i
da die Schichtung wenigstens durch Abteilung andeuten
können. Darf man die Jotamfabel wirklich unter „Baumkult
" bringen? Der Verfasser entschuldigt sich Anm.c
auf Seite 30 deswegen allerdings selbst. Literatur wird
prinzipiell nicht angegeben. Die Begründung für Ausnahmen
scheint darin zu liegen, daß es sich an den betr.
Stellen um noch nicht allgemein feststehende Begriffe
oder um Textemendationen handelt.

Ober-Breidenbach i. Hessen._Adolf Wendel.

Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von M. Buber gemeinsam
mit F. Rosen zweig. Künder. Bücher der Kündung. Bd. XII.
Das Buch Jecheskel. Verdeutscht von Martin B u b e r. Berlin: Schocken
o. J. (231 S.) 8°. RM 4.25; Lwd. 6-; Pgt. 10—.

Wieder, wie bereits bei der Besprechung des Je-
remia-Bandes geschehen, sei auch hier auf die prinzipiellen
Erörterungen zum gesamten Übersetzungswerk
in Th. L. Z. Nr. 23, Jahrg. 1930, verwiesen.

Es ist zu bewundern, wie der Übersetzer, bereits
seit dem Jeremia-Bande allein arbeitend, gerade in der
letzten Zeit so vielfache und verschiedenartige Gebiete
gemeistert hat (vergl. das bedeutsame Werk: Königtum
Gottes, 1932, sowie die Herausgabe der feinsinnigen
Reden und Aufsätze: „Kampf um Israel, 1933). Möge
ihm diese zähe Vitalität und der Hochflug der Intuition
gerade für die Fortführung seines Verdeutschungswerkes
erhalten bleiben!

Dem Rezensenten drängt sich nun ein starkes Gefühl
der Undankbarkeit und Unbescheidenheit auf, wenn er

sich vor die Aufgabe gestellt sieht, Kapitel nach Kapitel
des neuen Bandes durchzuprüfen, um etwa in der deutschen
Sprache schwer mögliche oder schwer verständliche
Worte aufzustöbern. Aufs Ganze gesehen, erweckt
es den Anschein, als ob dies neueste Übersetzungs-
Stück wieder um ein merkliches Stück „deutscher" geworden
sei. Es fällt in diesem Bande besonders schwer,
wenige gut gelungene Wortbildungen zu finden. Es darf
dem Übersetzer die Bitte nahegebracht werden, er möge
— soweit das geschehen kann —, in dieser Sorgfalt der
Selbstkritik an der Wortformung fortfahren, ohne deshalb
seiner eigentlichen Mission, des peinlich getreuen
Herüberhorchens aus dem Hebräischen, untreu zu werden
. Die Kritik von Satzbildungen am Maßstabe des
deutschen Sprachgefühles ist ja nach der Gesamttendenz
der Übertragung ungerechtfertigt.

An bemerkenswerten wohlgelungenen Übertragungsformen
seien etwa aufgezählt: „Verschlepptenschaft" für
gola; „Glutmal" für chammän, „Dreckklötze" für gillu-
lim; „schrecklahm sein" für nibhal; „Wahnschau" für
chazon schaw; „Dürrgau" für nägäb; miqsam chäläq
als „schmeichelglatte Erlösung"; „die Verwahr" für
mischmärät. Als Textprobe sei 2, 6 wiedergegeben:

Du aber, Menschensohn,

fürchte dich nimmer vor ihnen,

vor ihren Reden fürchte dich nimmer,

weil Nesseln und Stacheln um dich sind

und unter Skorpionen du siedelst,

vor ihren Reden fürchte dich nimmer,

vor ihrem Antlitz sei nimmer bestürzt,

denn sie sind Haus Widerspann!
Schwer möglich erscheint mir „metzen", anstatt
schlachten, für schachat. Was heißt „das Würmen",
als Wiedergabe von ramut? Was ist „der Gaden"
(säla')? Ohne Kenntnis des Hebräischen fast unverständlich
muß wirken: „makein" (timme'), anstatt etwa
verunreinigen. Man denkt bei dem Worte an die „Makler
" (= Händler). Selbst „die Koppe" (für bama) ist zu
wenig vertraut im heutigen Deutsch. Soll der Leser ein
„Wörterbuch altertümlicher deutscher Worte" zur Hand
haben müssen? Eher wird man gegen die „Welpen"
(gurim) und den „Reifling" (kephir) keinen Einwand1
machen wollen; diese Worte sind dem heutigen Sprachbewußtsein
noch einigermaßen vertraut. Der Ausdruck
„ereignen" für nachal ist deswegen nicht glücklich gewählt
, weil ihm doch eben im Deutschen eine andere und
durchaus geläufige Bedeutung anhaftet, an die jeder unbefangene
Leser zuerst einmal denken wird; wir haben
doch im Schrift-Deutschen das Wort „übereignen", von
dem eine entsprechende Form sich wohl bilden ließe.
Die Wiedergabe von teraphim mit „Wunschlarve" setzt
eine noch strittige Auffassung von der Gestalt dieses
Gerätes als sicher und einzig möglich voraus. Zudem
wird sich unter dem Worte ein Nichtfachmann schwer
etwas vorstellen können.

Ober-Breidenbach i. Hessen._Adolf Wendel.

Krlebel, Martin: Studien zur älteren Entwicklung der abendländischen
Trinitätslehre bei Tertullian und Novatian. Marburg
: Inaugural-Dissertation 1932. (X, 102 S.) 8°.
Kr. untersucht in dieser, von H. v. Soden begutachteten
, in ihren theologischen Ausdrucksformen stark von
Loofs beeinflußten Marburger Dissertation das Verhältnis
der Trinitätslehre Novatians zu der Tertullians und
der früheren Apologeten. Das 1. Kapitel zeigt die Entwicklung
der Gotteslehre bis zu ihrer Gestaltung bei
Novatian. Mit Recht wird nicht bloß ein sachlich-dogmengeschichtlicher
, sondern auch ein quellenmäßiger
Einfluß sowohl des Theophilus von Antiochien als auch
Tertullians auf den römischen Presbyter angenommen.
Bei Theoph. ad Autolyc. I, 3: Nov. de trin. 2 (S. 8, 5ff.
Fausset) ist er ganz offenkundig, und es wäre dabei
(S. 12) nicht bloß auf die sachlichen Begriffe, sondern
auch auf die sprachliche Form zu verweisen: Et yän
tp ö> s avröv s ln:a>, TCoii)fi.a avxov ^cyw — Sive etlim illum
dixeris lucem, creaturam ipsius magis quam
ipswm dixeris etc. Der Gedanke aber, daß man