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Ausgabe:

1932 Nr. 8

Spalte:

171-172

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Boutflower, Charles

Titel/Untertitel:

Dadda-‘Idri or the Aramaic of the Book of Daniel 1932

Rezensent:

Duensing, Hugo

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171

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 8.

172

Verf. müßte seinen naiven und massiven Wunderglauben
dann aber auch überall hervorleuchten lassen. Verdenken
muß man ihm gesinnungsgemäß das Schwanken zwischen
ihm und krassem Rationalismus. Liest man doch
(S. 66) bezüglich der Gesetzestafeln des Mose: „Dürfen
wir an die providentielle Auffindung zweier Steintafeln
denken, die durch die Einwirkung des Vulkanismus oder
der Verwitterung schriftähnliche Runen aufwiesen?" Ein
gestrenger Zensor müßte ja wohl solchen Sätzen das
Imprimatur verweigern! Ist nicht auch der Satz: „Ganz
außergewöhnliche Vorgänge der Meteorologie wurden
ihnen zur Theophanie" ketzerisch?

Weitere Proben können unterbleiben. Selbst Dal-
mans ausgezeichnetes einschlägiges Werk über „Arbeit
und Sitte in Palästina" fehlt im Literaturverzeichnis.
Krauß' „Talmudische Archäologie", die ebenfalls Vieles
bietet, erwartet man schon garnicht. Der forschende
Alttestamentler wird so keiner Unterlassungssünde schul- j
dig, wenn er dieses Stück „biblischer Klimatologie", die ]
eine Art Anhang an die bibl. Archäologie nach des Verf.s
Meinung sein soll, ungelesen läßt. Er wird in den wenigen
Spalten umfassenden Artikeln von Rühle und I
Galling in RGG2 IL, Sp. 1175 ff. — die in Grills Literaturverzeichnis
ebenso fehlen wie die Notizen in Bertho- |
lets Kulturgeschichte — mehr finden als in der vorlie- j
genden lOOseitigen Monographie. Sollte das Thema
wieder einmal angefaßt werden, so gäbe es außer den
eingangs genannten genugsam Einzelfragen zur Untersuchung
; etwa: Naturerscheinungen und Erlebniskraft
in Israels Frömmigkeit; das Verhältnis von neuen Naturerlebnissen
zum geformten Mythus, der in ihnen vor
Zeiten seinen Ursprung hatte; außerisraelitischer Gewitterglaube
und Israel; Gewitterelebnis und (bzw.oder)
Vulkanerlebnis; Gewittererlebnisse im Kreise aller Na-
turerlebnisse usw.

Ober-Breidenbach i. Hessen. Adolf Wendel.

Boutflower, Charles, M. A.: Dadda-'Idri or the Aramaic of the
Book of Daniel. London: S. P. C. K- o. J. (48 S. u. 3 Taf.) 8°. 2 sh. 6 d.

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist nach Seite
40 ein doppeltes:

1. Das Aramäisch des Buches Daniel ist das Ära- j
mäisch eines Distriktes nördlich und östlich von Palästina
, weshalb man es „Ostaramäisch", vorsichtiger j
„Reines Aramäisch" nennen sollte und 2. der Dialekt i
des Buches Daniel, obwohl er uns nichts hinsichtlich des
Alters dieses Buches sagt, bildet nicht länger ein Hindernis
für die Abfassung durch den Propheten selbst.
„Dies ist das große Hindernis, das ich zu beseitigen getrachtet
habe. Denn wie kann ein Christ glauben, daß {
ein Buch, welches mit solch besonderer Ehrfurcht von
unserem Herrn und Heiland Jesus Christus behandelt
worden ist, nichts besser als eine jüdische Apokalypse
ist." Die Wurzel dieser Untersuchung, die sich ganz
auf dem sprachlichen Gebiet hält, ist also eine dogmatische
. Es soll die Möglichkeit erwiesen werden, daß j
Daniel gegen Ende der Regierung des Cyrus das nach
ihm benannte Buch selbst geschrieben haben kann. Ein
Hindernis, dies anzunehmen, war bisher der späte Charakter
des Laut- und Formenbestandes. Das ursprüngliche
d erscheint auf den alten aramäischen Inschriften |
vom 8.—6. oder 5. Jahrhunderts als z. Schon in den
Elefantinepapyri und später in steigender Häufigkeit
tritt dafür d ein, bis es im Buch Daniel und später j
herrschend ist.

Der Verfasser will nun diese klare entwicklungsge- j
schichtliche Betrachtung dadurch entkräften, daß er die I
Existenz eines aramäischen d-Dialektes neben dem d (z)-
Dialekte aus der keilinschriftlichen Wiedergabe von Namen
wie -rn> -nri durch DADA — MDRI — daher der
Obertitel seines Schriftchens — u. a. m. erschließt. Das
Nebeneinanderauftreten ist dann nicht als Übergangs- |
Stadium, sondern als Dialektmischung infolge von Be- j
rührung zu verstehen. Ähnlich verhält es sich mit den
Suffixen für die 2. und 3. Person im Plural. Das (k) m |

i und (k) n der alten Inschriften ist im Aramäisch des
Daniel, der Tagume, der Palmyrenischen Inschriften,
J im Mandäischen, übrigens auch im Christlich-palästi-
| nisch-Aramäischen und im samaritanisch Aramäischen
zu (ko) n und (ho) n geworden, nein, nicht gewor-
I den, sagt der Verfasser, sondern immer schon hat es,
wie das Assyrische beweist, neben dem m-Dialekt einen
n-Dialekt gegeben und, wo beide Formen nebeneinander
vorkommen, wie in den Elefantinepapyri, in denen 3
n-Fälle zu verzeichnen sind, oder im Esrabuch, da ist
das durch Herkunft (Elefantinejuden) oder Aufenthalt
im Osten (Esra, Perserkönige) zu erklären, Momente,
die die Dialektmischung herbeigeführt haben.

Es wird nicht bestritten werden können, daß zwei
in solcher oder anderer Weise verschiedene aramäischen
Dialekte nebeneinander bestanden haben können, genau
so, wie heute ein arabischer g-Dialekt neben einem g-
Dialekt steht. Nur haben wir dafür keinen inschriftlichen
Beweis, und der Schluß aus der assyrisch-babylonischen
Transkription und die noch fragwürdigere Heranziehung
des Südarabischen genügen nicht zum Erweis der Tatsächlichkeit
. Für den, welcher außerdem sachliche Gründe
kennt, das Buch Daniel in das 2. Jahrhundert zu
setzen, bleibt die Erklärung des Lautwechsels und des
Wechsels der Suffixe aus Fortentwicklung der Sprache
die einleuchtendste.

Als Beigabe wertvoll ist die Note II wegen des Faksimele einer
1917 zum ersten Mal von Torrey veröffentlichten aramäischen Inschrift,
die vom Ufer des Cydnus stammen soll. Diese Inschrift wird mitgeteilt
, weil sie durch ihre Buchstabenformen zeigt, wie leicht ein Samech
mit einem Jod verwechselt werden konnte. Und diese Möglichkeit hat
der Verfasser wieder nötig, um zu erweisen, daß Cambyses, den der
Verfasser mit Darius, dem Meder (!), indentifiziert, im ersten Jahre des
Cyrus 12 und nicht 62 Jahre alt war. Hier werden, um einen talmudischen
Ausdruck zu gebrauchen, Berge an einem Haar aufgehängt. Die
Umschrift der Inschrift in hebräische Buchstaben auf Seite 47 enthält
mehrere Fehler, z. B. Zeile 3 muß es heißen HOD3 statt 'UBBri, nbrt
statt (Tb'1!, TOt statt TOI. Ähnliche Fehler sind Seite 18 zu beobachten.
Goslar a. Harz. Hugo Duensing.

Jü Ii eher, D. Dr. Adolf: Einleitung in das Neue Testament.

7. Aufl., 13.—15. Tsd. Neubearb. i. Verbdg. m. D. Erich Fascher.
Tübingen: J. C. B. Mohr 1931. (XVI, 629 S.) gr. 8°. = Grundriß
d. Theol. Wissenschaften, 7. Abt. RM 20—; geb. 22-.

Jülichers Einleitung gehört zu den Büchern, die
für die deutsche Theologie des letzten Menschenalters
und darüber hinaus charakteristisch sind. Wir haben als
junge Studenten das Erscheinen der ersten Auflage
1894 erlebt, und das Buch hat seit den nun vergangenen
37 Jahren alle Studentengenerationen begleitet und in
das historische Verständnis des NT. eingeführt, die mit
der kritischen Forschung Fühlung zu bekommen wünschten
. Neben Jülicher ist nur Zahns Einleitung,^ die einen
diametral entgegengesetzten theologischen Standpunkt
zur Voraussetzung hat, von eigener Bedeutung für die
Wissenschaft geworden, weil dort ein Gelehrter von
besten Qualitäten sein reiches Wissen vor uns ausbreitet,
freilich auch in den Dienst einer zielbewußten Apologetik
stellt. Alles was sonst in der genannten Periode bei uns
als Einleitung ins NT. erschienen ist, steht unter dem
bestimmenden Einfluß dieser beiden Werke, wobei unzweifelhaft
ein immer steigender Einfluß Jülichers festzustellen
ist, der sich auch da zeigt, wo man seine theologische
und kritische Haltung energisch mißbilligt. Im
Jahre 1906 ist die 5./6. Auflage erschienen, die neu
bearbeitet war. Seitdem haben wir uns mit mechanischen
Neudrucken begnügen müssen, die dankbar entgegengenommen
wurden, weil man die Belastung des Verfassers
mit andern großen und mühseligen Aufgaben
kannte.

Um so freudiger begrüßen wir jetzt die 7. Auflage,
die eine wirkliche Neubearbeitung verkündet. Freilich ist
es dem Verf. nicht möglich gewesen, die Arbeit allein
durchzuführen, da seit mehreren Jahren seine Augen die
unablässig ihnen zugemutete Überanstrengung büßen
müssen. Aber er hat in E. Fascher einen bereitwilligen
Helfer gefunden, der ihm einen Teil der Last abgenom-