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Ausgabe:

1932 Nr. 6

Spalte:

140-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Aulén, Gustaf

Titel/Untertitel:

Das christliche Gottesbild in Vergangenheit und Gegenwart 1932

Rezensent:

Odenwald, Theodor

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139

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 6.

140

Kolass, Franz: Raum ohne Volk. Nach Tagebuchblättern eines
Urwaldpfarrers. Dresden: C. L. Ungelenk 1931. (128 S. m. 13 Abb.
u. 1 Kte.) 8°. kart. RM 2.75.

Das mit einem nicht anspruchslosen Titel auftretende
Buch erzählt schlicht und lebendig die Anfangsschwierigkeiten
eines neu in Brasilien zugereisten Synodalpfarrers
, der mit der Tradition des „Schnapspfarrers"
aufräumen, um sein Gehalt kämpfen und die Querschläge
der Missourileute überwinden muß. Wesentlich ist, daß
K. bei aller Wertschätzung und sorgfältigen Pflege des
Deutschtums sowie der deutschen Kirchen- und Schulsprache
die Erlernung der Landessprache für notwendig
hält. Vgl. dazu einen Aufsatz von K. „Erlebnisse bei
der Gründung einer neuen Pfarrei in Rio Grande do Sul
(Deutsch-Evangelisch im Auslande XIII 1914, S. 292ff.;
dazu ferner ebenda XIV 1916, S. 245—274). Die Liste
der Auswandererberatungsstellen ist sehr erweiterungsbedürftig
und nicht ganz ohne Fehler. Die Etymologie
Kirmes-Kerbe-Kerbholz ist nicht richtig.
Leipzig. Otto Lerche.

Heitmüller, Friedrich: Die Krisis der Gemeinschaftsbewegung.

Ein Beitrag zu ihrer Ueberwindung. Hamburg: Christi. Gemeiuschafts-
buchhdlg. 1931. (206 S.) 8°. Pappbd. RM 4.50.

H. zeigt der Gemeinschaftsbewegung, die er in der
Gefahr sieht, ihrer Aufgabe untreu zu werden, wie sie
nach seiner Meinung sein müßte als Evangelisations- und
als Heiligungsbewegung, in ihrer Stellung zur Kirche und
in der Gestaltung ihres eigenen Gemeinschaftslebens, in
der Stellung zur Bibel, zur kirchlichen Sakramentslehre
und zum Schwärmertum. Er kämpft gegen Gesetzlichkeit
in der Evangelisation, Betonung der Sündengebundenheit
als Reaktion gegen die Sündlosigkeit der Pfingst-
bewegung in der Heiligung, vor allem aber gegen jede
Nachgiebigkeit gegen die Volkskirche als die eigentliche
Gefahr. So enthüllt diese Antwort des zweiten Vorsitzenden
des Gnadauer Verbandes auf die theologisch
und kirchlich besonnene Schrift des ersten Vorsitzenden
W. Michaelis (Das Evangelium in der Verkündigung,
in der Taufe und im Herrenmahl) anders, als der Titel
es meint, in der Tat eine schwere „Krisis" in der Bewegung
. Für die Kirche sind solche Angriffe eine Mahnung
, die Fragen der Volkskirche und die Sakramentslehre
immer wieder theologisch und praktisch durchzudenken
. H. frei.ich umgeht manche Probleme (Frei-
willigkeitsgemeinde-Nachwuchs; Nichterkennbarkeit des
Glaubens u. ä.), andere denkt er nicht ganz durch, so,
wenn er die biblische Gestaltung des Gemeinschaftslebens
— unter Verwerfung der Vorbildlichkeit der ur-
chTst.ichen Verfassung übrigens — allein in der Frei-
wLligkeit und dem Bekenntnis des Gläubiggewordenseins
sieht, den Ausschluß der durchaus „gläubigen" Pfingst-
leute aber billigt. Seltsam wirkt, daß er das „Zurück zu
Luther" damit ablehnen zu können meint, daß Luther
die Schwenckfelder verfolgt, im Bauernkrieg versagt und
Philipps Doppelehe gebilligt habe. Unerfreulich sind
Fehler, wie Labadie als Zeitgenosse Luthers (S. 191),
Schiefheiten (z. B. „Die lutherische und reformierte
Lehre von dem gewissen ,Etwas' (Konsubstantiation),
die der katholischen Lehre ungefähr gleichkommt"),
größere Wiederholungen (z. B. S. 33—98) und zahlreiche
nicht angedeutete mehr oder weniger wörtliche
Übernahmen aus der eingesehenen Literatur (nach flüchtiger
Zählung etwa je ein Dutzend allein aus Ecke,
Schwenckfeld, Luther und der Gedanke einer apostolischen
Reformation, und aus Köberle, Rechtfertigung
und Heiligung).

Hannover. P.Fleisch.

Schulze, Prof. Dr. Martin: Grundriß der evangelischen Dog-

matik. 2. umgearb. Aufl. Königsberg i. Pr.: Buchhandlung d.
Ostpreuß. Provinzialverbandes f. Innere Mission 1931. (XI, 208 S.)

RM 8— ; geb. 9.50.

Der Charakter des Schulze'schen Grundrisses ist
derselbe wie in der 1. Aufl. (vgl. Th. Lit. Ztg. 1920
Sp. 117). Die neue Auflage ist eigentlich nicht „umgearbeitet
", wie der Titel sagt, wohl aber wesentlich bereichert
und vermehrt; ihr Umfang ist daher um 28 Seiten
gewachsen. Die Erweiterung besteht in der gewissenhaften
Zufügung der seit dem Erscheinen der 1. Auflage
1918 erschienenen Literatur; sodann im Eingehen auf dieselbe
, soweit der Verf. es für nötig hielt. Kritisch nimmt
l er Stellung zur dialektischen Theologie bei der Bestim-
| mung des Wesens der Dogmatik, des Wesens der Reli-
: gion, beim Begriff der Offenbarung, beim Verhältnis
I von Gott und Mensch, Zeit und Ewigkeit, in der Lehre
von der Sünde, von Christus,, von der Rechtfertigung
j und in der Eschatologie. Dies letztere Lehrstück ist am
j meisten erweitert. Kritisch nimmt er mehrmals auch
| Stellung zu Heim, zu R. Otto; zustimmend ist seine
] Einstellung zu Wobbermin. — Von Druckfehlern fiel
j mir auf S. 153 Z. 20 Berthold statt Bertholet.

Der Neudruck des Buches in dieser bereicherten
i Form ist daher zu begrüßen.

' Basel.___J. Wendland.

i Matthews, W. R.: God in Christian Thought and Experience.
London: Nisbet & Co. (1930). (XIX, 283 S.) 8°. = The Library of
Constructive Theology. Ed. W. R. Matthews u. H. W. Robinson. lOsh. 6d.
Band I der von W. R. Matthews und H. Wheeler
Robinson herausgegebenen populär-wissenschaftlichen
| Library of Constructive Theology, die von der Voraussetzung
aus, daß die Autorität der Kirche und der
' Bibel nachhaltig erschüttert ist, die Grundlagen unseres
j Glaubens neu aufbauen und den Glauben in Übereinstimmung
mit dem modernen Denken bringen will. Den
i Kern des Matthews'sehen Buches bilden 5 Vorträge, die
| vor der Nobelstiftung gehalten und hier umgearbeitet
, worden sind. Es schöpft die Erfahrung des religiösen
I Menschen aus, die geschichtliche wie die allzeit gegenwärtige
, die intellektuelle wie die moralische. Es ist sich
seiner Unvollständigkeit bewußt und will darum weder
Dogmatik noch Apologetik geben, sondern nur die Linien
nachzeichnen, die vom Menschen zu Gott führen. Das
tut es in 12 Kapiteln: die allgemeine (natürliche) Gotteserfahrung
, die spekulative Entwicklung des Gottesgedankens
, die christliche Gotteserfahrung, der theologische
Gottesbegriff, Übergang (vom mechanistischen
Naturalismus zur Erkenntnis der belebten Materie, vom
statischen zum dynamischen Denken), Transzendenz, der
lebendige und persönliche Gott, die hl. Trinität, der
Schöpfer Himmels und der Erde, die Liebe und das
Böse, Zeit und Vorhersehung. Das ist keine geschlossene
Darstellung, vieles ist aphoristisch, anderes wiederholt
sich, keine Frage auf dem ganzen Gebiete der Gotteserkenntnis
, die nicht gestreift würde, das Ganze
stellt hohe Anforderungen an den Leser. Der erkenntnistheoretische
Ausgangspunkt ist die Voraussetzung,
daß es keinen wirklichen Atheismus gibt, sondern daß
alles geistige Selbstbewußtsein zusammenhängt mit Gottesbewußtsein
; daß also eine gewisse Erfahrung von
I Gott Allgemeingut ist, das seine Vollendung erlebt im
Christentum (S. 138). Diese christliche Erfahrung ist
der tragende Grund unseres Gottesglaubens. Auch sie
bleibt unvollkommen auf Erden, aber auch in dieser Un-
vollkommenheit verleiht sie in Verbindung mit der brüderlichen
Gemeinschaft unter den Trägern dieser Erfahrung
dem Menschen unvergänglichen Adel und weist
über sich selbst hinaus in eine Sphäre der Vollendung.

Berlin.__A. Schowalter.

Aulen, D.Gustaf: Das christliche Gottesbild in Vergangenheit
und Gegenwart. Gütersloh: C. Bertelsmann 1930. (X, 406 S.)
gr. 8°. RM 13-; geb. 15—.

„Die Frage nach Gott ist für das christliche Denken
entscheidend. Der christliche Glaube ist Gottesglaube
, Gott ist der einzige „Gegenstand" des christlichen
Glaubens". Von dieser Einsicht aus stellt sich
Aulen die Aufgabe, das christliche Gottesbild „zu finden
und zu zeichnen, das im Sinngedanken des Christentums
hervortritt und es zu dem macht, was es ist". Mit dieser
Aufgabesteilung ist auf eine Lücke in den Übersichten
über die Geschichte des christlichen Denkens hingewiesen
, denn wir hatten bis jetzt keine den ganzen Zeitraum
christ.ichen Denkens umspannende Monographie über
die christliche Gottesvorstellung. Es ist das Verdienst