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Ausgabe:

1932 Nr. 23

Spalte:

534

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vollmer, Hans

Titel/Untertitel:

Deutsche Bibelauszüge des Mittelalters zum Stammbaum Christi mit ihren lateinischen Vorbildern u. Vorlagen hrsg. u. erläutert 1932

Rezensent:

Kohlschmidt, Werner

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533

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 23.

534

i b n 7ir können i klar überschauen. — A. Deporter: Lettre d'un ermite ä Renaud, abW
geber der Th. Lz., der Tatsache gedenken zu , j de Morimond 113g—H54, teilt aus den Handschriften der Bibliothek

daß die Nachfrage nach Harnacks LenrDUCn : ^ i3rijSge den Brief eines Anonymus mit, der für die Mystik (Dionysius

Dogmenges Ctlichte noch SO rege ist, dal) die Areopagjta) und Abendmahlslehre des 12. Jahrh. von Bedeutung ist. —
Vprlarrshnr-lfhanriliino- das Wagnis unternehmen durfte, Dje auszeichneten literarischen Berichte und die vortreffliche Biblio-
iS^S^tSd teueren Bände erneut dem Bücher- , grapnie der Zeitschrift verdienen, wie stets, volles Lob.

markt zuzuführen. Das ist geschehen in Gestalt emer j Heidelberg._w. Köhler.

„fünften photomechanisch gedrucWen ferfassers. I Vollmer, Prof. Dr. Hans: Deutsche Bibelauszüge des Mittel-

hinzugekommen ist lediglicn ein d™ xrra~*i~.~. a«. ! alters zum Stammbaum Christi mit ihren latein. Vorbildern u.

Vorlagen hrsg. u. erläutert. Potsdam: Akad. Verlagsges. Athenaion
1931. (VIII, 201 S. m. 8 Taf. u. 12 Zeichngn.) gr. 8°. = Bibel u.
deutsche Kultur. Veröff. d. Deutschen Bibelarchivs in Hamburg.
1.1 Der „Materialien z. Bibelgesch. u. religiösen Volkskunde des Mittelalters
". Neue Folge, V. RM 20—.
Als neuen Band seiner „Materialien zur Bibelge-
schichte" und gleichzeitig ersten Band der „Veröffentlichungen
des Deutschen Bibel-Archivs" legt Vollmer
einen sorgfältigen Abdruck zweier Quellen vor, die als
Dokumente zur Geschichte der deutschen Bibelaneignung
wirkliches Interesse verdienen, die er überdies zum
ersten Mal näher bestimmt und in ihre literaturgeschichtlichen
Zusammenhänge einordnet.

Zunächst gibt V. das von Bartsch seinerzeit wohl
katalogisierte, aber in seinem Werte verkannte lateinischdeutsche
Mischgedicht des Cod. Germ. Pal. 110, als
dessen lateinische Grundlage er Petrus von Rosenheims
poetisierte Wiedergabe des Bibelinhaltes aufgespürt hat.
Damit rückt die deutsche Übertragung an einen neuen
literaturgeschichtlichen Ort: Das Gedicht scheint nun
ein wohl von meistersingerlicher Seite herrührender Versuch
, auf der Grundlage des „Roseum memoriale" den
Bibelinhalt in poetische deutsche Form zu bringen. Ein
Blick auf Strophe, Reim, Wortschatz und Tendenz bestätigt
die von V. angenommene meistersingerliche Herkunft
des deutschen Gedichtes durchaus (die möglicherweise
Bartsch seinerzeit davon abschreckte), der Vergleich
erst mit dem Urtext zeigt den selbständig frischen,
bildhaften, in seiner einfachen Klarheit stellenweise
selbst an das spätere Reformationslied anklingenden
Ton. Diese Quelle ist durchaus im weiteren Sinne literaturgeschichtlich
interessant.

Als zweiten Text gibt V. eine deutsche Fassung
der Genealogie des Petrus Pictaviensis nach dem Münchener
Cgm. 564 und dem Göttinger Cod. ms. theol.
293 mitsamt dem lateinischen Text nach der Hamburger
Hs. Cod. theol. 2021.

Der sprachgeschichtliche Wert dieser deutschen
Quelle scheint mir fraglich, da — auch V. ist sich klar
darüber — die Übersetzung und ihre Sprache eher
rückständig als vorlaufend genannt werden muß. Sie
bewegt sich durchaus im gebundenen übersetzerischen
Durchschnittsstil der Zeit. Hier besteht nur der stoff-
und zeitgeschichtliche Wert.

Die ausführliche Einleitung, die V. den Ausgaben
voranschickt, will in erster Linie neben der Charakterisierung
der beiden Quellen selbst ein Nachweis ihrer
ehemaligen Verbreitung und Bedeutung sein. In dieser
Absicht erörtert sie ausführlich angrenzendes und verwandtes
Hs.-Material wie die überhaupt diese Literatur
bedingenden inneren Motive: die mnemotechnischen,
typologischen, genealogischen Wege, in die starke Kräfte
des mittelalterlichen Bibelinteresses ablaufen.

So liegt ihr Hauptwert vor allem in den Beiträgen
zur Hs.-Kunde, die sie liefert, daneben in der Klärung
stofflicher Wechselbeziehungen, die sie berührt.

Auch der Kunstgeschichtler wird manches zur Ge-

Es kann nicht meine Aufgabe sein, eine Würdigung des
Werkes zu versuchen. Die mit der unseren gleichlaufende
vierte Auflage hat Harnack selbst in der Th. Lz.
angezeigt: 34, 1909, Sp. 682—684. 35, 1910, Sp. 308f.
Es muß genügen, daran zu erinnern. Doch möchte ich
nicht verschweigen, daß erneute Lektüre in dem altvertrauten
Buche, die Überzeugung in mir fast noch gesteigert
hat, daß wir es hier mit einer ganz einzigartigen
Leistung zu tun haben. Dieses Werk, das nicht nur Geschichte
darstellt, sondern geradezu Geschichte gemacht
hat, wird auch einem kommenden Theologengeschlecht
noch viel zu sagen haben.
Göttingen. W. Bauer.

Revue d'histoire ecclesiastique. Tome XXVII. Louvain: Bureaux
de la Revue. 1931. (980 S.) gr. 8°.
E. Dhanis bringt seine Untersuchung über „quelques anciennes
formules septenaires des sacrements" zum Abschlull. Er stellt die Priorität
der Summa sententiarum über den liber de sacramentis fest, grenzt
beide chronologisch ab und bringt dankenswerte Beiträge zur Geschichte
des Begriffes sacramentale zum Unterschied von sacramentum. — P.
Pol man bereichert seine dankenswerten Untersuchungen zur Historiographie
der Reformationszeit durch eine Studie über Flacius Illyricus;
er gibt einen Überblick über dessen historische Werke, insbesondere die
Centurien, und bestimmt, nichts wesentlich Neues bietend, seinen Platz
innerhalb der Historiographie. — Die rechtshistorische Untersuchung von
E. Lesne: l'indominicatum dans la propriete fonciere des eglises ä
l'epoque carolingienne bestimmt den Begriff indominicatum als „la Portion
directement exploitee pour Ie compte du dominus dans son do-
maine"; der Gegensatz ist beneficium. — A. Faux: L'orphisme et saint
Paul stellt in einem ersten Teile die Quellen des Ofphismus zusammen
und gruppiert ihren Inhalt nach Grundideen ; dann wird der Orphismus
auf seine Wurzeln und seine Stellung innerhalb der Geschichte der
griechischen Philosophie untersucht. Die Hauptfrage nach Beeinflussung
des Apostels durch den Orphismus in Anthropologie, Christologie und
Sakramentslehre wird „essentiellement negative" beantwortet. — L. Gou-
gaud: Les scribes monastiques d'Irlande antravail berichtet fiher persönliche
Rand- und Schlußbemerkungen der Schreiber, ihre Leistungsfähigkeit
und ihre Miniaturen. — D. de Bruyne: Un document de la
controverse adoptianiste en Espagne vers Tan 800 lehrt aus einem Codex
von Monte Casino einen bisher unbekannten Anhänger des Elipandus
von Toledo, Ibinhamdon, kennen. — L. E. Halkin: Le proces du Cardinal
Louis de Lapalud gibt aus Akten des vatikanischen Archivs Ergänzungen
zu dem Buche von Jul. Schweizer, Privatdozent in Basel,
über den Kardinal. — Die Notes berulliennes von J. Da gen s betreffen
das Verhältnis von Berulle zu einem anonymen Traktate über die christliche
Vollkommenheit und ein Verzeichnis der Fundorte für seine Briefe.
— Die Frage: Vestige d'un florilege dans 1. Cor. 1,18-3,24? wird
von L. Cerfaux in Auseinandersetzung mit O. Michel: Paulus und
seine Bibel (1929) bejaht „S. Paul.au cour de son emication rabbinique
a rencontrö des maitres qui produisaient des citations reunies pour mettre
en garde contre la science des Grecs. Pourquoi ne serait-ce meine pas ä
Jerusalem?" — F. Cabrol: Bossuet, ses relations avec l'Angleterre —
gibt zuerst ein Verzeichnis der in der Bibliothek Bossuets (der das Englische
nicht verstand) vorhandenen Literatur über England, bespricht
dann den Panegyrikus auf Thomas Becket, die Leichenreden auf die
Königin Henriette von England und auf ihre gleichnamige Tochter, die,
auch ins Englische übersetzte, Exposition de la doctrine de TEglise, um
mit den persönlichen Beziehungen zu Jakob II und mit B.'s (zustimmender
) Stellungnahme zu den anglikanischen Weihen zu schließen. Ein Anhang
behandelt die sentiments des Anglais ä l'egard de Bossuet. — A.
Lepka beschränkt „L'originalite des repliques de Marius Mercator (in
seinem Commonitorium) ä Julien d'Eclane" auf ein Minimum gegenüber [

der Abhängigkeit von Augustin. - G. Constan t: Du schisme anglican bc"ILnTe Uraphlk, zur Ikonographie und Typologie

et de ses origines setzt sich kritisch mit dem Buche von A. Moreton: ' ,tierCn können. J ^ s

La Reforme anglicane au XVIe siede 1930 auseinander, besonders dessen
anglikanische Auffassung des Schismas kritisierend. — L. Antheunis:
Un remgiö catholique au Pays-Bas: Sir Roger Ashton (f 1592) teilt
einen Brief mit. - R. Maere: L'eTude de l'archeologie chrelienne en

Jedoch wären eine schärfere Abhebung der Gedankenordnung
, weniger Exkurse und Einsprengungen
dem Begleittext sehr zum Vorteil, da das Buch in der
vorliegenden äußeren Form nur die fachlich Beteiligten
Belgique 1830—1930 gibt einen kurzen Bericht. — J. de Ghellmck: | kaum aber, wie der Verlagszettel will alle Gebildeten'
La carriere de Pierre Lombard gibt eine sehr eingehende kritische Bio- denen ihre Bibel wert ist" erreichen 'w'ird
graphie des Scholastikers, die nicht übersehen werden darf, betonend, „.,..„ vvuu.
daß wir eigentlich nur die letzten fünfzehn Lebensjahre einigermaßen I Bederkesa bei Bremerhaven. Wcrner Kohlschmidt.