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Ausgabe:

1932 Nr. 20

Spalte:

479-480

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlunk, M.

Titel/Untertitel:

Botschafter an Christi Statt. Vom Wesen und Werke deutscher Missionarsarbeit 1932

Rezensent:

Witte, Johannes

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479

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 20.

480

Sehl unk, Prof. D. M.: Botschafter an Christi Statt. Vom

Wesen und Werke deutscher Missionsarbeit. Gütersloh: C. Bertelsmann
1932. (VIII, 306 S.) gr. 8°. RM 8—; geb. 9.50.

Dies Buch ist die Festgabe zu Ehren des 70. Geburtstages
des Seniors der deutschen Missionswissenschaft
, Professor D. Julius Richter in Berlin. Es ist ein
Sammelband von 15 Aufsätzen, geschrieben von 15Ver-

werden. Aus vielen Beiträgen dieses Buches geht klar
hervor, daß die Mission heute in einer Lage ist, welche
es dringend nötig macht, alle Fragen neu zu prüfen und
sich am Wort der Botschaft tiefer und reiner zu orientieren
. So ist dies Buch mehr als ein Bericht über Bestehendes
, und fehlt in ihm alles Rühmen über Erfolge
und Leistungen. Es ist in seinem innersten Wesen ein

tretern des deutschen Missionslebens über sehr ver- | Fingerzeig auf die Größe der Missionsaufgaben, die die

schiedene Gebiete des deutschen Missionslebens draußen
und daheim. Die Themata mögen das zeigen: 1. Bot
schafter an Christi Statt (K.Hartenstein). 2. Zinzen-
dorf und die ökumenische Bewegung (M. Richter). 3. Der

Kirchen aus Gehorsam zu lösen versuchen müssen,
und auf die Bedeutsamkeit der Missionswissenschaft als
Disziplin der Theologie. Nur eine wirklich theologische
Behandlung der vorliegenden Missionsprobleme kann

Missionsgedanke bei Reinhold Seeberg (W. Kunze). ' hier helfen. Es wird Zeit, daß alle Kirchen und alle
4. Missionsmotiv und Missionsmethode unter der Frage- j Theologen die Stunde begreifen. Das Buch kann dazu
Stellung der dialektischen Theologie (S. Knak). 5. „All- helfen, daß es auch bei uns damit besser werde. Dem
gemeine Offenbarung" und Missionsarbeit (H. Frick). Verlag ist besonderer Dank zu sagen, daß er trotz der
b. Der Botschafterdienst der Mission für die Heimat schweren Zeit dies Werk herausgebracht hat, Prof.
(M. Schlunk). 7. Ein chinesischer Taufunterricht (W. Schlunk, daß er es so umfassend angelegt hat. Und dem
Oehler). 8. Schul- und Erziehungsfragen in Afrika (S. Jubilar, Prof. Richter, der soviel getan hat, um die Ge-
Baudert). 9. Die missionarische Predigt auf den Feldern 1 schichte der Mission zu erforschen, möge es zeigen, daß
der Brüdermission (Th. Bechler). 10. Die Eigenart der ; viele Schüler und Freunde ihm dankbar verbunden sind.
Verkündigung des Evangeliums in der Mohammedaner- ; Berlin. j. Witte.

Mission der Gegenwart (S.Simon). 11. Die christliche
Botschaft im heutigen China (J.Müller). 12. Unsere
Botschaft im heutigen Indien (C. Ihmels). 13. Die Botschaft
und die soziale Frage in Japan (J.Witte). 14. Das
Recht des weißen Mannes auf Afrika (L. Weichert).
15. Zur Psychologie der Bekehrung bei Primitiven (W.
Freytag). Es kann nicht die Aufgabe dieser Besprechung
sein, die 15 Aufsätze sämtlich zu kennzeichnen
und zu würdigen. Deutlich stehen die meisten dieser
Aufsätze unter den Auswirkungen der Fragestellung,
welche der dialektischen Theologie zu danken ist. Das
gilt nicht nur von dem Aufsatz von Hartenstein, der
von da aus die missionarische Aufgabe behandelt unter
Besinnung auf die reformatorische Position, zu der er
das Gute an dem nur bedingt bejahten Pietismus hinzu-

Lutherischer Weltkonvent zu Kopenhagen v. 26. Juni bis 4. Juli
1929. Denkschrift, hrsg. im Auftr. d. Ausschusses. Leipzig: Dörffling
&Franke 1929. (VIII, 220 S.) gr. 8°. RM 12—.

Ohne Zweifel hat das evangelische Christentum in
der interkonfessionellen Debatte ein wichtiges Wort zu
sagen und große Möglichkeiten, sich dort zur Geltung zu
bringen. Auf ökumenischen Zusammenkünften kann man
oft beobachten, wie gegenwärtig an vielen Stellen die
Tore für eine Christentumsauffassung von lutherischer
Art offen stehen. Aber eine notwendige Voraussetzung
dafür, daß das entscheidende Wort über die Grenzen des
Luthertums hinaus Gehör finden kann, ist die Überwin-
nrmmtrion^ | £U"g der verwirrenden Splitterung innerhalb seiner

Knak, der der dialektischen Theologie viel zu danken °£2£nja?^*l£J1""? *s m't Genugtuung beweiß
. Allerdings wünscht er zugleich, daß diese Theo- gIußen> daß .Hand ™ H/nd mlt der Annäherung zwischen
logie ihre Stellung zur Mission noch besser klären möge. I den verschiedenen Konfessionen das Bemuhen eine Kon-
Von prinzipieller Bedeutung ist in Knaks Aufsatz die ! fhdierung der evangelisch-lutherischen Kirchengemein-
Frage nach der Möglichkeit der Predigt der Botschaft J den zuweg.e zu ,bn "S e"> ST^ytVi*- . f*™ Z,W+e?
die NichtChristen Kann man, wie Knak das tut, ! ßat alle™ der luthensc^he Weltkonvent, dessen letzte

beim NichtChristen reden von „dem gesunden Rest sei- ! JaPw8 ™ Kopenhagen 1929 abgehalten wurde, wirken

ner religiösen Anlage", von „den legten Spuren seiner i wo lern Die Verhandlungen der Tagung liegen in etwas

Gottebenbildlichkeit", aus denen heraus der Mensch auf i verkürzter Form in einem Band von 220 Seiten vor. Es

die Botschaft, die Anrede Gottes hin, zu antworten ver- j wurde zu weit fuhren, hier auch nur das Hauptsach-

mag. Da taucht das in dem Buch leider nicht behan- ' lichste anzuführen. Aus dem reichen Inhalt fesselt einen

delte, heute vielleicht wichtigste Thema auf nach dem vielleicht zunächst Landesbischof I h m e 1 s Behandlung

Verhältnis der christlichen Botschaft zu den Religionen. des Themas: „in welchem Sinn haben wir um «me innere

Was Frick dazu grundsätzlich sagt, ist sicher beachtens, 1 Erneuerung unserer Kirche zu ringen?" und Erzb.schof

wert, berücksichtigt aber nicht dif konkrete Situation der i Soderbloms Vortrag über „Luthers Bedeutung für

heutigen Mission, die Knak mit Recht vor Augen hat. j aen worden .

Zu Knaks Aufsatz muß leider gesagt werden, daß die | Beim Studium der Verhandlungen in ihrer Ganzheit
von ihm an der Ostasien-Mission geübte Kritik mir weder | kann man indessen kaum den Gedanken unterdrücken,
an dieser Stelle begründet noch sachlich gerechtfertigt zu ' daß der Weltkonvent in Kopenhagen die gegenwärtige
sein scheint. L. Weichert stellt sich mit großer Entschie- Stellung und die wirklichen Möglichkeiten des evange-
denheit auf den Standpunkt, daß der weiße Mann auf bschen Christentums nicht voll zum Ausdruck kommen
Afrika ein Recht hat: „Der weiße Mann hat infolge I laßt. Es ist ja leicht zu verstehen, daß aus kirchenpoh-
seiner Geschichte ganz außerordentliche, er hat gewaltige j tischen Gründen Vertreter der verschiedenen lutherischen
Rechte in Afrika und an seinen schwarzen Menschen, 1 Kirchen gleichmäßig verteilt zur Rede kommen müssen.
Rechte, die vor Gott gelten" (S. 271). Bei aller Aner- Aber das kirchenpolitische Interesse kann zu weit ge-
kennung der hohen Verdienste Weicherts um die Mission trieben werden. Wenn die evangelische Christenheit zuerscheint
mir dieser Satz wie der ganze Aufsatz als ein ! sammenkommt, sollte ihre erste Aufgabe im sich Beschwerer
Mißgriff. Ich glaube, dies Urteil bedarf keiner j sinnen über die Eigenart des evangelischen Christentums
Begründung. Ganz abgesehen davon, daß die Geschichte ! bestehen. Die Lutherforschung der letzten Jahrzehnte
des weißen Mannes in Afrika eine höchst fragwürdige hat hier neue Tiefen ans Licht gebracht. Es sei als
Geschichte ist, wie niemand stärker nachgewiesen hat als [ Wunsch für einen zukünftigen lutherischen Weltkonvent
Weichert selbst in seinem feinen Buch: „Kehre wieder, ; hervorgehoben, daß diese geistige Seite mehr in den VorAfrika
", so kann der rein säkulare Imperialismus der > dergrund treten möge. Denn an diesem Punkt liegt die
weißen Völker in Afrika vom Evangelium aus doch un- 1 wirkliche Stärke des evangelischen Christentums,
möglich als ein Recht, das vor Gott gilt, gerechtfertigt Lund. Anders Nygren.

Beiliegend das 3. Hett (Jahrg. XI) des „Bibliographischen Beiblattes".

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 8. Oktober 1932.

Verantwortlich: Prof. D. W. B a u e r in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.