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Ausgabe:

1932 Nr. 1

Spalte:

342

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Troelstra, A.

Titel/Untertitel:

Ezechiel 1932

Rezensent:

Kuhl, Curt

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341

Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 15/16.

342

fang, daß beide Schwerter in der Hand des Kaisers
seien (Alcuin), über die Deutung von der gegenseitigen
Unabhängigkeit und Eintracht bis zur Erklärung, daß j
beide der Papst inne habe (von Bernhard von Clair-
vaux bis Bonifaz VIII.). Der patristische Rückblick ist
aber ungenügend. So geht der Vergleich der Exkommunikationsgewalt
, den L. (S. 303) aus Gregor dem !
Gr. belegt, auf Cyprian ep. 4, 4 (477, 3 Härtel) zurück, j
Und die Beziehung der zwei Schwerter auf Leib und
Seele bei Alcuin (S. 304) war unklug und verhängnisvoll
, weil mit diesem Vergleich schon im Altertum der ]
Kirche — wenigstens gedanklich — eine Überlegenheit
über den Staat zugesprochen wurde. Hier hätten wohl
Verbindungsfäden gefunden werden können. — Derselbe [
Lecler trägt S. 582—589 Quellen des Alvaro Pe- I
layo nach, die Nie. Jung in seinem Buche über diesen j
Bischof und Pönitentiar Johannes XXII. (Paris 1931) |
übersehen hat, und ergänzt oder stellt Ausführungen j
des Verf. richtig über Anschauungen bezüglich des Verhältnisses
von Staat und Kirche im MA allgemein und i
bei Pelayo im besonderen. —

Neuzeit. P. Dudon erzählt S. 361—374 die
Geschichte eines von Kaiser Ferdinand I. angeregten, |
aber nicht ausgeführten Planes der Herausgabe einer
»Summa t h eo lo g ica" oder eines Compendiums der
Glaubenslehre durch P. Laynez, mit besonderer Berücksichtigung
der durch den Protestantismus in den ]
Mittelpunkt gerückten Streitfragen. Nebenbei erfahren j
wir (S. 364), daß der Jesuit Le Jay zehn Jahre in j
Deutschland gelebt hatte, ohne die deutsche Sprache zu
lernen, weil sie ihm zu schwer erschien. — H. de Lubac
verbreitet sich S. 422—443 und 513—540 über „Zwei i
irregangene Augustinianer, Bajus u. Jan- |
senius". Er lehnt zwar in der Augustinforschung
einen gewissen, in der Achtung gesunkenen „Konkordismus
" ab, bestreitet auch nicht beim Lehrer der Gnade j
„Züge eines excessiven Pessimismus" und „manichäische
Reminiscenzen" (S. 424 f.) — Buonaiuti ist in Italien
darob herb getadelt worden! —, sucht aber andererseits J
nachzuweisen, daß Bajus gerade in seinen Grundanschauungen
bezüglich des Urstandes der Menschen nicht
augustimsch gedacht, vielmehr einen Pelagianismus, freilich
einen „ohnmächtigen Pelagianismus" vertreten habe,
daß er überhaupt den Geist Augustins nicht erfaßt, sondern
die Übernatur zur Natur gemacht habe, daß deshalb i
seine Verurteilung durchaus berechtigt gewesen sei, was
noch an drei besonderen Lehrpunkten beleuchtet wird, j
Auch Jansenius huldige bezüglich des Urstandes und
des Verhältnisses von Gnade und Freiheit bei Adam
einem „latenten Naturalismus", der das Übernatürliche
der Gnade nicht zu seinem Recht kommen lasse, woraus
dann sein „Determinismus" bezüglich des status naturae
lapsae und des Status naturae elevatae entspringe. Er
legt ferner die Bedeutung dar, die die Unterscheidung
von adjutorium sine quo non und adjutorium quo bei
Augustin (de corrept. et gr. c. 11 f.) einerseits und bei
Jansenius anderseits habe, wie jener vom gegenwärtigen
Menschen, dieser aber vom Urständ, vom irdischen Paradies
als dem Gebiet der gratia sufficiens ausgehe und
aus der Gnade ein Gegenstück zur Konkupiscenz mache,
wie demnach sein „supralapsarischer Optimismus" seinen
»praktischen Pessimismus" zur Folge habe. Die Beiden
wären also verurteilt worden, weil sie nicht „augustb
nisch" genug waren? — P. Galtier erklärt in seinem
Aufsatz „Petavius und die Vorrede seines j
Werkes De trinitate" (S. 462—476) den fast als !
Widerspruch erscheinenden Unterschied in der Beurteilung
der Trinitätslehre der vornieänischen Väter durch
Pefavius im Buch I capp. 3—6 seiner Dogmata theo-
logica einerseits und in der Praefatio von De trinitate
anderseits nicht aus einer ihm von Seiten seiner Oberen
oder der Sorbonne auferlegten Pflicht der Verbesserung,
sondern aus dem verschiedenen Ziel, das er sich in den j
beiden Stücken gesetzt habe. Die Praefatio bilde einen j
wesentlichen Teil des Ganzen, und ihr Inhalt hätte ei- |

gentlich zwischen B. II und B. IV den richtigen Platz
gehabt. Das jetzt dort stehende B. III sei durch das
kurz zuvor erschienene socinianische Werk des Joh. Crell
in Polen veranlaßt worden. Die Frage, warum Petavius
einen „Hauptteil" des Werkes als Praefatio vorangeschickt
habe, scheint mir aber doch nicht befriedigend beantwortet
zu sein.
München. Hugo Koch.

Troelstra, Dr. A: Ezechiel. Groningen: J. B Wolters 1931.
Bd. 1 (183 S.), Bd. II (210 S.) 8°. = Tekst en Uitleg. Prakt. Bijbel-
verklaring door F. M. Th. Böhl en A. van Veldhuizen: 1. Het Oude
Testament. Lwd. je hfl. 2.90.

Bei der Krise, in der sich gegenwärtig die Hesekiel-
Forschung befindet (vgl. ThLZ. 1932 Sp. 29—31), gehört
große Selbstverleugnung dazu, einen Hes-Kommen-
tar zu schreiben. Durch die in ihren Ergebnissen so
stark von einander abweichenden Arbeiten von Hölscher,
Torrey und Smith ist eine Situation geschaffen, die eine
Behandlung der einzelnen großen Einleitungsprobleme
und eine selbständige und genaue Analyse des ganzen
Buches fordert. Das aber würde weit über Rahmen
und Umfang eines Kommentars der vorliegenden Sammlung
hinausgehen. So werden wir im besonderen weiterführende
Forschungsergebnisse bei Troelstra nicht zu
erwarten haben. Gleichwohl ist voll anzuerkennen, daß
Tr. ernstlich bestrebt ist, auch die neueste und aller-
neueste Hes-Literatur zu verarbeiten und in einer gediegenen
ausführlichen Einleitung seinen eigenen Standpunkt
gegenüber den neuen Anschauungen zu verteidigen
. Die Auffassung des Buches ist die übliche: Hes
wird beurteilt als Exilsprophet, in Babylonien vor und
nach der Zerstörung Jerusalems wirkend; sein Buch ist
im großen Ganzen echt und vom Propheten selber in
diese Form gebracht; und ferner wird angenommen,
daß unter Josias Nachfolgern seine Reform wieder in
Vergessenheit geraten ist (mit der Mehrheit der Forscher
gegen Torrey). Die Übersetzung vermittelt dem
Leser einen Eindruck des Unterschiedes von Poesie und
Prosa bei Hes; nur hätten auch noch cap. 38 f. mit
Greßmann (Messias) und Teile aus cap. 16 f. mit Hölscher
stichisch abgesetzt werden sollen. Textkritische
Fragen stehen nicht im Vordergrund, wenn natürlich
auch die Übersetzungen, vor allem die wichtigeren LXX-
Abweichungen gewissenhaft herangezogen sind. Die Erklärung
ist sorgfältig und dem Charakter der Sammlung
zufolge vornehmlich auf das Praktische gerichtet.
In Einzelheiten (z. B. Schlacht bei Karkemisch S. 6;
Hes 6, 11 ist wohl nicht Ausbruch „bitterer Schadenfreude
" S. 93 u. 104, vgl. 22, 13 usw.) wird Tr. nicht
immer Zustimmung finden, wie denn auch die Gesamtauffassung
bei allem Fleiß und aller Sorgfalt, die
Troelstra aufgewendet hat, nicht ganz der heutigen
Problemstellung bei Hes entspricht.
Berlin-Frohnau. Curt Kühl.

Kuhn, Gottfried: Beiträge zur Erklärung des salomonischen
Spruchbuches. Stuttgart: W. Kohlhammer 1931. (IV, 113 S.)
gr. 8°. = Beitr. z. Wiss. v. Alten u. Neuen Testament, hrsg v R
Kittel f. 3. Folge, H. 16 (d. ganz. Slg. H. 57). RM 5—!

Der Verf. läßt seinen Arbeiten über Kohelet und das
Hohelied nunmehr eine umfangreichere über die Pro-
verbien nachfolgen. Sie enthält auf den ersten Seiten
grundsätzliche Ausführungen über Wesen und Persönlichkeit
der Chokma. Wichtig und richtig ist darin besonders
die Darlegung des Verhältnisses der Chokma zur
Thora. Die Thora liegt jener zugrunde, doch ist die
Chokma dem Inhalt nach umfassender; es ist schade,
daß der Verf. diesen Gedanken nicht weiter nachgegangen
und auf die der Chokma und Thora gemeinsame
Theologie näher zu sprechen gekommen ist. Beachtenswert
ist ferner, wie der Verf. die persönlich gefaßte
Weisheit als „Vorstufe" mit dem heilio-en Geist des NT.
in Verbindung bringt (S. 5). — Der Hauptteil des
Buches (S. 7—85) gehört den Einzelerklärungen zum
MT. und enthält eine umfangreiche Sammlung von Vor-