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Ausgabe:

1932 Nr. 14

Spalte:

335-336

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schian, Martin

Titel/Untertitel:

Ecclesiam habemus. Ein Beitrag zur Auseinandersetzung zwischen Karl Barth und Otto Dibelius 1932

Rezensent:

Scholz, Wilhelm

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Seite 1

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335 Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 14. 336

nehmenden technischen Veränderungen schon größer, , Kirche" Maß und1 Zurückhaltung geübt, namentlich inweil
ja eine von Kierkegaard selbst gehaltne Predigt mit [ bezug auf die Wertung des Einschnitts 1918, so wird
zu dem Buche gehörte. Das ließ sich mit Anticlimacus ! doch das Recht herzlicher Freude an der Kirche als ei-
nur durch die ziemlich künstliche und törichte Anmer- ! nem Werkzeug für Gottes Arbeit und sein Reich warm
kung S. V. XII, 141 ausgleichen. Während nun aus j und gedankenscharf vertreten, nicht in ausführlichen
Papirer IX B 45 ff. und 51 sich ergibt, daß im ersten i systematischen Untersuchungen über das Wesen der
und zweiten Teile der Einübung im Christentum durch j Kirche, sondern mit dem Weitblick des in verantwort

den Anticlimacusnamen sich so gut wie nichts geändert
hat (von der „Moral" des ersten Teils sehe ich vorläufig
ab), ähnlich wie bei der Krankheit zum Tode, zeigt das
Druckmanuskript zum dritten Teile, X 5 B 31, das an
dieser Anmerkung herumdoktert, zugleich noch einige
andre nicht ganz gleichgiltige Änderungen. Kierkegaard
hatte in dem ursprunglichen Druckmanuskripte zur Ein

licher kirchlicher Führerstellung Stehenden wie mit der
Detailkenntnis des Forschers auf dem Gebiet der Kirchenfrage
. Kirche ist sowohl Verkünderin des Wortes
als auch Gemeinschaft der tätigen Liebe. In der Auseinandersetzung
Barth — Dibelius ist Barth an den
Ausführungen von Dibelius völlig vorbeigegangen und
hat den Streitpunkt, um den es allein ging, ob die

Übung Nr. 3 eine Reihe von Anspielungen auf seine j sichtbare Kirche auch Arbeit der Liebe treiben müsse

eigne Person und Schriftstellerei, die nun gestrichen werden
mußten. Aber, auch nur um dies Negative geht es,
nicht um eine einzige sachlich belangreiche Änderung.
Auch hier erwächst aus dem Studium der Akten also
die Gewißheit, daß Kierkegaard, wenn er im letzten

oder nicht, ungeklärt gelassen, vielmehr gegen eine
Phantasie-These gefochten, als habe Dibelius behauptet,
daß er — Karl Barth — die sichtbare Kirche verneine.
Barth hat die Notwendigkeit der sichtbaren Kirche nie
bestritten, aber Verständnis für ihre Arbeit und ihr

Streit den Namen Anticlimacus widerrief, nichts getan i Wollen hat er nicht, ihre Menschlichkeit und Schwäche
hat, als die ursprüngliche, ihre ganze Form bedingende betont er so stark, daß er durch Spott und Hohn nicht
Gestalt seiner Anticlimacusschriften wiederherzustellen. nur sich selbst, sondern auch Anderen Freude an dieser

Was er dem Namen Anticlimacus zum Opfer gebracht hat,
sind ein paar Späne von dem die Leinwand haltenden
Keilrahmen, nichts von dem von ihm selbst entworfnen
Gemälde. Die von mir geltend gemachte entscheidende
Abgrenzung der frühern gegen die spätere Pseudonymi-
tät findet also die aktenmäßige Bestätigung.

Kirche unmöglich macht.
Wittenberge. Wilhelm Scholz.

Ruprecht, Otto: Zum Dienst bereit! Werden und Wirken des
Evangelisten Heinrich Dalimeyer. Berlin: Sonnen-Verlag 1931. (231
S. m. Abb.) kl. 8°. kart. RM 3.85; geb. 4.80.

Eine Schwierigkeit entsteht dagegen " aus dem Ohne im eigentlichen Sinne wissenschaftlich sein zu
„Vorwort des Herausgebers", das jetzt allen drei ; wollen gibt das Buch einen guten Einblick in die EntTeilen
der „Einübung" gleichmäßig vorangeht und Wicklung H. D.s, (1870—1925), der innerhalb und
aus der dem ersten Teil angehängten „Moral", das außerhalb der Gemeinschaftsbewegung besonders beheißt
denjenigen Stücken, die Kierkegaard 1855 J kannt geworden ist durch den Ausbruch des Zungen-
mit dem Namen Anticlimacus zugleich widerrufen ! redens in Kassel 1907. Ihn allein mit der Verantworthat
(S. V. XIV, 80 f.). Bei dem Vorwort des Her- henkelt dafür zu belasten, tut ihm jedoch Unrecht. Es
ausgebers ergibt sich bloß die Kleinigkeit, daß was j war nur die Konsequenz des Weges, auf den ihn, den
ursprünglich für Einübung Nr. 2 und 3 bestimmt ! geburtigen Schleswig-Holsteiner, der von dem lutheri-
gewesen, erst nachträglich auf Einübung Nr. 1 über- ! sehen Pietismus des Rosenius herkam, J. v. Oertzen getragen
worden ist, vgl. X 5 B 48. Bei der Moral schoben hatte, als er ihn ins Johanneum und damit unter
ist die Deutung verwickelt. Ich komme nicht durch, 1 den Einfluß der eigentlichen Gemeinschaftsbewegung
wenn ich nicht die Blätter 104—109 des Druck- I rheinischer Färbung brachte. D. ging den Weg mit nie-
manuskripts Papirer IX B 45 als nachträglich beigelegt derdeutscher Folgerichtigkeit zu Ende, 1904 Anhänger
verstehe und in X 5, B 51 ff. die durch den Namen Jelhnghaus', 1906 freier Evangelist, 1907 unter Pauls
Anticlimacus veranlaßte nachträgliche Entstehung dieser ! Einfluß und Leiter der Zungenredenbewegung, um dann
„Moral" 1850 abgedruckt finde. Dabei ergibt sich aber nach schwerem Kampf zu widerrufen und mehr und

die interessante Schwankung, daß Kierkegaard einen
Augenblick selbst die Moral hat aussprechen wollen,
Papirer X 5, B 54, und erst nachträglich sie dem Anticlimacus
übereignet hat. Das Schwanken in der Pseudo-
nymität der Moral hangt damit zusammen, daß Kierke-

mehr zu Luthers Rechtfertigungslehre zurückzukehren,
nun der schärfste Feind aller „Schwärmerei", die er unmittelbar
vom Satan herleitete.

Hannover. P. Fleisch.

gaard die Entscheidung über die Pseudonymität der ver- | Qjg Bök©hi"lin2f (JOS PciUlllS

schiednen Teile der Einübung zu verschiedner Zeit ge- j *

troffen hat. ' religionsgeschichtlich u. reiigionspsychologisch neu untersucht

Im übrigen ist das Lehrreichste aus dem Bande die
Möglichkeit, die Entstehung der Schrift über die bewaffnete
Neutralität, die mit der Einübung eng zusammenhängt
und dann nicht veröffentlicht worden ist,
genau verfolgen zu können.

Man sieht aus den gegebnen Beispielen, wie sehr
wir auch für diesen Band den Herren Herausgebern zu
Dank verpflichtet sind. Eine wissenschaftliche Kierkegaardforschung
steht und fällt mit dem genauen Studium
dieser unvergleichlich genauen Ausgabe.
Göttingen. E. Hirsch.

Schian, Prof. D. Dr. Martin: Ecclesiam habemus. Ein Beitrag

zur Auseinandersetzung zwischen Karl Barth und Otto Dibelius.

Berlin: Kranzverlag 1931. (36 S.) 8°. RM —.85.

Ausgelöst durch die Auseinandersetzung zwischen
Karl Barth und Otto Dibelius, handelt die vorliegende
Schrift vom Recht der Freude an der sichtbaren, verfaßten
Kirche. Wird gegenüber dem „Jahrhundert der ! J. C. Hinrichs'SChe Buchhandlung In Leipzig.

Von Lic. theol. Ottfried Kietzig

Pfarrer in Altlüdersdoorf/Mark

VI, 226 Seiten. 8°. 1932. RM 12—; geb. 14.50.

Untersuchungen zum Neuen Testament. Heft 22.

Die Geschichte der Paulusforschung führt den Verfasser zu
einer neuartigen Formulierung des Problems : Die Bekehrung
des Paulus. Er behandelt die Frage eines schöpferisch originalen
Christuserlebens in der Bekehrung. Zunächst gibt er
religionspsychologisch Einblicke in die Struktur de6 religiösen
Erlebens und reiht die Bekehrung des Paulus auf Grund von
eigenen religionspsychologischen Analysen in die Gruppe „se-
kundär-konfessioneller" Bekehrungen ein. Die Untersuchung
über „sekundär-konfessionelle" Bekehrungen führt auf die
Entstehung einer originalen Erlebnisform in der Bekehrung
von normativ produktivem Charakter. An dieser religionspsychologischen
Norm werden alle bisherigen Versuche zur Frage
gemessen.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 16. Juli 1932.

Verantwortlich: Prof.'D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. Hi n r i ch s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.