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Ausgabe:

1932 Nr. 12

Spalte:

276

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jekeli, Hermann

Titel/Untertitel:

Die Entwicklung des siebenbürgisch-sächsischen höheren Schulwesens von den Anfängen bis zur Gegenwart 1932

Rezensent:

Achelis, Thomas Otto

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 12.

276

die Heirat einer Begine erwähnt (Nr. 12 117), 1348 tritt ein adliger
Pfarrektor in den Laienstand zurück (Nr. 14 200 und 14 203). 1335
zieht Unterlassung der Gottesdienste Verlust der Pfründe nach sich
(Nr. 14 301); 1481 hebt der Papst den Eid für Teilnahme an den
Stundengebeten im Stift Stuttgart wegen seiner Mißachtung auf und genehmigt
die vom Stift eingeführte Strafe (Nr. 12 882). 1490 appelliert
ein Pfarrer wegen seines Einkommens gegen eine bischöfl. Entscheidung
an den Papst (Nr. 14 090). 1490 stellt das Augustinerkloster den Theologiestudierenden
der Univ. Tübingen seinen Leseraum zur Verfügung
(Nr. 13 547). 1482 wird ein Ablaß zu Gunsten des Kreuzzugs gegen
die Türken suspendiert (Nr. 13 991/14 082). Auffallend ist auch eine
Schuld der Franziskanerinnen in Winnenden von 60 fl. für Almosensammeln
(Nr. 14 758).

Dem Werk ist eine baldige Fortsetzung sowohl
für den neuwürtt. Teil als für das 16. Jahrh. zu wünschen
. Wie dankenswert wäre jetzt schon im Blick auf
das kommende württ. Reformationsjubiläum eine solche
Sammlung des einschlägigen Materials!
Horb. G. Bossert.

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte. Hrsg. i.

Auftrage d. Vereins f. Brandenburgische Kirchengeschichte v. Lic.

Walter W e n d 1 a n d. 26. Jahrg. Berlin: Komm.-Verl. v. M. Warneck

1931. (140 S.) gr. 8°.
Es ist ein Vorzug auch dieses Bandes, daß die Beiträge
uns in verschiedene kirchengeschichtliche Perioden
versetzen. Die „Pfründenordnung des Havel-
berger Domkapitels", die Gottfried Wentz aus
einer dem Archiv des Domkapitels entstammenden, jetzt
Wolfenbütteler Hs. abdruckt, scheint im Bereich der
Mark Brandenburg die einzige ihrer Art zu sein, die erhalten
ist. Sie hat die Prämonstratenserregel als Lebensnorm
der Havelberger Domherren zur Voraussetzung
und enthält Bestimmungen über Kleidung und Nahrung.
Wentz teilt weiter mit in Ergänzung seiner „Germania
sacra" und des Riedeischen „Codex Diplomaticus Bran-
denburgensis" eine erste, die Jahre 1450 bis 1499 umfassende
Serie „Regesten aus dem Vaticani-
schen Archiv zur Kirchengeschichte der
Mark Brandenburg und angrenzenden Gebiete
im Bereich der Diözesen Brandeni-
b u r g und H a v e 1 b e r g". Hans Volz gibt u. d. T.
„Noch einmal S e k e 1 m e h de" eine Berichtigung
zu dem „Sekelmehde" betitelten Aufsatz von B. v. Bonin
im 25. Jahrbuch. S. ist nach ihm mit Erntelohn zu
übersetzen. Es war ein Biergeschenk, mit dem entweder
der Pfarrer oder die Gotteshausleute den zur Abgabe
des Kornzehnten verpflichteten Bauer dafür entschädigten
, daß er das Getreide auch gleich noch in die Pfarrscheune
einfuhr. Elisabeth Fischer handelt über
die Auflagen (die 1. 1640) und Nachdrucke von „Johann
Crüger's Praxis pietatis melica".
Bruno Altenburg beginnt eine Arbeit über „Die
Mystik im lutherischen Pietismus, dargestellt
auf Grund der Erbauungs Schriften
Johann Porsts (1668—1728)". Rudolf Kayser
behandelt den Gegensatz zwischen „Neander und
Hengstenberg". Im Mittelpunkt steht die Erklärung
vom 22. Februar 1830, mit der sich Neander von
Hengstenbergs „Evangel. Kirchenzeitung" lossagte. Was
K. S. 79 f. über die zwei Irrtümer in der Beurteilung des
Zeitalters des Rationalismus schreibt, zu deren Verbreitung
jeder der beiden in seiner Weise und von seinem
Standpunkt aus beigetragen habe, harmoniert mit dem,
was in dem folgenden Aufsatz von Hans Nord mann
über „Sp a 1 ding und seine Zeitgenossen" zur
Ehrenrettung der Aufklärung vorgebracht wird. Auch
durch Aufsätze in früheren Jahrgängen hat sich das
Jahrbuch um die Anbahnung eines gerechteren Urteils
über die Theologie und Frömmigkeit dieser Periode verdient
gemacht. Die Beziehungen, teils freundschaftlicher,
teils gegnerischer Art, des Berliner Propstes zu einer
Reihe von Zeitgenossen (Gleim, Goeze, Lavater, Herder),
die N. aufdeckt, sind ein Beweis für den weiten Einfluß,
den Sp. als Mensch, Prediger und Schriftsteller gehabt
hat. Ein Aufsatz von Otto Fischer „Zur Fa-

miliengeschichte Schleiermachers" und Bü-
I cherbesprechungen beschließen den Band.

Zwickau i. Sa. O. C lernen.

Die brandenburgischen Kirchenvisitations-Abschiede und
-Register des 16. u. 17. Jahrhunderts. Bd. 1: Die Prignitz.
Hrsg. v. Victor Herold. H. 7: Register. Berlin: Gsellius in
Komm. 1931. (S. 697—847) gr. 8°. = Veröffentlichungen d. Histor.
Kommission f. d. Prov. Brandenburg u. d. Reichshauptstadt Berlin.

RM 8—.

Ein ausführliches Register schließt den ersten der
Prignitz gewidmeten Band, dessen 6 ersten Hefte bereits
in diesen Blättern angezeigt sind (53. Jahrg. Nr.
26. — 54. Jahrg. Nr. 6. — 55. Jahrg. Nr. 2. 15/16. 19.).

Um das überreiche Material völlig zu erschließen,
bedurfte es freilich eines so eingehend durchgeführten
Registers. Der Herausgeber setzt zunächst die Grundsätze
auseinander, nach denen er das Werk angelegt hat.
Das Register bringt ein Verzeichnis der im Text abgekürzt
gebrauchten Vornamen, dann folgt ein äußerst eingehendes
Personen- und darauf ein nicht minder ausführliches
Ortsregister. Ganz besonders reichhaltig ist
das Sachregister, großen Wert hat das von H. Volz
bearbeitete Glossar sowie das Verzeichnis der Heiligenfeste
und Festbezeichnungen, auch von Volz bearbeitet.
Eine wertvolle Beigabe ist die von Volz entworfene
! Karte, die Inspektionen der Prignitz im Jahre 1600.
„Die Karte ist eine Vorarbeit für den historischen Atlas
der Historischen Kommission, Abteilung Kirchenkarte".
Diese Karte stellt die erste wissenschaftliche Auswertung
dieses nunmehr vorliegenden ersten Bandes der
Kirchenvisitationsabschiede dar.
Bernburg. H. Peper.

Jekeli, Lyzealdir. Dr. Hermann: Die Entwicklung des sieben-
bürgisch-sächsischen höheren Schulwesens von den Anfängen
bis zur Gegenwart. Hermannstadt: Honterus-Verlagsanst. in Komm.
1930. (II, 185 S.) 8°. = Wiss. Veröff. d. evang. Presbyteriums A. B.
in Mediasch, Heft 3.

Das Buch des Lyzealdirektors Dr. Hermann Jekeli
über das siebenbürgisch-sächsische höhere Schulwesen
von den Frühlingstagen der deutschen Reformation bis
zur düsteren Gegenwart ist eine vorläufige Skizze, die in
geschickter Weise die Hauptlinien der Entwicklung gibt
und zugleich eine Vorarbeit für eine umfassende wissenschaftliche
Darstellung bietet. Das Hauptgewicht ist
auf die Geschichte der letzten hundert Jahre gelegt,
8/4 des Buches sind der Zeit des erwachten nationalen
Bewußtseins gewidmet. In sieben Kapiteln wird die Geschichte
des Schulwesens von der Reformationszeit, wo
in Johannes Honter der Begründer der Gymnasien Siebenbürgens
erstand, über die große Reformbewegung im
18. Jahrhundert, deren treibende Kraft der Kronstädter
Stadtpfarrer Marcus Fronius war, und die Übergangsjahre
, in denen die Übergriffe der Josephinischen Staatsgewalt
die nationale Selbstbesinnung des sächsischen
Volkes weckten, bis zu den letzten hundert Jahren geführt
, welche hier — wie auch sonst — charakterisiert
werden müssen als das Zeitalter der „seelenlosen Eingriffe
der omnipotenten Staatsgewalt in das Volks- und
Kulturleben" (S. 113). Trotz des Fallens der äußeren
Bollwerke, die das Siebenbürger Volk vor andrängenden

I Elementen schützten, ist es gewachsen an innerer Kraft,
bewußt der Tatsache, daß keine Macht bleibender, keine
höher ist als die der Bildung. Schwer sind die Kämpfe
gegen die Mayarisierungsbestrebungen der alten Regierung
gewesen, schwerer die gegen die Eingriffe der
jetzigen. Geradezu erschütternd wirkt der Bericht über
die Entwicklung seit dem Ausgang des Weltkrieges, mit

I den schweren Eingriffen in das innere Leben der Schule,

j aber auch mit der immer dringlicher von der gesamten
sächsischen Volksgemeinschaft erhobenen Forderung der

j Wiederherstellung der Schulautonomie.

Hadersleben/Nordschleswig. Thomas Otto A c h e 1 i s.