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Ausgabe:

1932 Nr. 8

Spalte:

191-192

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ficker, Johannes

Titel/Untertitel:

Druck und Schmuck des Gesangsbuches für die Provinz Sachsen und Anhalt 1932

Rezensent:

Usener, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1932 Nr. 8.

192

N. versteht es, treffende, tiefe Gedanken herauszuheben
und die viel durchgepredigten Episteln gegenwartsnah
zu machen, ohne doch in Effekthascherei zu

Schmuck. Auch den billigsten Ausgaben (2,80 M.) fehlt
er nicht. Durch das Gesangbuch soll kirchliche Kunst
ins Haus kommen. In den Abbildungen sehen wir, in

verfallen. Schlicht und einfach die Themen seiner Bear- der Lutherprovinz besonders berechtigt, die für Refor
bedungen. Als besonders in ihrer Schlichtheit gelungen i mation und evangelische Kirche bedeutsamen Stätten,
möchte ich u. a. hervorheben Rom. 13,1 — 10 Alle Kirchen, Stadtbilder von Provinz und Anhalt, dazu noch
Obrigkeit von Gott. 1. Petr. 2, 21— 25 Kreuz und Sünde Wartburg, Koburg und Schmalkalden. Der Grundton
1. Cor. 13 Selbstlose Liebe und die für Pfingsten und zuerst auf dem Titelbild „Ein feste Burg ist unser Gott"
folgende Sonntage, die an Artikel der Conf. Augustana
anknüpfen, zu Weihnachten Tit. 2,11—14 Der Sinn der
Welt. Mahlings Bearbeitung bietet eine bei aller Knappheit
gründliche Textauslegung und Anwendung auf die

Verhältnisse unserer Tage, die vielfach den alten Evan- j die Bilder zu den hohen Festen nach dem schönsten Ge-

mit der ältesten Abbildung der Wartburg; dann geht es
weiter über Eisleben, Mansfeld, Wittenberg usw. durch
die verschiedenen Teile des Gesangbuchs und in der Beziehung
der Bilder auf die Hauptteile. Für die Festzeiten

gehen neue Seiten abgewinnt, ohne doch künstlich zu
sein, im Gegenteil, man wundert sich nach längerer
Predigtpraxis, daß man nicht schon selbst auf diese Gedanken
gekommen ist, so klar scheinen sie dem Sinn
des Texts entnommen zu sein, so gewiß man bei einigen
Texten auch anderer Meinung sein kann, z. B. bei Neujahr
, 2. und 3. Advent. Die größere Ausführlichkeit
der Darbietung macht es möglich, eingehend die Bedenken
des modernen Menschen zu behandeln und die
Gedanken Gottes ihnen gegenüber zur Geltung kommen
zu lassen. Passende Illustrationen, apologetische Winke,
geschichtliche und kirchengeschichtliche Erläuterungen
werden dabei geboten. Vorbildlich die Themen der Predigtskizzen
hinsichtlich ihrer Textgemäßheit wie ihrer
Gegenwartsnähe.
Pouch bei Bitterfeld. Wilhelm Usener.

Flcker, Prof. D. Johannes: Druck und Schmuck des Gesangbuches
für die Provinz Sachsen und Anhalt. Hailea. S.:
Buchh. d. Waisenhauses 1031. (47 S. m. Abb.) gr. 8°. = Stud. z. Gesch. u.
Gestaltung d. ev. Gottesdienstes u. z. kirchl. Kunst, Bd. 2. RM 2.20.
Von J o h. Ficker ist zur Einführung des neuen
Gesangbuchs für die Provinz Sachsen und Anhalt eine
feine Schrift herausgekommen, Druck und Schmuck
des Gesangbuchs für die Provinz Sachsen
und Anhalt, als zweites Heft der Studien zur Geschichte
und Gestaltung des evangelischen Gottesdienstes
und zur kirchlichen Kunst, herausgegeben von Karl Eger
und Joh. Ficker. Schon im Jahr 1902 hat F. anläßlich
des Erscheinens des evangelischen Gesangbuchs für Elsaß
-Lothringen, des ersten Gesangbuchs, das neueren
künstlerischen Ansprüchen genügte, zu diesem Buch
eine ähnliche Schrift verfaßt. Man kann die sächsische
Provinzialkirche nur dazu beglückwünschen, daß ihr für
die äußere künstlerische Gestaltung ihres Gesangbuches
ein so feinsinniger Berater zur Seite stand wie der Verfasser
. Man möchte seiner schönen Schrift eine recht
weite Verbreitung wünschen; sie führt uns durch das
ganze Buch hindurch und läßt zumal seinen bildnerischen
Schmuck lebendig zur Gemeinde reden.

Zunächst die Drucktype und Notenform. Aus den
vorgelegten Proben der in der Gegenwart neu geschaffenen
künstlerischen Frakturschriften ist die von Rudolf
Koch-Offenbach gewählt „eine Type ebenso handwerklicher
Gediegenheit als künstlerischer Form durchaus
persönlichen Charakters"; sie hat nichts Künstliches und
spricht auch einfache Leute an. Bei der Notenschrift hat
man auf die von Otto Hupp für das Straßburger Gesangbuch
geschaffene zurückgegriffen. Frakturform und
Notenschrift passen trefflich zu einander. Der Satz der
Lieder entspricht der poetischen Struktur „auch zur Erleichterung
für das Lernen. Die Rücksicht hierauf soll
ausdrücklich betont werden. Denn das Buch soll auch
noch einer Generation dienen, in der die Ausschaltung
des Memorierens überwunden und das Auswendiglernen

als eins der unentbehrlichsten Mittel dauernden inneren J * * wem »cd i r* uinnipucQrutu
Besitzes und wachsender innerer Bildung wieder aner- BUCHHANDLliNG72 LEIPZIG C1

kannt sein wird". Schlicht wie der Druck ist der | BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C1

sangbuch der Reformation, dem Babstschen, sie sind
neu gezeichnet, aber nicht neu geschaffen, mit leichter
Anpassung an den breiteren Satzspiegel. Im zweiten
Teil, der das provinzielle Sondergut enthält, ist für die
Festzeiten der Schmuck ein anderer, Symbole aus Flur
und Wald, Adventskranz, Christbaum, Kranz aus Ähren
und Reben usw. Ebenso sind die Anhänge wie Katechismus
mit Schmuck bedacht. Auch Vorsatzpapiere und
Abbildungen von Einbänden, schlicht, aber künstlerisch
und geschmackvoll, finden sich in dem Büchlein. Es ist
dazu berufen, weit über die Grenzen der Provinz beachtet
zu werden und wertvolle Anregung zu geben.
Pouch bei Bitterfeld. Wilhelm Usener.

In Kürze erscheint:

Die Gesetzesstele
Chammurabis.

Gesetze um die Wende des 3. vorchristlichen
Jahrtausends.

Von Dr. jur. Wilhelm Eilers, Berlin.

[Babylonische und assyrische Rechtsdenkmäler.]

63 Seiten mit einem Titelbild. 8°.

Der Alte Orient. Gemeinverständliche Darstellungen, herausgegeben
von der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft.
Band 31, Heft 3/4.

Die Ausgabe der groben Gesetzesinschrift des altbabylonischen
Herrschers enthält eine völlige Neuübersetzung
des akkadischen Textes unter Berücksichtigung der
seit der epochemachenden Entdeckung der Stele (1901/2)
gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse sprachlicher
und rechtlicher Natur. Erstmalig wird auf den künstlerisch
-repräsentativen Charakter des Ganzen hingewiesen
und die metrische Struktur des die eigentlichen
Rechtsbestimmungen umkleidenden Proömiums und
Epilogs berücksichtigt. Eine knappe Einführung sucht
neben der wissenschaftsgeschichtlichen auch der literarischen
und rechtshistorischen Stellung der Inschrift
gerecht zu werden, um den Weg zu einer allgemein
geistesgeschichtlichen Wertung dieses innerhalb des
akkadischen Schrifttums einzigartigen Denkmals zu
bahnen. Hinweise auf die wichtigste Literatur über
den Gegenstand sowie ein ausführliches, z. T. erklärendes
Sachregister beschließen das Heft, das an Stelle
einer neuen, 5. Auflage des AO-Heftes TV, 4: H. Winck-
ler, Die Gesetze Hammurabis, Königs von Babylon
getreten ist.

Preis brosch. etwa RM 2.85.

H

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 23. April 1932.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 46.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.