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Ausgabe:

1928 Nr. 16

Spalte:

368-370

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schwartz, Eduardus

Titel/Untertitel:

Acta Conciliorum Oecumenicorum. Tom. I: Vol. 1, Pars I - V 1928

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 16.

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seine persönlichen Studien und Reflexionen über sein
Thema bieten manchen feinen Gedanken in teils humorvoller
oder auch sarkastischer Form. Seine Dogmatik
ist mitunter sehr massiv, seine Ausdrucksweise wirkt für
deutschen Geschmack zuweilen etwas seltsam. So wenn
er schreibt: In seinem Leibe stand Jesus aus dem Grabe
auf und rief „All Heil" [S. 1861. Die ganze Tiefe der
sozialen Problematik ist wohl nicht erkannt; denn die
Aufgabe, die er der Kirche hier zuweist, ist für sie überhaupt
nicht lösbar. Und ebenso, wie neben Calvin
Luther kaum Erwähnung findet, ist bei der schnellen
Forderung eines äußeren Reiches Gottes auf dieser
Erde übersehen, daß solch eine Verwirklichung des
Gottesreiches, wie der Verfasser sie sich denkt, eine
offene Frage ist.

Dortmund. H. Goetz.

Holl, Karl: Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte.

Bd. 2. Tübingen: J. C. B. Molir 1927 u. 192S. (XI, 464 S.) 4».

RM 15 .

Von den in diesem Doppelbande gesammelten Aufsätzen
des uns so früh entrissenen Berliner Kirchenhistorikers
sind die ursprünglich in den Sitz.-Ber. d. Berl.
Akad. veröffentlichten wohl alle, aber auch von den
übrigen der eine oder andere in dieser Ztg. bereits
eingehend besprochen worden. Es kann sich also nicht
um eine nochmalige Besprechung, sondern nur um einen
Versuch handeln, sie in ihrer Gesamtheit zu würdigen.
Da ist es vor allem die Weite des Gesichtskreises, die
uns Bewunderung abnötigt. Derselbe Holl, der sich in
die Gedankenwelt Luthers vertieft und ihr neue Seiten
abzugewinnen weiß (Bd. I), der in der ältesten abendländischen
Kirche zu Hause ist (davon wird Bd. III
Zeugnis ablegen), er überschaut auch die morgenländische
Kirche in ihren großen Entwicklungsstufen von
den Anfängen bis zur russischen Kirche der Gegenwart
und zu Tolstoi. Auf manche Fragen stieß er bei seiner
Arbeit an Epiphanius, für andere ist ihm bei der Beschäftigung
mit Luther das Auge aufgegangen. Wenn
er dann eine Frage in Angriff nimmt, so bohrt er in die
Tiefe, schafft er sich zu den Anfängen vor, zergliedert
er das Werden und Wachsen von Gedanken und Begriffen
, Lehren und Gebräuchen, untersucht er die Bedeutung
eines Wortes, den Sinn eines Satzes, die Herkunft
einer Schrift, die Haltbarkeit einer landläufigen
Ansicht. Hervorragende Kenntnis der alten Sprachen,
einschließlich des Hebräischen und Syrischen, und eine
ausgezeichnete philologische Schulung befähigen ihn,
die Quellen prüfend auszuschöpfen, die Beherrschung
der Kultursprachen der Gegenwart, einschließlich der
nordischen Sprachen und des Russischen, ermöglicht es
ihm, die wissenschaftliche Arbeit anderer Länder in
weitestem Umfang heranzuziehen. Aber er übernimmt
nichts unbesehen, er prüft alles ins einzelne, und er läßt
sich auch durch den blitzenden Glanz eines Einfalls
nicht blenden, durch Feinheit und Schönheit der Form
nicht bestechen. Milde im Urteil im allgemeinen und
zum Lobe gerne bereit, wo zu loben ist, verschmäht
er es doch nicht, mitunter ein deutlich Wörtlein zu
reden, namentlich wo das von Andern Empfangene verleugnet
wird (S. 58 A. 1 betr. Loisy). Hat er sich, um
einen Punkt zu klären, scheinbar in sprachlichen Kleinigkeiten
verloren, so kommt er zum Schluß zu einer Zusammenschau
und leitet von dem gewonnenen Ergebnis
Lichter nach rückwärts und nach vorwärts, auf das, was
vorher war, und auf das, was nachher kam. Nicht
wenige dieser Aufsätze sind voll überzeugend und abschließend
, aber auch die, bei denen Zweifel und Bedenken
bleiben, enthalten eine Fülle wertvoller Erkenntnisse
und scharfsinniger Beobachtungen und regen zu
weiterem Forschen an. Da und dort geben sie nebenher
in Anmerkungen treffliche Urteile und Ausblicke. So
könnte man z. B. den Unterschied zwischen der altchristlichen
Buße und der späteren und heutigen Beichte
nicht kürzer und treffender zusammenfassen als Holl

es S. 195 A. 3 tut. Seine Sprache zeichnet sich aus durch
edle Einfachheit und Klarheit. Holl ist ein abgesagter
j Feind aller hohlen Redensarten, aller Schlagworte und
! Alltagsworte. Ein einzigesmal, bei Tolstoi (S. 436),
spricht er von „Erleben", nicht ohne beizufügen „wenn
! man das zu Tod gehetzte Wort noch gebrauchen darf".
Auch entbehrliche Fremdwörter meidet er im Laufe der
Zeit immer mehr und er vermeidet sie geflissentlich, da
er offenbar nicht wie ein neuzeitlicher Gnostiker seinen
Stolz darein setzt, eine Geheimsprache zu reden, die nur
von einem engen Kreise verstanden werden soll. So sagt
j er 1924 „Entsprechung" für „Parallele" (S. 5), 1919
j „Zuvordasein" und „Vorausdasein" (es genügte sogar
„Vordasein") für „Präexistenz" (S. 120 u. A. 4), 1917
„vereinerleit" (S. 129 Anm.) und „Einerleiheit" (S.
149) für „identifiziert" und „Identifizierung", 1916
: „Zeitfolge" für „Chronologie" (S. 310), „Verhältniszahlen
" für „relative Chronologie", 1913 „Abtönungen"
für „Nuancen" oder „Schattierungen" (S. 426). Ich bin
überzeugt, daß er auch das „Kokettieren" aus dem
I Jahre 1898 (S. 278), das „Korrigieren", die „Revolte"
(S. 404) und die „Interessen" (S. 406) aus d. J. 1907,
! und wohl auch die „Superstition" (S. 388 und 393) aus
! demselben Jahre, ebenso die „Plerophorie" und „Resignation
" (S. 307) aus d. J. 1904 bei nochmaliger Durchsicht
„verbessert" oder „geändert" hätte. Ich führe das
an, weil es mich gefreut hat, einen Mann wie Holl
I unter den Gelehrten zu sehen, die bestrebt sind, ein
| klares reines Deutsch zu schreiben, und die das Ver-
j meiden entbehrlicher Fremdwörter nicht für einen Raub
J an unserer Muttersprache halten.

Besorgt haben diese Ausgabe der gesammelten
, Aufsätze Freunde und Schüler des Heimgegangenen in
| gemeinsamer Arbeit. Anmerkungen, die Holl am Rande
i seiner Handstücke beigeschrieben hatte, sind unverändert
in eckigen Klammern beigefügt; Zusätze der Heraus-
I geber, die sich übrigens auf das Notwendigste be-
I schränken, sind durch spitze Klammern gekennzeichnet.

Ein solcher Zusatz wäre auch S. 155 bezüglich der
I ■veuoaQuxooTrj des can. 5 von Nicäa angezeigt gewesen
! (siehe ZKG. 1925, S. 481 ff.). Wahrscheinlich hätte
Holl auch die Bemerkungen über das Aufkommen des
Weihrauchs im christlichen Gottesdienst S. 130 A. 1 und
S. 396 ausgeglichen. Das Inhaltsverzeichnis S. V ff.
gibt den Ort der ersten Veröffentlichung und die Leit-
I gedanken der einzelnen Aufsätze an. Dankenswert sind
auch die von Oskar Rühle gefertigten sorgfältigen Sach-
und Namenverzeichnisse.
München. Hugo Koch.

Acta concillorum oecumenlcorum. Jussu atque mandato Societatis
scientiarum Argentoratensis ed. Eduardus Schwartz. Tom I, vol. I,
pars I-V. Berlin: W. de Gruyter & Co. 1927 It. 1928. (XXVI,
128, VII, 110, V, 104, XXVIII, 70 u. V, 142 S.) 4".

Die ganze von Ed. Schwartz geplante Sammlung
der Acta Conciliorum Oecumenicorum ist auf 4 tomi
' berechnet, von denen der erste das Concilium Ephese-
! num v. J. 431 enthält. Dieser zerfällt wieder in 5 vo-
| lumina, von denen die die einschlägigen lateinischen
i Texte bietenden voll. 2—5 in den JJ. 1923/26 erschie-
| nen sind. Vol. 1 bringt nun die griechischen Akten in
I 7 Teilen, von denen 5 bereits vorliegen, die beiden letzten
bald erscheinen sollen. Die Praefatio zu den 5
ersten Teilen steht im Eingang des 4. Teiles und wird
I deshalb schon jetzt gebracht, weil die beiden letzten
| Teile mit ihrem Inhalt einen so besonderen Platz ein-
| nehmen, daß jeder eine eigene Praefatio beanspruchen
! wird. Doch ist schon dem 1. Teil eine Praefatio voran-
| geschickt mit den notwendigen Aufschlüssen über die
i griechischen Sammlungen und Handschriften, das cyrilli-
, sehe Florilegium, die Übersetzungen und die bisherigen
Ausgaben. Die Akten des Ephesenum mit allem Drum
j und Dran von Schriftstücken, die im Laufe der Zeit angehängt
wurden, sind in 3 Sammlungen überliefert, die
I Sch. nach ihren Haupthandschriften die V(aticana) die