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Ausgabe:

1927 Nr. 5

Spalte:

110-111

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaffer, Reinhold

Titel/Untertitel:

Andreas Stoß, Sohn des Veit Stoß, und seine gegenreformatorische Tätigkeit 1927

Rezensent:

Schornbaum, Karl

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 5.

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und Formlehre, Prädikamenten- (Kategorien -) lehre;
2. Theologische Fragen: Gottesbeweis, Glaubenstheorie
, Gottes Wesen und Eigenschaften, Theologische
Zahlenspekulation, Verteidigung des Dogmas
von der Trinität. Überall weiß man sich an der
Hand eines höchst sachkundigen Führers. Dabei ist
die Darstellung keineswegs trocken, vielmehr belebt
durch klare Disposition, flüssigen Stil und eine hervorragende
Gabe, die Dinge nicht in ihrer Vereinzelung,
sondern in ihren gegenseitigen Beziehungen zu sehen.
Man erlebt die Kämpfe mit und folgt dem Verfasser
um so lieber, als er sich von einseitigem Urteil über
der Kirche mißliebig gewordene Scholastiker, wie Abä-
lard und Gilbert, frei hält. Ich glaube nicht zu viel
zu sagen, wenn ich in diesen Kapiteln eine ganz wesentliche
Bereicherung unseres Bildes von der Frühscholastik
sehen möchte.

Die oben angedeuteten literarkritischen Fragen erhalten
ihre einleuchtende Lösung durch die Schlußausführungen
über das Verhältnis des Kommentars des Clarenbaldus
ZU dem Kommentar Librum hunC, der nach , Reformation. Münster i. W.: Aschendorff 1926. (XI, 204 S.) gr. 8».
einwandfreier Methode als die Vorlage für Clarenbaldus | = Reformationsgeschichtliche Studien u. Texte, H. 47 u. 48.
und als Werk Thierrys erwiesen wird. Die Bedeutung Kr" B;»V-

dieser Feststellung wird zum Schluß noch einmal dahin i Die Veröffentlichung dieses Pfarrbuchs reiht sich
formuliert daß sie uns ganz neue Ausblicke auf die j an die der „pfarramtlichen Aufzeichnungen" des Flo-
Schule von Chartres und den in ihr unter jenem Kanz- j rentius Diel bei St. Christoph in Mainz (1491 — 1518)

darstellt, wurde schon ziemlich bald durchbrochen und
schließlich vom Generalkapitel außer Kraft gesetzt. Aber
es ist doch interessant, den genauenn Nachweis zu verfolgen
, wie die ursprünglichen Ideale (neben dem Eigenbetrieb
z. B. der Verzicht auf Exemptionen und wisseiu-
schaftliehe Betätigung u. a.) Schritt für Schritt dahin-
sinken, wie die erfolgreiche Erwerbspolitik fast zur
Hauptsache in der Geschichte des Klosters wird, wie
die steigende Vermehrung des Landbesitzes in immer
neue Streitigkeiten und Prozesse führt, wie die Schenkungen
nicht immer einwandfrei erstrebt werden, wie die
Menge der gestifteten Pitanzen der Strenge der Regel
Eintrag tut, bis der unaufhaltsame Verfall in der Nötigung
zu Schuldaufnehmen und Güterverkauf sich ankündigt
.

Stuttgart. Ed. Lempp.

Götz, Stadtpfarrer Msgr. Dr. Joh. B.: Das Pfarrbuch des Stephan
May in Hilpoltstein vom Jahre 1511. Ein Beitrag z. Verständnis
d. kirchl. Verhältnisse Deutschlands am Vorabende d.

ler herrschenden Geist eröffnet. Diesen Geist hatten
schon Haureau (Notices etc.) und Clerval (Les ecoles de
Chartres) als pantheisme chartrain gekennzeichnet.
Baumgarten und de Wulf hatten dieses Urteil als
zu scharf ablehnen wollen. Jansen hat es nun, wenn
ich richtig sehe, durch seine Nachweise endgiltig be-

durch Franz Falk (1904) und die des Pfarrbuchs Joh.
Ecks für U. L. Frau in Ingolstadt durch Joseph Greving
(1908) an. Hauptmotiv für den Pfarrverweser Stephan
May zur Abfassung seines Pfarrbuchs war, das Einkommen
des Pfarrers und das Rechtsverhältnis zu seinen
Hilfskräften (Kooperator, Schulmeister, Meßner usw.)

stätigen können.' ! au^ Grund der Notizen, die er sich selbst gemacht hatte,

Der Ausgabe der Texte liegen zugrunde: für ! ferner auf Grund der Urkunden und Stiftungsbriefe

Librum hunc die beiden Handschriften Nr. 229 der Er- ' und der Register und Aufzeichnungen seiner Vorgänger

langer Universitätsbibliothek und Clm. 2580 der Mün- ! festzulegen er wollte für sich und seine Nachfolger

chener Staatsbibliothek, für Clarenbaldus Nr. 296 des klares Recht schaffen. Das Pfarrbuch enthalt aber

Balliol College zu Oxford und Nr. 193 der Stadtbiblio- i auch noch eine Reihe anderer gelegentlicher Notizen

über das kirchliche Leben in Hilpoltstein. Es geht noch
viel mehr ins Einzelne als das Ecksche, und gerade darin,
daß wir uns nunmehr von dem wirklichen kirchlichen
Leben in dem kleinen Landstädtchen am Vorabend der
Reformation ein ganz klares und genaues Bild machen
können, liegt der Wert dieser Veröffentlichung. Götz
hat die Aufzeichnungen Mays aufs sorgfältigste verarbeitet
. Er stellt zusammen, was sich daraus ergibt über
die regelmäßigen Gottesdienste und die außerordentlichen
Andachten, z. B. über die Gottesdienste der Se-
Wilkes, Dr phil. Carl: Die Zisterzienserabtei Himmerode bastian. und Annabruderschaft, ferner über die Butter-
im 12. u. 13. Jahrhundert. Munster i. W.: Aschendorff 1924. , • * ,.„j aui„o i V j u rt j-

(xvi, 191 S. p8». Beiträge z. Gesch. d. alten Mönchtums u. ■ ^rief- und Ablaßsammlungen besonders aber über die

thek zu Valenciennes. Die philologischen Qualitäten des
Herausgebers erscheinen hier im besten Licht. Ein Personen
- und ein trefflich unterrichtendes Sachregister, das
als willkommener Leitfaden durch die verschlungenen
Pfade der philosopbie- und dogmengeschichtlichen Untersuchungen
dienen mag, machen den Beschluß. Die
Ausstattung ist glänzend.

Gießen. G. Krüger.

d. Benediktinerordens, Heft 12. Rm. 6.50; geb. 8—

Eine sorgfältige Arbeit von nicht nur lokalgeschichtlichem
Wert. Die Entwicklung des Klosters
Himmerode in der Eifel, des Mutterklosters des durch
Cäsarius bekannten Heisterbach, wird von seiner Gründung
bis zum Schluß des 13. Jahrhunderts d. h. bis
zum Beginn seines Zerfalls an der Hand eines erstaunlich
reichen Urkundenmaterials verfolgt. Die äußere und
innere Geschichte, die Verfassung, die Beziehung zu den
geistlichen und weltlichen Gewalten, das religiöse Leben
und endlich die Wirtschaftsgeschichte findet eine
ins einzelste gehende, sehr anschauliche und offenbar zuverlässige
und unparteiische Darstellung. Im allgemeinen
bietet ja die Geschichte dieses Klosters, das in
seiner Blütezeit 60 Mönche und 200 Konversen zählte,
nur ein Einzelbeispiel der bekannten Entwicklung aller
mittelalterlichen Orden: zuerst große Strenge des religiösen
Lebens, infolgedessen hohe Schätzung beim Volk,
die sich im Zustrom von Mitgliedern und Zuwendung von
Vermächtnissen und Geschenken äußert, infolgedessen
wachsender Besitz, Milderungen der Regel und dann be-

Anniversarien, und Exequialgottesdienste, weiter über die
vielseitige Tätigkeit des Pfarrers und seiner Helfer und
über ihr Einkommen. Darauf werden die wichtigsten
Stellen aus dem Pfarrbuch im Wortlaut abgedruckt.

Eine einseitige Verherrlchung der vorreformatorischen religiös-
kirchlichen Zustände liegt Götz fern. S. 46 urteilt er, daß die gehäuften
Ablaßsammlungen „sich nach und nach zu einem wahren
Krebsschaden ausgewachsen hatten"; S. 53 beklagt er, daß von den
für Hilpoltstein in Betracht kommenden Ablaßverzeichivissen nur
eines „einigermaßen die Notwendigkeit der Bußgesinnung betont";
„alle anderen gehen über dieses wesentliche Erfordernis für die
Gewinnung des Ablasses stillschweigend hinweg".

Zwickau i. S. O. C lernen.

Schaff er, Reinhold: Andreas Stoß, Sohn des Veit Stoß, und
seine gegenreformatorische Tätigkeit. Breslau: Müller & Seiffert
in Komm. 1926. (XVI, 176 S.) 4«. = Breslauer Studien z. histor.
Theologie, Bd. 5. Rm. 7.8o!

Andreas Stoß, der Sohn des Veit Stoß, hätte schon längst
eine Würdigung verdient. Dieser unermüdliche, unentwegte Verteidiger
des alten Glaubens ist eine charaktervolle Persönlichkeit. Im Unterschiede
von so manchem seiner Zeitgenossen schwankt er nicht hin

ginnender Verfall. Aber das spezifisch Zisterziensische ! "nd lYu i ersten Auftreten bus zu semem Tode ist er

tritt doch überall ZU TflCn» 7wlr Her ausschließliche ! dcr 8klche- de' unerschrockene Verteidlger der kath. Kirche. Leider

EieenhetrieK ii i A ■ * u 2 , S' l, J fließen aber die °uellen uber ih" so spärlich, daß es schwer ist ein

B«onri?rP J LandWirtschaft der Ursprünglich das abgerundetes Lebensbild von ihm zu geben. Wenn sich „Tcht sein

Besondere der Zisterzienser gegenüber den Benediktinern | Tagebuch aus seiner letzten Zeit als Provinzi»! der oberdeutschen