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Ausgabe:

1927 Nr. 21

Spalte:

496

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schoenaich, Gustav

Titel/Untertitel:

Die Kämpfe zwischen Römertum und Christentum in ihrer geschichtlichen Entwicklung von Nero bis auf Konstantin den Großen 1927

Rezensent:

Ficker, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 21.

496

sollen, die bekanntlich jede Sure (abgesehen von der neunten) einleitet
, vergl. Nöldecke-Schwally, Geschichte des Korans II S. 79 bis
81 cf. I Höf. Ebenso hätte ich S. 224f. auf die islamische Parallele
zur (Jb'fri - Akklamation verweisen sollen s. Nöldecke-Schwally a. a.
W. I S. 112 Anm. 1. — Zu S. 235 Anm. 2, Lafaye hat in seiner
Behandlung des P. Oxyrh. 1380 in Rev. de philol. 1916 S. 16 angemerkt
: „ä moins qu'il ne faille ecrire M(a)lat> (cf. 39. 42. 103)
ou Mättp (116)" — Zu S. 276 Anm. 2. Die rechtliche Bedeutung
der Akklamation, ihre „siegelnde" Funktion geht aus Apulej. Met.
XI 27 mit Sicherheit hervor „Quam vocem feliciter cunctis evenire
signavit populi clamor insecutus". Der akklamatorische clamor populi
„signiert". Medan hat den Text nicht verstanden, wenn er in seiner
(übrigens unzulänglichen) Ausgabe: Apulee, Metajnorphoses XI (Paris
1925) S. 47 behauptet, signare habe hier die Bedeutung von
significare. — S. 282 Zur Verbindung: asya xai svio^ov oyofxa
vergl. noch „Fragen des Bartholomaeus" Nachr. Gott. Ges. d.
W. 1897 S. 25,7f. (von Christus gesagt). — S. 302 Anm. 3.
Die negative Einheitsformel des Islam und des Judentums (soweit
es nicht hellenistisch denkt) findet sich auch bei den Samaritanern.
Gaster, The Samaritans S. 75 hat die islamische und samaritanische
Formel mit einander verglichen. Das Prohlem der positiven und
negativen Einheitsformel ist religionsgeschichtlich und theologisch
betrachtet nicht ohne Bedeutung. Ich werde bei anderer Gelegenheit
auf diese Frage zurückkommen. — S. 305 Anm. 1. L. Blau in
Hebrew Union College. Annual I (Cincinnati 1924) S. 228 bemerkt:
It is not only probable, but absolutely certain, daß die christliche
stg üteo'c-Formel jüdischen Ursprungs sei. Er sieht in ihr eine Mezuzah
für das Haus und betrachtet sie als Polemik gegenüber dem Polytheismus
. Das Problem ist jedoch viel verwickelter, als Blau annimmt
. — S. 309 über xaXtog in Akklamationen vergl. noch xa'Atög
xvquo bei Aristeides 'legal loyal IV 10 (S. 428,9 Keil). Die
Stelle beweist auf das Neue das Vorkommen von xvgiog in
Akklamationen. Vergleiche weiter die xtutlig rjXUsTS - Akklamation
bei Konstantin. Porphyrog. Lib. cerem. I 69 (vergl. xaXtog t,Xd-oi> oi
ogHoäo^oi Theoph. p. 136). Diese Akklamation zeigt wiederum
die Beliebtheit des Aorists in den Akklamationen. Das hat Rciske
in seinem Kommentar (II S. 124 f.) ebenso wenig erkannt wie
moderne Gelehrte. Zur xaXtog f]äi7ere-Akklamation ist Acta Xan-
thippae c. 8 S. 63,4 ed. James zu ziehen: xaXtog iXrjXv&ag, li
tov Hsov äy'lgtons ferner Apoc Sedrach 3 S. 130, 27: xaX-og t]X9-ig
ctya7Tr}TE uov SstTgay.— S. 310. Als zweiter und dritter Nachtrag
eines Tilg listig-Amuletts ist zu buchen: Expedition E. Sieglin. Bd.
II Tl. IA Malerei und Plastik S. 117: Gußform eines Amuletts.
Kreuz. Im Kreis: Eis Ueog 6 ßorjUmy rtö tpogovyit aurty. Ferner
ein geschnittener Stein das. S. 119 nr. 14 mit der Inschrift: lug listig
(s. Tafel L). Darunter Orans zwischen Säulen. — S. 311. Ober
maranatha als Exkommunikationsformel vergl. Kober, Der Kirchenbann
S. 41 — S. 312. Wenig überzeugend ist der Versuch einer
Erklärung der »)X£«v£-Akklarnation durch G. Meautis in Rev. de
philol. 1916 S. 51 ff. — S. 319. Das Vernum iiayoQi'esiy findet sich
zweimal auf Fluchtafeln aus Karien. s. Audollent Defix. tab.nr. 2 A Z. 15
und nr. 4A Z. 4. Das ist lehrreich. Das Wort gehört zur Terminologie
des „hl. Rechts" und ist insofern ein direkter Beleg für den Zusammenhang
zwischen christl. und vorchristl. Enthusiasmus in ihren Beziehungen
zur Sündenlösung. Das von Holl gestellte Problem von
„Enthusiasmus und Bußgewalt" ist nur durch Rückgang auf analoge
Erscheinungen der antiken Religionsgeschichte zu lösen. — S.
323. Zur Wiederholung des db'f«-Rufes s. Apocalyps. Mariae Virg.
c. 30 ed. James S. 126 Z. 32 ff. (sechsmal wiederholt).

Bonn a. Rh. Erik Peterson.

Freiburger Diözesan-Archiv. Zeitschrift d. Kirchengeschichtl.
Vereins f. Geschichte, christl. Kunst, Altertums- u. Literaturkunde
des Erzbistums Freiburg mit Berücksichtigung der angrenzenden
Bistümer. N. F., Bd. 27. Der ganzen Reihe 54. Bd. Freiburg i.
Br.: Herder & Co. 1926. (IV, 388 S. m. e. Bild.) gr. 8°. Rm. 6—.
An der Spitze steht das alle fünf Jahre erscheinende Necro-
logium Friburgense 1921—25, zum letzten Mal verfaßt von dem inzwischen
auch verstorbenen J. Mayer. Für weitere Kreise von
Interesse sind die Lebensdaten des Weihbischofs Knecht, der aus
einer Mischehe stammend mit 17 Jahren mit seinem Vater konvertierte
, des Zentrumsführers Wacker und des Gründers des Charitasverbandes
Werthmann. Auch wird über das Schicksal und die Teilnahme
verschiedener Kleriker in der Kulturkampfzeit einiges mitgeteilt.
Drei Aufsätze geben die Fortsetzung und den Abschluß früher begonnener
Arbeiten. A. Schnütgen behandelt in: Der kirchlichpolitische
Kreis um Franz Mone, dessen Anteil an den kirchenpolitischen
Kämpfen und an der Entstehung des „Katholischen Vereins"
in Baden und Mone's Beziehungen zur außerbadischen Kirchcnge-
schichte und Kirchenpolitik. Wir bekommen auf Grund des Mone-
Briefwechsels ein deutliches Bild vom Werden des Ultramontanismus.
Ein Seitenstück dazu gibt J. Dorneich; er teilt Briefe der Freiherren
Joseph von Lassberg und Heinr. Bernh. von Andlaw aus den

J. 1848—51 mit, welche das rege Interesse vieler katholischer Adligen
am Erstarken ihrer Kirche und die dankbare Aufnahme der seit
1848 aufkommenden Volksmissionen und Exerzitien zu erkennen geben.
L. B a u r schließt seine Geschichte des kirchlichen Pfründewesens
in der Reichsstadt Buchhorn ab vor allem mit der Darstellung der

j Verwaltung und Besetzung der Pfründen. S. 99 f. kommt er auf die
Reformationszeit zu sprechen. Es ist zu bedauern, daß er den Spuren

j der reformationsfreundlichen Bewegung, wie sie V. Ernst in der Oberamtsbeschreibung
Tettnang S. 745 und fO. Bossert in Blätter f.
württ. Kirchengesch. 6 (1891), 88 andeuten, nicht weiter nachgeht.
Der S. 99 genannte Felix Reitter, der 1522 in Wittenberg studiert,
ist wohl verwandt mit dem 1508 in Basel inskribierten Wolfgang
Raiter de Buchhorn, einem Studiengenossen des späteren Crailsheimer
Reformators Adam Weiss, der 1507/8 dort inskribiert wurde.
1540/41 studiert Conradus Hoppeller Buchornensis in Basel, ein
weiterer Beweis, daß nicht alle Buchhorner Studenten an katholischen
Universitäten studierten. W. Strohmeyer verbreitet sich über die
und Schulte nachgewiesenen Urkundenfälschungen als Abwehrmaßnahmen
gegen die Übergriffe der Herren von Staufen, welche mit
Stifte und Vögte des Klosters St. Trudpert und sucht die von Weech
der . Vogtei betraut waren, zu erweisen, und hofft so etwas mehr
Licht in das Dunkel der Geschichte des Klosters zu bringen. H.
Schrohe gibt einen Beitrag zur Geschichte der oberrheinischen
Jesuitenprovinz im 17. und 18. Jh. auf Grund von Personalkatalogen
von 1658 an und von Kirchenbüchern. Er berichtet über den Mitgliederstand
, die Herkunft, die Eintrittsbedingungen, den Studiengang,
die Verwendung und die wissenschaftlichen Leistungen der Jesuiten am

! Oberrhein bis zur Ordensaufhebung. Die Geschichte der Pfarrei
Limbach 1426—1926 skizziert Th. H u m p e r t. Von Säkularisation
und Untergang des Klosters Allerheiligen erzählt K. Rögele. In
unseren Tagen des staatlichen Schutzes der Kunstdenkmäler begreift
man nicht mehr, wie nachlässig die Regierung sein konnte beim
Verfall einer altberühmten Klosteranlage, und nur die Nöte der napoleonischen
Zeit lassen es einigermaßen erklärlich finden, wie blindlings
einem industriellen Unternehmer die Gebäude eingeräumt werden
konnten. Nicht der Blitzschlag, sondern Fahrlässigkeit und Böswilligkeit
haben Kloster und Kirche ruiniert.

Horb. G. Bossert.

Schoenaich, Gustav: Die Kämpfe zwischen Römertum und
Christentum in ihrer geschichtlichen Entwicklung von Nero
bis auf Konstantin den Großen. Vortrag. Glogau: O. Hellmanit
1927. (39 S.) 8". Rm. 1.80.

Dieser Vortrag, gehalten in der evangelisch-theologischen und
historischen Sektion der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische
Kultur, bietet einen kenntnisreichen Überblick mit dem Bestreben
auch dem Römertum gerecht zu werden. — Seltsamerweise schreibt
der Verfasser durchgängig Origines für Origenes.

Kiel. G. Ficker.

Moreau, Prof. Dr. Edouard de, S. J.: Saint Amand. Apötre de
la Belgique et du nord de Ia France. Louvain: Editions du Museum
Lessianum 1927. (XI, 367 S.) gr. 8". = Museum Lcssiantim.
Section Missiologique Nr. 7. fr. 25—.

Unter den Verkündern des Christentums in Flandern und Nordfrankreich
ist der älteste uns bekannte der Aquitanier Amandus
j (t c. 675). Seine älteste Lebensbeschreibung hat 1910 B. Krusch
I in den MGH, SS. rer. Merov., V herausgegeben und auf die 2. Hälfte
I des 8. Jahrh.s datiert. Das vorliegende Werk des Löwener Kirchenhistorikers
untersucht in einer kritischen Einleitung zuerst die alten
Viten und Wunderberichte und vertritt mit beachtenswerten Gründen
eine etwas konservativere Auffassung als Krusch; er datiert die
älteste Vita, die, wie er wahrscheinlich macht, einen unbekannten
) Kleriker der Diözese Noyon zum Verfasser hat, etwa ein halbes
j Jahrh. früher (1. Hälfte des 8. Jahrh.s), rückt sie damit beträchtlich
näher an die Lebenszeit Amands und mißt ihr daher größere Glaubwürdigkeit
bei; vor allem übernimmt er, im Gegensatz zu Krusch, die
! Nachrichten von der Missionstätigkeit Amands bei den Südslaven und
Basken und von seinem Episkopat in Maastricht. (Dieser Teil ge-
I sondert veröffentlicht in der Revue d'hist. eccles., 1. Jan. 1926;
j bespr. v. Levillain in der Bibl. de l'ecole des chartes, janv.-juin
1926, 174f.) Zuzugeben ist, daß die Vita zwar an Wundererzählungen
I nicht arm ist, aber in der Schilderung der Erfolge des Heiligen
i Maß hält, was das Vertrauen zu ihr erhöht; doch wird der gelehrte
Verfasser einräumen, daß alle historischen Tatsachen, die wir ausschließlich
auf derartige Heiligenlegenden aufbauen müssen, wie hier,
stets etwas hypothetisches behalten und ihre Sicherheit über einen
gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit nicht hinausgeht. Zu der
| von Hauck (KG IM, 322 A. 4) angeschnittenen Frage der Interpolation
von c. 14 f. nimmt der Verf. nicht Stellung. Der Hauptteil
I erzählt das Leben des Missionars in breitem Rahmen, der sich zu
j einer Kirchengeschichte Flanderns und Nordfrankreichs im 7. Jahrh.
[ ausweitet. Das Schlußkapitel behandelt den Kultus des Heiligen,