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Ausgabe:

1927 Nr. 16

Spalte:

374

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bannister, Arth. Tomas

Titel/Untertitel:

The Cathedral Church of Hereford 1927

Rezensent:

Stuhlfauth, Georg

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 16.

374

den durch jenes Dokument aufgeworfenen Problemen
nicht fertig geworden (ich habe dabei hauptsächlich die
Tendenz jenes Briefes und die damit verbundene Datierung
der praefatio des cod. brix. im Auge).

Kiel. Friedrich Kauft mann.

Lortz, Priv.-Doz. D. Dr. Joseph: Tertullian als Apologet. Bd. 1.

Münster i. W.: Aschendorff 1927. (XXIV, 399 S.) gr. 8*. = Münsterische
Beiträge z. Theologie, H. 9. Rm. 16—.

Der Titel dieses Werks ist unvollständig. Zwar
wird Tertullian nur als Apologet behandelt; aber die
Apologeten vor ihm werden so eingehend berücksichtigt,
daß der Titel lauten müßte: „Tertullian als Apologet
und seine griechischen Vorgänger"; ja angesichts des
Umfangs des Werks könnte man die Bezeichnung „Thesaurus
apologeticus saec. II" wählen; denn es werden
alle Fragen berücksichtigt, die in die Christliche Apologetik
des 2. Jahrhunderts einschlagen. Schon dieser
erste Band umfaßt 398 SS. großen Formats, und nach
dem bereits mitgeteilten Inhaltsverzeichnis des Zweiten
Bandes wird dieser schwerlich kürzer sein.

Fünfzig Bogen für Tertullian und die Christliche
Apologetik des 2. Jahrhunderts — rechtfertigt sich ein
solcher Umfang nach den neueren Arbeiten von B i g e 1 -
mair, Geffcken, Ouignebert, Heinze, La-
hriolle, Monceaux, Puech, Wendland, dem
Unterzeichneten u. A.? Ich vermag die Frage nicht zu
bejahen. Das Bedürfnis der Wissenschaft wäre gedeckt
gewesen durch die Untersuchung einzelner noch offener
oder kontroverser Fragen und daneben eventuell durch
eine knappe Oesamtcharakteristik der christlichen Apologetik
jenes Zeitalters nach ihren Zwecken, Mitteln und
Voraussetzungen. Zuviel Bekanntes ist hier reproduziert
worden.

Dies vorausgeschickt, stehe ich nicht an, die Arbeit
des Verfassers als ein gründliches und gutes Werk zu
empfehlen. Schon die Einleitung (S. 1—15), in welcher
der Verf. umsichtig und kritisch die Aufgabe und die
Methode der Untersuchung darlegt, erweckt einen sehr
günstigen Eindruck, und die Ausführung enttäuscht nicht.
Vollständig, unparteiisch und ohne Vorurteile wird der
Tatbestand erhoben und werden die Probleme erörtert.
Die Polemik gegen Guignebert ist berechtigt; im
übrigen hat der Verfasser in Bezug auf seine Vorgänger
(auch in Bezug auf Geffcken), mit denen er sich
fortlaufend auseinandersetzt, mehr anzuerkennen als zu
fädeln. Die harten Schranken der alten Apologetik —
vor allem ihre prinzipiell ungerechte Beurteilung des
Gegners — werden nicht vertuscht, sondern immer wieder
hervorgehoben, ja z. T. deutlicher und sicherer,
als es manche Vorgänger getan haben. Weder will der
Verfasser den alten Apologeten Lorbeeren flechten, die
ihnen nicht gebühren, noch solche, die in Wahrheit
keine sind. Was speziell Tertullian betrifft, so erhält
er sein Recht sowohl als Apologet der zweiten Generation
als auch in dem Nachweis, in welchem Maße
er seine Vorgänger, wenn auch nicht auf allen Linien
(s. Justin und Athenagoras in ihrem Verhältnis zur
Philosophie und Justin als Christ) hinter sich gelassen
hat. Doch ist in diesem Bande das letzte Wort über ihn
noch nicht gesprochen.

Der vorliegende Band umfaßt 7 Kapitel: „Der
Kampf um das Existenzrecht" — „Die Verteidigung
des sittlichen Lebens" [mit vollem Recht hat der Verfasser
diesen Punkt in den Vordergrund geschoben;
auf die Spannung zwischen dem Apologeten und dem
Theologen Tertullian wird hier und sonst aufmerksam
gemacht] — „Die Verteidigung des christlichen Glaubens
" — „Die innere Begründung des christlichen Glaubens
" — „Die Verteidigung des politischen Lebens der
Christen" — „Die Christen und die heidnische Gesellschaft
" — „Das Christentum und die heidnische Philosophie
." [Sehr richtig S. 389: „Die Apologeten kannten
die großen Denker nicht, und zwar aus dem einfachen
Grunde, weil sie Kinder ihrer heidnischen Zeit waren

'■ und von ihr ihre wissenschaftliche Ausbildung erhalten
I hatten;" diese Zeit selbst kannte jene großen Denker
nicht mehr.].

Auf Einzelnes einzugehen ist hier nicht der Ort,
zumal da der Verfasser bei der Fülle der einschlagenden
Fragen trotz seiner Ausführlichkeit das Einzelne doch

' nicht monographisch behandeln konnte. (S. 287: daß
v. Wilamowitz, Wendland und der Unterzeichnete
die Bedeutung des Kaiserkults übertrieben haben,
ist durch die Ausführungen des Verf.'s nicht erwiesen).
Im Allgem einen hat man den erfreulichen Eindruck,
daß auf dem Gebiete der Darstellung und Kritik der
altchristlichen Apologetik ein weitreichender Consensus
durch die Arbeit der letzten Jahrzehnte zu Stande ge-

i kommen, bezw. im Werden ist. In dem Werk von
Lortz stellt er sich dar, und zwar in Hinsicht auf
alle Linien [Voraussetzungen, Motive und Zwecke
der Apologetik] und auf die Beurteilung der Wissenschaft
und der sittlichen Haltung der Apologeten. In
der Beurteilung ihres religiösen Besitzes, auch wo
sie dieselben Worte brauchen wie ihre Gegner, ist m.
E. mehr Eigenartiges anzuerkennen, als der Verfasser
herausgearbeitet hat. Aber — wie schwierig ist dieses
Kapitel!

Berlin. Adolf v. Harnack.

Bannister, Arth.Tomas,M.A.: The Cathedral Church of Hereford.

Its History and Constitution. London: S. P. C. K. (1924). (199 S.
m. 1 Taf.) 8°. = Studies in Church History. sh. 7/6.

„A cathedral church like ours is not oniy a matcrial fabrik,
a work of architecture; it is also an ccclesiastical institution, an esta-
blishment founded for tue benefit of our Church and nation, and
which has played its part, whatever that part may have been, in the
general history of the country." Ganz im Sinne dieses Satzes E. A.
Freemans, der als Motto auf der Titelseite steht, erzählt das flüssig
und lebendig geschriebene Buch die Geschichte und Schicksale der
„Kathedralkirche", d. i. des Bischofsitzes in Hereford einschließlich
derjenigen seiner Kathedrale von den historisch im Dunkel liegenden

] legendarischen Anfängen an bis zur Gegenwart. So sehr die Darstellung
nach der Natur der Dinge immer wieder erkennen läßt,
daß, wie jeder andere Ort auf englischem Boden, auch Hereford
verflochten ist in die Schicksalsgemeinschaft des ganzen englischen
Volkes und Landes, so streng hält sieh doch der Verfasser im Kähmen
■.einer Aufgabe. Und er löst diese mit bewundernswertem Geschick
und aus gründlicher Kenntnis seines Gegenstandes so, daß es vornehm-

1 lieh die Bischöfe sind, deren Persönlichkeiten und deren Taten — soweit
von solchen zu berichten ist — den Entwicklungsgang bezeichnen.

Äußerlich zerfällt das wohlgegliederte Buch in zwei Hauptteile
ungefähr gleichen Umfanges, einen darstellenden mit 11 Kapiteln
(S. 11 — 108) und einen Appendix-Teil (S. 109—191) mit 23 „Notes"
d. i. Exkursen zu bestimmten Einzelheiten, wie Note A zur Legende
des hl. Ethelbert (ermordet durch den heidnischen König Offa,
757 — 796), B zum Streit der Mönche und Kanoniker in England,
C zur Kegel des Bischofs Chrodegang von Metz, die auch in Hereford
eingeführt wurde, usf. Berühren den Kirchenhistoriker außer
den allgemeineren geschichtlichen Vorgängen vor allem die Ausführungen
über die verschiedenen Statuten und Konstitutionen, welche
das namentlich seit der Reformation lange und zeitweilig überaus
gespannte Verhältnis zwischen Bischof und Kapitel regeln, so wird
des kirchlichen Kunsthistorikers Interesse immer aufs neue besonders
gefesselt durch die authentischen Mitteilungen über die Baugeschichte
der Kathedrale, die, 1055 niedergebrannt, dann als Neubau der Normannenzeit
des 11.—12. Jhs. von Bischof Robert (1142—1148) geweiht
, nach mancherlei Eingriffen und Veränderungen gegen Ende
des 18. Jhs. die beiden ärgsten Unfälle ihres tausendjährigen Bestehens
erlebte, den Einsturz des Westturmes (1786) „and the decision to
call in James Wyatt as the architect of its rebuilding" (S. 106 f.).

Je mehr aber das ursprüngliche Bild der Kathedrale verneuert oder
ergänzt bzw. verunstaltet ist, desto mehr muß man bedauern, daß dem
Buche nur eine einzige Tafel (als Titelbild) beigegeben ist mit einer
Ansicht der Kathedrale in ihrem jetzigen Aussehen; weitere Abbildungen
des Äußeren und Inneren, namentlich auch Wiedergaben
der' älteren Zustände, sollten schlechterdings nicht
fehlen, am allerwenigsten der Grundriß. Außerdem wäre es zweckmäßig
gewesen, alles Baugeschichtliche, das man jetzt sich aus den
verschiedensten Stellen zusammensuchen muß, aus dem übrigen Text,
in den es doch nur lose eingefügt ist, auszusondern und in einem eigenen
Kapitel zusammenzugeben.

Berlin. Georg Stuhlfauth.