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Ausgabe:

1926 Nr. 6

Spalte:

142-143

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eppler, Paul

Titel/Untertitel:

Vom Ethos bei Jakob Burckhardt 1926

Rezensent:

Kesseler, Kurt

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 6.

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tenes Büchlein über den Annakultus im ausgehenden
Mittelalter. Ge. Buchwald gibt 22,128ff. den ersten
Teil seiner Abhandlung über die Ablaßprcdigten des
Leipziger Dominikaners Hermann Rab, die edler sind
als die seines Mitkonventualen Joh. Tetzel. Seltene
Schriften gegen den Konkubinat der Kleriker aus dem
Anfang des 16. Jahrhunderts teilt 22, 117 ff. O. C lern
e ii mit. Der Basler Pfarrer Sambucellus hatte den
Konkubinat der Kleriker in Schutz genommen, als der
Bischof Christoph von Utenheim in Basel dagegen vorging
. Da ließ Wimpfeling Verse mit seinen Schülern
und Freunden drucken. Dann weist Clemen nach, daß
das Avisamentum gegen den Konkubinat von Arnold
von Tongern, Professor in Köln, stammt.

Friedensburg gibt 21, 146ff. zwei Briefe von
Spalatin über die Berufung des Johannes Rhagius Aesti-
campianus an die Universität Wittenberg 1517 kurz
vor Luthers Thesenanschlag. Doch starb Aesticampianus
schon Ende Mai 1520.

P. Kalk off wendet sich 21,133 gegen die oberflächliche
Arbeit von Elisabeth Wagner, indem er die
Kaiserwahl Friedrichs des Weisen am 27. Juli 1519
neu klarstellt.

Eine sehr gelehrte Abhandlung bietet 21, 49 ff. I r m-
gard von Schubert über Luthers wirtschaftlichethische
Entscheidungen betreffend Kauf und Darlehen.
Hans Volz behandelt sehr gründlich 21, 161 ff. eine
angebliche Handbibel Luthers, eine in Basel 1509 gedruckte
Vulgata, mit ihren ungemein zahlreichen Eintragungen
, deren lutherische Teile genau beweisen, daß
das Buch Luther nicht gehört haben kann. Im Anhang
I S. 194 ff. bespricht er die Überlieferung der lutherischen
Psalmvers-Auslegung 119,92 in Handschriften
und Drucken.

J. Jordan zeigt 21,150, daß die Regio Coswi-
censis in einem Brief Luthers an Justus Jonas den Stadtteil
von Wittenberg, in welchem Jonas wohnte, und
durch den die Straße nach Coswig führte, bezeichnet.
Die billigende Stellung Luthers zur Aufführung von
Schulkomödien in Wittenberg weist G. Buch wald 21,
246 nach. Wilhelm Meyer war 1895 noch der Angabe
Pezels gefolgt, daß Mclanchthon 1549 seine Sonntagslektionen
begonnen habe. Nun weist G. Buchwald
21, 78 f. nach, daß er schon 1522 solche Vorträge hielt
und zwar morgens 6 Uhr in seiner Wohnung, wobei er
sehr rasch und nicht immer leichtverständlich mit eigenartiger
Aussprache des Griechischen redete. Nach Wiederaufrichtung
der Universität 1549 änderte er seine
Methode etwas. Ratzeberger berichtet, daß Mclanchthon
hauptsächlich mit Rücksicht auf die fremdsprachigen
Studenten, die die Predigten nicht verstanden, diese
Vorträge hielt. J. Jordan gibt 22, 102ff. Ergänzungen
zur Wittenberger Universitätsgeschichtc des 16. Jahrhunderts
aus dem Stammbuch des Claudius Textor aus
Genf 1563—1573. W. Köhler setzt seine Brentiana
21, 95 fort und fügt mehrere Stücke bei, die Brenz wohl
in Augsburg bekommen hatte.

E. K ö r n e r behandelt die Beziehungen des Grafen
Wolrad II. von Waldeck zu Brenz 21,105, seit dem
Religionsgespräch in Regensburg 1546, und beleuchtet
damit dieses Gespräch und dann das Interim. Zu Luthers
Briefwechsel gibt J. Jordan 21,148 Ergänzungen
und Verbesserungen aus einem Band der Wittenberger
Universitätsbibliothek. Aus dem Briefwechsel des
Stettiner Pfarrers Kogler macht Wotschke 21, 90 Mit- i
teilungen. Einen Brief von Augustin Himmel an Stephan
Roth 1530 teilt O.C lernen 21, 127 mit und gibt zugleich
eine Biographie des aus Emmerich stammenden Mannes
mit. Unbedeutend, aber wohltuend ist der Brief Georg
Majors an Nikolaus von Amsdorff, der die alten Gegner
versöhnt zeigt. Ihn verdanken wir 21, 254 W. F r i e d e n s-
burg, der auch einen Brief von Flacius an den Erfurter
Paach vom 5. Oktober 1554 21, 141 ff. mitteilt, der
für Flacius' Wesensart sehr bezeichnend ist. Neues über
Neuheller und Diedelhuber gibt Ref. 21,37 auf Grund

von Mitteilungen von Prof. Flemming. Neuheller erscheint
zuerst als Student und Lehrer in Marburg und
dann als Hauslehrer eines Augsburger Honold im Verkehr
mit Joh. Forster. Diedelhuber wird als Pfarrer
in Machern nachgewiesen und manches zur Pfarrgeschichte
der Gegend berichtigt. Kaspar Aquilas Flucht
aus Saalfeld nach Henneberg während des Interims und
die Berufung Christoph Fischers behandelt 22, 1. W.
Dersch. O. Clemen gibt 21,240 aus dem Nachlaß
Esrom Rudingers zwei Briefe von Joachim Camerarius,
einen von Paul Eber und eine Übertragung des 63.
Psalms von Theodor Beza, welche dieser Rudinger
widmete.

O. Clemen ist es geglückt, 21, 145 weitere Beiträge
zur Biographie von Acontius, der 1542 im Dienst
des Grafen Ludwig von Königstein stand, zu geben.
Durch alle drei Hefte zieht sich der Schluß der
I großen Abhandlung von K. Bauer über den Bekenntnis-
j stand der Reichsstadt Frankfurt am Main im Zeitalter
der Reformation: 21, 1—36 behandelt er den Bekenntnisstand
der Fremdengemeinden bis zum Augsbur-
i ger Religionsfrieden. 21,206—239 kommt Bauer auf
I die zweiundvierzig Artikel der Engländer und den dogmatischen
Standpunkt von Martin Micronius und [ohan-
| nes a Lasco. 22, 39—101 behandelt der Verfasser" 1. die
I Bemühung Calvins um eine Union in Frankfurt, 2. den
i Niedergang des Philippismus in der Stadt, 3. das Verbot
des reformierten Gottesdienstes, 4. die Kirchenpolitik
j des Rates im Zeitalter der Konkordienformel. Am
| Schluß zeichnet er Matthias Ritter. Die Arbeit Bauers
I zeugt von großem Fleiß und genauer Quellenverwertung
. S. 3,21 ist ihm ein Anachronismus begegnet.
Denn 1547 gabs wohl Wiedertäufer, aber noch keine
Mennonitcn. S. 14,32 ist der lateinische Satz unverständlich
. Die Gnesiolutheraner in Frankfurt im Spott
22, 95 Zionswächter zu heißen, ist in einer wissenschaftlichen
Arbeit unstatthaft. Das mag in einem politischen
Blatt hingehen.

22, 261—320 gibt Friedensburg ein sehr willkommenes
Register über die ersten 20 Jahrgänge des Archivs:
I. Die Mitarbeiter und ihre Beiträge. IL Systematisches
Inhaltsverzeichnis: 1. Allgemeines und Vermischtes;
Quellen. 2. Geschichte in zeitlicher Folge. 3. Einzelne
Personen (alphabetisch) a) Luther und der Wittenberger
Kreis, b) Mitarbeiter und Anhänger der Reformation.
Sektierer. Verschiedenes, c) Gegner der Reformation.
4. Einzelne Länder und Orte (alphabetisch). III. Verzeichnis
der abgedruckten Quellcnstücke nach der Zeitfolge
. Alle späteren Forscher werden für diese Arbeit
dankbar sein, die die Forschung sehr erleichtert.
Stuttgart. Q. Bossert.

Eppler, Paul: Vom Ethos bei Jakob Burckhardt. (Vortrag.)
Zürich: Art. Inst. Orell Füßli 1925. (44 S.) gr. S°. Fr. 3.50.

Der Darstellung Joels, daß Burckhardts Qeschiclitsbcliandlung
moralisch indifferent sei, tritt E. entschieden entgegen. Für sein individuelles
Leben wie för seine Beurteilung geschichtlicher Erscheinungen
tut Burckhardt nur der Genüge, der in Freiheit aus innerster
Anteilnahme seine ganze Anstrengung an ein Werk setzt. Vgl. dazu
die moralische und gleichzeitig die künstlerische Beurteilung Raffaels
und Peruginos. — Die Frage nach Glück und Unglück wird überwunden
im „Verzichtenkönnen auf Vorteile zugunsten des Sittlichen,
in der freiwilligen Beschränkung nicht bloß aus Klugheit sondern
aus innerer Güte". „Zernichtung der Selhstsueht und Aufopferung des
einzelnen für das Allgemeine" bezeichnet Burekhardt als Ziel der
Vorsehung. Die rücksichtslosen Krafthelden hebt er — ganz im anti-
nietzscheschen Sinne — gar nicht auf den Schild, der Stärkere ist
noch lange nicht der Bessere. In echt sozialem Empfinden verherrlicht
er die, die in Güte für andere leben wie der Vittorino da Feltre.
Seine ganze Sympathie gilt der Persönlichkeit Savonarolas. Unter
seiner Führung erreichen die Florentiner die moralische Höhe, dem besiegten
Feinde Schonung zu gewähren. — Burckhardt spricht wiederholt
von der geringen Bedeutung der griechischen Religion für die
griechische Sittlichkeit. Er erklärt sie aus dem Mangel ihrer Götter
an Güte und moralischer Vorbildlichkeit. Sie mußten untergehen,
weil sie nicht gut waren. Sie waren nur ästhetische Ideale, keine
ethischen Potenzen. — Burckhardts Sittlichkeit ist christlich, ist
evangelisch. Sie wurde im Elternhaus in das Herz des Knaben ge-