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Ausgabe:

1926 Nr. 3

Spalte:

59-60

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baeumker, Clemens

Titel/Untertitel:

Frühmittelalterliche Glossen des angeblichen Jepa zur Isagoge des Porphyrius 1926

Rezensent:

Seeberg, Reinhold

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 3.

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des Athanasius in Antiochien kennen gelernt hat. Die
dürftigen Reste der Schriftstellerei des Eustathius widersprechen
einer Zuweisung der genannten Schriften nicht,
und es wird nun möglich sein, seine gegenarianische
Exegese schärfer zu zeichnen. Dabei wird sich, wie Sch.
bemerkt, die Behauptung Cavalleras bestätigen, daß
Athanasius, bei aller Verschiedenheit der Grundauf-
fassung, doch in der Exegese viel von Eustathius übernimmt
und der Gegensatz zwischen alexandrinischer und
antiochenischer Lehrform nicht übertrieben werden darf.
Es sei zum Schluß noch hingewiesen auf die Bemerkungen
über den Ausdruck xvQiaxbg av^-gwjcog (S.
55 und 61), der nicht apollinaristisch ist, vielmehr zur
Lehre der Apollinaristen in Gegensatz steht und von
ihnen den Gegnern vorgehalten wird, über De patientia
{ftßQi vrtofiovrjs P. G. 26, 1297 ff.), ein vorathanasia-
nisches, wertvolles Stück (S. 45). Die mit der Oratio ad
gentes eine Einheit bildende Schrift De incarnatione dei
verbi (P.G. 25, 96 ff.) betrachtet Sch. mit Hoß und
Stülcken als athanasianisch, setzt aber ihre Abfassung
nicht vor den Ausbruch der arianischen Streitigkeiten,
sondern in die Zeit des Trierer Exils 335/37 (S. 41 A. 1).
Wie man sieht, ist es wieder eine gehaltvolle und anregende
Gabe, die der Philologe den Theologen beschert.
München. Hugo Koch.

Baeumker, Clemens, u. Bodo Sartorius Freih. von Walters-
hausen: Frühmittelalterliche Glossen des angeblichen
Jepa zur Isagoge des Porphyrius. Nach der Pariser Handschr.
hrsg. Mit e. Einl. v. Bodo Sartorius Freih. von Waltershausen
. Münster i. W.: Aschendorff 1924. (60 S.) gr. 8°.

Km. 2—.

Schubert, P. Alois: Augustins Lex-aeterna-Lehre nach Inhalt
U. Quellen. Ebd. 1924. (61 S.) gr. 8°.

= Beiträge z.Gesch. d. Philos. d. Mittelalters, Bd. 24, Heft 1 u. 2.

Mit Freuden begrüßen wir das Erscheinen zweier
neuer Hefte der Bäumkerschen „Beiträge", die uns
immer mehr zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel auf
dem Gebiete der mittelalterlichen Philosophie geworden
sind. Und mit Wehmut und Dankbarkeit gedenken wir
dabei des uns mittlerweile durch den Tod entrissenen
Hauptverfassers des ersten Heftes, Clemens Baeumker
s , des rastlosen Forschers und Anregers in der
(ieschichtsschreibung der mittelalterlichen Wissenschaft.
Baeumker hat mit Hilfe seines Schülers, des Freiherrn
v. Waltershausen, in dem ersten Hefte des neuen
Bandes einen wertvollen Beitrag zu der Geschichte der
Philosophie und des Studienbetriebes des ausgehenden
9. Jahrhunderts geliefert. Es wird allmählich in allen
beteiligten Kreisen erkannt, daß der Einfluß der Philosophie
auf die Theologie in dem Frühmittelalter weit
geringer gewesen ist, als man früher annahm. Das gilt
noch von Anselm und Abälard. Ebenso kann man sich
der Erkenntnis nicht verschließen, daß die Ansicht V.
Cousins, Haureaus und Pocells, die schon im 9. u. 10.
Jahrhundert einen nominalistischen Konzeptualismus samt
seinem realistischen Gegenstück nachweisen wollten, unrichtig
ist. Besonders die Studie von J. Reiners war in
der Hinsicht aufschlußreich. An das Ende des 9. Jahrhunderts
fallen auch die hier zum ersten Mal vollständig
edierten Glossen zu der Isagoge des Porphyrius,
die in Auxere entstanden sein werden. In einem Epigramm
am Ende des nur in einer Pariser Handschrift
neben anderen Dokumenten der frühmittelalterlichen Philosophie
erhaltenen Schriftchens nennt sich der Verfasser
desselben Icpa, wie Baeumker mit anderen statt
der früheren Lesung Jepa liest. Nach diesem Worte
folgt eine Rasur, die etwa den Raum von vier Buchstaben
einnimmt. Stand hier die Fortsetzung des Namens
oder hieß der Verfasser nur Icpa? Bei den damals
noch bestehenden regen Beziehungen zwischen Auxere
und Irland kann der Name irisch sein, wie auch der
Name eines etwas älteren Lehrers, des Heiric, von dem

| die nämliche Handschrift Glossen zu dem pseudoaugu-
i stinischen Werk In decem categorias enthält, auf irische
j Herkunft weisen wird. Sicheres läßt sich hierüber nicht
ausmachen. Zur Charakteristik des Werkes genügt es
I darauf zu verweisen, daß von den 310 Glossen nicht
weniger als 292 wörtlich oder fast wörtlich den Kommentaren
des Boethius zu der Isagoge entnommen sind.
Unter den sonstigen Vorlagen seien nur Heiric und
Eriugena erwähnt. Waltershausen hat die Herkunft der
einzelnen Glossen durch Stellenangaben unter dem Text
I festgestellt. Hinsichtlich der Universalienfrage gibt Icpa
| die berühmten Sätze des Boethius wieder. Von einer
I Hinneigung zum Nominalismus ist dabei nichts zu spüren.

Das Buch zeigt uns wiederum die Bedeutung des Boe-
j thius für die Einführung des griechischen Begriffsappa-
I rates in das mittelalterliche Denken und zugleich, wie
j naiv man ihm zunächst ohne alle eigene Fragestellung
i folgte.

In dem zweiten Heft handelt A. Schubert von
Augustins Gedanken der Lex acterna. Es ist bekanntlich

I die Idee, daß Gottes ewige Vernunft und sein allumfassender
Wille Urbild und Grund aller Ordnungen und
und Gesetze in der Natur, der Moral, im sozialen und
Staatsleben ist. Der Wert der Arbeit besteht darin, daß
der Verf. die verwandten Gedankenzüge aus Cicero,
Plotin und den Stoikern in dem gleichen Schema, nach
dem er Augustins Gedanken geordnet hat, sammelt und
dadurch die Verwandtschaft bzw. die Abhängigkeit Augustins
von diesen Quellen anschaulich macht. Besonders
die Stellen aus Cicero sind überraschend und zeigen
deutlich eine direkte Beeinflussung Augustins durch
ihn. Wenn aber der Verf. diese im allgemeinen anerkannten
Ähnlichkeiten zwischen Augustin und der späteren
griechisch-lateinischen Philosophie Abschnitt um Abschnitt
nach demselben Schema durchführt, vermißt man

| lebhaft eine Herausarbeitung der Differenzen. Sic hätten
pich leicht aus einer Berücksichtigung des augustinischcii
Voluntarismus und der Schöpfungsidee gewinnen lassen.
Der Verf. vergleicht immer nur Stellen mit Stellen,
nicht aber Weltanschauung mit Weltanschauung. Das
ist die Schranke seiner im übrigen verdienstlichen Sammlung
. Unter den Quellen Augustins werden auch Paulus
(mit dem Zusatz 3—67) und Johannes (mit der Angabe
4- 100) zitiert. Daß damit, trotz Rom. 2,14 ff.
und Joh. 1,3, nichts gewonnen ist, liegt auf der Hand,
von der Unsicherheit der so sicher angeführten Daten
ganz zu schweigen.

Berlin-Halensee. R. Seeberg.

Foerster, Hans. Engelbert von Berg, der Heilige. Elberfeld:
A. Martini & Grüttefien 1925. (143 S.) 4°. = Bergische Forschungen
, Bd. 1. Rm. 3.60; geb. 5—.
Diese treffliche Monographie, die die von Julius Fickcr (Köln
1853) in willkommener Weise ergänzt, ist „dem Andenken an den
großen Sohn des Bergischen Landes zur 700. Wiederkehr seines
Todestages" geweiht. Am 7. Nov. 1225 ist ja Erzbischof Engelbert
von Köln am Fuße des Orevelberges unweit Schwelm von einem Verwandten
, Graf Friedrich von Isenburg, ermordet worden. Heilig gesprochen
ist er nicht trotz der dahin zielenden Absichten seiner
nächsten Nachfolger Heinrich von Molenark und Konrad von Hostaden,
trotz der begeisterten Lebensbeschreibung, die Cäsarius von Heisterbach
, am 20. Sept. 1226 von ersterem beauftragt, verfaßte, trotz der
Lobpreisungen, die Kardinal Konrad von Porto dem Ermordeten widmete
, trotz der Wunder, die an seinem Grabe geschehen sein sollen,
aber er verdient auch nach Foersters Meinung (obgleich er Engelberts
Verfehlungen nicht verschweigt) das Epitheton „Der Heilige"
als Märtyrer, vor allem aber, weil er trotz der schwierigsten Verhältnisse
, unter denen er seine verschiedenen Amter übernahm, „sich den
Erfordernissen aller seiner Stellungen gewachsen zeigte" und „so vieles
für Heimat und Vaterland geleistet hat" (S. 107). Ragt er schon
als letzter und kräftigster Sproß des Geschlechts der Grafen von Bern
hervor, so hat er als Erzbischof von Köln in dem durch langen
Bürgerkrieg verwilderten und heruntergekommenen Erzbistum Ordnung
und Frieden geschaffen, die geistliche und landesfürstliche Gewalt zur
Anerkennung gebraeht und erweitert und wie in der Stadt Köln, so
auch in seinen beiden Herzogtümern, dem ripuarisch-lothringischen und
dem westfälischen, jeden Widerstand gebrochen. Seit 1220 (als Fried-