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Ausgabe:

1926 Nr. 23

Spalte:

557-558

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ungnad, Arthur

Titel/Untertitel:

Babylonich-Assyrische Grammatik. 2., durchges. Aufl 1926

Rezensent:

Jensen, Peter

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667

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 23.

558

Aller Mut, von avestischen Übersetzungstexten weitergehenden
Gebrauch zu machen (wie das etwa Horst
Fichtner in seiner Schrift „Die Medizin im Avesta"
(1924) getan hat), muß und wird hoffentlich dem vorsichtigen
Laien vergehen, wenn er gewahr wird, daß
die Version der 1. Aufl. in der zweiten da und dort kaum
wieder zu erkennen ist. Hierfür ein Beispiel wenigstens,
das zeigen mag, wie voll Dunkel und den Übersetzer in
Verlegenheit setzend manche der Gathastücke sind. Yasna
44, 20, wo Zarathustra die Daeva, die Dämonen der
von ihm bekämpften alten Religion, als Kulturfeinde hinstellt
, hatte Geldner in der 1. Ausgabe folgendermaßen
wiedergegeben:

Seit wann sind, o Weiser, die Devs gute Regenten gewesen?
Und ich frage das: welche (Strafe kennst du) für sie, die schadenfroh
zusehen, mit welchen Dingen der Karapan und Usij die Kuh in
Zorn bringen und was der Kavan unverfroren sündigt? Nicht harnen
sie ihn (den Regen), um mit Asha das Weideland fruchtbar zu machen.

Jetzt steht dafür, der Auffassung von Bartholomae
näher kommend und sicher auch besser:

Wann sind je, o Weiser, die Devs gute Regenten gewesen?
Und ich frage: (Waren es die), welche zusehen, auf welche Weise
für sie der Karapan [= Devapriester] und Usij [= Agni, das
vedisrihe Opferfeuer] die Kuh dem Aeshma preisgibt und wodurch
der Kavan [= ostiranischer Fürst] (die Kuh) fortwährend zum
Jammern bringt? Nicht begehren sie die Viehzucht nach dem Oesetz
zu fördern.

Willkommen werden dem Leser die durchgängigen
Verweise auf die Darstellung der Avestareligion in dem
im gleichen Verlage vor kurzem in 4. Aufl. erschienenen
Lehrbuch der Religionsgeschichte von Chantepie de la
Saussaye sein.

Leipzig. H. Haas.

Ungnad, Arthur: Babylonisch-Assyrische Grammatik. Mit

Übungsbuch (in Transkription). 2., durchges. Aufl. München:
C. H. Beck 1926. (IX, 185 S.) kl. 8°. = Clavis linguarum semiticarum,
pars 2.

Diese 2. Auflage der vor nunmehr 20 Jahren zum
ersten Mal erschienenen sehr verdienstlichen Ungnad-
schen babylonisch-assyrischen Grammatik zeigt begreiflicherweise
in der Anordnung des grammatischen Stoffs
keine wesentliche Veränderung gegenüber der ersten
Auflage. Die Übungsstücke sind dieselben geblieben.
Doch ist die Grammatik auf Grund der vielen mittlen-
weile, grade auch von Ungnad selbst, errungenen neuen
Erkenntnisse um viele wertvolle Einzelheiten bereichert
worden, und das Wörterbuch am Schluß weist manche
kleine Erweiterungen und Verbesserungen auf. Zu den
erwähnenswerten Bereicherungen der Grammatik sind
vor allem Ansätze zu einer Unterscheidung zwischen
babvlonischem und assyrischem Sprachgebrauch zu
rechnen. Dabei ist aber auch manches geblieben oder
neu hinzugekommen, das man als nicht gesichert oder
als unrichtig beanstanden muß.

Ob Ungnads jetzige Klassifikation der semitischen Sprachen
(S. 1) — unter denen das Äthiopische als besonderer Dialekt doch
wohl nur versehentlich fehlt — endgiltig bleibt? — Der Anfangsvokal
in Schreibungen wie i-ik-ka-al wirklich Ausdruck für' (S. 5), statt
vielmehr für den losen Einsatz? — müsi ü urri zu lesen — und
„während der Nächte und Tage" zu übersetzen (S. 25) —, statt (s.
müäam U urri) müsi u urri?— iin belisu „seines Herrn"
(S. 32) Hilfsvokal und nicht vielmehr Hindeutung auf eine urspr.
lange Genitivendung i ? — Das ä zwischen Stamm und Endung im
Permansiv l.Pers. S. dasä von anäku und sonst Analogiebildung hierzu (S.
34), statt dasselbe wie 6 in TYlSQ usw.? — limu-limmu
„1000" eigentliche „Runde" und zu lamü (S. 38), statt zu limu
„Familie" und darum zu DJ^>, F^tf „1000" zu

„Stamm", „Sippe"? - Das -u der Rclativform lang, d. h. ursprünglich
lang (S. 43), und nicht identisch mit dem Nominativ-u,
trotz iaktulu usw. und trotz des sumerischen -a, mit denen der
beideiT-ü ähnlichen Funktionen (Poebel, Sumer. Gramm. S. 2S4)?

— ibnr, mit urspr. langem Endvokal (S. 63), trotz iabnT usw. ? -
Das -m des Energicus sicher aus ursprünglicherem n
(S. 66)? U. a. -

Zum Wörterverzeichnis: (kakke) su'ulu „in Bewegung setzen,
funkeln lassen" (S. 150), und nicht, trotz einiger Bedenken,
„schärfen"? — ]i d u = „Hand" (S. 151)?- Jek(k)du „brünstig" (S.
152)? „brünstige Könige"? — Die Synonyma e(i)kkibu (aus
sumer. em-kib), anzillu, marustu (S. 152,154, 168) = „Ekel",
bezw. „Greuel", „Frevel" und „Schmutz", „Böses", statt, da
marustu aus marustu, alle drei = „Schmerzliches" u. dgl.? —
jaksu, = KAL „stark", = „wachsam" „vorsichtig" (S. 152)?
-jerijätu = „(schwangere) Gewitterwolken" (S. 155), statt =
„Kälte" (OLZ 1925 Sp. 21 f.)? — j a s i t u , obwohl auch ein Teil
der Mauer, = „Haufen" (S. 156), statt mit Baumgartner (ZA 36,
229ff.) „Turm"? — ,'usätu „Unterstützung" (S. 156), statt
„Billigkeit", „(gute) Sitte" u. dgl.? — beru „Doppelstunde", statt
zu biru „Mitte, zwischen" (S. 158), nicht zu beru ,,sich entfernen"
und cig. = „Entfernung"? — dusü spez. == „Schlauch" (S. 160),
und nicht == „(Hammel)haut", „Pergament? — suhartnufu
allgemein -= „vernichten" (S. 161), statt „auflösen", z. B.
in Wasser? — käpu „einsinken" „einstürzen" (S. 164), statt nur
„baufällig werden"? — kirimmu = „Schoß" (S. 164), statt
„Spange" oder dgl.? — littütu — „Nachkommenschaft", „Kindersegen"
(S. 166), statt „Langlebigkeit" ? - manähtu „Ruheplatz" (S. 168), statt
•mänahtu „Ermüdung", „Anstrengung" usw.? — nu'u doch
wohl besser „nachgeben lassen, machen", statt (S. 169) „wenden".
— nibu = „Zahl" nicht ohne lä davor (zu S. 170): lä nibf
eig. = „ohne Nennung" und deshalb = „ohne Zahl". — Statt
nukaribbu (S. 171) lies — wenigstens als spätere Form —
lakaribbu (Strassmaier, Darius Nr. 276, 4)? u. ä. —Wo bedeutet
rakku „Sumpfland" (S. 175), statt „Schildkröte" (so auch in dem
aramäischen Namen Nagitu-rakke)? — sahurratu nunmehr
doch fraglos „Schweigen", statt (S. 177) „Druck" und(!)—„Entsetzen
". — züku (S. 184), weil eig. = züku, und dies -
„Sturm", = „Landsturm" und daher „Infanterie"?? U. a. m.

Daß das Buch Ungnads trotz dieser und anderer
kleinerer Unvollkommenheiten, die er wenigstens zum
Teil hätte vermeiden können, eine schöne Leistung und
ebenso wie die erste Auflage abgesehen von seinem
wissenschaftlichen Wert als Lehrbuch sehr zu empfehlen
ist, bedarf keiner besonderen Erwähnung.

Marburg. P- Jensen.

Quell, Priv.-Doz. Lic. theol. Gottfried: Das kultische Problem

der Psalmen. Versuch e. Deutung d. relig. Erlebens in d.

Psaimcndichtung Israels. Stuttgart: W. Kohlhammer 1926. (IV,

160 S.) gr. 8°. — Beiträge z. Wissenschaft vom A.T., N. F.,

H. 11. Rm. 6—.

In der neueren Psalmenforschung spielt die Beziehung
der Psalmen zum Kultus für viele eine wichtige
Rolle, während andere sie lebhaft bestreiten. Das läßt
es als wünschenswert erscheinen, daß objektive Kriterien
gesucht werden, nach denen der kultische Charakter
der Psalmen möglichst sicher festgestellt werden
kann, und das ist die Aufgabe, die sich der Verf. gestellt
hat.

Die Abzweckung der Sammlung läßt sich nach
ihm nicht sicher feststellen. Die Auffassung als Tempelgesangbuch
trägt den vielen darin enthaltenen Indivi-
dualpsalmen nicht genügend Rechnung, die Auffassung
als Andachtsbuch für den Einzelnen verkennt die Bedeutung
der Tradition über kultische Verwendung vieler
Psalmen. Der Verf. selbst scheint geneigt zu sein, in
der kultischen Einkleidung unseres Psalters etwas lediglich
Formales zu sehen, wodurch ihm „ein höheres autoritatives
Ansehen" verliehen werden sollte, um ihm „die
allgemeine Verbreitung in den Synagogengemeinden" zu
sichern; „in der Synagoge aber scheinen die Psalmen,
und zwar auch die echten alten Kultlieder, lediglich
Stoff zur Lehre und Erbauung gewesen zu sein" (S.