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Ausgabe:

1926 Nr. 22

Spalte:

551

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Witte, Johannes

Titel/Untertitel:

Die evangelische Weltmission. Ein Missionslesebuch 1926

Rezensent:

Bornemann, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 22.

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brechen, und wo die Kirchen sich mit neuen Situationen
auseinanderzusetzen haben; groß zeigen sich darin La-
vater und Hess. Schwer dagegen ist die Atmosphäre von
den Herrnhutersozietäten zu tragen, besonders nach dem
sich einer der Ihrigen an den Zürcher Unruhen in der
vordersten Linie beteiligt hat.

Mit dieser Überleitung zu einem neuen Abschnitt
der schweizerischen Geschichte im Allgemeinen und
Kirchengeschichte im Besonderen schließt das dreibändige
Werk W.s. Trotz der Zuziehung und Verarbeitung
des gewaltigen Materials wird es im Einzelnen nicht erschöpfend
sein; im Gegenteil, es hat die Historie auf
neue, wichtige Gebiete geistesgeschichtlicher Forschung
erst aufmerksam gemacht und kann dadurch gerade
Anlaß werden, daß da und dort noch mehr in die Tiefe
gegraben wird. So hofft es W. selbst im Vorwort des
dritten Bandes; so hat er auch dem gleichen Bande,
nachdem er das große Lavaterwerk von Olivier
Guinaudeau noch eben für den Text berücksichtigen
konnte (vgl. auch W.s Besprechung in den „Basler
Nachrichten" vom 5./6. Dez. 1925), einen wertvollen
Anhang mit Ergänzungen und Berichtigungen beigefügt;
und so hat K. Weiske auf Grund von Akten der Hallischen
Waisenhausbibliothek bereits die Beziehungen der
Schweiz zum Hallischen Pietismus näher beleuchtet
(Zeitsehr. f. K. G., 45. Bd., 1926, S. 88 ff.). Aber trotz
all dieser Ergänzungsmöglichkeiten stellt W.s Werk
eine Leistung allerersten Ranges dar; besonders durch
die starke Berücksichtigung der Laienfrömmigkeit ist mit
eindrücklicher Wucht gezeigt, was für eine mächtige
Rolle das Ergriffensein vom Worte Gottes in der Vergangenheit
des Schweizer Volkes spielt. So bleibt zu
wünschen, daß W.s Hoffnung, er „nötige die künftigen
Historiker, ernste Sachen auch ernst zu nehmen, wenn
nicht die Fühlung der Geschichtsschreibung mit den
Grundkräften der schweizerischen Volksseele ganz verloren
gehen soll", sich erfülle, aber ebenso sehr, daß
von allem Volk erkannt werde, welche Wolke von Zeugen
ihm in seiner Geschichte gegeben ist.

Basel-Olten. Ernst Stachel in.

Witte, Priv.-Doz. Miss.-Dir. D. Dr. J.: Die evangelische Welt-

mission. Ein Missionslesebuch. Leipzig: Quelle & Meyer 1926.

(69 S.) 8°. = Religionskundl. Quellenbücherei. Rm. —90.

Wer sich über das evangelische Missionswesen der Gegenwart
in aller Kürze unterrichten will, der greife zu diesem sehr gegeschickt
zusammengestellten Hefte. Es bietet anschauliche Skizzen
aus 7 verschiedenen Missionsgebieten, gezeichnet von hervorragenden
Vertretern der bedeutendsten deutschen und schweizerischen Missions-
gesellschaften und gewährt dabei einen sachlichen Überblick über die
Zweige, die Schwierigkeiten und die Wirkungen der evangelischen
Mission. Fast alle großen Missionsprobleme kommen dabei zur
Sprache: Schulwesen bei Natur- und Kulturvölkern; Bibelübersetzung;
volkstümliche Vorstellungen und Sitten; Kultur und Religion; Missionsarbeit
in Stadt und Land; Weihnachtslieder und Weihnachtssitten;
vergebliche Mühen und Massenerfolge; die Geschichte eines Brah-
manen; die Selbständigkeit der heidenchristlichen Kirchen; die ärztliche
Mission; Gemeindebildung; Selbstbekenntnisse und so weiter.

Frankfurt a. Main. W. Borne mann.

Lutherisches Weltmissionsbuch für das Jahr 1926. Hrsg. im
Auftr. d. Missionskonferenz in Sachsen durch Erich Stange. (39.
Jahrg.) Leipzig: H. G. Wallmann. (100 S.) kl. 8°. Rm. 1-.
Aus dem reichen und gediegenen Inhalt dieses Jahrbuches, das
neben einer Reihe von Aufsätzen die übliche Rundschau und
mehrere wertvolle Übersichten — Missionsgesellschaften in und
außerhalb Deutschlands, Missionsbibliographie für 1925, deutsche
Missionsschriften und Missionskonferenzen — darbietet, hebe ich als

besonders lehrreich hervor die Abhandlungen über ,die nationalistischen
Strömungen auf den Missionsfeldern' (Ihmels), über den Zeitpunkt
einer ersten Bibelübersetzung (Meinhof) und über ,High Leigh'
(Gerber). Außerdem mache ich auf die Statistik S. 76—85 aufmerksam
.

Frankfurt a. Main. W. Bornemann.

Frick, Heinrich, u. Adolf All wohn: Evangelische Liturgie.

Zwei Vorträge über Wesen u. Form d. evangel. Gottesdienstes.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1926. (39 S.) gr. 8°. Rm. 1.50.

Mit diesen beiden Vorträgen tritt die junge „Liturgische Arbeitsgemeinschaft
für Hessen" an die Öffentlichkeit. Die beiden
Verfasser übernehmen zwar persönlich die Verantwortung für die
hier geäußerten Grundsätze und Forderungen und nennen sie einen
Auftakt für die sich daran anschließende Gründung der Arbeitsgemeinschaft
. Es ist mehr als nur ein Auftakt. Wir gehen gewiß
nicht fehl, wenn wir sie als bezeichnend für den Geist der Arbeitsgemeinschaft
ansehen. Es scheinen sich jetzt in den verschiedensten
Gebieten Deutschlands derartige Arbeitsgemeinschaften zu bilden.
Möchten sie sich alle die Gedanken der beiden Vorträge als Auftakte
ihrer Arbeiten aneignen! Beide Vorträge haben, wie ihr Untertitel
als 1. der neu erscheinenden Beihefte der „Monatschrift für Gottesdienst
u. kirchl. Kunst" auch erkennen läßt, eine weit über Hessen
hin ausreichende Bedeutung.

I. Frick fordert in seinem Vortrag über das Wesen des
Gottesdienstes von jedem Gottesdienst eine werbende Kraft. Sie
fehlt uns, weil wir im Protestantismus noch immer nicht einen
von innen heraus gewachsenen Gottesdienst als wohlgelungenen Ausdruck
unsers Wesens besitzen. Diese Tatsache ist eben der Grund
unserer heutigen liturgischen Bewegung mit ihren Forderungen,
Versuchen, Angriffen, letztere besonders heftig, ' aber längst nicht
immer in die Tiefe gehend, gegen die Predigt. Will man weäter
kommen, muß man sich das Wesen unsers Gottesdienstes klar
machen. Am besten geschehe das an der Hand von 3 Fragen:
1. Was soll der Kultus überhaupt? 2. Mit welchem Material arbeitet
er? 3. In welcher Form glaubt er den Sinn (1) durch den gewählten
Stoff (2) ausdrücken zu können? So ergibt sich schließlich die
Formel: Gottesdienst soll sein: Bewußter Ausdruck evangelischen Gemeingeistes
dargestellt im geformten „Wort". „Wort Gottes" immer
verstanden im Sinne des sola fide, einer Botschaft, der wir eben in
unsern Gottesdiensten den würdigsten und zeitgemäßesten d. h.
mannigfaltigsten (2 Formen mindestens für den Hauptgottesdienst)
Ausdruck geben sollen. —

IL Allwohns Vortrag über die Form d. G. ist Ergänzung und
Fortsetzung der Ausführungen Fricks. Auch nach ihm kann die Form
nur aus dem Wesen hervorgehen. In der Weise wird sie auch immer
ein Kunstwerk sein, sich also gestalten, und zwar deshalb, weil
die Stärke des Geistes sich nur an der Gestaltung, Bewältigung und
Oberwindung des Körpers offenbart und steigert. Allerdings sei das
nicht in dem Schleiermacherschen Sinne zu verstehen. Dessen Auffassung
als Feier lehnt er entschieden ab, eigentlich zu entschieden.
Denn ohne Schleiermacher wären die Ausführungen schwer denk-
har. Der Gottesdienst solle ferner ein sakramentales Kunstwerk zur
Verherrlichung Gottes sein. Das Wort „sakramental" veranlaßt ihn
zu einer wertvollen Ausführung über den Begriff des Symbolischen.
Die sakramentale Weise des Gottesdienstes bedeute ja eben, daß er
ein im Glauben zu erfassendes sichtbares Zeichen der unsichtbaren
Gnadengüter sei.

Im einzelnen spricht Allwohn mehrere Forderungen aus, die
ihn zu einer Auseinandersetzung mit Otto, dem er viele Anregungen
verdankt, und mit Linderholm veranlassen, mit letzterem inbezug
auf die Frage der Beeinflussung eines dramatischen Verlaufs der
Gottesdienste durch das Kirchenjahr, wobei er bei Linderholm zu wenig
Rücksicht auf den Naturverlauf in den Jahreszeiten zu finden meint.
M. E. sind übrigens Linderholms Vorschläge in dieser Beziehung
durchaus geeignet, die nun einmal vorhandene Spannung zwischen
Naturjahr und Kirchenjahr ülrerbrücken zu helfen. Zum Schluß
bringt A. dann noch eine Zusammenfassung, womit er viel Zustimmung
finden dürfte. Der Gottesdienst soll darnach folgende einzelne
Kunstforderungen erfüllen. Er soll 1. numinosen Charakter, 2. einen
dramatischen Verlauf, 3. Bedeutungsfülle seiner Gestaltungen und
Symbole, 4. eine Einheit über den Spannungen der Teile und 5.
dichterischen Stil in seinen Wortgestaltungen haben.

Kleinfreden. Paul Gr äff.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 13. November 1926.
Beiliegend ein Prospekt des Verlags F. Meiner-Leipzig.

Verantwortlich: Prof D.E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C. 1, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.