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Ausgabe:

1926 Nr. 2

Spalte:

32-33

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Formoy, Beryl E. R.

Titel/Untertitel:

The Dominican Order in England before the Reformation 1926

Rezensent:

Lempp, Eduard

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 2.

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zwar mit Achtung genannt worden, aber nur so, wie auch
Plato und Hermes Trismegistus, Männer, von denen er
gewiß nicht mehr als den Namen gewußt hätte. Überzeugend
ist das wirklich nicht. Parsismus und Manichäis-
mus haben doch etwas mehr als nur den Dualismus im
allgemeinen mit einander gemeinsam, und Buddhas Hervorhebung
im Shaburagan, wo er neben Jesus und
Zoroaster gestellt wird, läßt auf gründlichere Bekanntschaft
mit ihm schließen, wie sich denn auch die mani-
chäische Scheu vor der Verletzung eines Lebendigen
kaum anders als durch eine Entlehnung aus dem
Buddhismus erklären läßt. Aber B. muß, um seine Her-
leitung des Manichäismus durchzuführen, zugleich Bar-
desanes und namentlich Marcion Dinge unterschieben,
die andere nicht ebenso bei ihnen zu finden vermögen.
Bei Marcion arbeitet er ständig mit der Vorstellung, daß
Marcion drei Prinzipien d. h. als drittes Prinzip die
Hyle gelehrt habe. War denn dies das Ursprüngliche
oder weiß B. so bestimmt, daß Mani bereits das marcio-
nitische System in dieser Gestalt kennen gelernt hat,
und hat er nie gelesen, was Augustin gar nicht so unrichtig
über den manichäisehen Begriff der Hyle bemerkt
? Marcion soll aber weiter dem Manichäismus
auch die Unterscheidung von Vollkommenen und Hörern
geliefert haben. Denn, so wird man S. 83 belehrt,
Marcion verabscheute ebenso wie Mani die Zeugung; als
die wahre Ehe galt ihm nur die Ehe mit Christus. Jedoch
der Grundsatz, daß Ehe und Zugehörigkeit zur
Gemeinde sich ausschlössen, sei in Wirklichkeit bei den
Marcioniten nicht so streng gehandhabt worden. Der
Katechumene hätte dort sogar größere Rechte gehabt,
als in der katholischen Kirche. Es sei ihm gestattet gewesen
, dem eucharistischen Gottesdienst, freilich ohne
daß er die Eucharistie empfing, beizuwohnen. Deshalb
hätte die Mehrzahl der Marcioniten die Taufe aufgeschoben
, und so habe sich ganz von selbst der Unterschied
der Getauften^ Vollkommenen und der Masse der
Gemeinde ergeben. Woher weiß nur B. alle diese genauen
Einzelheiten? Aus Tertullian de praescr. 41, das
wohl irgendwie dabei im Hintergrund steht, lassen sie
sich doch gewiß nicht herauslesen.

Eigenartig ist auch B.'s Verhältnis zur deutschen
Wissenschaft. Daß F. W. K. Müller, Le Coq, Bang mit
hohen Ehren genannt werden, war, wo es sich um Tur-
fanfunde handelt, kaum zu umgehen. Wenn Bousset,
Reitzenstein, Ed. Meyer, Greßmann nicht berücksichtigt
werden, so möchte man das gerne auf die Zeitumstände
schieben. Aber diese Erklärung versagt bei einer Stelle,
wie der über Marcion (S. 80f.): fifty years ago Marcion
was treated as one of the Gnostics, and w e a r e o n 1 y
beginning to realize that he was not one of any
Company, but a great and original religious genius, the
most remarkable Christian of the 2nd Century . . .
And as J und erstand him, Marcion unlike Bar-
daisan and Mani, was only a cosmologist by accident.
Das klingt ja fast so, wie wenn B. in dieser Frage ein
Bahnbrecher gewesen wäre und womöglich selbst ein
gewisses bekanntes, in Deutschland erschienenes Buch
über Marcion geschrieben hätte. Wäre es nicht anständiger
gewesen, das Buch und den Namen des Verfassers
zu nennen? Selbst wenn dieser ein Deutscher war.
Berlin. Karl Holl.

Schubert, Hans von : Die Geschichte des deutschen Glaubens.

Leipzig: Quelle & Meyer 1925. (VII, 271 S.) gr. 8°.

Rm. 6—; geb. 8—.

Ein Wagnis nennt Verf. sein Werk wegen Mangels
an brauchbaren Vorarbeiten und redet uns Zünftigen eindringlich
ins Gewissen, daß wir neben der allgemeinen
Kirchengeschichte und der Kirchengeschichte der deutschen
Einzelterritorien das uns als Deutschen nächstliegende
, die gesamtdeutsche Kirchengeschichte, vor
allem im akademischen Lehrplan vernachlässigt hätten;
deutsche Kirchengeschichte als Darstellung weniger der
äußern Ereignisse, sondern des Christentums der deutschen
Seele und seiner Spiegelung in Kirchlichkeit, Sittlichkeit
, Kunst und Wissenschaft. Wir sind ihm dankbar
für seine Mahnung, dankbarer noch, daß er das Wagnis
gewagt hat und setzen uns im Geist gern zu seinen
Füßen. Denn das eben ist der besondere Reiz seiner
Gabe, daß sie weniger geschriebene Prosa als gesprochenes
Wort bietet voller Leben, Wärme, Anschaulichkeit
, immer packend und eindringlich, weil wir spüren
, wie der Redner selbst von seinem Stoff ergriffen
ist, und weil er uns die Gestalten der deutschen Vorzeit
so vorzuführen weiß, daß wir in ihnen ein Stück
von uns selbst wiederfinden.

Zur Erfassung der deutschen religiösen Psyche
i erachtet es Verf. mit Recht als methodisch richtig, zu-
I erst nach der alten Religion der Deutschen zu fragen,
so unsicher sich die Beantwortung auch gestalten muß.
Von da ausgehend führt er uns in 26 wohlabgerundeten
j Abschnitten die religiöse Entwicklung von anderthalb
I Jahrtausenden vor, um mit dem ergreifenden letzten
Kapitel „Deutscher Glaube in deutscher Not" in die
unmittelbare Gegenwart einzumünden. Das Hauptgewicht
legt er dabei auf das innere Leben der Religion.
Er zeigt es auf in der Volksfrömmigkeit der Heliands-
j zeit, des Mittelalters und des Luthertums; er verfolgt
es in die Höhen der deutschen Mystik und der Welt-
l anschauung des deutschen Idealismus, deren religiöse
Grundlage und vergeistigende Rückwirkung auf den
deutschen Protestantismus stark betont wird; er erfaßt
es insonderheit in geschlossenen Persönlichkeiten, von
Gottschalk dem „deutschen Calvin" bis zu. Wichern
dem Symbol des neuen Christentums der Tat. Überall
steht dabei im Hintergrunde die Frage, inwiefern an
der aufgezeigten Entwicklung der deutsche Geist mitbeteiligt
ist und besondere Züge eines deutschen Christentums
sichtbar werden. Als für die religiöse Einstellung
der deutschen Seele bezeichnend wird hervorgehoben
das Ineinander von Innerlichkeit und stolzem
Kraftgefühl, von Freiheitsdrang und persönlicher Hingabe
und Gefolgschaftstreue. Diese Art habe sich deshalb
gesträubt gegen das streng asketische und streng
regulierte Mönchtum westlicher Prägung, das an Stelle
von Hingabe und Treue Gehorsam und Unterwerfung
setzte, habe lange Widerwillen gezeigt gegen die Scholastik
mit ihrer dialektischen Art, die von den ernstesten
und bedeutendsten Köpfen abgelehnt worden sei,
und in derselben Linie liege die langsame und zögernde
Übernahme der von westlichem Geiste gestalteten Gotik
. Von dieser Einstellung aus wird dann insonderheit
Luthers Glaube als deutsch-evangelischer Glaube, als
Vollendung des besten und tiefsten deutschen Wesens
zu begreifen versucht. Wie weit im deutschen Christentum
grade Deutsches Gestalt gewonnen hat, wie
weit dabei Deutsches als schöpferische Kraft oder mitschwingender
Ton in Betracht kommt, wird ja vielfach
nur gefühlsmäßig zu erfassen sein und deshalb wohl
nie einhellig beantwortet werden. Aber auf die Wichtigkeit
dieser Frage aufs neue hingewiesen zu haben,
ist auf alle Fälle ein Verdienst.

Tübingen. G. Anrieh.

Formoy, Beryi e. r., B. a. The Dotninican Order in England
betöre the Reformation. Studies in Church History. London:
S.p.CK. (156 S.)

Diese „kirchengeschichtliche Studie" über den Dominikanerorden
in England vor der Reformation bespricht
die Organisation des Ordens, den Tageslauf in den
Klöstern, die Beziehungen zu andern religiösen Organisationen
, die politische Tätigkeit, die wissenschaftliche
Arbeit der Dominikaner in England; zwei Schlußkapitel
behandeln noch den Orden der Dominikanerinnen und
speziell des Dominikanerinnenkloster in Dartford. Der
Hauptmangel des Buches ist, daß es keine Entwicklung,
keine Geschichte gibt, sondern eine Menge von Einzelheiten
, die aus allen möglichen Quellen zusammengetragen
sind. Es geht doch nicht an, Vorgänge, Bei-