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Ausgabe:

1926 Nr. 14

Spalte:

377

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stefansky, Georg

Titel/Untertitel:

Das hellenisch-deutsche Weltbild. Einleitung in die Lebensgeschichte Schellings 1926

Rezensent:

Kesseler, Kurt

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377

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 14.

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mit dem für die afrikanische Mission so verhängnisvollen
Burenkrieg am Anfang und dem für die ganze
Arbeit noch so viel verhängnisvolleren Weltkrieg und
seinen Folgen am Ende schildert Schomerus „die Eigenart
der Hermannsburger Mission", die als das Werk L.
Harms', des vorbildlichen lutherischen niedersächsischen
Bauernpastors, selbst — recht verstanden — eine „Bauern-
mission" ist und sein will, sucht in kurzen Strichen
„Luthers Erbe in der lutherischen Mission" aufzuzeigen
und gibt dann eine knappe Darstellung der Geschichte
der Sulu- und der Betschuanenmission, sowie der Mission
in Indien. Das Charakteristische wird jedesmal herausgearbeitet
. Wichtig ist vor allem natürlich die Darstellung
der gegenwärtigen Lage. Das Ganze gibt einen
deutlichen Eindruck von Hermannsburger Art.

Hannover. Fleisch.

Bergmann, Ernst: Einführung in die Philosophie. 1. Bd.:
Erkenntnisproblem. 2. Bd.: Wcltproblem. Breslau: F. Hirt 1926.
(128 u. 120 S.) 8°. = Jedermanns Bücherei. je Km. 3.50.
Das Buch setzt sich ein dreifaches Ziel: Bekanntmachung mit
•dem Geist der Philosophie, Orientierung über ihren Gegenstand, Anleitung
zum selbständigen philosophischen Denken. Es vereinigt also
das introduktive und enzyklopädische mit dem pädeutischen Moment.
Darüber hinaus will es das Philosophieren zum persönlichen Erlebnis
gestalten. Es will also kein bloßer „Bädeker der Philosophie" sein,
sondern die knappe Systematik einer eigenen Philosophie, und zwar
ist dies der Standpunkt des kritischen Realismus, der, ohne jemals
die Objektivität des Gebotenen zu mindern, doch als die Richtung erkennbar
ist, in welcher die Lösung erblickt wird. In der Tat dürfte
damit die richtige Mittellinie zwischen überredender Subjektivität
und der Farhlosigkeit erkünstelter Objektivität gefunden sein, wie man
sie für eine „Einleitung" wünschen muß, die mehr als bloße Propädeutik
für erste Anfänger sein will. Die musterhafte Klarheit und
Übersichtlichkeit der Anordnung wie des Stiles werden dem Buche
einen weiteren Leserkreis sichern.

Kiel. W. BruJin.

Stefansky, Georg: Das hellenisch-deutsche Weltbild. Einleitung
in die Lehensgeschichte Sendlings. Bonn: F. (lohen
1925. (226 S.) gr. 8°. Rm. 6.50; geb. 8.50.

Der Verfasser, dem der noch ungedruckte Nachlaß Schellmga /ur
Verfügung gestanden hat, will eine Analyse der Weltanschauung
Schellings bieten, indem er seine Gedankenwelt als Ergebnis der Gemeinschaft
begreift, der natürlichen Gemeinschaft als Grundlage
seines Schaffens und der gesellschaftlichen als lebendigen Antriebs
dieses Schaffens. So wird das schwer verständliche und wenig
durchsichtige Buch zu einer Enfwicklungsgeschichte des deutschen
Idealismus, der deutschen Bewegung, wie Stefansky sagt.

Die rationale Weltanschauung Kants, die das Sein und das
Allgemeine zum Gegenstand hat, wird mehr und mehr abgelöst durch
eine neue irrationale Weltanschauung, die auf die Bewegung und das
Individuelle blickt; an die Stelle der Naturphilosophie tritt damit
die Geschichtsphilosophie, in deren Mittelpunkt der Mikrokosmos des
Individuums steht, wie es besonders der Romantiker Schleiermacher,
in anderer Weise auch Fichte herausgearbeitet hat.

Die Wortführer dieser neuen Richtung — sie führt über
Winkelmann, Lessing, Herder zu Fichte und Sendling sind Ostdeutsche
. Auf ihrem Heimatboden als der naturgegebenen Grundlage
erwächst unter der Befruchtung durch die geistige Bewegimg der
idealistische Zeitgeist, der den Schwaben Sendling ergreift und bei
ihm unter dem Einfluß des eigentümlich schwäbischen Wesens eine
ausgesprochen religiöse Ausprägung erhält.

Dies geistesgeschichtliche Buch wird für den Theologen besonders
interessant, weil es ohne direkte religiöse oder theologische
Abzweckung die starken religiösen Impulse aufdeckt, die sich innerhalb
der idealistischen Bewegung durchsetzen. Gerade in einer Zeit, die
dazu neigt, den Idealismus möglichst weit von der Religion zu entfernen
und zu ihr in Gegensatz zu setzen, kann dieses Buch zeigen,
daß die religiösen Tiefen des deutschen Idealismus keineswegs ausgeschöpft
sind.

Düsseldorf. Kurt K e s s e I e r.

Möhl ig, Karl: Strindbergs Weltanschauung. 1. Bd.: Strind-
berg u. d. Katholizismus. Mit e. Titelbild. 1.—4. Tsd. Elberfeld:
Bergland-Verl. 1923. (XV, 320 S.) 8°. Rm. 3—.

Nach dem Vf. geben drei Weltanschauungen der Kultur des
heutigen Abendlandes das Gepräge: der positivistische Evolutionismus,
der dogmatische Katholizismus und ein theosophisch gefärbter Buddhis-
"nus. In der Auseinandersetzung mit diesen drei Geistesmächten will
M. seinen Helden zeigen. Der erste vorliegende Band ist dem

Problem „Strindberg und der Katholizismus" gewidmet. In welcher
Weise der Verf. seine Aufgabe erfaßt, wird schon aus der Einteilung
seines Buches ersichtlich. Der 1. Teil (S. 7—67) behandelt Strindbergs
Verhältnis zur katholischen Kulfurwelt, wobei des Dichters katho-
lisicrende Stimmungen und Äußerungen sowie die inneren Entsprechungen
zwischen diesem und dem Katholizismus zur Sprache
kommen. Im zweiten umfänglichsten Teil (S. 71—280) werden unter
dem Titel „Str.'s Stellung zu den Dogmen" in drei Abschnitten „die
metaphysischen Grundprobleme", „das religiöse Problem" und „Str.'s
Stellung zu einzelnen Lehren des Katholizismus" untersucht. Ein kurzer
3. Teil (S. 283—306) legt Str.'s Stellung zum Klerus und zum
Ordenswesen dar. Den Schluß bildet ein synthetischer Versuch. Die
Untersuchung wird an der Hand der Werke Str.'s geführt; nach der
Gesamtanlage konnte der reiche beigebrachte Stoff nur so geordnet
werden, daß die Epochen der Entwicklung des Dichters nicht nur
in jedem Teil und Abschnitt, sondern auch in jedem Kapitel neu durchlaufen
werden.

Der Verf., der eine systematische Darstellung der Ideen anstrebt
und die Verbindung dieser mit einer Biographie des Dichters abweilst,
hat selbst das Gefühl, daß durch seine Methode „die beim Dichter
zerstreut liegenden Gedanken in eine etwas starre Form gebracht
werden" (Vorw. XIII). Als aufmerksamer Beobachter und verständiger
Beurteiler der leicht übersehenen katholisiercndcn Neigungen
Str.'s hat der Verf. trotzdem sein Verdienst. Denn bei seinem bis in
die Nachkriegsjahre steigenden Einfluß ist Str. für die Entstehung
der katholisicrenden Zeitstimmung von Gewicht. Und nichts einzuwenden
ist bei sinngemäßer Handhabung gegen das Verfahren, daß
M. die dichterischen Aeußerungen unmittelbar für seine Beweisführung
heranzieht, Wenn gleich selbst bei einem so subjektiven Dichter die
von ihm geschaffenen Gestalten, soweit sie wirklich ausgestaltet sind,
notwendig Eigenleben erhalten, so tragen sie doch bei Str. häufig nur
die Maske ihres Schöpfers. M. verkennt auch nicht, daß dieser nur
für einen idealen Katholizismus in Beschlag genommenen werden
kann, nicht für den empirischen. Das ergibt sich schon aus dem
buddhistisch-okkultistischen Einschlag, der bereits hier mitberück-
siehtigt werden muß. Aber der Verf. fragt sich nicht, ob dann nicht
richtiger von Str.'s Stellung zum Christentum die Rede gewesen
wäre. Das Wesen des ev. Christentums hat dieser nie begriffen;
aber katholisch war sein Lebensgefühl in keinem Lebensstadium,
seinem vertrauten Freunde Schleich erschien er zwar als mittelalterlich
, aber als „kerndeutsch protestantisch" (S. 216). So entsteht die
Merkwürdigkeit, daß dieser Anbeter des Weibes, der von drei
Krauen geschiedene Str. mit seinen Aussprüchen über die Ehe in dem
Kapitel von den Sakramenten figuriert. Und dabei ist die Ehe das
einzige Sakrament, über das bestimmte Aussagen Str.'s angeführt
werden können. Das ist die Folge der Lokalmethode, die an der
älteren Dogmengeschichte ihr Vorbild hat. M. zieht nicht in Betracht,
daß es sich bei Str. im Grunde um den Vulgärkathoüzismus der natürlichen
Religion handelt. Immerhin aber ist sein Buch ein Beitrag zur
Leidensgeschichte der modernen Psyche und zum Verständnis ihrer
religiösen Sehnsucht.

Marburg (Lahn). Rudolf Günther.

Stammler, Rudolf: Rechtsphilosophische Abhandlungen und
Vorträge. 1. Bd.: 1888 1913. Charlottenbuig: Pari Verlag R.
Heise 1925. (XI, 459 S.) 4°. Rm. 13—; geb. 20—.

Das Buch enthält in bunter Folge eine Reihe von Reden und
Aufsätzen des Verfassers aus 25 Jahren. Darunter sind Arbeiten,
die nur den Juristen interessieren werden, wie die Aufsätze über die
ungerechtfertigte Bereicherung nach dem bürgerlichen Gesetzbuch oder
über die grundsätzlichen Aufgaben des Juristen in Verwaltung und
Rechtsprechung. Daneben stehen Aufsätze von allgemeinem philosophischem
Interesse. Besonders zu erwähnen ist Stammlers Aliseinandersetzung
mit Tönnies' Theorie von Gemeinschaft und Gesellschaft, die
in jener vollkommene Einheit menschlicher Willen in Volk, Gemeinwesen
und Kirche, in dieser einen Kreis von Menschen sieht, die
zwar friedlich nebeneinander leben und wohnen, aber nicht wesentlich
verbunden, sondern wesentlich getrennt sind (Gesellschaft schlechthin,
Staat, Gelehrtenrepublik). Zu den philosophisch besonders beachtenswerten
Aufsätzen gehört auch die Rede über die Bedeutung des deutschen
bürgerlichen Gesetzbuches für den Fortschritt der Kultur, die in
dem in Rede stehenden Gesetzbuch ein sichtbares Zeugnis dafür sieht,
wie in aller Menschensatzung sich Sinn und Sehnen nach dem Richtigen
birgt. Für den Theologen sind einige Betrachtungen besonders
beachtenswert, die unter ethischem oder geschichtsphilosophischem Gesichtspunkt
stehen. Die Abhandlung über die Theorie des Anarchismus
begründet den Rechtszwang damit, daß „er allein die Möglichkeit der
allgemein gültigen, weil allgemein menschlichen Organisation bietet".
In den Abschnitten über Wesen des Rechts und der Rechtswissenschaft
ist die kritische Auseinandersetzung mit der materialistischen
Geschichtsauffassung beachtenswert; das Referat über das bürgerliche
Gesetzbuch und die innere Mission zeigt, wie beide in dem Dienst der
Vcrsittlichung des Gemeinwesens stehen, jenes durch das Ideal des
richtigen Verhaltens im Zusammenleben der Menschen, diese durch da«
Prinzip der dienenden Liebe