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1926 Nr. 1

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8

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Studia Orientalia I 1926

Rezensent:

Galling, Kurt

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 1.

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Persönlichkeiten unter ihnen Bewunderung erregt hätte
(S. 12), daß auch auf protestantischer Seite Freunde der
bischöflichen Verfassung sich regen (S. 13 f.), daß
auch Auguste S a b a t i e r meinte, dem Protestantismus
bliebe nur die Wahl zwischen einer Rückkehr zum
Katholizismus, oder offenem Jasagen zu der „Religion
des Geistes", wie er sie verstand (S. 14), und daß auch
„Calvinisten aus Holland und Lutheraner aus Deutschland
oder Schweden, wie zahlreiche Anglikaner" die
Exercitien des Ignatius durchgemacht hätten, ohne bestätigt
zu finden, was certains romanciers de l'histoire
ihnen nachsagen (S. 29). Was nützen diese — überdies
nur bei A. Sabatier nachgewiesenen, zumeist also in
ihrem Wert unkontrollierbaren — Zeugnisse der in der
Regel doch so gänzlich von allem rechten Verständnis
verlassenen Protestanten? Ist da im „Unbewußten" doch
ein Gefühl für die Überlegenheit der protestantischen
Kultur mit im Spiele?1

Halle a. S. Friedrich Loofs.

1) Von A. v. Harnack heißt es: Le professcur Harnack, peu
satisfait des sentences portees sur plusieurs de ses plus oberes
iheories evolutives, avouait pourtant l'extraordinaire impor-
tance religieuse de ces sentences, la plus considerable
en matiere proprement religieuse depuis la reforme,
ecrivait-il S. i'2; die Sperrungen rühren von mir her). Wo hat
Harnack so geschrieben? Ich weiß es nicht und bezweifle, ehe
die Stelle nicht nachgewiesen wird, die Richtigkeit, zum mindesten die
Vollständigkeit des Referats. Harnack hat freilich (Internationale
Wochenschrift vom 29. II. 1903 = „Aus Wissenschaft und Leben" I,
1911, S.2571.) anerkannt, daß die Enzyklika „Pascendi" die Qlaubens-
und Weltanschauungsflage, nicht aber die Frage des Papsttums in den
Mittelpunkt stelle. Das sei ein Fortschritt gegenüber dem, was wir
von Rom zu holen gewohnt sind. Aber er sagt in demselben Artikel:
„Die Enzyklika wirft nicht nur der ganzen modernen Wissenschaft
den Fehdehandschuh hin, sondern sie ist sittlich minderwertig, weil
sie tödliche Streiche gegen den Wahrheitssinn zu führen sucht,
wie er sich immer sicherer entwickelt hat....; sie ist der Ausfluß
eines Geistes, der sich gegen das intellektuelle und Göttliche Gewissen
, welches wir erworben haben, verhärtet hat" (a. a. O. 257).
Dies zuverlässige Zitat klingt so sehr anders, als das, was d'Hcrbigny
dem auch auf katholischem Gebiete allbekannten Gelehrten nachsagt
, daß zum mindesten die Unvollständigkeit des obigen Referats
der Unwahrhaftigkeit sehr nahe kommt. Paßt das dazu, daß d'Hcrbigny
dem „jesuitisme" nachrühmt: il exerce methodaitiement
l'attention et la volonte ä irejeter lc peche et l'egoisme" (S. 28)?

Ohasama, Prof. Schüej: Zen. Der lebendige Buddhismus in
Japan. Ausgewählte Stücke des Zen-Textes übers, u. eingel. Hrsg.
v. August Faust, mit Geleitwort v. Rudolf Otto. Gotha: F. A.
Perthes 1925. (XIX, 197 S.) 8°. geb. Rm. 5—.

Dies Buch ist vom Verlag offenbar als Gegenstück
zu H. Hackmanns „Laien-Buddhismus in China" gedacht
, das in Th. Lztg. 50. Jahrg., Sp. 318 f. kurz angezeigt
wurde. R. Otto, dessen Urteil hier mehr wert
ist, als meins sein könnte, nennt in seinem Geleitwort
unser Buch „ein Selbstzeugnis allerersten Ranges". „Hier
spricht einer, der in langer Erfahrung und Schulung, zugleich
ausgestattet mit den Mitteln westlichen Denkens,
den Geist seiner Schule erfaßt und besitzt, und der es
versteht, diese fast unfaßliche Erfahrens- und Erlebenswelt
uns näher zu bringen. . . Die Züge . . . der mystischen
Einheitsschau . . . wird man . . . ganz besonders
eindrücklich wiederfinden . .. Alles was ist, ist nur im
Geiste und durch den Geist... Alles ist eins mit allem,
und alles ist das eine ,Buddhaherz'. Im Kleinsten lebt
das Größte". Dem aus China entlehnten Namen Zen
liegt Skr. d h y ä n a = Päli j h ä n a zu Grunde. Er bedeutet
die Versenkung. R. Kita, Tokyo, sagt in seinem
Artikel „Über die japanische Mystik" in Zschr. für
Buddh. V, 157: „In Japan sind zwölf Sekten des
Buddhismus zur Geltung gekommen, darunter haben die
Shingon-Sekte und drei Sekten des Zennismus mystischen
Einschlag aufzuweisen. Unter ihnen hat der
Zennismus, obwohl seine Anhängerschaft zahlenmäßig
sehr gering ist . . ., in der Vergangenheit eine besondere
kulturelle Bedeutung gehabt" . . . Seine „Eigentümlichkeit
besteht darin, daß er erstens die Kontemplation
ganz methodisch entwickelt hat, daß er zweitens" sie..
„als Mittel zum Zwecke, nämlich des religiösen Erlebens
, betrachtet, und daß er endlich die Kontempl. mit
der Aktivität auf eigentümliche Weise vereinigt." Er
„knüpft an an den indischen Lehrer Bodhidharma, der nach
China ausgewandert, hier eine neue große Schule gründete
, die dann nach Japan übergriff" (R.Otto im Geleitwort
). In manchen Beziehungen freilich ist im Zen
der Buddhismus kaum wiederzuerkennen. Es ist eine
Art Pantheismus daraus geworden, und auch im Einzelnen
finden sich Entartungen. Aber natürlich hat auch
diese Eigenentwicklung ihre religionsgeschichtliche Bedeutung
.

Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Studia Orientalia I. Helsingfors: Druckerei der Finnischen Litteratur-
gesellscliaft 1925. (V, 396 S. m. e. Bildnis ti. Abb.) 4°. im Societas
Orientalis Fennica.

Kollegen, Schüler und Freunde haben dem sechzigjährigen
Jubilar Knut Tallquist, dem Förderer
orientalischer Wissenschaft an der finnischen Landesuniversität
, mit den vorliegenden Studien eine Festgabe
überreicht, die nicht nur als ein Zeichen des kulturellen
Bandes zwischen Finnland und Deutschland (von
32 Aufsätzen sind 3 engl., 1 franz., die übrigen deutsch
geschrieben), sondern auch durch das Gebotene selbst
unser Interesse verdient.

Für die Leser der Th. L. Z. erscheint eine Charakterisierung
der zum A. und N.T. in Beziehung
stehenden Aufsätze wichtiger, als die raumverschwendende
Aufzählung von 32 Namen und Titeln. G u 1 i n
verfolgt den Terminus von der Nachfolge Gottes durch
Babylonien, Griechenland und die Bibel. Die Kürze
läßt den Beweis für Manches vermissen; mit Recht
wird auf die ethische Einstellung des Begriffes im Dtn.
und bei Jer. hingewiesen. Gyllenberg zeigt, daß
die Vorstellung von Gott, dem Vater im A. und N. T.
nicht einseitig auf Barmherzigkeil und Liebe zielt, sondern
auch den Gedanken an eine Macht in-sich-schlicßt,
die Ehrfurcht und Unterwerfung fordert. H j e 11 wendet
sich gegen Mowinckels Deutung von 'äwen als
Zauberei. Itkonen bietet beachtliche, wenn auch
kühne Textkonjekturen zu Ps. 12 und 36, nach denen
hier Edom und Moab auftauchen. Jensen findet in
israelitischen und griechischen Sagen und einem finnischen
Märchen eine Wiederspiegelung des Gilgamesch-
epos. Die Kombinationen sind nicht immer einleuchtend
und oft sehr gewaltsam. Lindblom sieht im
altchristlichen Gebetsritus der seitwärts ausgestreckten
Arme einen Tivcog aravoov, von dem die altchristlichen
Väter und die Papyri (neustens Pap. Bell) reden.
P u u k k o vergleicht die altassyrischen und hethitischeii
Gesetze mit denen des A. T., erfreulicherweise kommentiert
und stets in größeren Zusammenhang gestellt.
S a a r i s a 1 o - Jerusalem lokalisiert das Gibeon Sauls
auf dem 'en-nebi-Sainwil und setzt den Scopus mit
dem Mizpa gleich. Im ersten Punkt stimmt er mit
Brunos Hypothese überein.

Neben diesen, den Theologen besonders interessierenden
Aufsätzen stehen andere, linguistische und
archäologische, von nicht geringerem Wert, sodaß man
die in dem Titel liegende Ankündigung von einer Fortsetzung
der Studia Orientalia mit großer Freude
begrüßt.

Berlin._Kurt O a 11 i n g.

Longo, Teodora: I libri storici dell' Antico Testamente

Torre Pcllice: Libreria „La Lucc" 1924. (173 S.) kl. 8°.
Comba, Ernesto: I libri dei Profeti d'Israele. Ebd. 1924.
(145 S.) kl. 8°.

Ders.: I libri poetici dell' Antico Testamento. I libri deuterocanonici
o Apocrifi. II Canone cd il Tcsto dcll'Antico Testamento.
Ebd. 1924. (123 S.) kl. 8°. = Storia Letteraria della Biblin
Vol. 1-3. je L. 4-'.

Die drei zusammengehörenden Bände entsprechen
dem, was bei uns die Lehrbücher der Einleitung in das
A. T. bieten: spezielle Einleitung, d. h. Analyse und Charakterisierung
der einzelnen Bücher, und allgemeine
Einleitung, d. h. Ausführungen über Kanon, Text und
Übersetzungen des A.T. Dabei werden nicht nur die