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Ausgabe:

1926 Nr. 7

Spalte:

185

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bilabel, Friedrich

Titel/Untertitel:

Ein koptisches Fragment über die Begründer des Manichäismus 1926

Rezensent:

Duensing, Hugo

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185

Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 7.

186

weisen, tu dem Nazareth-Problem auf Oreßmann in der Zeitschrift
für Kirchengeschichtc 1922, 166, zu dem Joscphuszeugnis auf die
Rekonstruktion von Eisler (auf dem Erlanger Philologentag 1925),
über die Lehmann-Haupt in einer Reihe von Artikeln der Frankfurter
Zeitung (1925, letztes Vierteljahr) berichtet hat, zu den Acta Pilati
und dem Weissagungsbeweis auf meinen Aufsatz in der Festschrift für
Baudissin, /u Phil. 2 auf W. W. Jager im Hermes 1915, zur evangelischen
Tradition auf K. L. Schmidts Arbeit im Euchar sterion für
Dunkel II, vor allem aber zu Apc. 12 auf Balls Buch über die Offenbarung
Johannis.

Heidelberg Martin Dibelius.

Bilabel, Friedrich: Ein koptisches Fragment über die Begründer
des Manichäismus. Heidelberg: C. Winters Univbuchh.
1924. (16. S.) gr. 8°. = Veröffentlichungen aus d. bad. Papyrus-
Sammlungen, Heft 3. Rm- J—•
Im Gegensatz zu dem Herausgeber bin ich der Ansicht
, daß seine Fragmente nicht etwa einer für uns
neuen Schrift contra Manichaeos entstammen, sondern
vielmehr nichts sind wie eine glossierte Rezension des
Stückes VI, 22 Ende bis 24 aus Cyrills Katechesen.
Fragment I r. Kol. I Z. 1 ist die Ergänzung (iv9trjQiov
richtig; in Zeile 2 ist tatsächlich T und statt P vielmehr
0 zu lesen. Davor ist '/ und davor MEz u. s. w- zu ergänzen
. Z. 4 ist in BH natürlich nicht die Thebais, sondern
BrjOavQOV zu suchen. MvarrjQiwr und BrjaavQog
sind zwei von den vier Büchern der Manichäer welche
Cyrill Kap. 22 aufzählt, und der koptische Text entspricht
genau den Worten MvohjqIüiv: xut rerctQTrjv, rjv vir» jceyi-
ipiQouut, BrfScevQÖr. lfMMA V Z. 7 ist falsch ergänzt,
es steht für tovzov. Es geht nämlich hinter BijaavQov
weiter: Mafhrtiß ü t}» roitov TtQißiv&og ovöfiavi. Kol-II
Z. 16 sind die Worte „welcher die Sonne ist" eine Glosse,
wie sie der Herausgeber auch zu I v. II Z. 6 als außerhalb
des Textes stehend vermutet. I v. Kl. I Z. 7 ist
ytvöiievog d-eönXrpaoi vom Kopten wiedergegeben durch:
Gott schlug ihn. Es ist nicht „zerschlagen" zu übersetzen;
xat »Mtaßi^iteie ürth rov dwf.iarog, tgexpvgt fährt der
Grieche fort- Das letzte Wort hat der Kopte entstellt gelesen
, sodaß er „vertrocknet" dafür setzen konnte- x«/.
othrtog l'ity.iucit ro di^lov deinegov, sagt Cyrill mit geistreicher
Anspielung auf Apoz. 13, 11, wie Dibelius gesehen
hat. 1 v. II, 1 sind wir bei dem Wort UtQtiüv in Kap. 24.
Mit dem Zeilenende fehlt die Übersetzung des Wörtchens
wft Z. 2 hat viov erhalten. Z. 4 enthält das xaxw,
welches zu ßilog gehört- Z. 5 Rest wie von avd-Qumö-
upog Z. 6 o[xaxöt,-] aUxfatjC, Z. 7 Kovßqtxjos, Z. 8 tlg
ufoov <ii/.<)OMpwv. Z. 9 erkennt man die Auflösung des
Gen. absol. tekewrjOaays durch „als". „Die Witwe" ist
in Z. 10 richtig ergänzt. Auf Frg. II v erkennt man Z- 13
rivoua, z. 14 Rest von tijg dovkelag. Es hat keinen Wert,
die Darlegungen des Verfassers nach diesen Feststellungen
im Einzelnen zu korrigieren: büßt doch die Publikation

erheblich an Interesse ein.

Dassensen, Kr. Einbeck. Hugo Duensing.

Stuhlfauth, Georg: Der christliche Kirchenbau des Abendlandes
. Eine Obersicht seiner Entwicklung. Mit 23 Abb. u. 8
Grundrissen. Berlin: Furche-Kunstverlag 11924]. (33 u. 22 S.)
gr. 8°. = Schöpfung, hrsg. v. Oskar Beyer, Bd. 1. Rm. 3.80.
Dieser Überblick über den Kirchenbau des Abendlandes
von Anfang bis zur Gegenwart geht mit vollem
Rechte von dem Grundsatz aus, daß es zum Verständnis
des Kirchengebäudes nicht genüge, es unter dem Gesichtspunkte
der äußeren Formgeschichte zu betrachten,
so großartige Leistungen diese Betrachtungsweise hervorgebracht
haben und so viel sie auch zum Verständnis
beitragen möge. Wolle man es in seinem innersten
Wesen erfassen, so müsse man von seinem Charakter
als Kultgebäude ausgehen, damit werde es nach seinem
innersten Wollen verstanden. Der Herr Verf. führt diese
Betrachtungsweise durch, indem er die altchristliche
Basilika als Bischofskirche, die mittelalterliche Basilika
mit ihren Fortbildungen als Altarkirche, die protestantische
Kirche als Predigtkirche charakterisiert. Er verhehlt
sich natürlich nicht, daß diese Stichworte eben nur
das wichtigste Charakteristikum bezeichnen können und
daß noch sehr vieles Andere nötig ist, um die Beziehungen
zwischen Kultus und Kirchengebäude klarzustellen
. Aber in der straffen Durchführung der zugrunde
liegenden Gedanken liegt gewiß etwas Förderndes, und
die Ztirückführung der Entwicklung auf wenige markante
Linien hat es nicht verhindert, den ganzen großen Reichtum
der Entfaltung zur Anschauung zu bringen. Insbesondere
möchte ich es rühmend hervorheben, daß auch
der große Reichtum des protestantischen Kirchenbaus
mit seiner großen Fülle schöpferischer Gedanken und
schöpferischen Lebens zu seinem Rechte kommt; ich
verstehe den Obcrtitel der Sammlung, als deren erster
j Band das vorliegende Heft erscheint, „Schöpfung, Bei
! träge zu einer Weltgeschichte religiöser Kunst" gerade
i von dieser Seite her. Doch ist vieles nur mehr ange-
| deutet, als ausgeführt, und es wäre zu wünschen, daß der
Herr Verf. seiner Skizze eine ausführlichere Darstellung
folgen ließe.

Die, leider nicht sehr zahlreichen, aber gut ausge-
| wählten und gut ausgeführten Abbildungen sind bedauer-
' licherweise nur mangelhaft mit dem Texte in Verbindung
gesetzt.

Den Ausführungen des Buches liegt ein Vortrag
zugrunde, den der Verfasser am 31. Januar 1924 auf der
Tagung des „Vereins für religiöse Kunst in der Evangelischen
Kirche" in Berlin gehalten hat.

Kiel. G. Ficker.

Dörries, Priv.-Doz. Lic. Hermann: Zur Geschichte der Mystik.

Erigena und der Neuplatonismiis. Tübingen: J.C.B. Mohr 1925.
(IV, 122 S.) gr. 8°. Rm. 4.80.

Die vorliegende sorgfältige und scharfsinnige, mitunter
etwas wortreiche Untersuchung erfreut uns mit
einer Vergleichung des Systems des Neuplatonismus
und des Erigenas. Die Vergleichung wird durchgeführt
unter den Titeln: Gotteslehre, Kosmologie, Materie
und Böses, Stellung und Ausstattung des Menschen,
Ethik, Religiöse Ziele. Eine vergleichende Charakteristik
am Schluß faßt zusammen und weist auf die Verwandtschaft
der Mystik Erigenas mit der Mystik der
Renaissancezeit hin, auch auf die Momente in seinem
Denken, die über seine Zeit hinauswiesen und ihn seiner
Zeit nicht verständlich machten. Das Anziehendste an
der sehr gut und flüssig geschriebenen Schrift — die
Korrektur könnte etwas besser gelesen sein: esotherisch
S. 78 und 82; Heam. statt Amm. S. 114, Z. 3 v. u.:
S. 51 oben muß ein Satz ausgefallen sein; u. a. — sind
mir die Teile gewesen, in denen der Verf. Erigenas
eigene Gedanken herausarbeitet, die ihn von dem genuinen
(und auch abgeleiteten) Neuplatonismus unterscheiden
. Sie sind so bedeutend, daß das Urteil gerechtfertigt
erscheint (S. 109), daß man von einem Neuplatonismus
Erigenas nur mit starker Einschränkung reden
kann. In der umsichtigen Begründung dieser These
scheint mir vor allem das Fördernde dieser Arbeit zu
liegen. Auf das Einzelne will ich nicht eingehen; aber
doch noch hervorheben, daß der Verf. es immer verstanden
hat, das Einzelne in dem Zusammenhang mit
dem Ganzen erscheinen zu lassen, und meiner Freude
Ausdruck geben, daß ein junger Theologe sich in so
trefflicher Weise mit einem Stoffe aus der Geschichte
der mittelalterlichen Philosophie und Theologie beschäftigt
hat. Denn es ist ein dringendes Bedürfnis, daß
protestantische Theologen sich mehr als bisher eingehend
mit der Theologie des Mittelalters beschäftigen.
Kiel O. Ficker.

Oakley, Prof. Thomas Pollock, Ph. D.: English penitential
diseipline and Anglo-Saxon law in their joint influence.

New York: Longmans, Green & Co. 1923. (226 S.) 8°. = Sttidies
in History, Economics and Public Law. CVI1, 2.

Daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika in
besseren Verhältnissen sind, als unser armes Volk, zeigt