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Ausgabe:

1925 Nr. 7

Spalte:

147

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sommer, Ferdinand

Titel/Untertitel:

Das hethitische Ritual des Papanikri von Komana 1925

Rezensent:

Meissner, Bruno

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Seite 1

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147 Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 7. 148

1) Sommer, Ferdinand, u. Hans Ehelolf: Das hethitische
Ritual des Papanikri von Komana (K Bo V 1=Bo 2001).
Text, Übersetzungsversuch, Erläuterungen. Leipzig: J. C. Hinrichs
1924. (VIII, 100 S. u. 13* S. Text und Übersetzungsversuch. 4°. =
Bogha/köi-Studicn, hrsg. v. Otto Weber, 10. Heft. Gm. 10.20.

2) Witzel, P. Maurus, O. F.M.: Hethitische Keilschrift-Urkunden
in Transcription und Übersetzung mit Kommentar. 1. Lfg.: Die
Texte. Fulda: Verlag d. Verfassers 1924. Für den Buchhandel
zu beziehen durch die Fuldaer Aktiendruckerei, Fulda. (XV, 176S.
m. 1 grammatikal. Tabelle.) gr. 8°. = Keilinschriftl. Studien,
Heft 4. Om. 10--.

1. In dem 10. Hefte der Boghazköi-Studien haben
Sommer und Ehelolf sich an die Interpretation eines
recht schwierigen Rituals gemacht; es wird in ihm behandelt
die Reinigung einer Frau, die im Zustande des
Kreissens sich in einem Gebärstuhle befand, dort aber
mit diesem Instrumente zusammengebrochen ist und sich
dadurch verunreinigt hat. Nun müssen mit ihr und dem
neugeborenen Kinde allerlei Zeremonien vorgenommen
und viele Opfer dargebracht werden, bis sie die kultische
Reinigung wiedererlangt hat. Im einzelnen ist in dem
Texte noch mancherlei unklar, weil uns der spezielle
Sinn mancher technischen Ausdrücke noch entgeht
, aber die Bearbeiter haben alles getan, was in
ihren Kräften stand, der vorhandenen Schwierigkeiten

zu bieten. Die Dialekte der Targume und des Palästinischen
Talmud und Midrasch stehen dabei im Vordergrunde
, aber auch das biblisch-aramäische Material wird
mitgeteilt. Für die erstgenannten Dialekte wird der
Stoff meiner „Grammatik des Jüdisch-palästinischen Aramäisch
", 2. Aufl. 1905, mit Ausschluß der Behandlung der
Nominalformen und aller Partikeln zu meinern Bedauern,
soviel ich sehen kann, in der Sache im Wesentlichen
unverändert, auch mit denselben Beispielen, entnommen,
sodaß das Verdienst des Verf. hauptsächlich in der
präzisen und genauen Fassung besteht. Er hat den Stoff
aber auch durch Hinzufügung genauerer Mitteilungen
über die supralineare Vokalisation und einer Reihe von
syntaktischen Beobachtungen dankenswert erweitert. Sie
beziehen sich auf den Gebrauch der Pronomina, der
emphatischen Form des Nomens, der Verbformen, der
Umschreibung der Verbums (mit Hilfe des Verbums
hawa) und der Suffixe. Die Beispiele sind dabei im
Interesse des Schülers ausschließlich meinen „Aramäischen
Dialektproben" entnommen, von denen der Verf.
beklagt, daß sie vergriffen seien. Hier darf nun erwähnt
werden, daß eine neue Ausgabe in Aussicht steht, welche
einigen für die Vergleichung der Evangelien wichtigen
Stoff hinzufügen soll. Daß vom Verf. die aramäischen

Herr zu werden, und haben in dem ausführlichen Korn- j Wörter und Formen durchweg (superlinear) vokali-

mentar viele wertvolle Beiträge zur hethitischen Grammatik
und Wörterbuch gegeben.

2. In der zweiten Publikation hat Witzel 12, teilweise
recht umfangreiche Texte übersetzt, allerdings
ohne Kommentar, der erst später nachfolgen soll. Die
Übersetzung der historischen und juristischen Inschriften
ist, besonders wo W. Vorgänger hatte, ja wohl im ganzen
ziemlich gut gelungen (S. 2, 22 u. ö. wird allerdings
doch wohl vom „oberen Lande" im Gegensatze zu dem
S. 8, 64 erwähnten „unteren Lande" die Rede sein; sodann
glaube ich nicht, daß S. 10, 6 u. ö. von der „Kavallerie
", sondern von den „Wagenkämpfern" die Rede
ist; vgl. S. 20, 23 u. a. m.), aber bei den nicht leicht zu
verstehenden Ritualen versagt W. doch oft bedenklich.
Wenn wir Nr. 10 bei ihm mit der Behandlung Sommer-
Ehelolfs (s. o.) vergleichen, so sehen wir, daß ihm der
Inhalt ganz entgangen ist; er glaubt nämlich, daß das
oben erwähnte Ritual für die im Gebärstuhl sitzende
Frau vielmehr eine „chettitische Analogie zum hebräischen
Sündenbock für Azazel" sei. Wir müssen gespannt
sein, wie W. seine Auffassung im Kommentar
rechtfertigen wird.

Berlin. Bruno Meissner.

Gadd, C. J., M. A.: A Sumerian readingbook. Oxford: Clarendon
Press 1924. (VII, 197 S.) 8°.

Das Buch verfolgt den Zweck, Anfänger in die
sumerische Sprache einzuführen. Darum hat der Verfasser
zuerst einen kurzen grammatischen Abriss des
Sumerischen gegeben, der die wichtigsten sprachlichen
Regeln zusammenfaßt. Der Schwerpunkt ist auf die
Chrestomathie gelegt, die eine Reihe interessanter historischer
, religiöser und juristischer Texte enthält. Nach
englischer Sitte ist auf die Gegenseite gleich die Umschrift
und Übersetzung gestellt, sodaß der Student sich
nicht anzustrengen braucht. Ein Glossar sammelt die
in den Inschriften vorkommenden sumerischen Wörter.
Im ganzen genommen ist das Werkchen recht praktisch
angelegt und wird seinen Zweck gewiß erfüllen. —
Hoffentlich stellt Herr G. nun bald auch noch ein
Assyrian Reading-Book zusammen.

Berlin. Bruno Meissner.

Stevenson, Wm. B., D. Litt.: Grammar of Palestinian Jewish

Aramalc. Oxford: Clarendon Press 1924. (96 S.) 8°.
Der Wunsch des Verfassers ist, Studierenden eine
möglichst kurz zusammengefaßte Grammatik des Palästinisch
-jüdischen Aramäisch in seinem vollen Umfang

siert sind, ist gerechtfertigt, weil der Studierende durch
die Grammatik lernen soll, die unvokalisierten Texte
richtig zu lesen. Mit ihm hin ich einig in der Ueber-
zetigung, daß nur gründliche grammatische Bildung zu
gründlichem Studium der jüdischen Texte befähigt. Es
wäre zu wünschen, daß auf diese Grammatik eine allseitige
Syntax des Dialektes von Talmud und Midrasch
folgen möge, die dann zuverlässige Vergleichung mit
dem Stil der Evangelien ermöglicht.
Grcifswald. G. Da hu an.

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft (Sitz: Frankfurt
a. M.) XVI. Frankfurt a. M.: (J. Kauffmann) 1924. (VIII,

323 u. 30 S.) gr. 8». geb. Gm. 12-.

Von dem vielseitigen Inhalt dieses Jahrbuches gelten
der jüdischen Geschichte die Aufsätze über den Mozenn-
Titel und das Großrabbinat in Frankreich (C h. Lauer),
die Juden in Proßnitz (B. Wach stein), die jüdischen
Studenten an der Universität Frankfurt a. d. Oder
(Lew in), das Wesen der Memorbücher der jüdischen
Gemeinden, welche das Gedächtnis an bedeutende Lehrer
und an Märtyrer aufrecht erhalten sollten (M. Weinberg
). Paul Borchardt versucht, auf Grund eigener
Kenntnis Mesopotamiens die Reisewege von Benjamin
von Tudela und Petachja aus Regensburg im 12.
Jahrhundert zu klären. Die talmudischen Bemerkungen
Ehrcntre u's gelten gelegentlich auch biblischen Texten
. Daß 5. M. 1,24 von den Kundschaftern bei dem
Tale Eschkol oder ragglt ausgesagt wird, soll andeuten,
daß sie das Land, das sie hätten rühmen sollen, verleumdeten
, und rechtfertigt die talmudische Sage (b.
Sot. 34a), daß Josua und Kaleb keine Früchte heimbrachten
, weil sie an dem bösen Rat der Früchteträger
nicht beteiligt sein wollten. Von allgemeiner Bedeutung
sind S t e i n's Vorträge über den sozialen Geist des
Judentums, der über die Schranken des Bekenntnisses
und der Rasse hinausgehe und die Erfüllung der messia-
nischen Hoffnung in der Einigung der Menschheit zu
sozialer Liebe sehe. A. Michalski gibt Beispiele für
den Einfluß des jüdischen Midrasch auf den Angelsachsen
Caeduron in seinem Exodus und auf Nicolaus
von Lyra im Richterbuch. Im hebräischen Anhang teilt
David Sassan aus der südarabischen Handschrift
eines Midraschkommentars aus dem 15. Jahrhundert
Fragmente von Midraschim mit, deren Lesarten oder
ganzer Inhalt sonst unbekannte Quellen vermuten lassen
und deshalb besondere Beachtung beanspruchen.
Greifswald. Q. Da Im an.