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Ausgabe:

1925

Spalte:

110-111

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cohn, Jonas

Titel/Untertitel:

Geschichte der Philosophie. Der deutsche Idealismus (Nachkantische Philosophie, erste Hälfte) 1925

Rezensent:

Thimme, Wilhelm

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Leuze, Oberbibl. Prof. Dr. Otto: Isnyer Reformations-Drucke.

Verzeichnis der in der Bibliothek der ev. Nikolauskirche in Isny
vorhandenen Drucke aus den Jahren 1518 bis 1529. Im Auftrag
des Kirchengemeinderats bearb. Isny im Allgäu: Selbstverlag des
ev. Kirchengemeinderats 1924. (VIII, 138 S. m. Abb.) gr. 8°.

Die Bibliothek der ev. Nikolauskirche in der ehemaligen
kleinen Reichsstadt Isny ist entstanden im Zusammenhang
mit der spätestens 1462 bei dieser Kirche
gestifteten Prädikatur oder Predigtpfründe. Seit mehr
als 400 Jahren, nachweislich seit 1482, in welchem
Jahre sie die erste ansehnliche Vermehrung erfuhr,
ist sie in demselben über der Sakristei gelegenen Raum
untergebracht. Die noch jetzt vorhandenen Regale stammen
aus dem letzten Viertel des 16. Jhrhs. Ungefähr
die eine Hälfte der Bibliothek enthält Theologie und
Kiichengeschichte, die andere Ausgaben der alten Klas-

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Ritter, A.: Kant der Retter der Menschheit. Berlin: Con-
cordia 1924. (60 S.) 8°. Om. 1—.

Eine Heilsbotschaft wird in diesem Büchlein verkündet
und Kant als ihr Vorläufer und Wegbereiter gefeiert
. Zu sagen, wer der Messias selbst ist, verbietet
dem Verf. seine Bescheidenheit.

Uns will scheinen, daß die Fundamente, auf denen
der Tempel errichtet ist, noch einmal überprüft werden
sollten. Anfechtbar ist zunächst die Anknüpfung
an Kant. Kant schränkt, was R. bei seiner Propagierung
einer Erfahrungsreligion nicht beachtet, den Bereich
des Erfahrbaren auf das durch äußere Sinne und
inneren Sinn Wahrnehmbare ein. Die Welt des Geistes,
die Sphäre des Apriorischen, ist für Kant nicht erfahrbar
. Nicht minder anfechtbar ist die Anknüpfung an
die Religionsgeschichte, bzw. Religionspsychologie. Es

siker, medizinische und naturvvissenschaftliche, profan- I ist keineswegs das Ergebnis "dieser empirischen Wissengeschichtliche
und juristische Literatur. Wahrend die
etwa SO Handschriften, größtenteils aus dem 15. Jhrh.,
noch der Katalogisierung harren, ist 1916 ein Verzeichnis
der über 170 Wiegendrucke, 1921 ein solches der
etwas über 100 Altdrucke aus der Zeit von 1501 — 1517
gedruckt worden. Daran reiht sich jetzt das gleichfalls
von Otto Leuze bearbeitete Verzeichnis der Druckschriften
(340 in 122 Bänden, darunter viele von
Erasmus, Luther, Melanchthon, Ökolampad, Zwingli)
aus der Zeit von 1518—1529.

Die von der Kommission zur Erforschung der Geschichte
der Reformation und Gegenreformation Karl
Schottenloher übertragene Bibliographie wird noch eine
Weile auf sich warten lassen. Das vorliegende Verzeichnis
ist eine sehr wertvolle Vorarbeit. Schottenloher
ist mit der Bestimmung mehrerer „heimatloser"
Drucke bezw. Bestätigung solcher Zuweisungen bereits
mit beteiligt. Das Verzeichnis ist als schlechterdings
mustergültig zu bezeichnen. Es ist alphabetisch nach
den Namen der Verfasser bezw. den Titeln geordnet.
Jedem Verfassernamen sind ein paar biographische Daten
beigegeben. Die Drucke sind nur in den Fällen, wo es
nötig schien, bis ins Einzelne bibliographisch genau,
immer aber so beschrieben, daß eine Verwechselung ausgeschlossen
ist. Auf die Bibliographieen und die einschlägige
Literatur wird verwiesen. Den Titelbordüren,
Initialen, Drucker- und Verlegerzeichen und Illustrationen
wird die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt.
Widmungen, Vorbesitzer, Einträge über Gestehungs-
preise usw. werden angeführt. Am Schluß werden die
Drucke nach Druckorten und Druckern und den Erscheinungsjahren
zusammengestellt. Es folgen noch:
Verleger-, Künstler-, Vorbesitzerverzeichnis, ein Verzeichnis
der Rariora bzw. Rarissima und ein Standortkatalog
. So ist der Stoff nach allen Seiten hin gründlichst
und sorgfältigst verarbeitet worden.

Nr. 39 fehlt auch bei F. W. E. Roth, Die Buchdruckereien zu
Worms a. Rh. (1892), S. 9 ff. Nr. 49 zum Vorbesitzer Salandronius
Mitteilungen der Oeselisch, f. deutsche Erziehungs- und Schulgcsch.

13, 109—111. Nr. 55 „fortasse Haganoae excusus" C R. 1, 286.
Nr. 100 W. A. 18, 216 unten. Nr. 134 Beitr. z. sächs. Kirchengesch.

14, 226. Nr. 306 ThStKr. 1921, 287. Nr. 316 und 17 sind W. A.
10» 313, 3 nicht unterschieden. Die beiden Drucke Nr. 277 u. 278
sind erst von 1533.

Zwickau i. S. O. Giemen.

Kuno Fischers Geschichte der neueren Philosophie im

Urteil der Jahrzehnte 1852—1924. Zum 100. Geburtstag am
23. Juli 1924. Heidelberg: Carl Winter 1924. (84 S.) 8°. Om. 1—.
Dieses Machwerk eines ungenannten Kompilators ist der Besprechung
in einer wissenschaftlichen Zeitschrift nicht würdig. Die
Darbietung ist keine wissenschaftliche Beleuchtung der Kuno Fischer-
Wertung verschiedener Jahrzehnte und verschiedener Schulen, sondern
eine zu Reklamezwecken dienende Zusammenstellung günstiger Rezensionen
, meist in Auswahl der behendsten Stellen, der Werke
Fischers. Von seinen Schwächen und Einseitigkeiten, von den
mancherlei kritischen Aussagen über sein Werk hört man nichts.
Minden '• w- Kurt Kesseler.

schaffen, daß die Identitätsmystik, wie sie etwa in der
brahmanischen Brahman - Atinan - Lehre vorliegt, Höhepunkt
und Ziel der Religionsentwicklung sei.

Doch lassen wir das und fassen die Grundthese
ins Auge. Die monistische und dualistische Deutung des
Menschenwesens, heißt es, versagen, der Mensch besteht
vielmehr aus Leib, Leben (= Seele) und Geist.
Das Leben gestaltet sich individuell, der Geist dagegen
ist unpersönlich, Ichbewußtsein ( = individualisierter
Geist) folglich eine Illusion. Den Schwerpunkt in das
Geistprinzip verlegen, in ihm seine Seligkeit finden und
darüber hinaus nach keinem Gotte ausschauen, das ist
die neue Religion, die auf dem sicheren Grunde der
Erfahrung steht, und in der die Linien der kritischen
Philosophie und der religiösen Entwicklung zusammenlaufen
, der Menschheit sicheres Heil.

Man wird nicht rasch den Stab brechen dürfen.
Daß der Geist mit seinen gültigen Normen (NB. über die
Normen nachzudenken, versäumt der Verf., und an
einer Stelle befindet sich die wunderbare Bemerkung,
daß das geistige Denken und die Logik den Gesetzen
des Stofflichen folge! S. 40.) für die Religion nicht
wenig bedeutet, ist klar. Es ist auch nicht viel dagegen
einzuwenden, wenn man den "Geist, der ohne Zweifel
etwas total anderes ist als ein seelischer Ablauf, Kant'-
schen Sprachgebrauch verlassend, eine Erfahrungstatsache
nennt. Schwierig aber wird es, sich vorstellbar
zu machen, wie das Geistprinzip im Menschen zur
Herrschaft kommen soll, wenn es ein nach der einen
oder anderen Seite sich neigendes zentrales Ich, einen
verlegbaren Schwerpunkt nicht gibt. Oder sollen wir
uns den Vorgang als eine Art Naturprozeß denken (vgl.
S. 28: „Der Geist ist ein Prinzip, eine Kraft, wie die
physikalische Elektrizität, nur eben höheren Ranges,
aber in der Erscheinungsart- ihr ähnlich")? Und unmöglich
ist es, diese Geistlehre und Praxis, die mit
der materiellen Welt und seelischem Geschehen nichts
anzufangen weiß, als höchste und reinste Religion zu
werten. Denn Gott ist absolut, Schöpfer und Herr,
Alles in allem, oder ein Götze oder eine Phrase. Der
Gott R.s ist nicht ein echter König, wenn auch ohne
Krone, Scepter und Reichsapfel, S. 29, sondern ein
Schelm, der sich mit Krone, Scepter und Reichsapfel
als König ausstaffiert hat.

Iburg. W. T h i m m c.

Cohn, Jonas: Geschichte der Philosophie. Der deutsche Idealismus
(Nachkantische Philosophie, erste Hälfte). Leipzig: B. G.
Tcubner 1923. (124 S.) kl. 8°. — Aus Natur und Geisteswelt.
746 Bd. geb. Om. 1.60.

Ich halte diese kurze Schilderung der Hauptrichtungen
und Systeme des deutschen Idealismus für vortrefflich
. Die Darstellung ist schlicht und sachlich, zeugt
von Beherrschung des Stoffes und erleichtert nach Möglichkeit
das Eindringen in die Gedankengänge jener
Denker — doch nicht mehr, als es bei der Größe und
dem Ernst der Probleme eben zulässig ist. Besonders
gefällt der großzügige, sichere Aufbau der Systeme,