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Ausgabe:

1925

Spalte:

105

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wiener, Harold M.

Titel/Untertitel:

Early Hebrew History and other studies 1925

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 5.

106

Rührungen ein Eingehen auf diese Seite des Problems,
das durch Staerks bekannten Aufsatz in der Zeitschrift
f. Theol. u. Kirche (1923/4, 289 ff.) brennend geworden
ist.

2. Damit ist die zweite Frage, von der wir eingangs
sprachen, schon zum guten Teil beantwortet. Man wird
Greßmann dankbar sein müssen, daß er in dem dargelegten
Sinne auch in der ZaW. für voranstrebendes Leben
und dabei doch für nüchterne Selbstbesinnung auf
die Grenzen des wissenschaftlich Möglichen Raum schaffen
will. Die ersten unter seiner Leitung erschienenen
Hefte mit ihren Beiträgen aus allen Lagern des In- und
Auslandes zeigen den ehrlichen Willen, alle „Richtungen
" und Problemstellungen bis zu den jüngsten,
frömmigkeitsgeschichtlichen, zu Worte kommen zu lassen.
Die Monopolstellung der ZaW. legt dem Herausgeber
in dieser Richtung besondere Verpflichtungen auf; auch
die Literarkritik wird Raum für sich fordern müssen.
Die Bitte aber sei ausgesprochen — und ich bin überzeugt
, daß Greßmann der letzte ist, sie abzulehnen —,
daß auch den Grenzfragen zwischen alttestamentlicher
und systematischer Theologie das Blatt geöffnet sei,
wenn anders sie, in wissenschaftlicher Weise bearbeitet,
an seine Pforten klopfen. Wer etwa häufiger katholische
oder orthodox-jüdische Werke über das A. T, liest,
wird immer von dem lebendigen Eindruck gepackt werden
, daß die letzten Entscheidungen auch über literarische
und historische Fragen doch auf dem Gebiete
der Systematik fallen.

Halle a. S. Joh. Hempel.

Wiener, Harold M., M. A.,' LL. B.: Early Hebrew History and
other studies. London: R. Scott 1924. (IX, 117 S.) 8°.
Das Bändchen enthält drei Studien: 1. Einige Faktoren in der
frühhebräischen Geschichte (S. 1—39). Hier wird gezeigt, wie der
„centrifugalism" die Geschichte Israels von Abraham bis auf Salomo
beherrscht und durch welche Gegenkräfte er wenigstens teilweise überwunden
wird. Ein „Anhang" (S. 39—50) behandelt den LXX-Text
hinter I Reg. 12, 24 und kommt zu dem Schluß, daß er frei- sei von
den „Selbstwidersprüchen und unmöglichen Behauptungen" des massor.
Textes und deshalb „im ganzen einen weit früheren Text biete, obwohl
auch er durch Zusätze gelitten habe". 2. Das Gesetz des
Wechsels in der Bibel (S. 51—78). Hier wird behauptet, daß
Mose sorgfältig unterschieden habe zwischen den unveränderlichen
Gesetzen (üekalog, Abfall zu heidnischen Göttern und Riten, Un-
sittlichkeit im Gottesdienst) und dem, was verändert werden könne
und tatsächlich auch von den mallgebenden Faktoren (Propheten und
Königen) verändert worden sei. 3. Die biblischen Lehren der kollektiven
(,Joint"), erblichen und individuellen Verantwortlichkeit (S. 79
bis 109). Den Schluß bilden zwei Indices der Texte und Sachen (S.
111—117). — Dem Verfasser, der als ein unermüdlicher Kämpfer
für die mosaische Herkunft des Pentatcuchs auch in Deutschland gut
bekannt ist, fehlt der Sinn für historische Perspektive; er sieht trotz
der Unterschiede der Zeiten alles auf einer Fläche, kennt darum auch
keine historische Lösung von Problemen und steht diesen, wie
namentlich aus dem letzten Aufsatz hervorgeht, hilflos gegenüber.
Berlin-Schlachtensee. Hugo Greßmann.

El bogen, Ismar: Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen
Entwicklung. 2., verb. Aufl. Frankfurt a. M.:
J. Kauffmann 1924. (XVI, 619 S.) gr. 8°. = Grundriß d. Oesamt-
wissenschaft d. Judentums. Schriften, hrsg. von d. Gesellschaft zur
Förderung d. WLsscnschaft d. Judentums. Gm. 10—; geb. 12—;

Anmerkungen einzeln 2—.

Elbogens große Monographie über den jüdischen
Gottesdienst, deren 1. Auflage Ref. in dieser Zeitschrift
1915 Sp. 507—511 ausführlich besprochen und nach
ihrem wissenschaftlichen Werte gewürdigt hat, bedarf
jetzt, wo sie von neuem ausgeht, keiner besonderen
Empfehlung. Das Werk hat auf viele Jahrzehnte hinaus
seine sichere Stellung in der Literatur über die
jüdisch-christliche Religions- und Kulturgeschichte. Was
L11 . de.m Zeitraum zwischen der 1. u. 2. Auflage an
Beiträgen zum Gesamtgegenstande des Buches und seinen
einzelnen Problemen erschienen ist, hat der Vf. in
den Anmerkungen (S. 511—580) nachgetragen, außerdem
mancherlei verbessert und klarer zum Ausdruck gebracht
. Auf den 70 Seiten Anmerkungen ist vieles j

Wertvolle direkt aufgenommen oder in kurzer Auseinandersetzung
mit abweichenden Auffassungen festgelegt.
Es sei hier als ein Beispiel für wertvolle Bereicherung
der Darstellung in aller Kürze nur darauf hingewiesen,
daß E. jetzt zu § 9, 1 den Originaltext von Saadjas
Schmone 'esre abgedruckt hat. So steht das Werk E.'s
trotz des unverändert abgedruckten corpus S. 1—510
auf der Höhe der Wissenschaft.

Als eine Kleinigkeit darf Ref. wohl zu § 39,10
(Formen des Piut) auf seine Bemerkungen über Tahke-
monie 18 (ed. Lagarde) in Jahrgang 1917 Sp. 99 f.
dieser Zeitschrift hinweisen. Dieses Zeugnis für den
Übergang vom akzentuierenden Rhythmus zur quanti-
•tierenden (arabischen) Metrik in der hebraeischen Dichtung
erwähnt auch Elbogen, aber ohne Hinweis auf
meine Notiz a. a. O.
Jena. W. Staerk.

Calwer Bibellexikon. Biblisches Handwörterb. ill. Hrsg. von Paul
Zeller. 4. Aufl. 19.—32. Tsd. neubearb. unter Leitg. von Th.
Hermann. Mit 283 Abb., 16 Bildertaf. u. 3 Kt. in Farbendr.
Stuttgart: Calwer Vereinsbuchh. 1924. (IV, 855 S.) 4».

Gm. 9—; Hlw. 12—; Hldr. 16—,

Der Standpunkt des Werks wird in der Vorrede dahin
bestimmt, daß es „Pietät gegenüber dem Inhalt und
Wort der Bibel mit wissenschaftlicher Sorgfalt und Aufrichtigkeit
verbinden will".

Wissenschaftliche Sorgfalt hat vorbehaltlos die Führung
in den geographischen und archäologischen Artikeln
, auch gegenüber den Kultusaltertümern (vgl. den
zum Schluß doch recht kritischen Artikel „Stiftshütte").
Diese sind, Einzelheiten immer vorbehalten, vielfach
geradezu Muster einer gemeinverständlichen wissenschaftlich
begründeten Darbietung. Auch in den literar-
geschichtlichen Fragen hat, bei aller Vorsicht, mit der sie
angefaßt werden, weithin traditionsfreie Wissenschaftlichkeit
die Führung. Man kann sagen: durchweg für
das A. T. Es wird z. B. festgestellt, daß für den masso-
retischen Text eine einzige Musterhandschrift samt allen
ihren Fehlern zu Grund gelegt worden ist. Mit dem
Vorbehalt undeutlich gewordener mosaischer Grundlagen
und nicht durchweg sicherer Analyse werden die
Quellen des Pentateuchs und des Buches Josua anerkannt
samt ihrer von Wellhausen vertretenen geschichtlichen
Folge. Dafür, daß der 2. Teil des Buches Jesaja
im Exil entstanden ist, werden alle Gründe genannt und
die Tatsache als „mehr als wahrscheinlich" bezeichnet.
Das Buch Daniel wird „mit großer Wahrscheinlichkeit"
in die Zeit des Antiochus Epiphanes verlegt und dann
hervorgehoben, daß für dieses Buch im ganzen A. T.
„die genaueste Möglichkeit der zeitlichen Ansetzung,
nämlich in das Jahr 165/164" besteht. Wer das Mißtrauen
weiter Kreise gegen die historische Theologie
kennt, kann dem Herausgeber und den Mitarbeitern des
Werks für den Mut ihrer Meinung nur dankbar sein.
Wesentlich gebundener ist die Stellungnahme zu den
literarkritischen Fragen des N.T. Daß sie vorliegen,
wird nicht verschwiegen. Für die Synoptiker wird ihnen
auch weithin der Raum frei gehalten. Dagegen bei den
Briefen und den Johannesschriften wird die traditionelle
Position behauptet und kritisches Bedenken gelegentlich
sogar etwas unwirsch als „aus unreifem Urteil
entstanden" abgetan. Nur der 2. Petrusbrief ist nicht
von der Hand des Apostels, dessen Namen er trägt.

Die Stellungnahme zum Sachlichen der Bibel ist,
immerhin mit manchen Vorbehalten, ein biblischer Realismus
, der mit erfreuender Deutlichkeit von dem heute
wie immer mit der Apokalypse Unfug treibenden Realismus
abrückt. Aber im ganzen werden die Vorstellungen
der Bibel als einheitlich und giltig behandelt (vgl.
z.B. die Artikel Engel und Teufel). Wo das biblische
Weltbild mit dem heutigen offensichtlich zusammenstößt
, wird unbefangen gesagt, daß wir es mit Vorstellungen
der Antike zu tun haben, ebenso daß in der
at.lichcn Chronologie „sinnbildliche Berechnung" „mit
einem System heiliger Zahlen" mitgewirkt habe und die