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Ausgabe:

1925 Nr. 4

Spalte:

95-96

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nack, Ernst

Titel/Untertitel:

Leid und Sieg. Ein Erbauungsbuch für Leidtragende und die Passionszeit, für Hausandacht und Kirche 1925

Rezensent:

Graff, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 4.

96

Das Bußwort bricht manchmal zu schnell ab ohne
rechte rhythmische und gedankliche Abrundung. Auch
sollten Gebete nie mit einer Negation schließen (S. 236
u. o.). Wenig eindrucksvoll ist die L. des Reformationsfestes
. Der Satz im Schlußgebet: „Und wenn aufs neue
Zeiten kommen sollten, da dem Evangelium Gewalt
droht", klingt in unsrer Zeit der neuen Gegenreformation
seltsam, besonders aus Schlesien. Auch die L.
vom „verborgenen Gott" greift nicht tief. Warum auch
jetzt wieder eine L. für vaterländische Gedenktage fehlt,
mag uns zur Zeit noch so sehr verwehrt sein, sie zu
feiern, ist mir gänzlich unverständlich; mit der ungemein
behutsamen „Der Christ und die staatliche Ordnung
" ist es wahrlich nicht getan. Hinsichtlich der dogmatischen
Stellung sei erwähnt, daß von 2 Schlußgebeten
das 2. sehr oft an Jesus gerichtet ist, wie sich
auch sonst Gebete an Jesus häufiger finden, als in älteren
Agenden. Dem Teufel begegnet man in einer ganzen
Reihe von Gebeten, nicht bloß in hergebrachten Verbindungen
. Die statt kurzer Gebete mehrfach verwandten
Liederverse sind meist treffend gewählt, aber
nicht immer gemeindemäßig (2 mal Tersteegens: Ich
laß mich dir und bleib indessen, von allem abgekehrt
, dir nah!). Die Themata der Liturgien sind
durchweg geschickter gefaßt. Ob es sich empfiehlt,
auch Advent, Epiphanienzeit, Passion thematisch zu bearbeiten
, läßt sich fragen; es gibt Richtung, bindet aber
auch stark. Die „Stimmen deutscher Frömmigkeit" werden
sich m. E. mit wenigen Ausnahmen im Gottesdienst
nicht bewähren, eher in Andachten und Feiern,
obwohl die Lage auch da noch anders ist als in unsern
Kriegsandachten. — Das alles soll der vollen Anerkennung
keinen Abbruch tun: dies Buch wird Pfarrern
und Gemeinden, vor allem im Osten, treffliche Dienste
tun und bedeutet in seiner neuen Gestalt eine sehr begrüßenswerte
Mitarbeit an der Erneuerung unsres
Gottesdienstes. Eine Frage sei noch erlaubt. Auch Ar-
per und ich vertreten in unserm Kirchenbuch die Meinung
, es erübrige sich bei der starken Bearbeitung der entlehnten
Stoffe ein besonderer Quellennachweis (ausgen.
Smend). Wenn sich aber ein Buch in seiner ganzen Anlage
, der Themaauswahl, den liturgischen Bezeichnungen
, jetzt auch in den Kindergottesdienstgebeten und
Kanzelgrüßen und sogar in der Einführung so deutlich
an unser Kirchenbuch anlehnt wie dieses, nicht nur in
der 1., sondern auch in der 2. und 3. Auflage: sollte das
nicht der Klarheit halber doch mit ganz anderer Offenheit
ausgesprochen werden, als es in der Einführung
geschieht?

Aachen. Alfred Zillessen.

Nack, Ernst: Leid und Sieg. Ein Erbauen frsbuch f. Leidtragende
und die Passionszeit, für Hausandacht und Kirche, in 6 Abendfeiern
in Bibelwort u. Lutherlied. Göttinnen: Vandenhoeck fit Ruprecht
1917. (44 S.) 8°. Om. 1.20.

Dieses empfehlenswerte, viel zu wenig bekannte Büchlein enthält
6 Abendfeiern: Leid und Geduld, Leid und Kraft, Leid und
Glaube, Leid und Hoffnung, Leid und Liebe, Unser Glaube ist
der Sieg.

Die Abendfeiern sind aus Kriegsandachten hervorgegangen und
wollten in jener Zeit durch „Musik und Bibelwort" Trost und Kraft
bringen, namentlich auch, entsprechend der Bedeutung des Jahres
1917 unter bevorzugter Verwendung von Lutherliedern. Der Wert
dieser Feiern erhellt nun am besten daraus, daß man sie, obwohl aus
der Kriegszeit stammend, fast ohne Abstrich jederzeit verwenden
kann. Das Gesetz vom Leid als Menschenschicksal und von der den
Christen möglichen sieghaften Überwindung des Leids gilt eben
immer.

Der Gang der einzelnen in ihrer freien Form von den sonst üblichen
in manchen Stücken oft recht abweichenden Feiern ist so, daß
sie, zuerst in Köln gehalten, auch in kleineren Verhältnissen möglich
sind. Wichtig war dem Verfasser vor allem die leichte Erreichbarkeit
der vorkommenden Orgel- und Gesangstücke, letztere den landeskirchlichen
Gesangbüchern, J. W. Franck's geistlichen Melodien, K.
Schmidt's geistlichen Liedern und der Breitkopf'schen Ausgabe von
Bach's Liedern und Arien entnommen.

Die Ansprachen sollten möglichst zurücktreten. Die Gemeinde
wünschte sie aber. So sind sie in schöner Sprache, und zwar in
einem gehobenen, rhythmisch betonten Stil gegeben. Das Hauptgewicht
wird eben auf Bibelwort und Musik gelegt. In den im
Wechsel mit Gemeinde- und Kunstgesang dargebotenen nach bestimmten
Leitgedanken ausgewählten Vorlesungen sind passende
Schriftstellen aneinandergereiht, ein Verfahren, von dem der Verfasser
wohl weiß, wie bedenklich es ist. Sic sind aber so zusammengestellt
, daß es kaum allzu störend wirkt. Wenn der Verfasser nun
meint, „daß es sich bei solchen musikalischen Feiern weniger um
dramatischen Aufbau und logischen Fortschritt der Teile, als um
Gleichfluß der lyrischen und musikalischen Stimmung handeln könne",
so muß ich nach meiner Erfahrung bei Verwendung seiner Abendfeiern
in meiner eigenen Gemeinde sagen, daß auch das andere
nicht zu kurz gekommen ist.

Am besten eignen sich die Feiern für die Zeit vom Reformationsfest
bis zum Anfang der Adventszeit, auch wohl für Jahresschluß
, weniger für die Passionszeit.

Unwesentliche Druckfehler finden sich S. 7 Z. ö v. u.: „in"
statt „und" und S. 28: 1861 statt 1681.

Klcinfreden. Paul Q ra ff.

Vollständig liegt nun vor:

Die Apokalypsen
des Esra und des Baruch

in deutscher Gestalt

Herausgegeben im Auftrage der Kirchenväter-Commission
der Preußischen Akademie der Wissenschaften von

D. Dr. Bruno Violet-Berlin

Mit Textvorschlägen für Esra und Baruch
Von Prof. D. Dr. Hugo Greßmann, Berlin

Das Buch enthält die deutsche Textherstellung der beiden
Schwester-Apokalypsen, von denen die erstere als über
IV. Esdrae (Cp. 3—14) den letzten Teil der Vulgata-Bibel bildet,
die letztere durch Ceriani im Syrischen wiedergefunden worden
ist. Die Textherstellung der Esra-Apokalypse bildet den
Abschluß des vom gleichen Verfasser gegebenen Textwerks
im 18. Bande der Griech.-Christl. Schriftsteller 1910, in dem
zunächst die Quellen einzeln behandelt worden sind; die
Baruch-Apokalypse ist unter Beigabe der neugefundenen
griechischen Fragmente hier neu übersetzt worden.

Der kritische Apparat sucht in Zweifelsfällen die hebräische
Urform des Textes und seine griechische Übersetzung
zu ermitteln. Besonderer Wert ist in der Übersetzung auf
gute Wiedergabe der vielen poetischen Stücke gelegt worden.

.Der vorzüglichen Übersetzung ist ein mühevoller
, sorgfältiger Kommentar beigegeben, der die
Varianten der verschiedenen Übersetzungen und Erklärungen
zu den einzelnen Wörtern enthält. Hervorzuheben ist auch
die völlige Beherrschung der Literatur, die in der Erörterung
der Einzelfragen sich zeigt."

Prof. Dr. Fei. Haas e, Br esl au, in der .Theolog. Revue".

Die Griechischen Christlichen Schriftsteller
der ersten drei Jahrhunderte. 32. Bd.

XCV1I, 380 Seiten. Lex. 8".
Gm. 22.50; geb. Gm. 25.50

Vollständiges Verzeichnis der „Schriftsteller" kostenfrei.

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 7. März 1925.
Beiliegend Nr. 4 des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. H i n r i ch s'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.