Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1925 Nr. 4

Spalte:

79

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Al Ghasali, Das Elixir der Glückseligkeit. Aus den persischen und arabischen Quellen 1925

Rezensent:

Horst, Friedrich

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

79

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 4.

80

nur durch Zusammenschau des ganzen Alten Orients
möglich ist, hat der Verf. richtig erkannt und sich schon
dadurch ein Verdienst erworben.

Berlin. K. Galling.

Hell, Joseph: Von Mohammed bis Ghazäll. Quellentexte aus
dem Arabischen übersetzt und eingeleitet. Jena: Eugen Diede-
richs 1923. (XX, 155 S.) 8°. = Religiöse Stimmen der Völker.
Hrsg. v. Walter Otto.
AI Ghasali: Das Elixir der Glückseligkeit. Aus den persischen
u. arab. Quellen in Auswahl übertr. v. Hellmut Ritter.
Ebd. 1923. (178 S.) 8°. = Religiöse Stimmen der Völker. Hrsg. v.
Walter Otto. Die Religion des Islam Bd. III.
Das Buch von Hell bringt in der Sammlung „Relig. Stimmen
d. Völker" die Entwicklung des orthodoxen Islam zur Darstellung.
Es liegt bereits in der 2. Auflage vor, ein Zeichen, das es sich' großer
Beliebtheit erfreut hat. Wie bei seinem ersten Erscheinen, so gilt
auch heut noch, daß die hier gebotenen Übersetzungen besonders verdienstlich
sind deshalb, weit damit der Inhalt von wichtigen Texten
bequem zugänglich gemacht wird, die — den Qoran ausgenommen —
sonst nur teils in Orient. Drucken, teils in unedierten Hss vorliegen.
Die Auswahl der Texte ist die gleiche geblieben, wie die der 1. Auflage
. Neu hinzugekommen sind wenigstens für den Qoran ein paar
Stücke. Hier in der Qoranauswahl, mehr aber noch in den anderen
Texten und auch in der Einleitung merkt man manchenorts die verbesserte
, bisweilen auch ergänzte oder klarer formulierte Fassung
des Textes. An den wenigen Stellen, wo mir eine Nachprüfung überhaupt
möglich war, nur zum Vorteil des Buches.

Daß schon in der Auswahl, die Hell gibt, den weitaus größten
Raum Ohazali einnimmt, ist nur natürlich. Daß aber dieser bedeutenden
Gestalt noch eigens ein weiterer Band innerhalb der Sammlung
gewidmet ist, kann nur begrüßt werden. AI Ghazali's reifstes systematisches
Werk ist die „Neubelebung der Religionswissenschaften"
(Ihjä 'ulüm-id-din). Bei den Muhammedanern gilt es als das Werk,
das beim Verlust der gesamten übrigen islamischen Lit., allein diese
zu ersetzen vermöchte. Dieses Werk Gh.'s beläuft sich freilich auf
40. Bd. Es ist somit in seinem Gesamtumfang nichtorient. Lesern
vorab schwerlich zugänglich zu machen. Aber schon Gh. selbst hat
von diesem breitangelegten Werk eine kürzere Zusammenfassung gegeben
in dem persisch geschriebenen Buch „Das Elixir der Glück-
eligkeit" (Knnijä es-sa'äda). H. Ritter, bei dem sich die Übersetzung
in durchaus sachkundiger und zuverlässiger Hand befand, ist
nun so verfahren, daß er (s. Vorw.) nicht einfach die weit gedrängtere
Form gewählt hat, wie sie das Elixir darstellt. Denn hier hat gegenüber
der Ihä der Autor selbst Kürzungen vorgenommen, infolge deren
stellenweise dem Leser kein deutliches Bild vom Lehrsystem Gh.'s entstehen
würde. R. hat darum selbst ausgewählt; teils entnimmt er
Partien der Ihjä (S. 55—109, 139—177), teils dem Knnijä (Rest).
Aber auch innerhalb dieser größeren Gruppen ist bisweilen die jeweils
andere Form dann bevorzugt worden, wenn sie die Möglichkeit eines
besseren Verständnisses gewährleistete. Auch die vorgenommenen Kürzungen
der Belegzitate im Text waren für diesen Zweck durchaus angebracht
. Im ganzen erscheint die getroffene Auswahl recht geschickt
Wünschenswert wäre eine Vermehrung der sachlich-systematischen
Anmerkungen gewesen, zumal das Buch doch für einen weiteren
Leserkreis bestimmt ist". Zur Einführung in die Lektüre ist eine
sorgsam abgewogene Skizze von Gh.'s äußerem und inneren Werdegang
(S. 5—14) vorausgeschickt. (Daß — gerade hier — der deutsche
Satz leider entsetzlich geschachtelt ist, darf vielleicht auch bemerkt
sein).

Bonn a. Rh. F. Horst.

Menzel, Theodor: Türkische Märchen. I. Billur Köschk.
II. Der Zauberspiegel. Hannover: Heinz Lafaire 1923 u. 1924.
(XV, 198 u. III, 158 S.) 8°. = Beiträge zur Märchenkunde des
Morgenlandes II. u. III. Bd. geb. -Gm. 9—.

Als Bd. II u. III der von G. Jacob und Th. Menzel herausg.
Sammlung „Beiträge zur Märchenkunde des Morgenlandes" legt der zu
zweit genannte Herausgeber 2 Bd. türkischer Märchen in Übersetzung
vor. (Zu Bd. I ds. Sammlung s. Jahrg. 1924 Nr. 7 ds. Ztg.).
Der 1. Teil enthält die 14 Märchen der türkischen Sammlung Billur-
Köschk, die in Konstantinopel mehrfach gedruckt ist, bisher aber
noch keine eigentliche Übersetzung erfahren hat. Vorausgeschickt ist
ein Vorwort, das M. besser vor den 2. Bd. gesetzt hätte. Für den
1. Bd. wäre statt dessen eine lit.-geschl. Einleitung zum Billur-
Köschk wünschenswerter gewesen. Auch wären ein paar kurze
Bemerkungen über Herkunft und Geschichte der Stoffe und vielleicht
auch eine Zusammenstellung der einzelnen Motive gewiß mit Dank angenommen
worden. Für den 1. Teil hat G. Jacob in einer Nachschrift
wenigstens das Wichtigste hiervon beigesteuert und auf die bereits

vorhandene Lit. verwiesen. Die Märchen des B.-K. sind stilistisch so
anspruchslos, künstlerisch teo naiv und trotz ihrem literarischen Gepräge
doch so wenig literarisch, daß sie die Fantasiewelt des einfachen
Türken sehr wohl wiederzuspiegeln vermögen. Dieser Charakter
tritt aber noch mehr in der 2. Sammlung heraus. Hier handelt
es sich um 14 rein volkstümliche, mündlich weiter gegebene Märchen
. 12 davon hat M., wie er in seinem Vowort berichtet, während
seiner Internierung in Rußland nach der Erzählung eines einfachen
Tagelöhners aufgezeichnet, ein weiteres stammt aus den Kindheitserinnerungen
eines türk. Arztes und das letzte, hier als „Dilrukesch"
betitelt, hat bereits Mehmed Tewfik in „Ein Jahr in Stambul, 1. Monat
: Tandyr baschy" (Türk. Bibl. II) der Märchenerzählerin Indschili
Hanym nacherzählt. Beide Sammlungen sind der Philologie, Volkskunde
und vergleichenden Märchenforschung gewiß nicht unwichtig,
der Philol. freilich wohl zumeist in Erwartung der verheißenen Textaufzeichnungen
. Die Übersetzung ist, wo sich das prüfen ließ, durchaus
zuverlässig und erweckt den Eindruck, daß sie auch in den übrigen
Partien mit gleicher Sorgfalt gemacht worden ist. Leider ist der
deutsche Stil nicht immer gut, oft dem Original zu sehr anhaftend.
Es soll freilich nicht verkannt werden, daß es gerade beim Türkischen
oft nicht leicht ist, Wörtlichkeit zu wahren und dabei elegantes
Deutsch herzustellen.

Bonn a. Rh. F. Horst.

Schulz, Prof. Dr. Alfons: Das Buch Josue. Übers, u. erkl. mit
erzbischöflicher Druckerlaubnis. 1.—3. Tausend. Bonn: Peter Hanstein
1924. (VII, 78 S.) gr. 8". = Die heilige Schrift des Alten
Testaments, II. Bd., 3. Abt. Gm. 1.60

Bei dieser Lieferung sind die Berührungsmöglichkeiten
zwischen katholischer und protestantischer alt-
testamentlicher Exegese nicht so vielseitige wie bei dem
von Heinisch in derselben Sammlung bearbeitetem Buch
Ezechiel. Sie beschränken sich im Wesentlichen auf die
Textkritik, bei der auch hier eine erfreuliche Unbefangenheit
an den Tag gelegt wird, und auf einiges
wenige Sachliche. Ziemlich ganz scheidet dagegen aus
die Literarkritik, bei der vorläufig eine Verständigung
nicht möglich ist. Der Verf. hat es nämlich nicht mit
Quellen zu tun, sondern mit einem geschlossenen Buche,
das zwar vielfach glossiert ist und oft umfangreiche
midraschartige Erweiterungen wie z.B. 3, 7—13; 4,
9—14; 8, 2b—9 erfahren hat, als ganzes aber doch die
Beantwortung der Frage erheischt, ob es von Augenzeugen
geschrieben sein kann. Für den Verfasser verrät
die Wendung „auf der anderen Seite" oder „jenseits des
Jordan" in 5, 1; 9,1; 12, 7; wo trotz des Standpunktes
des Schreibenden im Westjordanland nur dieses gemeint
sein kann, einen Autor, der erst vor ganz kurzer Zeit
vom Ostufer auf das Westufer gekommen und seinem
alten Sprachgebrauch treu geblieben ist. Jedenfalls vor
dem Ereignis 1. Kön. 9, 16 oder vor der Zeit Samsons
geschrieben, „kann der Grundstock des Buches ganz gut
aus Stücken bestehen, die teils Josua selbst, teils seine
Beamten in seinem Auftrag niedergeschrieben haben."
— Der sachlichen Auffassung wird man oft zustimmen.
Ein protestantischer Kommentator wie Oettli findet z. B.
im Sonnenstillstand ziemlich dasselbe wie Schulz, nämlich
, um des Letzteren Worte zu gebrauchen, „die dichterische
Ausschmückung der Tatsache, daß Josua damals
seine Feinde auf wunderbare Weise besiegt, daß er
ihnen eine ganz außerordentliche Niederlage beigebracht
hat". Um den Jordandurchzug verständlich zu machen,
wird auf den Einsturz der Mergelschichten bei ed-Damie
1267 n. Chr. hingewiesen, was auch Dalman, Orte und
Wege Jesu 2S. 795 tut, wo auch auf eine im Oktober
1914 vorgekommen sein sollende 24stündige Verstopfung
bei der Jerichobrücke hingewiesen wird. Also
auch hier ein Zusammengehen mit einer bestimmten
Richtung innerhalb der protestantischen Forschung. Da
sich auch sonst vielfach Kenntnis protestantischer Forschung
verrät, so kann man sich hier selbst bei .abweichendem
Urteil und trotz der Kürze des Gebotenen
über Manches orientieren und manchen nützlichen Hinweis
entdecken.

Dassensen, Kr. Einbeck. Hugo Duensing.