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Ausgabe:

1925 Nr. 23

Spalte:

538

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Roth, Hermann Heinrich

Titel/Untertitel:

St. Severin in Köln. Ein Kollegiatstift, aufgehoben 1802 1925

Rezensent:

Hashagen, Justus

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 23.

538

Sprachstudien verbindet und z. T. an ihnen nährt. Natürlich
bedeuten sie nicht den Schluß dessen, was zum
Thema zu sagen wäre, B. deutet die Lücken und weiteren
Perspektiven seiner Arbeit selber an. Ja vielleicht wäre
gerade das Interessanteste erst noch zu sagen, wenn man
für die Folgezeit das Thema auch leicht verändern
müßte: nicht mehr nationale Aneignung der Bibel, sondern
Aneignung der nationalen Bibel, d. h. für uns der
Lutherbibel. Aber dies Thema wird wohl besser einmal
als Aufgabe für sich angegriffen. Wie das Burdachsche
Buch vorliegt, wird es in seiner zweiten Hälfte vielleicht
dem Theologen weniger sagen als dem Germanisten,
dem hier ein gut Teil genauer Gelehrtengeschichte aus
den Anfängen seiner Wissenschaft geboten wird; aber
auch diese Partien bewegen sich in jenen weiten Horizonten
und bewähren den europäischen Blick, den wir
an B. ehren.

Münster i. W. A. Hübner.

Piel, Albert. Geschichte des ältesten Bonner Buchdrucks.

Zugleich ein Beitrag z. rhein. Reformations-Geschichte u. -Bibliographie
. Bonn: K. Schroeder 1024. (XI, 112 S. u. 15 Abb. auf
Taf.) gr. S° ■» Rheinisches Archiv 4. Rm. 3.50; geb. 4.80.

Mit hingebendem Fleiße hat der Verfasser keine
Mühe gescheut, um in das Dunkel der Anfänge des
Bonner Buchdrucks etwas mehr Licht zu bringen. Wenn
auch die mageren Ergebnisse über den Lebensgang des
ältesten Bonner Buchdruckers, Laurenz van der Mühlen,
die große aufgewandte Arbeit kaum zu lohnen scheinen,
so ist es dem Verfasser doch bei der sorgfältigen Analyse
der 38 Mühlenschen Drucke und ihrer Entstehungsgeschichte
gelungen, interessante neue Beiträge zur
Charakteristik des Reformationsversuches des Kölner
Erzbischofs Hermann v. Wied zu liefern, in dessen
Dienst sie meistens standen, zumal da sich Piel nicht damit
begnügt, seine Quellen „nur als Erzeugnisse der
Typographie und für sich allein zu betrachten", sondern
auch die weiteren geschichtlichen Zusammenhänge jedes
einzelnen Erzeugnisses mit berücksichtigt Freilich bleiben
dabei noch viele offene Fragen. Besonders das
kurfürstliche „Bedenken" von 1543 bedürfte einer gründlichen
Untersuchung. Anrichs bedeutendes Buch über
Bucer ist nicht benutzt.

Köln. J Hasbagcn.

Schrörs, Prof. Dr. Heinrich: Ein vergessener Führer aus der
rheinischen Geistesgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts
, Johann Wilhelm Joseph Braun (1801—1863),
Prof. d. Theologie in Bonn. Bonn: K. Schroeder 1925. (XVI,
614 S. m. e. Bildnis.) gr. 8°. Rm. 8—.

Obwohl der Verfasser aus seinem scharfen theologischen
Gegensatze gegen den Hermesianismus kein
Hehl macht und auch sonst mit seinen positiven Überzeugungen
nicht hinter dem Berge hält, so hat er doch
die ganze reiche Fülle der wissenschaftlichen und schriftstellerischen
Kräfte, über die er verfügt, eingesetzt, um
diesen auch von Protestanten noch oft verkannten, d. h.
übermäßig radikalisierten katholischen „Halbrationalismus
" im Rahmen einer anziehenden Biographie seines
Helden mit außerordentlichem Spürsinn, auf Grund eines
unübersehbar großen, meist ganz unbekannten Materials
und mit bemerkenswerter Sachlichkeit allseitige aufzuhellen
. Es ist Schrörs gelungen, weit über den biographischen
Rahmen hinaus, und ohne ihn doch eigentlich
zu sprengen, einer der erschütterndsten Tragödien
in der Geschichte des neueren Katholizismus ein weithin
sichtbares, monumentales, formsicheres und stilechtes
Denkmal zu setzen, auf einem in unverdrossener Forscherarbeit
tief in den historischen Boden eingesenkten
Fundamente. Gewiß ist hier ein ungewöhnliches Maß
ernsthaftesten, mühsamsten und entsagungsvollsten Gelehrtenfleißes
auf einen Gegenstand verwandt, von dem
der Verfasser selbst sagt, daß er „eine breite und eintönige
Masse von Einzelheiten und äußeren Begebnissen
" enthalte. Aber der Verfasser steht durchaus über

seinem unbeschreiblich weitschichtigen Stoffe. Und nicht
nur die Kirchengeschichte wird ihm für das aus ungefügen
Quadern aufgeschichtete wissenschaftliche Bauwerk
dankbar sein, sondern auch der allgemeine Ideenhistoriker
kann aus diesem vornehmen Specimen exakter
Ideengeschichte sehr viel lernen. Das muß auch deshalb
besonders betont werden, weil der nicht glücklich gewählte
lokale Titel dazu verführen könnte, in diesem
Buche nur einen lokalen Beitrag etwa zur Konfessionskunde
zu sehen. Gewiß wird dadurch eine breite Lücke
in der rheinischen Geistesgeschichte zum eisten Male
ausgefüllt. Aber es ist zugleich eine Lücke in der deutschen
, ja in der europäischen Geistesgeschichte, und
Schrörs selbst ist rastlos bemüht, die allgemeinsten Zusammenhänge
aufzudecken. Ein so reifes Werk konnte
nur einem Meister im Fache der Historie gelingen.

Köln. J. Hashagen.

Roth, Hermann Heinrich: St. Severin in Köln. Ein Kollegiat-
stift, aufgehoben 1802. Augsburg: Dr. B. Filser 1925. (XI, 127 u.
49 S. Abb. u. 1 Plan.) gr. 8°. = Germania Sacra, Abt. Rhenania
Sacra, Ser. A. 1. geD. Rm. |2_.

Da es nicht viele auf wissenschaftlicher Höhe
stehende Monographien über einzelne geistliche Institute
der katholischen Kirche gibt, ist die vorliegende reich
illustrierte und in würdigem Druckgewande erscheinende
Darstellung mit besonderer Freude zu begrüßen. Ausgehend
von einer verständigen Legendenkrifik, die aber
vor allem mit Hilfe der Patrozinienforschung echte
Kerne herauszuschälen und festzuhalten sucht, gibt der
schon früher als Kenner St. Severins bewährte Verfasser
eine quellenmäßige äußere und innere Geschichte des
Stiftes und eine Bau- und Kunstgeschichte der Stiftskirche
. Beide lehrreiche Abschnitte haben dadurch gewonnen
, daß sie vielfach in allgemeinere Zusammenhänge
eingeordnet werden. Das dankenswerte Unternehmen
der Rhenania Sacra ist dadurch in gedeihlicher
Weise eröffnet worden. Leider fehlt ein Register, das
gerade bei Lokalstudien nicht entbehrt werden kann,
wenn nicht ihre Auswertung für allgemeine Zwecke peinlich
erschwert werden soll.
Köln. J. Hashagen.

Coli ins, Ross William, Ph. D.: Catholicism and the Second
French Republic 1848 -1852. New York: Longmans, Green 8c Co.
1923. (360 S.) 8°. ■* Studies in History Economics and Public
Law CXII, 1.

Es ist ein interessantes Stück französischer Geschichte
, das unter sachkundiger Verwertung aller einschlägigen
Quellen in stets fesselnder Darstellung vor
unsern Blicken aufgerollt wird. Seit 1891 veröffentlicht
die Columbia-Universität solche Studien, wie sie heute
bereits in 112 Bänden vorliegen, die im ganzen 250
Abhandlungen umfassen. Die Titel sämtlicher bisher erschienenen
Werke sind in einem besondern Verzeichnis
unserm Buche angeheftet; sie geben ein eindrucksvolles
Bild von dem unermüdlichen Forscherfleiß, den die
Universität zu wecken und zu pflegen verstand. Eine
Fülle wertvollen Materials ist hier sorgsam zusammengetragen
und kritisch durchleuchtet. Unser vorliegender
Band nimmt in dieser Sammlung eine nach Inhalt und
Umfang achtenswerte Stellung ein.

Das Hauptaugenmerk des Verfassers ist darauf gerichtet, zu untersuchen
, welches Verhalten in diesem ja fast ausschließlich katholischen
Lande die Kirche zu den den Staat bewegenden Fragen in
den Jahren der zweiten Republik eingenommen hat, und wie umgekehrt
dieser sich zu den bewußt katholischen Kreisen des Landes stellte.
Freudig von ihnen begrüßt als eine echt christliche Institution entsprechend
den Lehren des Evangeliums hat die Republik auch ihrerseits
sich freundlich zur Kirche gestellt und ihren Wünschen namentlich
hinsichtlich der Freiheit der Erziehung und des Unterrichts weitgehendes
Entgegenkommen gezeigt. Auch für die sozialen Reformen
zur Behebung der drückenden Nöte des vierten Standes bewies die
Kirche großes Verständnis; lag doch hier eine der Hauptursachen der
Revolution von 1848. Das Problem der Arbeitslosigkeit mit der
Forderung des Rechtes auf Arbeit bewegte das ganze Volk, und die
zu Reformen bereite Stellung der Kirche führte zu einer engen Ver-