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Ausgabe:

1925 Nr. 22

Spalte:

514-515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schweizer, Julius

Titel/Untertitel:

Nicolaus de‘ Tudeschi, Archiepiscopus Panormitanus et S. R. E. Cardinalis 1925

Rezensent:

Wenck, Karl

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51H Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 22. 514

manicus an die Alexandriner (Bcrl. Sitzungsber. 1911), mit seiner
charakteristischen Herrschcrkults-Terminologie, der Herakleidesbricf
HQU IV 1080 — ein gutes Beispiel intimer und gebildeter Schreibweise
—, endlich ein Libellus aus der decianischen Christenverfolgung
.

Heidelberg. Martin Dibelius.

Gudeman, Prof. Dr. Alfred: Geschichte der Altchristlichen
Lateinischen Literatur vom 2.-6. Jahrhundert. Berlin:
W. de Gruyter dt Co. 1925. (120 S.) kl. 8°. = Sammlung
Göschen, 898. geb. Rm. 1.25.

^ - j- r> ei • j • „ „ r habe und fordert seiner auch sonst dem Paoste pro-en-

"sjssse n'rvÄ,, nebeTS: *»> *v «»„„.„.e,,™ ste,.,,„g jsusa

Schrift, Sprache, Stil, Disposition, urkundliche Eigenart
. Inhalt, Abfassung und Niederschrift, Echtheit und
Bedeutung. Die Resultate seiner Arbeit, die in jeder
Hinsicht vorsichtig und gut begründet sind und durchaus
Zustimmung verdienen, sind, daß der Brief im
Jahre 791 abgefaßt und wahrscheinlich in Reichenau
geschrieben wurde. Seine Echtheit ist zweifellos. Karl
teilt dem Papste Hadrian mit, daß er den tüchtigen,
königstreuen Abt Waldo von Reichenau zum Bischof
der Hauptstadt des Langobardenreiches Pavia ernannt

für den von ihm Ernannten die kirchliche Bestätigung
und Weihe. Auch mit dieser Veröffentlichung hat das
Bewroaer Palhnpscstinstitut sich ein neues Verdienst erworben
.

Münster K W, G. G r ü t z ra a c Ii c r.

liehe Bereicherung der Sammlung Göschen bedeutet,
stellt sich in einem, vom Verleger beigegebenen Begleitwort
als langjährigen Mitarbeiter am Thesaurus linguae
lathiac vor und nimmt für sich in Anspruch, daß er das
gesamte altcbristliche Schrifttum aus erster Hand gründlich
kenne, somit imstande sei, die durch den ihm zu-
beinessenen engen Raum bedingte Auswahl zil treffen

und sich ein selbständiges Urteil zu bilden. Er hat nicht j SC"*e'"G W"«; Nicolaiis de' Tudeschi. Archiepiscopus

zu viel gesagt. Jedenfalls sind die Erwartungen, mit | '^Tml ^f^T SMo^ lm*M

denen ich das für weitere Kreise bestimmte Buch in die | ■/ «' ;

Hand nahm, weit übertroffen worden und ich bin dabei ; „J** Z^ZjtS?^ £?Z£Z£2

auch als Fachmann auf meine Rechnung gekommen. | Kollc gcspielt hat auf ünmd dcs mchen g4.s..llichtlicht;n (^.Uen_

Die Charakteristiken, mit denen Gudeman jeden ein- , sto{fs einc ElaitUcbilft zu widmen. Freilich nicht nur seiner Oeiehr-

zelnen Schriftsteller bedenkt, sind bei aller Knappheit j samkeit und seiner Redegabe verdankte er seinen Einfluß, am wenig-
voll Inhalt und von großer Treffsicherheit. Der Verfasser j sten seiner Charaktergröße. Im Gegenteil, daß der ehrgeizige Prälat
scheut sich durchaus nicht, Hergebrachtem mit eigenen | skrupellos bereit war, jene geistigen Fähigkeiten den Interessen König
Erkenntnissen entgegenzutreten (Vgl. das abfällige Urteil j Alfons V- von Aragonien dienstbar zu machen, indem er seine
über den'Stil der Konfessionen AugUStms; auch Am- J Omndsatze modelte, wenn es dem Vorteil seines Herrn entsprach: die

rosius wird scharf unter die Lupe genommen), aber S"P"'<'^" ** Om vertreten zusehen, machte ihn zu

urusius wuu 9UMii . l , .6, ... . ".. ] einem überaus brauchbaren Werkzeuge encs Herrschers D:esem lacr

auch wo er mit dem allgemeinen Urteil ubere.nstmimt, j ja alles dara„t ^ An,rkcnnum, EugL ,v. als

weiß er dem seinigen nicht alltägliche Torrn und Farbe , Neapcl nath den) Todt, der Königin Johanna II. zu erlangen. Er

ZU geben. In den literaikritischeil Fragen möchte ich i wollte Neapel wieder wie einst in den Tagen Karls von Anjou und

ihm durchweg beistimmen. Die Selbstverständlichkeit, der Staufer mit der Insel Sizilien, dem Erbe der Aragonier, ver-

mit der er MinUCillS Felix an den Anfang unserer Lite- i einigen, trotz der legitimen Ansprüche Rene's von Anjou, Vetters und

latur Kommodian in's 5. Jahrh. rückt, gefällt mir; sie j Schwagers des Königs von Frankreich, und dazu sollte der von ihm

i übt'auf klarer, durch langes, vergleichendes Studium 1434 /um Erzbischof vom Palermo bestellte berühmte Kano,„st

gewonnener Einsicht. Bei dem Umfang der Hinterlassen- ! ^colaus * ™<r*h'. d(» cin fnta s»vi« u"d |^ "Ul'chte"

l rl ji x-iL j c u Mi t ii • * „ -.-t.4 „, bezeichneten, als Abgesandter auf dem Bas er Konzd wirken. DieGunst,

SChaft der fuhrenden Schriftsteller ist es "icht ZU ver- , d|e A|f(>iis dtm ^ zubrachte, mochte den Papst, der es zu besei-

wundern, daß man die eine oder andere Abnandhing, die I tigen suchtc ^ wenigstens auf italienischem Boden unschädlich machen

Gudeman nicht erwähnt, vermißt. So meine ich, durfte j wollte, einschüchtern und ihn als Oberlehnsherm des strittigen König-

bei Tertlllliail de anillia, eine Perle besonderer Art, Schon j reichs willig machen, ihm die ersehnte Krone zu verleihen. Die Verwegen
ihrer Bedeutung für die rationale Psychologie
keinenfalls fehlen; auch de trinirate bei Novatian nicht,
weil hier die erste systematische Behandlung eines wichtigen
Stoffes vorliegt. Ob Augustin als Exegeten ausreichende
Gerechtigkeit widerfahren ist, bleibt mir zweifelhaft
; fein ist die Charakteristik seiner Briefe. Mit
besonderer Liebe und gutem Verständnis ist die Dichtung
behandelt. Ein paar Kleinigkeiten: Ist die Form
Madauros (S. 73) beglaubigt? Mir sind nur Madaura
und Madauri bekannt. Warum läßt Gudeman Exaemeron
(S. 44; S. hl steht rieht Kathemerinon) drucken. Die

quickling der kirchlichen und politischen Wirren war ja in aller Welt
damals überaus groß. Die Entscheidung im neapolitanischen Erbfolge-
krieg ist dann doch durch den Waffenerfolg König Alfons gekommen.
Ihm gegenüber war es gleichgiltig, daß das Basler Konzil und die
Finanzen seines Gegenpapstes dahinsiechten. Dem glücklichen Sieger
gewährte Eugen IV. die Krone, und Nicolatts de Tudeschi mußte sich
in sein Erzstift zurückziehen, um zwei Jahre später (1445) zu sterben.
Die Kardinalswürde, die ihm der Gegenpapst Felix V. gewährt hatte,
hat er nicht niederlegen mögen. Sieben Jahre, 1436—43, hatte er das
Papsttum bekämpft, nachdem der gelehrte Professor vorher 1432 von
Eugen IV. zur Vertretung seiner päpstlichen Interessen nach Basel
entsendet worden war. Ich bin überzeugt, daß sich über seine Wirk-

Wiederholung bei Symmachus (vgl. S. 74 mit 43) ™mk,;ii am " * „vie' '«ter^nteres Buch hätte schreiben

'v" »"> "ii "J" 6 |__. .__■__' assen, wenn ich auch die Schwierigkeiten vo anerkenne und den

konnte vermieden werden. S. 60, 10 war bei Juvenkus ..... • v„rf„ hei Benützung eine, »J^u!"l ? '„„

auf S. 35 zurückzuverweisen. Wenn bei Hieronymus
seiner Nachwirkung in der Kunst gedacht wurde (S. 58),
so war nicht mit Dürers behaglichem Eremiten, sondern
mit dem abgemergelten der Caracci und Domenichinos
abzuschließen. Zum Schluß der Wunsch, daß das Büchlein
von denen, für die es bestimmt ist, auch wirklich
gelesen werde. Eiii gewisses Gefühl der Skepsis vermag
ich dabei nicht zu unterdrücken.
Gießen. G. Krüger.

Munding, P. Emmanuel, O.S.B.: Königsbrief Karls d. Gr. an
Papst Hadrian über Abt-Bischof Waldo von Reichenau-Pavia.

Beuron: Verlag der Kunstschule Beuron; Leipzig: O. Harrassowitz
in Komm. (VII, 68 S.) Text-Arbeiten der Erzabtei Beuron. I.Abt.
Heft 6 1920. Rm. 11.50.

Die verspätete Anzeige des Buches ist meine Schuld.
Der neu aufgefundene Brief ist eine Palimpsest-Ur-
kundc aus dem Cod. Lat. Monac. 6333. Der Verfasser
bietet zunächst den Text dar, handelt dann von der
handschriftl. Überlieferung, Stoff, Größe und Form,

Fleiß des Verfassers bei Benützung eines weitschichtigen Qucllen-
maferials nicht unterschätze. Er hat doch auch so manches übersehen,
was mehr Licht und Farbe in seine Darstellung hätte bringen
können, ich denke besonders an Noel Valois' Geschichte des Basler
Konzils (La crise religieuse du XVe siecle, le pape et le concile
(1418—50) 2 tom. 1909), das ihm so manche Notiz aus pariser bzw.
vatikanischen Hss. hätte zuführen können, auch (II, 283 et 2) eine
Warnung vor einem angeblichen Traktat des Nkolaus, der 1908 mit
Unrecht als neu in Sizilien veröffentlicht wurde, von Schw. übrigens
nicht erwähnt wird. Vergleicht man die Wiedergabe einer der nur
anzulangen Reden Nicolaus z. B. derjenigen, die er als Konzilsge-
sandter auf dem Frankfurter Wahltag am 12. März 1438 hielt (S. 96
bis 98) mit dem vollen Wortlaut in R. T. A. XIII, Nr. 129 S. 196
bis 215 oder mit dem guten Auszuge in dem von Schw. übersehenen
Buche von Gertr. Weber, der Beckmannschülerin: die selbständige
Vermittlungspolitik der Kurfürsten im Konflikt zw. Papst und Konzil
1437—38 S. 83—88 (Histor-Studien-Ebering 1915), so wird man
das schriftstellerische Talent Schw.'s sicher als geringer einschätzen
und so mag auch andere Leser der Gedanke nicht verlassen, daß die
Aufgabe nach Forschung und Darstellung für den Verfasser zu
schwierig war. Einc vollständige Biographie des Pauormitanus, die
den Gelehrten mit dessen Schriften sich z. B. auch Otto Gierk'e in
Bd. III seines Genossenschaftsrechts vielfach beschäftigt, und den