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Ausgabe:

1925 Nr. 18

Spalte:

420-421

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meinertz, Max

Titel/Untertitel:

Jesus und die Heidenmission. 2., neubearb. Aufl 1925

Rezensent:

Richter, Julius

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Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 18.

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Liturgie, Marien- und Heiligenverehrung, Fegfeuer, Orden, Brevier,
Exerzitien. Fundort ist in weitaus den meisten Fällen die „Hochkirche
", daneben auch einmal eine andere evang. Zeitschrift oder die
Bekenntnisse der G. v. Zezschwitz. Rost hat sich nicht viel für seine
Zwecke Brauchbares entgehen lassen. Er stellt in meist ruhiger Form und
sachlich genau zusammen. Er ist auch objektiv genug, einzugestehen,
daß die Hoffnung, die hochkirchliche Bewegung möge eine Brücke zur
Wiedervereinigung in der kath. Kirche werden, nur schwache Anhaltspunkte
hat; etwas von Hoffnung begründet aber auch er auf sie (S. 88).
Er würdige die „ganz hervorragende Bedeutung" der Bewegung für die
Katholiken auch noch in anderem Sinn. „Was uns Katholiken bei diesen
Bestrebungen am meisten interessiert, ist der Umstand, daß die hoch-
kirchl. Bewegung, man kann fast sagen, in ein ganz kathol. Gewand
schlüpfen will, daß sie in einem Maße auf kathol. Einrichtungen
zurückgreift, das unser helles Erstaunen hervorrufen muß." (S. 9).
In einer ganzen Reihe von Punkten kann ich diese Beurteilung nicht
für unrichtig erklären. Daß die Bewegung auf sehr enge Kreise
beschränkt ist, erfahren Rosts Leser allerdings nicht.

Breslau. M. Schi an.

Weigert, Pfarrer Joseph: Religiöse Volkskunde. Ein Versuch.
Freiburg i. ßr.: Herder & Co. 1924. (VIII, 124 S.) 8°. = Hirt
und Herde, 11. Heft. Rm. 2.20; geb. 3.20.

Der Verfasser bezeichnet seine Arbeit selber als Versuch und
weist ausdrücklich darauf hin, daß auf katholischer Seite über die
religiöse Volkskunde des Bauerntums noch wenig gearbeitet ist: „Die
Protestanten sind uns hier weit voraus. Hätten wir nur etwas, was
der .Dorfkirche, illustriertes Monatsheft zur Pflege des religiösen
Lebens in heimatlicher und volkstümlicher Gestalt' gleichkommt." Der
Inhalt umspannt eine grundsätzliche Erörterung des Wesens religiöser
Volkskunde und der Bedeutung derselben für die Seelsorge, um dann
vor allem die Frage des bäuerlichen Glaubenslebens und der Sittlichkeit
des Bauerntums zu behandetn. Was Weigert über die Gottesanschauung
des Bauerntums sagt, scheint mir für die Seelsorge besonders
wertvoll und offenbart, wie vieles andere seiner Arbeit, wie
wenig der Frömmigkeitstyp auch des christianisierten Bauerntumes
in Deutschland die Frömmigkeit des Neuen Testamentes berührt.

In mehr als einem Kapitel wünscht man eine schärfere Herausarbeitung
der religions-psychologischen Probleme.

Hamburg. H. Schreiner.

Holzapfel, P. Heribert: Die Sekten in Deutschland. Dargestellt
für das kathol. Volk. Regensburg: J. Koset fv. F. Pustet
1925. (133 S.) kl. 8°. Rm. 1.30; geb. 1.85.

Das Büchlein ist ein katholisches Gegenstück zu
dem bekannten Werk von Scheurlen, Die Sekten der
Gegenwart. Es behandelt die Baptisten, Adventisten,
IVEB., Mormonen, Irvingianer und Neuapostolischen,
Methodisten, Heilsarmee, Christliche Wissenschaft, und
mehr anhangsweise Mennoniten und Quäker, woran
sich merkwürdigerweise noch „die Zeltmission" anschließt
, von der der Verfasser eine recht unzureichende
Kenntnis zu haben scheint. Bei der Mehrzahl der von
ihm aufgenommenen Sekten lehnt er sich augenscheinlich
stark an Scheurlen an, vor allem in den darstellenden
Teilen, z. T. aber auch in der Abwehr. Durch die von
ihm vorgenommenen Kürzungen sind hie und da Schiefheiten
entstanden. Die allgemeine Einleitung stellt fest,
daß die Sekten nur auf dem Boden des Protestantismus,
„das heißt, auf dem Boden des Subjektivismus" möglich
seien, und bekämpft vor allem den Satz, daß die Schrift
einzige Richtschnur für Glauben und Leben sei. Tiefer
wird nirgends gegraben, an Verkennung evangelischen
Glaubens ein Erkleckliches geleistet.
Hannover. Fleisch.

Dalimeyer, Heinrich: Was haben wir von Möttlingen zu halten ?

Neumünster: Vereüisbuchh. G. Ihloff & Co. 1924. (156 S.) 8°.

Rm. 2—.

In Möttlingen, der einstigen Wirkungsstätte Blumhardts
, ist nach Meinung etlicher eine neue Segenszeit
angebrochen durch Friedrich Stanger. Sohn eines
Trinkers, selbst trotz einer „Bekehrung" mit 11 Jahren
später zu einem wüsten Trunkenbold herabgesunken,
hat er in einer pietistischen Versammlung „Frieden gefunden
". Wunderbare Bewahrungen, Stimmen und Erscheinungen
haben dabei wie stets in seinem Leben eine
große Rolle gespielt, ihm auch später zur Heilung von
Krankheit verholten und ihn endlich selbst zu Krankenheilungen
in der 1909 erbauten „Rettungsarche" in M.

geführt . Der Führer der sich daran anschließenden Bewegung
ist Pfarrer Wirth in Nürnberg , der ein eigenes
Blatt herausgibt. In Gemeinschaftskreisen schwankt das
Urteil über St. Zum Wortführer der Gegner macht sich
nun H. Dallmeyer. Er, der 1907 in die Zungenreden-
bewegung hineingezogen war, sich aber soviel innere
Nüchternheit bewahrte, daß er wieder herausfand, und
der sie seitdem als „dämonisch" bekämpft, findet nach
einem Besuch in der Rettungsarche dort dieselbe „irrgeistige
Kraft". Mit seiner Kritik der Überheblichkeit
St.s und der dort sich findenden ungesunden Stellung
zu Ehe und Geschlechtsleben u. a. hat Dallmeyer nach
allem durchaus recht, nur daß er auch hier wieder alles
in das Schema zwängt: Entweder übernatürliche Gotteskraft
oder satanisch, während z. T. offensichtlich einfach
pathologische Züge des (geheilten) Trinkers vorliegen
(z. B. was Dallmeyer St.'s Unwahrhaftigkeit
nennt). — Wichtig ist die Schrift übrigens auch als geschichtliches
Dokument für die Gemeinschaftsbewegung.
Sie zeigt, daß die Bewegung in Führern wie D. ihre
enthusiastische Zeit hinter sich hat. D. übt Kritik au
der Ablehnung ärztlicher Hilfe, an den erfahrenen
„Durchströmungen", an der Forderung, daß man seinen
kritischen Verstand beiseite lassen müsse vor einer durch
„Bekehrungen" als göttlich legitimierten Bewegung. Er
ist sich dabei garnicht mehr bewußt, Anschauungen
zu bestreiten, die einmal zu den genuinen der ursprünglichen
Gemeinschaftsbewegung gehört haben.
Hannover. Fleisch.

Frick, Prof. Lic. Dr. Heinrich: Vom Pietismus zum „Volks-

kirchentum". Ein Beitrag zur Frage nach dem deutschen Gepräge

der Mission. Gütersloh: C. Bertelsmann 1924. (55 S.) gr. 8".

Missionswissenschaftl. Studien. Hrsg. v. Julius Richter und M.

Schliink, 1. Heft. Rm. 1.20.

1". stellt in gründlichen Ausführungen geschichtlich und grundsätzlich
den Anteil des Pietismus an der Mission heraus. Er ist nicht
der Vater der Heidentnission, wie es allgemein heißt. Luther hat schon
wertvolle Gedanken üher sie geäußert, die Orthodoxie hatte ihre freilich
sehr gebundenen Missionsgrundsätze. Diese hat der Pietismus
aufgelöst, indem er an die Stelle des Amtes den Geist und die Gemeinde
der Erweckten gesetzt hat, wenn er auch diese Fortschritte
mit der Subjektivicrung der Frömmigkeit erkauft hat. Er hat aber
das Missiousziel einer durch keinerlei Nebenzwecke getrübten, rein
religiösen Arbeit für später durch alle Trübungen und Gefahren hindurchgerettet
. Der Neupietismus hat, während in England sich
Missionssinn und Aufklärung zusammengefunden, einem solchen Bund
widerstrebt und den mit der Orthodoxie gepflegt. Daran aber ist die
Mission gescheitert, weil sie keine eigene Theologie erzeugt hat; denn
so war sie dem Rationalismus nicht gewachsen. In der Auseinandersetzung
mit der angelsächsischen Mission und unter dem Einfluß der
neuentdeckten Volksindividualität hat sich die deutsche Mission von
dem Ideal der Einzelbekehrung dem der Volkskirchenmission zugewandt
; denn sie hat gelernt, über Kultur, Konfession und Nation anders
zu denken als früher. Nach eingehender Untersuchung der
Kählerschen Unterscheidung von Mission und Propaganda und Hach
Erörterung des Problems von empirischem Vergleich und normativer
Bewertung geht F. auf sein Ziel los: In der Weise von Albert
Schweitzer muß sich der Enthusiasmus mit der Humanität in der
Mission verbinden; d. h. die Volkschristianisierung der Mission muß
aus rein religiöser Wurzel kommen, aber den Dienst am Ewigen in
den zeiträumlichen Bedingtheiten leisten, um „Kirche" im Sinn Luthers
durch Volkskirchen zu bauen. Dazu gehört aber auch eine positive
Stellung zu der Theologie ihrer Zeit. So kann die deutsche Mission
Fehler der sonst anerkennungswerten amerikanischen vermeiden, die
Enthusiasmus und Aufklärung vorschnell vermischt.

Marburg a. L. F. Nieberga II.

Meinertz, Prof. Dr. Max: Jesus und die Heidentnission. 2.,

neubearb. Aufl. Münster i. W.: Aschendorff 1925. (IV, 236 S.)

gr. 8°. = Neutestament!. Abhandl. I. Bd., H. 1/2.

Rm. 9—; geb. 10.50.
Diese zuerst 1908 erschienene Streitschrift des bekannten katholischen
Neutestamentiers gegen Harnacks These, daß „die Mission
nicht im Horizonte Jesu gelegen habe", vertritt im wesentlichen den
traditionellen Standpunkt, den Meinertz so beschreibt (S. 14): „Jesus
hat von vornherein an die ganze Menschheit gedacht. Er fühlte sich
persönlich jedoch nur zum auserwählten Volke gesandt und beschränkt
sich darauf, die Apostel allmählich zu weltweiten Gedanken zu erziehen
, um ihnen erst nach der Auferstehung den Sendungsbefehl zu